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hersfelöerTageblatt hersfel-er Kreisblatt Amtlicher Mzeiger für den Kreis Heesfelö mit Sea Brllagsrr: IllsS-lettes AaLerhattaagsbratt / Nach FriersbMS / Herd aa® Gchslls / DelehruKZ ag& Kmzmeü / WiEskEUGe ZEgestrsgeK.

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Nr. 9 jErftes Blatt)GonnabenS, den 11. Januar 1930

80. Jahrgang

Versailles und Haag.

Wahnsinn und Ahnungslosigkeit. Das Sanktionsrecht. Das dunkle Tal des Mühsals.

' Einen Augenblick sollte man stillstehen, einen Augen­blick sollte man den Schritt hemmen: zehn Jahre gerade sind vergangen, seit das Versailler Diktat in Kraft trat. Seit die Bestimmungen Wirklichkeit wurden, die an- zunehmen Deutschland durch die Gewalt der Bajonette seiner Gegner gezwungen worden ist. Seitrechtens" wurde, daß große Teile Deutschlands vom Mutterleibe der Heimat abgerissen wurden, seit dieser Leib zerschnitten worden ist durch das Mißgebilde des polnischenKorri­dors". Seit auf dem Marktplatz in Danzig zum letzten­mal deutsche Truppen standen. Was Siegerwahnsinn und Ahnungslosigkeit über alles Deutsche vor zehn Jahren in Versailles bestimmte, ist Wahnsinn und bleibt Ahnungslosigkeit. Man braucht gar nicht so sehr Gewicht darauf zu legen, daß ja das Versailler Diktat auf» gebaut sei auf der angeblichen Schuld Deutschlands und feiner Verbündeten am Ausbruch des Weltkrieges, daß sie alle darum verpflichtet seien, alle Schäden wieder gutzu- machen, die aus dieser Schuld entstanden seien, sondern, entscheidend ist, daß die Unterschrift unter jene Bestim­mungen erfolgt ist angesichts der Truppenmassen, die bereitstanden, nach Deutschland hineinzumarschieren, Deutschland zu besetzen und zu zerstückeln, wenn seine Regierung sich weigern würde, unter jene Diktaturbestim- mungen die Unterschrift zu setzen.

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Und gerade jetzt, da zum zehnten Male der Tag der Geltung des Versailler Diktats vorübergegangen ist, ent­brannte ja auch auf der Haager Schlußkonferenz der Kampf darum, ob eine der übelsten Bestimmungen des Werkes von 1919, das S a n k t i o n sr e ch t", bestehen- bleiben soll, obwohl im Vertrag von Locarno ausdrücklich gesagt ist, daß wie der Artikel 2 dieses wirklich freiwillig abgeschlossenen Übereinkommens lautet ein Eindringen in bnS lÄpfiiet hp& ^orirnngbni^trer^ mh mitttärHmon Kräften ausaesHsossen sein soll. Leioer ist aber im Haag gerade von dieser so feierlich getroffenen und beim Völker- - blind registrierten, außerdem noch durch Englands Garantie gestützten Vereinbarung bisher noch gar nicht d-e Rede gewesen, sondern Frankreich kehrt zu dem zurück, >vM nur das gelten lassen, was vor zehn JahrenRecht" wurde. Daß also militärische Zwangsmaßnahmen nur die Ohnmacht Deutschlands verhindert es, daß daraus ein Krieg entstehen würde Platz greifen, möglich,erlaubt" sein sollen, wenn Deutschland den Young-Plan angeblich oder wirklich nicht erfüllen will. Entscheidend ist und bleibt bei diesem Plan, der in einen Vertrag zwischen Deutsch­land und den Gläubigerstaaten ausmünden soll, doch immer nur das eine: freiwillig bekennt sich Deutschland zu den darin niedergelegten Zahlungsverpflichtungen, frei­willig zu der Grundlage, auf der jeder Vertrag,-jede Ver­einbarung beruht, zu Treu und Glauben also. Und darf d' -wegen auch verlangen, daß dieser Vertrag hinsichtlich feiner Durchführung nicht mit anderen, besonderen Schutz­bestimmungen umhegt wird, wie jede andere völkerrecht- 8ch gültige Vereinbarung irgendwelcher Art. Das war ja doch auch Sinn und Zweck des Vertrages von Locarno, war Sinn und Zweck der gesamten Politik Stresemanns, ist auch bestimmend für das Verhalten und die Arbeit der deutschen Delegation im Haag. Nach zehn Jahren gilt es eben herauszukommen aus dem Geist des Versailler Diktats.

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Wi.ischafilich finanziell ist ja in diesen zehn Jahren aas jenem Geist herauszukommen vielfach möglich ge­wesen. Aber doch nur mit der Wirkung, daß Deutschland dieses Herauslösen teuer genug bezahlen mußte. Während Frankreichs Wirtschaft die Kriegsfolgen längst überwunden hat, sich höchster Blüte erfreut, Arbeitslosigkeit überhaupt nicht kennt, sogar erfolgreiche Anstrengungen machen kann, unabhängig zu werden von der wirtschaftlich-finanziellen Gebundenheit an Amerika, ist diese Abhängigkeit Deutsch­lands ganz unbedingt geworden. Wir können nur durch die Ltilfe von außen her heraus aus unserer Wirtschafts- not Dies und auch der Kamps Dr. Schachts und um ihn ist ja nur eine Folge der Entwicklung, die die Dinge in den zehn Jahren nach Versailles genommen haben. Der Reichsbankpräsident weiß natürlich auch ganz genau, daß die Hilfe von außen her notwendig ist, doch will er Diese Notwendigkeit zurückführen auf das geringst mögliche Maß, will die Selbsthilfe diese aber wieder auf das höchst Mögliche emporgezwungen in den Vordergrund stellen. Für ihn ist ja die bitterste Erfahrung dieser zehn Jahre, die Inflation, erster und wichtigster Richtpunkt seines Handelns. Er hat es ein bißchen unbequemer als sein französischer Kollege, der sich vor Gold und Devisen kaum zu retten weiß. $

Vor zehn Jahren hat ein deutscher Reichskanzler ein­mal von demdunklen Tal des Mühsals" gesprochen, durch das auf lauge, lange Zeit hinaus der Weg des deutschen Volkes gehen würde. Wie richtig dieses Wort war, hat Deutschland zu jeder Stunde spüren müssen, merkt es an seiner schweren wirtschaftlichen Not heute nicht minder stark. Aber wir haben den Willen und die Kraft be­sessen, diesen Weg zu gehen, zehn Jahre hindurch. Und wir besitzen den Willen und hoffentlich auch die Kraft, diesesdunkle Tal des Mühsals" bis zu seinem Ende zu , durchmessen. Dr. Pr.

Bewegung im Kreise

Das

Keine

Seit Tagen

Haager Ringen

wesentliche Förderung.

nun schon dreht sich das Suchen der im Haag versammelten Mächte um einen Punkt, gleichsam im Kreise herum, ohne daß man einer Lösung wesentlich näherkommt. Freitag vormittag traten die deutschen Reichsminister Curtius und Wirth abermals mit

den französischen Ministern T a r d i e u und Briand zusammen, um die Behandlung der von Frankreich aus- geworfenen Frage, welcher Zustand eintrete, falls eine zukünftige deutsche Regierung das Haager Abkommen zerreiße, weiterzubringen. Die Besprechungen, die längere Zeit andauerten, ergaben aber kaum ein wesentliches Er­gebnis. Die beiderseitigen Vertreter unterhielten sich längere Zeit. Offensichtlich ist es nicht ganz klar, ob es sich mehr um eine politische oder um eine juristische An­gelegenheit handelt.

Die französische Seite weist immer wieder auf eine gewisse Propaganda in Deutschland hin, die im voraus gegen die etwaigen Haager Schlutzabmachungen die öffentliche Meinung aufzubringen suche. Frankreich will rechtliche Festsetzungen für den Fall einer absichtlichen Vernichtung des jetzt zu beschließenden Aoung-Planes.

Die deutschen Vertreter halten demgegenüber daran fest, es sei dringend notwendig, eine erneute Bestätigung des Vertrages von Versailles in seinem schlimmsten Punkte, nämlich dem Sanktionsrecht, zu ver­hindern. Sie könnten unmöglich jetzt zehn Jahre später nach Inkrafttreten des Noung-Plans solchen Bestim­mungen noch zustimmen.

Französisches Entgegenkommen.

Ob es etwa ein französisches Entgegenkommen be- schriftlichen Feststellung begnügen wollen, in der Die Rechtsauffassungen beider Teile für den von ihnen an­gedeuteten Fall in Übereinstimmung gebracht würden,

50 Millionen Rebstöcke vernichtet.

Katastrophale Frostschäden am pfälzischen Weinbau.

Im Haushaltsausschuß des Bayerischen Landtages teilte bei der Behandlung einer Eingabe um weitgehende Hilfsmaßnahmen für den Weinbau wegen der katastrophalen Frostschäden im letzten Winter der Land­wirtschaftsminister mit, in der Pfalz seien durch den Frost 3000 Hektar Weinberge und 400 Hektar Jungfelder derart beschädigt worden, daß sie neu angelegt werden müssen. Rund 50 Millionen Rebstöcke seien vernichtet. Im Hin­blick auf die Notstände in der Pfalz sei die Landesregie­rung mit der Reichsregierung in Verhandlungen einge­treten, um eine allgemeine Hilfe vom Reich in Rahmen des Landwirtschaftlichen Notprogramms zu erwirken. Der Gedanke, zugunsten der Winzer die Weinsteuer wieder einzuführen, wurde von allen Seiten entschieden bekämpft. ,

Aushebung der Wohnungszwangs- wirischast abgelehni.

Die Wohnungsämter noch nicht entbehrlich.

Der Wohnungsausschuß des Preußischen Landtages beriet am Freitag Anträge der Wirtschaftspartei auf Aufhebung der Gesetze über die Wohnungszwangswirt- schaft, nämlich des Wohnungsmangelgesetzes, des Reichs- mietengesetzes und des Mieterschutzgesetzes. Nach leb­hafter Aussprache bekundete ein Vertreter des Wohl­fahrtsministeriums die Auffassung, daß die Wohnungs­ämter noch nicht entbehrt werden könnten. Alle dahin­gehenden Anträge wurden schließlich abgelehnt.

Die deutsch-polnischen GeireideverhanSlungeü.

Gemeinsame Richtlinien aufgestellt.

Die Verhandlungen der Vertreter der deutschen und der polnischen Getreidewirtschaft haben zur Aufstellung gerne n» samer Richtlinien für die zukünftige Organisation des ^loggeneümrtg geführt. Die deutschen Unterhändler sind wie­der nach Berlin zurückgekehrt, um den zuständigen Stelle» Be­richt zu erstatten. Das Zustandekommen einer praktischen i- gung hängt jetzt von der Änderung der bisherigen poln it Exportorganisation ab, mit der in den hiesigen landwirn et­lichen Kreisen und Konsumentenorganisationen immer stä ere Unzufriedenheit geäußert wird. Die deutsch-polnischer, Be­sprechungen in Warschau sollen Ende nächster Woche fortge­setzt werden.

Schweres Kraftwagenunglück in Holland.

Die Eltern und sich selbst in den Fluß gefahren.

Wie aus Amsterdam berichtet wird, hat sich in dem Dorfe Sloten bei Amsterdam ein schweres Automobilunglück ereignet. Ein 37jähriger Landwirt, der mit feinern Vater und seiner Mutter aus der Stadt vom Markt zurückkehrte, wollte mit seinem Auto die Brücke bei Sloten überqueren, ohne zu bemerken, daß sie für den Schiffsverkehr geöffnet war. Das Auto zertrümmerte die Schranke und stürzte ins Wasser, wobei der Besitzer und seine Mutter ertranken, während der Vater gerettet werden konnte.

muß dahingestellt bleiben. Schwierig erscheint von vorn­herein das Verlangen einer streng abgewogenen juri­stischen Formulierung, wenn auch anerkannt werden kann, daß der Standpunkt der Gegenseite hier wie dort mit Aufmerksamkeit angehört wird. Die Franzosen er­blicken schon ein Entgegenkommen ihrerseits darin, daß die Tätigkeit der Reparationskommission mit dem In­krafttreten des Noung-Plans Deutschland gegenüber auf- höre, zumal in letzter Instanz ja das höchste Schieds­gericht, der Haager Gerichtshof, entscheiden solle.

Snowden.

Neuerdings erregte es einiges Aufsehen, daß auch der englische Schatzkanzler Snowden sich dem französischen Verlangen gegenüber ziemlich willfährig zeigte. Er drückte seine Überraschung über den fortgesetzten deutschen Wider­stand aus. Für das glatte Arbeiten sei diese Hartnäckig­keit nicht sehr förderlich. Es müsse recht bald eine endgültige Antwort erteilt werden, wenn auch er, Snow­den, etwaige Sanktionsbestimmungen in keiner Form an­erkennen werde.

In der Frage der deutschen Zahlungstermine, die unter Umständen einen Verlust von 80 Millionen Mark Zinsen monatlich für Deutschland bedeuten, ist man eben­falls nicht sehr viel weitergekommen. Die Kommissions­verhandlungen über die Anpassung des Uoung-Planes an den deutsch-amerikanischen Vertrag wurden noch nicht ab­geschlossen und die Sachverständigen sollen zunächst noch­mals ihr Urteil abgeben.

Curtius und Briand nach Genf.

Zur beginnenden Völkerbundkonferenz in Genf reiste der französische Außenminister bereits Freitag ab. Er will von dort zur Flottenkonferenz nach London gehen, VoräüssicytilH" reistvbeY'vbe^ Göttin Curtius Sonnabend oder Sonntag nach Genf und kehrt Mittwoch nach dem Haag zurück.

Chinesische Treibereien gegen Deuischlanö

u n w a h r e Behauptungen.

Die in Schanghai erscheinende revolutionär ein­gestellte ZeitungEvening News" veröffentlicht eine gegen Deutschland gerichtete Erklärung, deren Urheberschaft dem Führer der äußersten Linken, Wang Sching Wei, zuge­schrieben wird. Die Erklärung, die die Überschrift trägt: Eine Warnung an Deutschland", enthält folgende Stellen: Es ist eine Tatsache, daß zahlreiche deutsche militärisch« Sachverständige dem General Tschiangkaifchek bei seinen verschiedenen Unterdrückungsfeldzügen zur Seite gestanden haben. Es wird angenommen, daß diese deutschen Ossi- ziere von der deutschen Regierung für die Verwendung in China empfohlen worden sind, und zwar nicht als Rat­geber der nationalistischen Regierung, sondern als persön­liche Werkzeuge Tschiangkaischeks bei der systematische« Vernichtung der Kuomintang. Deutschland verschickt groß« Mengen Waffen, Munition und Tanks und verletzt da­durch den Versailler Vertrag. Jedes loyale Mitglied de, Kuomintang und das gesamte chinesische Volk könnten nicht gleichgültig der schrecklichen Art und Weise, auf die Hun­derte chinesischer Soldaten als Opfer deutscher Giftgas- angriffe bei Kanton gefallen sind, gegenüberstehen. Die deutschen Sachverständigen haben es gewagt, das, was daZ Völkerrecht zwischen zwei Nationen verbietet, gegen chine­sische Soldaten zur Anwendung zu bringen. General Tschiangkaifchek stehen 26 deutsche militärische Berater zm Seite, darunter Oberst K r i e b e l, der Tschiangkaifchek bei dem letzten Feldzug ständig begleitet hat."

Es ist natürlich gänzlich erfunden, daß die deutsch« Regierung irgendeiner chinesischen Stelle Offiziere und Waffen zur Verfügung gestellt habe. Ehemalige deutsche Offiziere sind zweifellos nach dem unruhigen China gegangen, sie standen dabei nicht in der geringsten Beziehung zur deutschen Regierung. Der genannte Oberst K r i e b e 1 kämpfte seinerzeit lange gegen die republika­nische deutsche Regierung, u. a. beim Hitlerputsch in München, und wanderte von dort mit Gesinnungs­genossen nach China aus.

Kriegsmaterial ist nach China sowohl von Dampfern anderer Länder als auch von deutschen Dampfern befördert worden. Es besteht für Deutschland keine Möglichkeit, das zu verhindern, nachdem das Gesetz über die Waffeneinfuhr nach China aufgehoben worden ist, ebenso wie in anderen Ländern entsprechende Verbote aufgehoben wurden. Es ist bekannt, daß dieses Kriegsmaterial, auch wenn es von deutschen Schiffen eingeführt wurd^, nicht aus Deutschland stammt, sondern in anderen Ländern fabriziert wurde.

KlWt!mgssied!ung in Ostpreußen?

Besprechung mit Reichskommissar Stücklen in Königsberg.

Im Oberpräsidium in Königsberg fand eine längere Unterredung zwischen dem Reichskömmissar Stücklen und dem Oberpräsidenten S i e h r und einer Reihe von anderen Be- Hördenvertretern über die Möglichkeit einer Unterbrin­gung von deutschen Rückwanderern aus Rußland in O st - Preußen statt. Die Unterredung hatte informatorischen Charakter.