Einzelbild herunterladen
 

Keksfel-erTageblatt

^eigtnprd«: Bit tfafraWB« prütztN» 15 vfdnnlm die Reklamrzrll» 50 Pfennig. (Grün-schrift Korpus). Bei Wle-erholungrn wird ein entfprrÄenürr preis» KachlaK gewährt. Kür ölt Gchristleitung ottanf» wörtlich: Kranz Zunk In Hersfelö. Kernfprecher Nr. 8

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Mnzeiger für den Kreis Hersfelö

monatt^tt SQUBiDtelsj durch die Post bezogen 1^0 Relchs-NlarS, ausfchllrßlich BtfttiVlö, für siersfelS 1.20 Reichsmark bei freiem Meäu^, ^$t Abholer 1.00 Rtichr-Mark. druck und Derlag von Luowtg Zonks vuchöruckerel In yersfelö, Mitglied »ee vdM.

mit des Beilagsa: IlluArieries ArrEerhalLaagsdiatt / Nach Feiersbenö / Herd voS Scholle / Anterbs toua und Wissen Belebroaa aaS Kurzweil / WiELaftliche TaseesreLea

Nr. 10

Montag, den 13. Januar 1930

80. Jahrgang

Zwischen Genf und Haag.

^..^öentlich sollte die jetzt anhebende Sitzung des «^^"udrates Stoff zu ausgiebigen Betrachtungen und Rückblicken geben; denn es ist am 16. Januar gerade zehn Jahre her, als imUhrensaal" des französischen Außen- miNistermms in Paris, von Wilson einberufen, die erste Sitzung des Rates stattgefunden hat. Sie war nur von sehr kilrzer Dauer, nur ein paar Reden wurden gehalten, darunter allerdings über zwei Fragen, die noch heute dem Völkerbundrat Stoff zur Debatte geben. Allerdings nicht für solche Auseinandersetzungen vor den Kulissen, sondern zu den viel beliebteren unter Ausschluß der Öffentlichkeit. So wird man denn auch diesmal in Genf reichlich Gelegenheit nehmen, über akute Fragen der wirk­lich großen Politikfern von Madrid", also geschützt vor der Neugierde unberufener Zeitgenossen, allein zwischen den maßgeblichen Staatsmännern zu debattieren, so vor allem über die Streitfragen, die noch hinsichtlich der bevor­stehenden Londoner See-Abrüstungskonferenz mehr als reichlich vorhanden sind.

Auf der Tagesordnung selbst stehen ungefähr die­selben Fragen und Streitigkeiten, die keineswegs mit dem Reiz der Neuheit umkleidet die Genfer Tagungen jedesmal seit Jahren beschäftigen: ungarisch-rumänischer Optantenstreit, der übrigens auch im Haag eine große Rolle spielt, polnisch-deutsche Minderheitsfragen aus Oberschlesien usw. Man weiß, daß dabei doch kaum etwas herauskommt, ein Glaube, der am wenigsten dadurch er­schüttert wird, daß der polnische Außenminister Zaleski in dieserJubiläumssitzung" präsidiert. Mit ihm wollte ja eigentlich der deutsche Außenminister Dr. Curtius Ver­handlungen über einzelne Teile des deutsch-polnischen Ab­kommens anknüpfen, ist aber an der Reise nach Genf durch die Ereignisse auf der Haager Konferenz verhindert worden, so daß als Vertreter aber eben auch nur als Vertreter der deutsche Staatssekretär Dr. Schubert den Versuch machen wird, mit den Polen irgendwie weiter- zukommen. Interessant kann aber werden, was Eng­lands Vertreter über die blutigen Vorkommnisse in Palästina einem englischen ..Mandatsgebiet" 6» Ingen .hab,... werde«. Beim Borkexonnv besteht ein Mandatsausschuß und man will ihn in Bewegung setzen, um endlich Frieden und Ordnung in das recht unheilig gewordeneHeilige Land" zu bringen.

*

Das Ausland ist selbstverständlich mehr an der großen politischen Frage der See-Abrüstung, also an Gens interessiert als an das, was zurzeit im Hang vor sich geht. Für uns Deutsche liegen die Dinge natür­lich umgekehrt, besonders da sich dort die Verhandlungen jetzt auf die wirklich entscheidenden Fragen zugespitzt haben und das in einer Form, die recht unerfreuliche Begleitumstände zeitigte. Man ist ja von Herrn Snowden, dem Schatzkanzler in der englischen Regierung, eine gewisse politischeH e in d r ä r m e l i g k e i t" bei internationalen Verhandlungen, nicht zuletzt im Haag selbst, gewöhnt. Den Deutschen gegenüber leistete er sich diesmal wieder eine Art des Auftretens er warf ihnen, wie Tardieu schon früher einmal, Verschleppungstaktik, Verhandlungsunfähigkeit usw. vor, drohte mit einem Ultimatum, lud ein, doch den Dawes-Plau beizubehalten, wenn die Deutschen nicht nachgeben wollen, daß Dr. Curtius sich zu einer ganz unzweideutigen Antwort ver­anlaßt sah: wenn sich die deutsche Delegation gewissen Forderungen nicht beugen wolle, so nur deshalb, weil diese über den Uoung-Plan hinausgehen. Eine ganze Reihe von Vorschlägen der auf der ersten Konferenz ein­gesetzten Kommissionen sei jetzt von der Gegenseite ab« gelehnt, neue seien vorgebracht worden, deren Annahme man nun einfach von Deutschland verlange. Die deutsche Delegation verfahre selbständig, habe Dr. Schacht nur als Sachverständigen für die jetzt einsetzende Beratung der Statuten für die Internationale Bank und für die Reichs­bank nach Haag berufen, und zwar auf ausdrücklichen Wunsch der Gläubigerstaaten. Daß Tardieu bei diesem Vorstoß Snowdens sekundierte, fällt kaum auf.

*

Gerade von der Gegenseite ist nun aber zu den drei noch strittigen Punkten zu welchen Monats­terminen soll Deutschland zahlen? Wie soll nach einem etwaigen M o r a t o r i u m die Zahlung der in­zwischen ausgelaufenen Summen erfolgen? Wie steht es mit dem S a n k t i o n sr e ch t", das Deutschland den Franzosen ausdrücklich zubilligen soll für den Fall, daß es den Uoung-Planzerreißt" weiterhin noch ein vierter Komplex in die Verhandlungen hineingebracht werden, und zwar ein solcher von allergrößter Wichtigkeit: Deutschland soll sich verpflichten, den internationalen Geldmarkt so lange nicht für langfristige Kredite oder An­leihen irgendwelcher Art in Anspruch zu nehmen, bis dort die erste internationale Anleihe an; Grund eines Teiles der deutschen Noung-Plan-Zahlnngsverpflichtungen glück­lich untergebracht ist, diese Zahlungen also teilweise mobilisiert" oderprivatisiert" sind. Ob nun dieseAb­stinenz" nur für das Reich und die deutschen Länder oder ob auch für die Kommunen und die deutsche Privatwirt­schaft gelten soll, ist noch unbestimmt. Aber auch schon für den im Juni fälligen Überbrückungskredit des Reiches im Betrage von 200 Millionen wäre diese Versperrung des ausländischen Kreditmarktes 'ebenso verhängnisvoll wie für die Hereinnahme der 125-Millionen-DoÜar-Anleihe, die uns vom schwedischsen Zündholztrust Jvar Krengers gegeben werden soll, um nur das Wichtigste des mit dieser neuen Forderung der Gegenseite angeschnittenen Problems zu berühren.

Störungen im Haag

Lurtius reiste nicht nach Genf.

Schwierige Auseinandersetzungen.

Bei dem Fortgang der Verhandlungen im Haag er­folgte eine derartige Zuspitzung der Gegensätze, daß der deutsche Reichsaußenminister Dr. Curtius, dessen Abreise nach dem Haag schon festgesetzt war, auf diese verzichtete und es für richtiger hielt, bei den Konferenzverhandlungen zu verbleiben, um die deutschen Interessen zu wahren. In Vertretung Dr. Curtius' begab sich Staatssekretär Dr. von S ch u b c r t mit seinen Mitarbeitern vom Haag nach Genf, um Deutschland auf der beginnenden Ratstagung zu ver­treten.

In den überaus prekär gewordenen Besprechungen betreffend die Sanktionsfragen konnte keine Einigung der verschiedenen Ansichten der Minister erreicht werden, obwohl die Erledigung gerade dieser Angelegenheit als äußerst dringend bezeichnet wurde. Dieses Ereignis gab die Ursache für das Aufgeben des Genfer Planes durch Dr. Curtius ab.

Frankreichs Bestrebungen.

Der jüngste von Frankreich ausgegangene Versuch zur Sanktionslösung soll auf folgendem Gedankengang be­ruhen: Zunächst werde förmlich und feierlich erklärt, daß die Gegenseite volles Vertrauen in die Erfüllung der von Deutschland einzugehenden Verpflichtungen habe. Danach

Ein englisches Blatt veröffentlicht obige Karikatur zur Haager Konferenz. Die Konferenz ist als Gerichtsszene Dar» gestellt. Am Richtertisch sitzen die Führer der Delegationen (von links) Frankreichs lBriand), Großbritanniens (Snow- oen), Italiens (Moseoni) und Japans lAdatschi). Den Vor­sitz führt der belgische Außenminister Jaspar (mit dem Hammer). Dem Richtcrtifch gegenüber steht in derRepara- tionsanklagcbank" Der Vertreter Deutschlands, der wohl der Reichswirtschaftsminister Schmidt sein soll. Darunter der Text: Richter Snowden (zu dem Gefangenen):Passen S:e auf! Wir haben genug von Ihren Argumenten! Komme» Sie sofort an den Richter lisch und helfen Sie uns, das Urteil über Sie aliszuarbeism"

tou Der Aoung-Plan seine etwaig notwendig werdenden Verbesserungen in sich selbst tragen. Aber genau müsse präzisiert werden, wie der nicht »orauszusetzende Aus- nahmefall einer Zerreißung des Uoung-Abkommens durch eine künftige deutsche Regierung zu berücksichtigen sei. Das Haager Internationale Schiedsgericht sei berufen.

Reichspräsident und Reichsbanlpräsident.

Das neue Reichsbank statut.

Das Organisationskomitee im Haag hat das künf­tige R e i ch s b a n k st a t u t einstimmig beschlossen. Es tritt in Kraft bei Zustandekommen des Haager Ab­kommens.

Das neue Reichsbankstatut beruht auf drei Grund­sätzen, dem Wegfall der ausländischen Kontroll­organe, der Unabhängigkeit der Reichsbank und der Aufrechterhaltung der Münzparität. Diese Grundsätze bildeten auch die Richtlinien für die Arbeiten des Organisationskomitees.

Gegenüber der bisherigen Regelung, wo der R e i ch s- Präsident nur ein formales Vetorecht gegenüber der Ernennung des Reichsbankpräsidenten hatte, wird dieses Recht jetzt in ein echtes und wirkliches Recht umgewandelt. Dies gilt auch für die Berufung des Reichsbankpräsidenten und für die Ernennung seines Mandats um weitere vier Jahre.

Reichsbankpräsident Dr. Schacht hat sich nachdem Haag begeben, um dort den Verhandlungen des Sachver- ständigenkomitees für die Bank für internationalen Zah­lungsausgleich beizuwohnen.

GiahZhelm unO ReMsausHzH.

Der Beschluß des Bundesvorstandes des Stahlhelms.

Die Pressestelle des Stahlhelms teilt mit:Am zehnjähri­gen Gedenktag der Vertnechiung, gegen die das bisherige System einen ernsthaften Freiheitskampf nicht geführt hat, ruft der in Magdeburg zugleick mit der ersten großen Jungstahl-

einen derartigen Fall festznstellen, und nach dieser Fest­stellung würden alle Rechte des früheren Vertrages Vor­behalten bleiben. Deutschland müsse eine Gegenerklärung abgeben, daß seinerseits der erwähnte Fall nicht vor­gesehen werden könne, da ein feierlich eingegangenes Versprechen gehalten werden müsse, gleichviel, welche Re­gierung am Ruder sei. Die Franzosen haben aber an­scheinend noch einen Zusatz verlangt, wonach die Schluß­folgerungen und Maßnahmen ihnen gewissermaßen an­heimgestellt und von Deutschland jedenfalls nicht als eine kriegerische Maßnahme betrachtet werden würden.

Snowdens Ungeduld.

Unter Berücksichtigung der vorstehenden Sachlage begann Sonnabend die Besprechung der Minister unter ziemlicher Spannung. Es wurde keine Einigung erzielt und der französische Finanzminister Cheron beklagte sich über die deutsche Hartnäckigkeit. Er wurde dabei von dem englischen Schatzkanzler Snowden unterstützt, der bemerkte, man müsse doch endlich einmal zu Ende kommen, und könne nicht noch etwa bis Weihnachten 1930 im Haag auf die deutsche Entschließung warten.

Die deutsche Erwiderung.

Reichsaußenminister Dr. Curtius erwiderte daraus, es könne keine Rede von einer Verschleppung deutscher?. tS sein. Deutschland habe aber den Doung-Plan gegen äse Versuche, ihn abzuschwächen oder zu verschlechtern, zu ver­teidigen. Der deutsche Minister gab aber zu sämllnten noch vorliegenden Streitigkeiten eine mündliche Erklärung ab, deren schriftliche Festlegung von den Verhandlungs- gcgnern erbeten wurde.

Die deutsche Delegation begann alSbald nach der nun abgebrochenen Sitzung mit der Fixierung dieser schrFt- lichen Darlegung. Nachmittags sollte sie übergeben werden und gegen Abend sollte eine erneute Ätinisterkonserevz b-- , nittneu. WüWend diezer -^err^ya1 re ur. E n r kr» s i .e Besprechung mit dem französischen 9.K n Tardieu über die Sanktionen.

Gin Kompromiß im Haag auf dem Marsch.

Snowden gibt nach.

Im Laufe der Sitzung der Gläubigermächte mit den deutschen Vertretern am Nachmittag gab zunächst der eng­lische Schatzkanzlcr Snowden, in Beantwortung der Vormittagserklärungen des Reichsaußenministers Dr. Curtius, seinerseits eine betont entgcgenkom - mende Erklärung ab, in der er der Haltung der deutschen Minister, insbesondere des Finanzministers Moldentzauer, seine Anerkennung aussprach. Der Zwischenfall von Vor­mittag wurde damit als erledigt angesehen.

In der weiteren Sitzung wurden von den acht offenen Streitfragen sodann fünf Punkte endgültig erledigt. Es sind dies 1. die Anpassung zwischen dem deutsch-amerika­nischen Reparationsabkommen und dem Uoung-Plan, 2. die Liquidationsverträge mit den Gliedstaaten des briti­schen Weltreiches mit Italien und anderen Staaten, 3. das neue Eisenbahngesetz, 4. die zinslose deutsche Einlage für die B. I. Z., 5. das negative Pfandrecht.

Offen sind nunmehr noch folgende Streitfragen: 1. der Z a h l u n g s t e r m i n der deutschen Monatsraten, 2. die Mobilisierung der Jahreszahlungen, 3. der Zahlungsaufschub, 4. das Sanktionsrecht.

Zum Montag nachmittag 4 Uhr ist eine neue Sitzung der sechs einladenden Mächte einberufen worden, in der die drei offenen Streitfragen behandelt werden sollen.

yelmführertaguug versammelte Bundesvorstand des Stahl­helms, Bund der Frontsoldaten, die Nation zum Kampf u m den tödlich bedrohten Osten auf.

Es wurde einmütig folgender Beschluß gefaßt:Der Bundesvorstand des Stahlhelms, Bund der Frontsoldaten, billigt die Aufrechterhaltung des Reichsaus- s ch u s s e s und sieht in ihm den unentbehrlichen Ausgangs­punkt der gesamten weiteren Freiheitsbewegung. Er ist über­zeugt, daß diese Front sich zur großen nationalen Rechten er« wettern wird.

Bei den bevorstehenden Kämpfen um Staats-, Ver- fassungs- und Wirtschaftsreform wird der Stahlhelm auf Grund seiner unverändert überparteilichen Einstellung seine alten Kampfziele, an erster Stelle die Befreiung der Staats- sührung, verfechten."

Evangelischer Kirchensenat in Preußen.

Die Kirchenvertragssrage.

Der Kirchensenat der evangelischen Kirche der alten preu­ßischen Union war am 9. d. M. in Berlin versammelt. Die Sitzung stand im Zeichen der Generalsynode, die am 22. Fe­bruar Zusammentritt. Der Kirchensenat beriet den Entwun eines Gesetzes, durch das der Kirche neue Möglichkeiten zur Erfüllung ihrer sozialen Ausgaben eröffnet werden. Ein wei­terer Gesetzentwurf über die Ordnung des kirchlichen Lebens fand Annahme. o.

über den Stand der Kirchenvertragssrage wurde eingehend berichtet. In der anschließenden Erörterung wurde erneut festgestellt, daß die evangelische Kirche bei den Ver­handlungen aus die Wahrung der grundsätzlichen Parität entscheidendes Gewicht legen müsse, nicht bloß in finanzieller Hinsicht, sondern ebenso in bezug aus die sonstigen von der Generalsynode erhobenen Forderungen.