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KersfelöerTageblatt

MrzelgrnprAs: Bit tfn^attigt ptHtgtflt 15 vftnnls, oft RrNamrzelle 50 Pfennig. (Srun-fchrlst Korva«). Bei Wlebrrholongen wird ein entsprechender preie« »achlast gewährt. Zür die Schristleitung verant­wortlich : Kranz Zunk in Herrfeld. Kernspercher Nr. 8

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Hersfelöer Kreisblatt IL^R.Ich.-'Ma^^^!^

Amtlicher Mnzeiger für den Kreis Hersfelö | JunF# Vuchörnckerel in her?

mit den Beilage»; Illustriertes Auterhallaugsblatt / Nach FeierabeaS / Herb »ad Scholle / Auterbaltaag oav Wlssev _________________________________________Belebr»ag »av Kurrweil / Wirtschaftliche Tagestragea.

Nr. Zl <Erftes Matt) Sonnabend, ben^S^Ianuar 1930 80. Jahrgang

Die Kehrseite.

Die Sorge vor dem Morgen. Der Irrsinn von Versailles. Die Front nach Osten.

Nein, es fehlt wirklich nicht an Fragen dergroßen Politik"! Konferenz folgt auf Konferenz und tagelang, wochenlang debattiert man über gewiß weltbewegende Probleme, deren Lösung das durch den Krieg und die Kriegsfolgen verzerrte Antlitz dieser Welt wieder glätten soll. Man verhandelt so lange, so ausgiebig und ein­gehend, verliert sich derartig in Einzelheiten, daß selbst der politisch regsame und interessierte Mensch nachgerade die notwendige Aufmerksamkeit dafür nicht mehr aufzu- bringen vermag. Das gleiche gilt auch für die Unzahl der Programme, der Vorschläge, Anregungen und Be­trachtungen, die wahllos und zahllos, oft nur zu kurz­lebigem Dasein das Licht der Welt erblicken, alle mit der an sich löblichen Absicht, Deutschland aus seiner finanziell-wirtschaftlichen Not herauszubringen. Leider stecken wir aber immer noch in dieser Ära des Herum- tastens, des Debattierens, des Streites um den einzu- schlagenden Weg derart tief drin, daß die große Masse immer mehr spürt, um wieviel näher ihr das Nessus- Hemd der täglichen Not ist als der Rock einer zukünftigen, aber ungewissen Besserung. Das ist die Kehrseite jenergroßen Politik", ist die Not des Tages, die Sorge vor dem Morgen, die so stark ist, daß man für das Über­morgen oder eine noch spätere Zukunft kaum ein größeres Interesse aufzubringen vermag.

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Natürlich brennt dieses Nessushemd der Not ganz besonders schmerzhaft auf dem Leib der Bewohner unserer G r e n z l ä n d e r. Nicht bloß in der einzigen Kolonie", die Deutschland besitzt, inOstpreußen", sondern auch in den pommerschen, brandenburgischen, schlesischen, sächsischen Grenzgebieten. Es ist ja jetzt gerade zehn Jahre her, seit der Jrsinn der Ver- s a i l l e r Grenzziehungen Wirklichkeit wurde, der Pole vor allem einrücken durfte in jene Gebiete, die ihm die Ahnnnqslosigkeit und der Deutschenhaß dergroßen .^MeH unpramen. Mr Diese Mdnzziehung wurde nur die Voraussetzung zu Schlimmerem, das mit dem kurzen Hin­weis auf den Handelskrieg mit Polen und die Prohibition! stische Zollpolitik der Tsche - ch o s l v w a k e i genügend gekennzeichnet ist. Ostpreußen und die anderen Grenzgebiete leiden furchtbar darunter, daß sie von ihr^m Hinterland abgeschnitten sind, und ein nur geringer Trost ist es, daß es in Polen wirtschaftlich- sinänziell auch nicht zum besten bestellt ist, daß auch die i s ch e ch i s ch e Währung durchaus nicht zu den Edelvaluten gehört. Daß eine Stadt wie Breslau in größten finanziellen Schwierigkeiten ist und man dort nicht mehr aus noch ein weiß. das allein spricht ebenso Bände wie die Tatsache, daß- selbst Sachsens Hauptstadt, Dresden, zu den verzweifeltsten finanziellen Maßnahmen greift, um aus gleicher Not herauszukommen. Aber m i t gefesselten Händen steht auch des Deutschen Reiches Präsident da, an den sich eine Deputation der deutschen Grenzmarken, die Landeshauptleute der östlichen Provinzen gewandt haben. Er, der einst der Befreier Ostpreußens war, soll helfen und kann doch nicht wirk­sam helfen. Kann nur an der Hoffnung festhalten, daß eine spätere Zukunft es ermöglichen mag, die Korridor­frage in einem für Deutschland günstigeren Sinne zu be­reinigen. Und ebensowenig bedeutet es ja unmittelbare Hilfe in der Not der Gegenwart, wenn der preußische Ministerpräsident selbst ein Ostpreuße seinem Willen und seiner Überzeugung Ausdruck gab, daß der Preußische Staat und er tut dies für das gesamte deutsche Volk mit größter Aufmerksamkeit auf die wirtschaftliche Ent­wicklung, die steigende Not in den Grenz­gebieten achten müsse. Oh dies und anderer

Minister Zusicherungen Worte bleiben ober Wirklichkeit werden, wird eine nahe Zukunft entscheiden: dann näm­lich, wenn der den ganzen deutschen Osten bis in die tief­sten Tiefen erregende Vertragsabschluß mit Polen durch einen handelspolitischen Frieden ergänzt und nun dieser ganze Fragenkomplex der Beschlußfassung des Reichstages vorgelegt wird.

Dabei könnte allerdings auch nur ein geringer Trost die Not des Augenblicks noch größer sein. Die A r b e i t s t o s e n z i f f e r ist auf eine Höhe gestiegen, die etwa gleich ist jener durch die furchtbare Kälte im Vorjahr hochgetriebenen. Das läßt die Hokfnung schüchtern auf­keimen, daß vielleicht doch die wirtschaftliche Entwicklung sich zum Bessern wendet. Sind doch seit dem Vorjahr etwa 350 000 junge Menschen neu in das Wirtschaftsleben ein­getreten und haben dort wenigstens zum Teil Lohn und Beschäftigung gefunden. Dies geschah, obwohl bte Linie der Wirtschaftskonjunktur unaufhaltsam nach unten ging. Trotzdem bleibt das Problem des Tages die drohende Tatsache, daß es zurzeit mehr als zwei Millionen Arbeits­lose in Deutschland gibt. Rechnet man die Familien­angehörigen dazu, so darf man wohl sagen, daß minde­stens ein Zehntel des deutschen Volkes durch staatliche Unterstützung über Wasser gehalten wird. Das schreit lauter gellender, bedrohlicher als die Haager Konferenz, die Londoner Abrüstungsverhandlungen und alle mög­lichen innenpolitischen Auseinandersetzungen, Klagen und Vorwürfe der Parteien gegeneinander. Und selbst eme Regierungskrise berührt den verhältnismäßig wenig dem die Not des Augenblicks unmittelbar die wirtschaftliche Existenz, das Leben bedroht. Dr. Pr.

Angespannte Neichsfinanzen

Moldenhauer zur Kaffenlage.

Das Zündholzmonopok.

Im Haushaltsausschuß des Reichstages begann Frei­tag die Beratung des Zündholzmonopolgesetzes. Reichs­finanzminister Dr. Moldenhauer gab einleitend eine Über­sicht über die Kaffenlage des Reiches. Der Minister stellte fest, daß es mit Hilfe des Überbrückungs­kredits in Höhe von 350 Millionen Mark gelungen sei, den Ultimo Dezember ohne weitere Schwierigkeiten zu über­winden. Inzwischen sei durch die im Januar fälligen Steuereinzahlungen eine Verbesserung der Kaffenlage ein­getreten, so daß

im Augenblick keine Schwierigkeiten bestehen. Der am 31. Januar zur Rückzahlung fällige Bankkredit von 200 Millionen Mark sei inzwischen auf etwa sechs bis neun Monate verlängert worden. Für Januar sei mit einem Überschuß von 117 Millionen zu rechnen. Für Februar rechnet der Minister mit einem Fehlbetrag in gleicher Höhe, so daß sich diese beiden Monate ausgleichen würden. Für März werde ein weiterer Fehlbetrag von 140150 Millionen Mark entstehen.

Zur Deckung dieses Ende März bestehenden Fehl­betrages würden rund 55^-60 Millionen Mark aus der Abrechnung mit dem Reparationsagenten beziehungs­weise mit der Reichsbahn nach Inkrafttreten des Noung-Planes verfügbar werden, die jetzt infolge der nachträglichen Zahlung des Reichsbahnanteils an der Dawes-Zahlung vom Reparationsagenten noch zurückbe­halten werden. 20 Millionen würden aus dem Verkauf von Effekten flüssig gemacht werden können, über die Deckung des dann noch verbleibenden Fehlbetrages seien erfolgversprechende Verhandlungen eingeleitet worden.

KehtverraM o»^Kre»ger-AKfethe.

Der Minister wies dann auf die Schwierigkeiten der Steuerschätzung und des Bedarfs für die Arbeitslosen-

Eine Million stnierstützung

aus der HindenbArg-SNende.

Kriegsopferhilfe für 19 2 9.

Unter dem Vorsitz des Reichspräsidenten trat das Kuratorium der Hindenburg-Spende zu seiner vierten Sitzung zusammen. Die Stiftung Hindenburg-Spende ist bekanntlich vom Reichspräsidenten aus den ihm zu seinem 80. Geburts­tag dargebrachten freiwilligen Beiträgen errichtet. Dem Bericht des ehrenamtlichen Geschäftsführers der Stiftung, Ministerialrat Dr. Karstedt, ist zu entnehmen, daß sie zu­gunsten von Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen usw. im Jahre 1929 rund eine Million Mark aufgewandt hat. In den reichlich zwei Jahren ihres Bestehens hat die Stiftung in rund 17 000 Fällen insgesamt über drei Millionen Mark an Kriegsbeschädigte, Kriegshinterbliebene, Veteranen usw. ausgezahlt. _____________

M allgemeine Schiedsgerichisbarkest.

Eine Entschließung französischer Kriegsteilnehmer.

Der Verband ehemaliger Frontkämpfer und Kriegs­beschädigten von Le Havre, der 13 000 Mitglieder umfaßt, nahm eine Entschließung an, in der es heißt: Der Krieg von 1914 wäre nicht ausgebrochen, wenn damals die obli­gatorische Internationale Schiedsgerichtsbarkeit bestan­den hätte, die auch im Jahre 1930 noch nicht verwirklicht ist. Auch im Haag erschien die Liquidierung des Krieges nur möglich durch die Einführung des schiedsgerichtlichen Verfahrens für etwa eintretende Schwierigkeiten. Der Verband fordert daher, daß diese Art der Regelung von Konflikten nicht nur zur Liquidierung der früheren Kriege zur Anwendung gebracht werde, sondern auch zur Ver­hütung künftiger Kriege. Möge Frankreich mit gutem Beispiel vorangehen und den im September 1928 in der Völkerbundvollversammlung vorgeschlagenen Allgemeinen Schiedsakt ratifizieren.

Die Londoner Konferenz.

Jeder Vorschlag wird geprüft.

Freitag fand eine Sitzung jer französischen und der britischen Gesamtdelegation statt. Später wurde eine weitere Konferenz der britischen und der italienischen Delegation ab- gehalten. Nach der Sitzung der britischen und der fran­zösischen Delegation wurde ein amtliches Kommunique aus­gegeben, das besagt, daß die beiden Delegationen zusammen­getroffen seien, um den Bericht zu erwägen, den der Sach^- verständigenausschuß vorbereiten sollte.

Der amerikanische Staatssekretär S t i m s o n hielt an die Presse im St.-James-Palast eine kurze Ansprache, in der er erklärte, der bisher erzielte Fortschritt sei sehr ermutigend. Stimson berichtete weiter, daß er sich wahrscheinlich Freitag nachmittag nach feiner Zusammenkunft mit Grandi, dem Vertreter Italiens, aus das Land begeben werde; er erklärte, er könne nicht im einzelnen über die bisherigen Beratungen sprechen. Was er sagen könne, sei nur, daß jeder Vorschlag, der vorgebracht werde, erörtert werde.

verstcherung hin. Wenn die Steuerdepression anhalte und die ungünstige Lage des Arbeilsmarktes sich weiter ver­schärfe, dann könnten diese beiden Punkte eine Ver­schlechterung der Kaffenlage um 100120 Millionen her­beiführen. Vor Mitte Februar werde sich das nicht über­sehen lassen. Nach dem für das erste Halbjahr des Rechnungsjahres 1930 aufgestellten Kassenplan ergibt sich für das erste Vierteljahr 1930 ein Fehlbetrag von 273 Millionen und für das zweite Vierteljahr ein Überschuß von 96 Millionen. Dieser Überschuß werde sich durch die erste Rate der Kreuger-Anleihe um 195 und durch andere Maßnahmen um 14 Millionen erhöhen. Mit diesem Betrag könnten der Fehlbetrag des ersten Vierteljahres abgedeckt und Kredite in Höhe von rund 40 Millionen zurückgezahlt werden. In den veranschlagten Ausgaben für die Monate April bis September seien monatlich 50 Millionen Mark zur Abdeckung des Überbrückungs­kredites enthalten.

Der Minister verwies darauf, daß diese Rechnungs­legung auf der Annahme des Noung-Planes beruhe. Sie beweise jedoch eindeutig, daß trotz der Annahme des Uoung-Planes die Kaffenlage nach wie vor äußerst angespannt bleibe. Zur Überwindung des für Ultimo Juni errechneten Fehlbetrages von 273 Millionen Mark sehe er keinen Weg, wenn nicht das Zündholzmonopol mit der Kreuger-Anleihe zustande komme.

In der sich anschließenden Debatte erklärte Direktor Hans Krämer, Mitglied des Reichswirtschaftsrates, in der Situation der deutschen Zündholzindustrie sei ein Kampf gegen den Schwedentrust ganz unmöglich. 30 Prozent des gesamten Konsums entfielen auf russische Zündhölzer, die zu Schleuderpreisen eingeführt werden. Für das Monopol hätten sich nicht nur die Schweden, sondern auch die deutschen Z ü n d h o l z f a b r i k a n - t e n mit alleiniger Ausnahme der unerlaubt Fabrizieren- i den eingesetzt, --------- --------

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des Direktors der Reichskreditgesellschaft, Dr. Ritscher, über die Schwedenanleihe vertagt.

Die Große Koalition in Preußen.

Grundsätzliche Schwierigkeiten überwunden.

Im Preußischen Landtag hielten am Freitag mittag die Fraktionen der Demokraten, des Zentrums und der Deutschen Volkspartei Sitzungen ab, um sich mit der Er­weiterung der Regierungskoalition zur Großen Koa­lition zu beschäftigen. Der springende Punkt dabei ist der Eintritt der Deutschen Volkspartei in die Regierungs­koalition. Die Volkspartei würde dabei einen der beiden Ministersitze erhalten.

Aus unterrichteten parlamentarischen Kreisen hört man, daß die grundsätzlichen Schwierigkeiten überwunden sind und daß bereits in wenigen Tagen die E r n c n n u n g der neuen RegierungsMitglieder durch den Ministerpräsidenten erfolgen wird. Die Personenfrage ist allerdings noch nicht geklärt, doch dürfte es dabei bleiben, daß Abgeordneter Leidig (D. Vp.) das Handelsministerium übernimmt. Der jetzige Handelsminister Dr. Schreiber soll ein Oberpräsidium übernehmen. Mit dem Kultus­minister Dr. Becker, der ebenfalls aus der Regierung ausscheiden soll, ist bisher offiziell noch nicht Fühlung genommen worden.

30 Millionen Stundungskredite für die Landwirtschaft.

Berlin. Wie die Deutsche Rentenbankkreditanstalt (Landwirtschaftliche Zentralbank) mitteilt, hat sie angesichts der schwierigen Verhältnisse in der Landwirtschaft und der ungünstigen Lage des Kapitalmarktes beschlossen, den mit der Weiterleitung der Golddiskontbankkredite betraut gewesenen Instituten einen Betrag von insgesamt 30 Millionen Mark mit der Maßgabe zu stunden, daß sie einem Teil der Darlehensnehmer in gleicher Höhe Stundung zu gewähren haben. Die Deutsche Rentenbankkreditanstalt hat sich schon jetzt grundsätzlich bereit erklärt, diese 30 Millionen Mark im Juli 1931 in langfristige Darlehen umzuwandeln, falls nicht inzwischen wesentliche Erleichterungen auf dem Kapitalmarkt eingetreten sein sollten.

Gemeinde und Wirifchast.

Einschränkung der Konferenzen.

Auf Einladung der kommunalen Spitzenverbände, des Deutschen Städletages, des Deutschen Landkreistages, des Reichsstädtebundes, des Verbandes der Preußischen Provinzen und des Deutschen Landgemeindetages, fand in Berlin im Städtebaus eine Besprechung mit Spitzenverbänden der Wirt- S statt, unter ihnen dem Deutschen Industrie- und Han- ig, der Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände, dem Deutschen Genossenschaftsbertande. dem Reichsverband des Deutschen Groß- und Überseehandels, dem Reichsverband der Deutschen Industrie, der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels, dem Reichsverband des Deutschen Handwerks, der Vereinigung der Elektrizitätswerke und der Wirtschaft­lichen Vereinigung Deutscher Gaswerke Die Besprechung be­faßte sich mit der Frage einer Einschränkung der Kon - fe r e n z e n und führte zu einer weitgehenden Übereinstim­mung über Häufigkeit, Form und Auswand der Tagungen. Die genannten Organisationen werden entsprechende Maß­nahmen innerhalb ihrer zuständigen Organe und mit ihren Unterverbänden vereinbaren, um so der aus den Zeitverhält­nissen heraus gebotenen Sparsamkeit Rechnung zu tragen. ......