HersfelöerTageblatt
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hersfelöLr Kreisblatt
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Nr. lS
Mittwoch, den 2?. Januar 1930
S0. Jahrgang
Abwehrschlacht.
Will man, zurückblickend auf die Haager Schlußkonferenz, ihr Wesen mit einem kürzeren Schlagwort kennzeichnen, so darf man wohl über diese Verhandlungen zwischen Deutschland auf der einen, einer geschlossenen Front der Ententemächte auf der anderen Seite die Überschrift setzen: Deutsche Abwehrschlacht.
Der Sachverständigenbericht ebenso wie die Beschlüsse der ersten Haager Konferenz im Sommer vorigen Jahres hatten absichtlich und unabsichtlich Lücken im Young- Plan gelassen, Unklarheiten, Zweideutigkeiten und dergleichen. Hier stieß schon vor der Konferenz bei den Verhandlungen mit Deutschland, dann aber vor allem auf ihr selbst nun die Gegenseite geschlossen vor, aber die deutsche Abwehr war zwar nicht immer, doch im großen und ganzen keineswegs so leicht zu überrennen, sondern ver- mochte wenigstens einigermaßen ihre Position zu halten.
Der Hauptangriff der Gegenseite war darauf abgestellt, den: Voung-Plan die Reste des „Vorläufigen" zu nehmen, also möglichst alles zu beseitigen, was an Bestimmungen über Moratorium, Revision, sonstigen Zahlungsaufschub usw. für den transfergeschützten Teil der deutschen Zahlungsverpflichtungen als Schutzbestimmungen im Interesse des Schuldners vorgesehen war. Das vor der Konferenz liegende deutsche Entgegenkommen, wodurch der den Transserschutz nicht genießende Teil nicht unbeträchtlich erhöht wurde, mag die Gegenseite dazu veranlaßt haben, in dieser Richtung weiter vorzustoßen, dem etwaigen Versuch Deutschlauds, sich jener Schutzbestimmungen zu bedienen, enge Grenzen zu setzen. Dieser Angriff ist aber fast durchweg gescheitert und wenigstens für diesen Teil der deutschen Zahlungsverpflichtungen sind die Revisionsmöglichkeiten gerettet worden.
Ein zweiter Ansturm der Gegenseite bewegte sich auf das Ziel hin: sich nicht mit der feierlichen deutschen Ver- pflichtung, daß die Leistungen dem Donng-Plan gemäß nun auch erfolgen würden, also mit dieser rein vertrags- rechtlichen Bindung Deutschlands zu begnügen, sondern :y s ä it P e r zu eryanen in der Ari, wie sie unterm Dawes-Plan galten. Vor allem also Pfandrechte auf die Verbrauchsabgaben und dann auch auf die Reichsbahn.
Man verhüllte dieses angestrebte Zugriffsrecht mit der undeutlichen Bezeichnung einer „Aktivierung" der Pfänder. Aber auch hier ließ sich die deutsche Delegation nicht von der Linie zurückdrücken, die der Uoung-Plan gezogen hat: Deutschland hat sich lediglich verpflichtet, die Verbrauchsabgaben nicht anderweit zu verpfänden, und die Reichsbahn zahlt zwar ihre 660 Millionen direkt an die Reparationsbank, aber im Falle der-Zahlungsunfähig- keit hat das Reich als Garant einzuspringen. Die Kontrolle des Auslandes ebenso über die Reichsbahn wie über jene Steuern und die Zölle fällt künftig unbedingt fort. Während also dieser Vorstoß mißglückte, gelang ein anderer der Gegenseite besser, nämlich in der Frage der Z ii h längster m i n e. Aber auch hier nicht ganz. Weder die' gegnerische Forderung einer Pränumerando- zahlüng noch der deutsche Gegenvorschlag einer Ultimozahlung drang durch, sondern man einigte sich auf die Leistung der deutschen Zahlungen an der jedesmaligen Monatsmitte.
Wenn man schnell noch die Ausschaltung oder zum mindesten die starke Herabsetzung des ausländischen Einflusses aus die Deutsche R e i ch s b a n k, ferner die Her- auslasfung Per Liquidationsabkommen Deutschlands mit einer Reihe von Staaten aus dem Aoung Plan erwähnt, so bleiben als die beiden Brennpunkte noch die Fragen der Mobilisierung und die der Sanktionen. Die Art, wie die erste geregelt wurde, bedeutet nach der Auffassung mancher Kreise zwar einen gewissen Sprung ins Dunkle, aber nng> nstig jedenfalls war für Deutschland der Absprung doch nicht. Immerhin sprechen hier doch nur wirtschaftlich-finanzielle Erwägungen mit, während beim Kampf um das Sanktions„recht" der politische Pferdefuß sichtbar wurde. Natürlich diente die französische Förderung hier dazu, um jedem Versuch der Herbeiführung. einer V e r t r a g s c e v i s i o n politische Widerstände in den Weg zu stellen, die Unbedingtheit und Un- abärMrlichkcit des „Neuen Plans" zu sichern, aber gerade darum und damit kam etwas Wesensfremdes in diese sonst rein wirtschaftlich-finanziellen Abmachungen hinein. Am Verhandlungstisch im Haag tauchte wie Bankos Geist das Versailler Diktat auf.
Man hat sich auf einer Linie geeinigt und einigen müssen, die zwischen Erfolg und Mißerfolg des ursprünglich Gewollten mitten hindurchgeht. Nun wird vor allem in Deutschland der Kampf um den Young-Plan zu neuer Höhe anschwellen, werden feine Gegner die Mißerfolge, seine Verteidiger die dort errungenen Erfolge oder zum mindesten Abwehrsiege, in den Vordergrund stellen. Erst die Zukunft wird die Entscheidung darüber fällen können, wie die Haager Schlußkonferenz wirklich zu Werten ist.
Ein deutscher Präsident des Mlerdund- Ainanzlomitees.
Das Finanzkomitee des Völkerbundes, das in Genf zu seiner Tagung zusammengetreten ist, hat für das neue Jahr den deutschen Reparationssachverständigen Doktor Melchior zum Präsidenten gewählt.
König Georgs Hoffnungen
Sie Londoner Ilottenkonferenz.
Macdonald Vorsitzender.
Die Eröffnung der Londoner Seeabrüstungskonferenz geschah unter eindrucksvollen Feierlichkeiten in der königlichen Galerie des Oberhauses. Der weite Saal war dicht- gefüllt von etwa 1000 Personen, unter denen vielleicht die Hälfte aus den aus aller Welt herbeigeeilten Journalisten sich zusammensetzte. Vor dem goldenen Thronsessel des Königs, in der Mitte vor dem hufeisenförmig aufgestellten Tisch, an dem die Delegierten saßen, stand des Königs Mikrophon, das dieser bei bedeutenden Ansprachen zu benutzen pflegt. Gegen H1 Uhr erschien der Köntg, der, von den Versammelten einhellig begrüßt, mit einer Rede die Flottenkonferenz offiziell eröffnete. Zum Schluß sagte König Georg, er habe die dringende Zuversicht und die besten Hoffnungen, die Konferenz werde für die Menschheit einen weithin sichtbaren Fortschritt auf dem Gebiete der Abrüstung erzielen. Nach der Rede des Königs wurde der englische Premierminister Macdonald zum Präsidenten der Konferenz gewählt.
Die Ansprache des Königs wurde über alle Sender der Welt verbreitet. In London herrschte das übliche englische Nebelwetter, so daß sich nur ein geringes neugieriges Publikum in den benachbarten Straßen, die aber von den wartenden Automobilen der Delegierten stark in Anspruch genommen waren, eingefunden hatte.
Die Tragödie des Weltkrieges.
In seiner Rede sagte der König unter anderem, die gesamte Menschheit erwarte, keine Mittel der Staatskunst dürften ungenutzt bleiben, um eine Wiederholung der ungeheuerlichen Tragödie des Weltkrieges zu verhindern. Trotzdem habe bis heute der Wettbewerb im Flonenoau nicyi aufgehatten werden können und allgemeine Unsicherheit in der ganzen Welt hervorgerufen. Allerdings fei die Verminderung der Flottenrüstungen mit großen Schwierigkeiten verbunden, obwohl die Washingtoner Konferenz gewisse Erfolge in Hinsicht aus die Schlachtschiffe schon gehabt habe.
Deshalb sei man in der Idee übereingekommen, eine Gesamtflottenabrüstung für alle Mächte herbeizuführen. Alle Hindernisse für die Verwirklichung dieser Idee müßten beseitigt werden. Das sei keine Sache, die nur die auf der Konferenz vertretenen Länder angehe, sondern eine Menschheitssache. Nicht in engherzigem Nationalismus dürfe man an sie Herangehen, sondern in der gegenseitigen Opferbereitschaft.
Die schweren Rüstungslasten der Völker, das hoffe er zuverlässig, müßten beseitigt und die allgemeine Abrüstung herbeigeführt werden.
Macdonalds Ansprache.
Die wirtschaftliche Bedrückung der Völker durch das
Kabinettssitzung zum Haager Plan.
Dr. Eurtius bei Hindenburg.
Die deutsche Delegation bei der Haager Konferenz mit byt Reichsministern Dr. Eurtius, Schmidt, Dr. Molden- hauer und Dr. Wirth ist wieder in Berlin eingetroffen. Dr. Eurtius erstattete bereits Dienstag nachmittag dem Reichspräsidenten von Hindenburg Bericht über die Haager Vereinbarungen.
Der Schlutzpunkt im Haag.
Die Unterzeichnung des endgültigen Boung-Planes durch Reichsaußenminister Dr. Eurtius.
Anschließend fand eine Besprechung des Reichskanzlers Müller mit dem Außenminister über dasselbe Thema statt. Mittwoch wird dann das Reichskabinett den neuen Plan erörtern. Demnächst werden die Finanzminister der Länder zu einer Konferenz nach Berlin geladen werden. Das Reichskabinett will die Gesetzes- j vorlage, die mit dem „Neuen Plan" zusammenhängt, noch in dieser Woche verabschieden und an den Reichsrat leiten.
Wettrüsten schilderte dann, nachdem der König den Saal verlassen hatte, der englische Ministerpräsident Mac - d o n a l d. Wer die Unterschrift unter den Kellogg-Pakt ernst gemeint hätte, müsse bei der Abrüstung auch mitwirken. Die öffentliche Meinung verlange überall eine Friedenspolitik. Aus dem Sumpf der Meinungsverschiedenheit technischer Sachverständigen müsse das Problem auf die höhere Grundlage der Arbeit des schöpferischen Staatsmannes gehoben werden. Nur internationale Verträge, nicht Verhandlungen von Staat zu Staat versprächen Erfolg.
Stimson und Tardieu.
Der Staatssekretär der Vereinigten Staaten. Stimson, sprach das größte Vertrauen Amerikas zum Erfolge der Konferenz aus. Amerika hofft, nach Stimson, auf der Konferenz nicht nur das erreichbare Maß bei der Abrüstung zu erzielen, sondern auch den Charakter der gegenseitigen Beziehungen so zu gestalten, daß zu jeder Zeit weitere Rüstungsbeschränkungen eintreten können.
Die französische Auffassung, nach der die Abrüstung nur als Ganzes behandelt werden dürfe, erscheint Stimson als nicht ganz haltbar. Jeder einzelne Fortschritt erleichtere nicht nur die Lasten der Völker, sondern erleichtere auch Fortschritte auf allen Gebieten.
Demgegenüber bemerkte der französische Minister- Präsident Tardieu, gewiß seien alle Völker entschlossen, die Wiederholung einer Katastrophe wie die des Weltkrieges zu verhindern.
Aber jedes Abkommen, das jetzt in London geschaffen werde, könne nur provisorische Eigenschaften tragen, da die Konferenz doch auf Wunsch des Genfer Völkerbundrates einberufen worden sei. Die besonderen Bedürfnisse jedes Landes müßten in Beziehung zu den zu schaffenden Rechtsgarantien gesetzt werden.
Die arideren Länder.-
Für Japan erklärte der Hauptdelegierte Waka - t s u k i zielbewußte Mitarbeit an der Konferenz. Japan sei bereit, mit den anderen Mächten bis zur äußersten Grenze der Marineabrüstung zu gehen und nicht nur eine Beschränkung, sondern sogar einen Abbau der Flotten- stärken zu befürworten.
Italiens Außenminister Grandi sagte, Italien habe das Bestreben, hinter keinem anderen Lande zurückzustehen, um der Konferenz zum Erfolg 311 verhelfen. Eine längere Zeit ungestörten Friedens sei für das jetzige Italien Notwendigkeit. Es müßten entschlossene und mutige Schritte in der Abrüstung getan werden und man hoffe, die mächtigste Flotte der Welt werde mit gutem Beispiel vorangehen.
Für Begrenzung und Herabsetzung der Seerüstungen äußerten sich ferner die Vertreter Kanadas, der Oberkommissar von I n d i e n , die Delegierten des Freistaates Irland, Australiens und Südafrikas. Dann wurde die Eröffnungssitzung geschlossen.
Dank des Reichspräsidenten.
Hindenburgs Anerkennung für die Haager Delegation.
Nachdem Reichsminister Dr. Eurtius dem Reichspräsidenten Bericht über die Verhandlungen der Konferenz im Haag erstattet hatte, sprach der Reichspräsident dem Reichsaußenminister Dr. Eurtius und der deutschen Delegation seinen Dank und seine Anerkennung für ihre Arbeit und ihre Haltung aus.
Gozialdemokraiifche Forderungen.
Belebung des Arbeilsmarktes durch Auslandskapital.
In Berlin fand eine gemeinsame Tagung der sozialdemokratischen Fraktionsvorstände, des Parteivorstandes und der Vertreter der Freien Gewerkschaften statt, um zu den wachsenden Notständen, die durch die außerordentlich schlechte Lage auf dem Arbeitsmarkt entstanden sind, Stellung zu nehmen. Bei den Schwierigkeiten einer durchgreifenden Arbeitsbeschaffung mit öffentlichen Mitteln sei die Kapitalzufuhr aus dem Auslande Voraussetzung der Besserung. Deshalb müsse die sofortige Beseitigung aller inländischen Hemmungen verlangt werden, die gegenüber Anleiheaufnahmen beständen. Eine Belebung des Baugewerbes und der verbundenen Industrien müsse erzielt werden. Um weiteren Industriezweigen Beschäftigung zu beschaffen, sollen Reichsbahn und Reichspost zur beschleunigten Auftragsgebung veranlaßt werden. Auf Grund der großen Zahl langfristiger Erwerbsloser bedürfe insbesondere die Krisenfürsorge einer Neuregelung.
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Mittelalter in Mexiko.
Ein Neger wegen Menschenfresserei gelyncht.
Nach einer Mitteilung aus Mexiko wurde ein Neger in Aatapec im Staate Morenos von der Bevölkerung gelyncht und mit tödlichen Verletzungen von der Ortspolizei vom Play geschafft Man warf dem Neger vor, zwei klein- Mädchen getötet und ausgefressen zu haben.