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HersfelöerTageblatt

Hersfelöer Kreisblatt Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö.

Monatlich« Bcgugrotti«: durch Sle Post dezos« 130 Rrich-Mar?, ausschl-rßlich vtstcllgelb, für tjrrsfett 1.SS Keichs-Mark bei freier Zrcheltun^, Dr flbhvi« 1-00 Rrichs-Mark. druck imb Äeriag von Luswig ; Zanks Buchbruckeret in Herofel», Mitglied 6« VLZV.

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Nr. 21 (Erstes Blatt) Sonnabend, den 1. Februar 1930 80. Jahrgang

Die fünfte Grüne Woche

M und neue

Landivirtschaftsmeihoden.

Eine Rtefenfchau in Berlin.

Die Sehenswürdigkeiten der Grünen Woche, die ab Sonn­abend zum fünftenmal in Berlin abgehalten und sicher wieder ein Anziehungspunkt für alle landwirtschaftlich interessierten Kreise und alle Naturfreunde sein wird, wurden vor der offi­ziellen Eröffnung Pressevertretern nach einer kurzen Feier vorgeführt. Schon der erste, natürlich nur flüchtige Überblick, der durch einen stundenlangen Marsch errungen werden muß, ist überwältigend. Alles, was die deutsche Landwirtschaft in jahrzehntelanger fleißiger Arbeit geschafft und geschaffen hat, ist lehrhaft zur Schau gestellt. Zu ihrer wetteren Förderung dient eine

groß angelegte Landeskulturausstellung, die vom Altertum bis zur Neuzeit die Entwicklung des Melio- rationswesens zur Hebung der deutschen Boden- ertrage zeigt und das Ernährungsproblem zu fördern bestimmt und geeignet ist. Nicht nur die einzelnen Staaten und Provinzen, sondern auch Städte und Landkreise zeigen, was auf diesem Gebiete bisber aeleistet worden ist. Dem-

Der Kopf eines Kaffernbüffels,

der in Deutsch-Ostafrika erlegt wurde und jetzt auf der Jagdausstellung während der Grünen Woche gezeigt wird.

selben Zweck'dient die Ausstellung Kulturtechnik und Wäfser- wirtschaft. Ihrer Bedeutung in der Volkswirtschaft ent­sprechend ist auch dem

Gartenbau und der Fischerei

je eine Abteilung gewidmet. Für die Reichhaltigkeit dieser Ausstellung spricht auch die Tatsache, daß der Wassersport in Modellen alle Fahrzeuge, vom größten Kreuzer bis zum winzigen Paddelboot, mit allem Zubehör zeigt und ebenso auch

der Angelsport vertreten ist. Er zeigt in mehreren Kojen die ver-

poiens Außenpolitik.

Die polnischen Schweine sollen unbedingt nach Deutschland kommen.

Der polnische Außenminister Z a l e s k i hielt im Sejm­ausschuß für auswärtige Angelegenheiten eine Rede über die polnische Außenpolitik. Der Minister betonte denfriedlichen Charakter" dieser Politik.

Polen und Frankreich

seien durch enge Zusammenarbeit verbunden. Der Wunsch des französischen Volkes, das Verhältnis zu Deutschland zu normalisieren, könne Polen nicht beunruhigen, das seinerseits den Wunsch nach Normalisierung der deutsch-polnischen Be­ziehungen durch Abschluß des Liguidationsvertra- g e s zum Ausdruck gebracht habe. Die deutsch-polnischen Ver­handlungen seien bekantlich so weit fortgeschritten, daß nur eine Frage von prinzipieller Bedeutung zu lösen übrig­geblieben sei. Es ist dies die Frage des Absatzes der

polnischen Schweine

auf den deutschen Märkten. In dieser Frage würde von deut­scher Seite eine bestimmte Auffassung übermittelt, die von den allgemein angenommenen Handelsvertragsprinzipien abweiche. Die Verhandlungen hätten sich zu lange hingezogen. Die nächsten Tage würden wahrscheinlich die Entscheidung brin­gen. Entweder werde der Vertrag zum Abschluß gebracht oder die Verhandlungen würden für zwecklos erachtet und die Dele­gationen aufgelöst.

schiedensten Fangarten mit den neuesten Geräten, nicht nur die Grundangelei, sondern auch den Fang des Hechtes, des Lachses und der Forelle Die Industrie veranschau­licht dabei in einem Zeltlager, welche Ausrüstungsgegenstände für diesen gesunden Sport erforderlich sind. Viel Interesse dürfte auch die Darstellung der Fischregtonen eines Flusses von der Quelle bis zur Mündung finden.

In einer besonderen Halle ist eine Geflügelschau, die Imkerei und der Seidenbau untergebracht. Einen prächtigen Eindruck macht

die Jagdausstellung,

die in reizvollem, anziehendem Rahmen die Jagd auf äußer- deutsches Wild zeigt. Sie dürfte für viele Besucher den Hauptanziehungspunkt bilden. Aus erklärlichen Gründen hat sie darauf verzichtet, die deutschen Trophäen des vergangenen Jahres auszustellen. Um so interessanter ist die Übersicht über die Jagd im Auslande und über das jagdbare Wild unserer ganzen Erde. In sieben Räumen ist die exotische Trophäenschau untergebracht. Dazu kommen noch die Darstellungen-der Forschungsreisen von Dr. Heck und Hagen- beck und anderer Forschungsfahrten mit Ausrüstung und Ausbeute. Das

Reit- und Fahrturnier

vereinigt ein auserlesenes Pferdematertal des deutschen Warmbluts, das in seinen hervorragenden Leistungen erprobt werden soll. Den drolligen Gegensatz dazu bilden die winzigen Ponns, auf denen einige noch sehr jugendliche Reiter ihre Künste zeigen werden.

Da kann man wohl zustimmen, wenn die Ausstellungs­leitung behauptet:Daß eine derartige, alles umfassende und geschlossene landwirtschaftliche Ausstellung noch nie in Berlin geboten wurde. ja, daß ein Besuch dieser Veranstaltung zu den elementarsten Erfordernissen aller im Berufsleben Stehenden gehört." Dr. Fritz S k o w r o n n e k.

LlnreuiaAe Kuliurpßauzeu.

Rene G e t r e i d e a r t e n d u r,y »t re ^ u h u,

über die Anbaumöglichkeilen neuer rentabler Kultur­pflanzen in Deutschland sprach auf der 12. Hauptversamm­lung der Preußischen Hauptlandwirtschafts- k a m m e r Pros. Dr. Baur, Berlin-Dahlem. Er wies darauf hin, daß eine Reihe unserer wichtigsten Agrarerzeugnisse vom Ausland so billig geliefert werde, daß sich ein Anbau vieler Kulturpflanzen kaum mehr lohne. Hierher gehörten vor allen Dingen die meisten Faser- und Ölpflanzen. Auch der Bau von Roggen und Kartoffeln sei nicht einträglich, weil der Markt davon überschwemmt sei. Man müsse ver­suchen, neue Kulturen einzuführen. Zunächst die Lupine, dann die T o p i n a m b u r k n o l l e n , die das beste Auslands­material für Insulin und Fruchtzucker seien. Noch w'chtiger als diese beiden Kulturpflanzen wären Getreidearten, die die Anspruchslosigkeit des Roggens aufweisen und ein Mehl wie Weizenmehl lieferten. Eine Reihe von Stämmen aus der­artigen Züchtungen stehe bereits im Kaiser-Wilhelm-Jnstitut für Züchtungsforschung in starker Vermehrung. Außerdem seien die Versuche, aus der Kreuzung von Roggen und Weizen und aus der Kreuzung von Weizen mit Wildgräsern Ssilopsarten) neue Getreidearten herzustellen, fortzusetzen.

chtig sei ferner die Hebung der Konkurrenzfähigkeit des Ob st- und Gemüsebaues durch Einführung neuer Rassen und Arten. Ein letztes großes Problem bestehe im Ersatz unserer von Meltau und Reblaus schwer geschädigten Weinreben durch gegen Meltau und Reblaus unempfindliche neue Vitisarten. Durch die Kreuzung von amerikanischen und deutschen Reben könne man jährlich 50 Millionen Mark sparen.

Ferner fand in der Hauptversammlung eine Entsch neßung einstimmig Annahme, in der nach einem Hinweis auf die schwere Krise der Landwirtschaft erneut ein großzügiges landwirtschaftliches Rentabilitätsprogramm ge­fordert wird. An alle verantwortlichen Stellen im Reiche und in Preußen wird die Mahnung gerichtet, unverzüglich alle Maßnahmen zu treffen, die den Zusammenbruch der heimischen Erzeugung verhüten könnten.

Neuisch-ischechofiowakischer Gebieisaustausch.

Vertrag zur Bereinigung der Grenze abgeschlossen.

Die seit längerer Zeit schwebenden Verhandlungen wegen des Abschlusses eines Vertrages über Grenzwasserläufe und Gebietsaustausch an der preußischen Strecke der deutsch - tschechoslowakischen Grenze sind am 31. d. M. in Berlin zum Abschluß gebracht worden Der Vertrag ist deutscherseits von dem Gesandten Dr. Eckhardt und tschecho- slowakischerseits von dem Kommissar für Grenzangelegenheiten Roubik, unterzeichnet worden. Der Vertrag bedarf wegen des darin vorgesehenen GebietsaustauscheS an ber ©reitje, der außer einer Reihe unbewohnter Grundstucksteile auch einige kleine Anwesen auf beutst und auf tschechoslo­wakischer Seite umfaßt, nach der Re-chsverMung der Zu- st i m m u n q Preußens. Er wird, wenn diese erfolg ist, den gesetzgebenden Körperschaften des Reiches vorgelegt wer- den ....... -

Eisenbahnunglück in Spanien.

Paris. Aus Gibraltar wird gemeldet: Als der Schnell­zug MadridAlgeciras in der Nähe des, Bahnhofes Los Barrios, östlich von Gibraltar, eine Brücke passierte, stürzte diese aus noch nicht einwandfrei festgestellten Gründen ein, und der Zug wurde tn die Tiefe gerissen. Glücklicherweise war die Mehrzahl der Reisenden bereits auf früheren Stationen ausgestiegen. Bisher werden zwei Tote gemeldet, die Zahl der Verletzten ist noch nicht festgestellt.

Der Wechsel im Kultusministerium.

Preußischer Landtag.

<122- Sitzung.) tt. Berlin, 31. Januar.

Im Preußischen Landtag gab es eine politische Debatte über die U m b e s e tz u n g des K u l t u s m i n i st e r i u m s. Die Oppositionsparteien wünschten die sofortige Abgahe einer Erklärung durch den Ministerpräsidenten. Schließlich wurde aber der der Aussprache zugrunde liegende kommunistische Antrag auf Herbeirufuug des Ministerpräsidenten im Hammel­sprung bei schwacher Besetzung des Hauses mu der knappen Mehrheit von 138 Stimmen der Regierungsparteien gegen 127 Stimmen der Opposition abgelehnt. Das Haus setzte dann die allgemeine Aussprache zur zweiten Lesung des

Wohlfahrtshaushalts

beim Abschnitt ^Allgemeine Volkswohlfahrt" fort.

Abg. Frau Wachenheim (Sozh bedauerte die Abstriche bei den Ausgaben für vorbeugende Wohlfahrtsarbeit, bei Kinder­speisungen usw. Eine Reform der Fürsorgeerziehung, deren Mängel der Minister erfreulicherweise anerkannt habe, würde von den Sozialdemokraten begrüßt.

Abg. Schuster (D. Vp.) wandle sich gegen eine Ver­knüpfung der Politik mit der Wohlfahrtspflege. Die kon­fessionellen Fürsorgeanstalten hätten Großes geleistet. Der Antrag der Sozialdemokratie auf Umorganisiernng der Für­sorgeerziehung werde von seiner Partei abgelehnt. Die kinderreichen Familien müßten in ,eder Weise unterstütz! werden.

Es sprachen dann noch die Abgeordneten S ch m i l j a n (Dem.), Kohrt (Wirtschastspartei), Prelle (Dt. Fr.), Bauer (Soz.) und F r i tz s ch e - Wounsleben (Dtn.), die bie Forderungen ihrer Parteien vorbrachten und eingehend be­gründeten.

Frau Wessel (Ztr.) forderte Fernhaltung der Politik von der Fürsorge.

Abg. Kaspar (Komm.) bezeichnete als die Hervorstechendsten Merkmale der gegenwärtigen Volkswohlfahrt den Polizei­knüppel und Beruhigungszellen.

Frau Abg. Dönhoff (Dem.) bittet, in der konfessionellen Fürsorgeerziehung von einer gegenseitigen Herabsetzung Ab- stand zu nehmen.

Abg. Kirchmann (Soz.) wendet sich gegen die Ausführun­gen des Abg. Kaspar. Jnnungskrankcukassen seien eine über­lebte Einrichtung. Sparsamkeit sei bei den hohen Gehältern des Reichsbankpräsidenten und der Wirtschaftsführer am besten - angebracht.

Abg. Zobel (Komm.) bekämpfte die Ausnahmemaßnahmen gegen kommunistische Jugendverbände. Abg. Kube (Nat.-Soz.) eüÄie, seine Lr.LU.nLr krituixrien nicht so sehr den vreuhischen Wohlfahrtsminister alsoa System. _ _ , ......

Das Programm des neuen Ministers.

DieAmt'sübergabeimKultusMinisterium.

Im Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung erfolgte die Verabschiedung des bisherigen Kultusministers Professor D. Dr. Becker und die Ein­führung des neuen Ministers Grimme ins Amt. In seinen Abschiedsworten dankte Minister Becker den ver­sammelten Mitarbeitern für das Verständnis, für die treue Mitarbeit und für die Förderung, die sie seinem Werk hätten zuteil werden lassen.

Hierauf versicherte der neue Kultusminister Grimme seinem Amtsvorgänger seine persönliche und freundschaft­liche Verbundenheit und zeigte in seinen weiteren Ausfüh­rungen die Wege, die er bei seiner Amtsführung einzu- schlagen gedenke. Den Ideen von wahrhafter Libera­lität und echter Toleranz in weltanschaulichen Din­gen sei beizufügen die Überzeugung von der Notwendigkeit einer engeren Verflechtung pädagogischer Fragen mit wirtschaftlichen und sozialen Einsichten.

Der neue Minister wurde nachmittags in der Sitzung des preußischen Staatsministeriums im Landtag vom Ministerpräsidenten Dr. Braun eingeführt und den übrigen Mitgliedern des Kabinetts vorgestellt. Hierauf nahm der Ministerpräsident die Ve r e i d i g u n g auf die Verfassung vor.

Regierungsparteien und Kabinettsfrage.

Ein letzter Versuch zur Herstellung der Großen Koalition.

Die Berufung Grimmes zum preußischen Kultus­minister dürfte nicht zu Auseinandersetzungen innerhalb der Regierungsparteien führen. Zwar ist die Berufung Grimmes den Parteien überraschend gekommen, va Braun die Parteien über seine Absicht nicht vorher unter­richtet hatte. Wie aus parlamentarischen Kreisen mitge­teilt wird, werden sich die Regierungsparteien, insbeson­dere das Zentrum, jedoch mit den vollendeten Tatsachen abfinden.

Die Frage der Regierungserweiterung in Preußen wird am Dienstag noch einmal Gegenstand'einer Aussprache zwischen dem Abgeordneten Heilmann (Soz.) und dem Abgeordneten Stendel (D. Vp.) sein. In unter­richteten Kreisen rechnet man jedoch nicht damit, daß diese Unterredung zu einer Wiederaufnahme der Ver­handlungen zwecks Herstellung der Großen Koalition in Preußen führen wird.

Hamhurgs unruhige Lage.

Rene Demonstrationen und Schießereien.

Im Anschluß an eine Erwerbslosenversammlung, an der etwa 3000 Personen teilnahmen, kam es in Hamburg zu neuen Zusammenstößen. Die Demonstranten suchten geschlossen nach dem Holstenplatz, dem Schauplatz der Reibereien am Donners­tag, durchzudringen. Die Polizei ging überall energisch vor. Die Beamten wurden dabei von Kohlenwagen mit Briketts beworfen. Auch von beut Neubau des Deutsch­nationalen Handlungsgehilfenverbandes am Holstenplatz warf man wieder mit Steinen. Die Beamten gaben mehrere S ch ü s f e ab und nahmen etwa 20 Personen in Haft.