Einzelbild herunterladen
 

HersfelöerTageblatt

hersfeSöLk Kreisblatt

Amtlicher /inzeiger für den kreis Hersfelö mit Den Beilagen: Illustriertes Auterhaltungsblatt / Nach AeierabenS / Herd und Scholle / Anterbaltuag und Wlsfev

Monatlicher Lczugyrel»: durch die Post rrzogra l^S Reichs-MarS, aasMrßlich vrstcllgrld, für stersfel» 1.20 Reicha-Mark bei Mer Zr,'!^^u>.^, Dr Kbholer 1.00 Rtlcht-Mark. druck und vertag von Ludwig | Zank» Vuchdruckerei in Herofeld, Mitglied der VdZV.

Ängtigopetto: Bit tfnfrofttgt Petttzell» 15 Bftnnta, Öh rMamezrll» 50 Pfennig. (Grunüschrlst Korpus). Bei Mr-erholungen wird ein entsprechender Preis­nachlaß gewährt. Zür die Schriftleitang oerant- «ortlich: Kranz Zank in yrrsstlü. Kernsprecher Nr. 8

Belehrung und Kurrweil / WirttÄaMiGe Tagesfrsgeu ______

Nr. 14 Freitag, den 17. Januar 1930 80. Jahrgang

MeSerzuckungen.

Riesenhoch ist die Welle der Arbeitslosigkeit an­geschwollen und weit über zwei Millionen Erwerbsloser finden keine Beschäftigung. Sie wächst noch immer höher, diese Welle und überschlägt sich erfahrungsgemäß nach der Politisch-radikalen Seite hin. Zahllos sind die Straßen- und sonstigen Tumulte, die entstanden sind, weil in den Stadtparlamenten Anträge auf besondere Zuwendungen an Arbeitslose gestellt wurden, in der Regel aber aus Mangel an Mitteln abgelehnt werden mußten. Es ist nicht allzu schwer, mit solchen Anträgen, mit der steigenden Arbeitslosigkeit die von ihr betroffenen Massen auf die Straßen zu bringen, aber dann entgleiten oft die Scharen sehr bald den Händen der Führer. Was dann geschieht, haben wir in letzter Zeit in schier un­zähligen Fällen erlebt: von den tätlichen Angriffen auf Andersdenkende bis zum Landfriedensbruch demon­strierender Massen, denen die Polizei entgegentreten mußte, und die nicht bloß Steine als Waffe benutzten. Schlagring und standfestes Messer sind ja heute zu all­gemein beliebten Waffen im politischen Kampf geworden, und wenn man sonst nichts hat, tritt der Stiefelabsatz in Aktion. Leider fehlt es auch nicht an Schußwaffen und man hat alle Veranlassung, darüber zu klagen, daß das an unb für sich sehr scharfe und eindeutige Gesetz über den Waffenbesitz leider längst nicht die beruhigende Wirkung ausgeübt hat. die man sich von ihm versprach. Wie wenig, beweisen dies ja besonders die jüngsten Er­eignisse in Worms und in Chemnitz. Und in Berlin ist die Pistole in der Hand politisch Radikaler durchaus kein seltener Gegenstand.

Aber: Salus publica suprema lex, das öffentliche Wohl ist oberstes Gesetz. Und Aufgabe des Staates ist es, dieses ' öffentliche Wohl mit seinen Machtmitteln zu schützen und zu verteidigen. Ein demokratischer Staat, dessen Grund- Joge her Mebrheitswille des Volkes ist, bat diese- Macht­mittel überall da einzusetzen/wv der iurü«^ ir^^ifir rechtigte politische Wille der Minderheit herausbricht aus dem Wege von Gesetz und Recht. zur Diktatur werden will, die. um sich durchzusetzen, zu den Mitteln der Gewalt greift. Dadurch kommen wir in Deutschland ganz gewiß nicht aus der Not heraus, das steigert vielmehr noch die Bedrängnis, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Mit Gewalt, mit Zaunlatten, Steinen, Pistolenschüssen anzu- rennen gegen die Träger der Staatsantorität ist das wirkungsloseste Mittel, die Massen aus der Not, der Be­drängnis, den wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu befreien. Derartige Hoffnungen sind phantastisch: dennhart im Raume stoßen sich die Sachen". Und diese harte Wirklich­keit ist auch stärker als jedes, auch das verständigste und verständlichste Wünschen. Mit dem Kopf durch die Wand ist noch niemand gekommen, weil die Wand härter zu sein pflegt als der Kopf.

Es kommt darauf an, die Ursachen dieser Zuckungen auszntilgerr. Ursachen, die eben in allererster Linie wirt­schaftlicher Art sind. Alles muß an den Versuch gesetzt werden, den Boden zu s a n i e r e u , auf dem allein radi­kal-politisch diese Entwicklung emporwachsen konnte. Das ist der Kern des Problems, wie der Volkskörper von diesen Zuckungen geheilt werden kann, ehe sie noch schlimmer werden, zum Niederdruck) führen, zur Epidemie werden können.

Auf ein gütigesSchicksal" zu warten, das dem wirt­schaftlich-finanziell so arg bedrängten Deutschland hilft, nur auf Unterstützung von außen her zu rechnen diese Hoffnungen allein zu hegen, würde des deutschen Volkes unwürdig sein, das in so vielen Taten immer wieder der Welt den Beweis seines Willens geliefert hat, vor allem aus eigener Kraft aus seiner Not sich herauszuarbeiten. Und der Betätigung dieser Lebens-nergie nicht unüber- windliche Hindernisse in den Weg zu stellen wäre aller­dings das beste Gegengift für jene Krankheitskeime, die im Volkskörper jene bedenklichen Fiebererscheinungen her- vorgerufen haben.

Eine Lebensfrage für Ostpreußen.

Dr. Stetnhoff und der Korridor.

Im Hauptausschutz des Preußischen Landtages äußerte sich Innenminister Grzesinski auch zu der Frage des pol­nischen Korridors nach Ostpreußen und den in Dieser Beziehung erhobenen Angriffen gegen den Vizepräsidenten Dr. Stein­hoff beim Oberpräsidiuni Ostpreußen. Die Angelegenheit stellte sich anders dar, als sie in einem Teil her Presse geschildert worden sei. Dr. S ! e i n h o f f habe in einer Unter­redung mit dein Vertreter einer französischen Zeitung sich selbstverständlich auch aus den Standpunkt gestellt, daß eine Änderung des heutigen Zustandes bezüglick des Korridors eine Lebensfrage für Ostpreußen sei. Die Beseitigung

Lebensfrage ....,.,----- - . , , , < -

dieses Zustandes werde nicht nur von Ostpreußen, sondern dar­über hinaus auch von ganz Deutschland erstrebt. Dr. Steinhoff habe betont, daß man dabei an eine

friedliche Revision

denke. Wenn die Atmosphäre in Europa zu einer friedlichen ch nicht reif sei, so müsse durch wirtschaftliche Ab- es getan werden, um den augenblicklichen Zustand m und die Schwieriakeiten zu mildern. Bis zu

Revision noch nicht reif sei, so müsse durch » WW kommen alles getan werden, um den augenblicklichen Zustand zu erleichtern und die Schwierigkeiten zu mildern. Bis zu einer endgültigen Revision der p o l i tl s ch e n O r e n z e n müßten eben die wirtschaftlichen Folgen der Grenzz ehung durch Handelsverträge und andere wirtschaftliche Vereinbarun­gen nach Möglichkeit beseitigt werden. Diese Erklärung Dr. Steinhoffs läge nach Ansicht des Munsters völlig in ostpreu-

ßischem Sinne.

Sie AMmchW der

Die Ganktionsformel im Wortlaut.

DieWiedergewinnung der vollen Handlungsfreiheit." Haager Gerichtshof zuständige Instanz.

Der Wortlaut der Sanktionsformel besagt folgendes:

Die Vertreter der belgischen, englischen, französischen, italienischen und japanischen Regierung geben folgende Erklärung ab: Der neue Plan beruhe aus dem Grundgedanken, daß die Lösung der Repa­rationsfrage im gemeinsamen Interesse aller Beteiligten liege und ohne guten Willen und Vertrauen von beiden Seiten das Ziel des Planes nicht erreicht werden könne.

In diesem Sinne hätten die Gläubigerregierungen in dem Schlußprotokoll die feierliche Verpflichtung der deut­schen Regierung, die festgesetzten Annuitäten gemäß den Bestimmungen des neuen Planes zu zahlen, als die

Garantie für die Ausführung ihrer Verbindlichkeiten angenommen. Sie seien überzeugt, daß selbst in dem Fall, wo die Ausführung des neuen Planes Meinungsver­schiedenheiten oder Schwierigkeiten hervorrufen sollte, die im Plane vorgesehenen Verfahrensarten zu ihrer Beseiti­gung ausreichten.

Es bleibe indes ein Fall übrig, der außerhalb des Rahmens der unterzeichneten Vereinbarungen stehe. Die Gläubigermächte hielten es für unerläßlich, die Möglich­keit zu bedenken, daß in Zukunft eine deutsche Regierung sich zu Handlungen herbeilassen könnte, die ihren Willen bewiesen, den neuen Plan zu zerreißen.

Die Gläubigerregierungen hätten die Pflicht, der deut­schen Regierung zu erklären, daß, wenn ein solcher Fall einträte, eine neue Lage geschaffen wäre, der gegenüber die Gläubigerregierungen schon jetzt alle Rechtsvorbehalte m^uyUiäte^. in dem äußersten Falle seien

die GläuNgerregierungen im Interesse des Friedens ge­willt, zum Zwecke der Feststellung der Tatsachen eine internationale Instanz anzurufen, deren Auto­rität unbestritten sei. Die Gläubigerregierungen, die sich für beteiligt halten, würden dementsprechend den Stän­digen Internationalen Gerichtshof im Haag mit dieser Frage besassen.

Deutschland würde schon jetzt erklären, daß es im Falle einer bejahenden Entscheidung des Gerichtshofes der Gläubigerregierung oder den Gläubigerregierungen volle Handlungsfreiheit zugestehe.

Die Gläubigermächte seien überzeugt, daß der in Frage stehende Fall niemals eintreten werde. Aber sie glaubten, daß es für sie ein Gebot der Loyalität und eine Pflicht gegenüber ihren Ländern sei, die vorstehende Er­klärung für den Fall abzugeben, daß jene Möglichkeit sich doch verwirklichen sollte.

Die Vertreter der d e u t s ch e n Regierung geben eine entsprechende Erklärung ab. Was den zweiten Teil der Erklärung der Gläubigermächte anlange, so bedauere die deutsche Regierung, daß eine solche Eventualität in Betracht gezogen werde, die die den' ^c Regierung ihrerseits für unmöglich halte.

Letzte Arbeiten im Haag.

Neue Ministerbesprechungen.

Nachdem die Sanktionsfragen im wesentlichen durch den Notenwechsel zwischen der deutschen und der fran­zösischen Seite als einstweilen gelöst angesehen werden, trat besonders das Mobilisierungsproblem in den Vordergrund. Frankreich hat das Interesse, nach der zu erwartenden Unterzeichnung des Young-Plans nun bald in den Besitz von deutschen Barzahlungen zu ge­langen. Als Folge des Uoung-Plans ist vorgesehen, die deutschen Schuldverschreibungen mit Hilfe der Inter­nationalen Bank recht bald auf den internationalen Geld­märkten zur privaten Zeichnung aufzulegen, d. h. also, die deutschen Schuldtitel teilweise in privaten Besitz zu übergeben. Eine etwaige internationale deutsche Anleihe könnte unter Umständen infolge des Doppelangebots an Papieren den Übergang der Reparationsschuldverschrei- bungen an Private beeinträchtiaen. Das will Frankreich

Ende der Genfer Ratstagung.

Telegramm des Deutschen Reichskanzlers.

Die oberschlesischen Minderheitsbeschwerden wurden durch den Völkerbundrat im wesentlichen bereinigt, bis auf die rechtswidrige Entlassung von 32 der deutschen Minderheit angehörenden Knappschaftsärzten. Auf der demnächstigen Maitagung soll auch diese Angelegenheit- erledigt werden. Donnerstag ttat die 58. Ratstagung zu ihrer Schlußsitzung zusammen, die im wesentlichen dem Gedenken an die zehnte Wiederkehr der Eröffnung der ersten Tagung galt. Der Vorsitzende Z a l e s k i würdigte die politischen und die wirtschaftlichen Verdienste der Tätigkeit des Völkerbundes. Die Zahl der Mitglieder fei andauernd gewachsen und heute sei ein weitspannendes Unternehmen internationaler Zusammenarbeit geschaffen.

Der spanische Vertreter, der als einziger an der ersten Ratstagung teilgenommen hatte, hob besonders den vor drei Jahren erfolgten Eintritt Deutschlands!« den Völkerbund als Beweis für die erzielten Fortschritte

nicht. Deutschland hat aber ein wesentliches Interesse daran, den Anleihemarkt für sich möglichst offen zu halten.

Besprechungen, die in der Nacht auf Donnerstag stattfanden, hatten kein besonderes Ergebnis, ebenso eine Zusammenkunft in dieser Angelegenheit zwischen dem Reichsminister Dr. C u r t i u s und dem französischen Ministerpräsidenten T a r d i e u. Auch Dr. Molden - Hauer konferierte mitTardien und dem französischen Schatzminister C h ö r o n. Im Laufe des Donnerstags setzten sich die Konferenzen der sechs einladenden Mächte in der gleichen Richtung fort. Deutschland zieht eine etwaige Anleihe auf Reichsbahn oder Reichspost in Be­tracht. Übereinstimmung konnte auch in der Minister- besprechung nicht gefunden werden.

Reichspost und Reichsbahn.

Eine gewisse Annäherung glaubt man zu bemerken, da von deutscher Seite das Zugeständnis angeboten worden ist, während der Zeit vorn 31. Januar 1930 bis dem 1. April 1931 keine Reichsanleihe im Auslande auf- zulegen unter der Voraussetzung, daß für den Bedarf der Reichsbahn und der Reichspost an Anleihemitteln in der Zwischenzeit ausreichende Vorkehrungen getroffen werden. Der Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn- gesellschaft, Dr. Dorpmüller, soll am Freitag im Haag eintreffen. Die nächste Sitzung der sechs Mächte ist deshalb auf Freitag nachmittag festgesetzt worden. Donnerstag abend wollte man sveiterverhandeln über die praktischen Fragen der Anleihebegebung, und zwar nach einer Anregung des Reichsfinanzministers Dr. M o l - den Hauer. Die französische Seite erkennt die Anleihe- bedürfnisse der Reichsbalm und der Reichspost in Höhe von etwa 500 Millionen Mark an, während die Deutschen voraussichtlich 800 Millionen Mark als ersten Anleihe- bedarf für Die Maar der mit dem

Z ü n d h o l z monopol verbundenen 500 Millionen Mark betragenden sogenannten Schwedenanleihe soll nicht mehr zur Verhandlung stehen, da die Franzosen die Überzeugung gewonnen hätten, diese Anleihe könne ihre Wünsche nicht beeinträchtigen.

Schluß am Sonnabend?

Man arbeitet gegenwärtig mit höchster Beschleuni­gung im Haag, weil bei allen Abordnungen der Wunsch besteht, am Sonnabend zum Abschluß zu gelangen. Mit Rücksicht auf die in London beginnende Flotten- konferenz wollen die englische und die französische Delegation unbedingt am Sonnabend abreisen. Jn^er Frage der Z a h l u n g s t e r m i n e hat Deutschland einen gewissen Vorteil errungen, d. b, man hat die Termine auf die Monatsmitte gelegt gegen Verzicht der Gläubiger- mächte auf alle Pfandrechte. Zunächst hatten die Gläu­biger den 1. jedes Monats als Zahlungstersirin gefordert. Deutschland wollte dagegen den Monatsschluß erzielen, was eine ziemliche Ersparnis von Zinsen bedeutete. Reichsbankpräsident Dr. Schacht nahm Donnerstag an einer Sitzung des Organisationsausschusses für die Jnsier- nationale Zahlungsbank teil.

Deutschlands Wort.

Von einer maßgebenden Persönlichkeit erhält die Kölnische Volkszeitung eine Bewertung der getroffenen Sanktionsabmachungen, die folgendermaßen schließt:

Der positive Gehalt der neuen Regelung läßt sich am besten in dem Satz ausdrücken, der auch in der Regelung figuriert, daß Deutschlands Wort die Garantie für die Ausführung seiner Verpflichtungen ist. Diese der Fassung des deutsch-amerikanischen Reparationsabkom- mens gleichwertige Feststellung zeigt, daß hier eine wich­tige Rehabilitierung Deutschlands gelungen ist. Und vom deutschen Rheinlande ist das Wiederbesetzungsrecht des Artikels 430 des Versailler Vertrages endgültig all- gewandt."

Auch Reichspostminister Schätze! wird voraussicht­lich im Haag eintreffen, um an den Besprechungen über die Anleihe für Reichspost und Reichsbahn teilzunehmen. Die Osttribute werden mit den kleinen in Betracht kom­menden Mächten andauernd besprochen, aber rvepmOi^ ^nr'^'ntte sind nicht erzielt worden.

zur Verwirklichung der internationalen Verständigung und des Friedens hervor. Zaleski verlas ein Tele­gramm des Deutschen Reichskanzlers Müller, in dem dieser dem Völkerbund besonders dankte für die warm- herzige Kundgebung zu Ehren des verstorbenen deutschen Außenministers Dr. Stresemann. Der französische Außenminister B r i a n d reiste bereits vor der Schluß­sitzung aus Gens ab.

Brand auf der ehemaligen KaiferjachZ

Meteor" durch Explosion zerstört. Zwei Schwerverletzte.

Die im Hafen von Marseille liegende englische Schonerjacht Minikois", die frühere kaiserliche Jach!Meteor", ist durch eine Explosion mit nachfolgendem Brande in der Motorenanlage zerstört worden. Zwei Mechaniker wurden schwer verletzt.

DerMeteor" wurde seinerzeit in den Listen der Kaiser­lichen Kriegsmarine geführt und mußte deshalb ausgeliefert werden. Das Schiff gehörte zuletzt einem reichen Inder und sollte zu einer Kreuzersahrt nach Südamerika sertiggcruacht werden. _