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HersfelöerTageblatt

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Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfel- 1

mit den Be laaea: Illustriertes Ratervaltoagsdiot! / Nach Aetrkübeud / Herd aad Bchokte / Aaterdsikona n«» Witte«

Bsieoro«: ab Äorwdl / Wir Wattlichr TaKLKfrKgen

Nr. 72 Mittwoch, den 26. Mär; 1930 80. Jahrgang

Kömmt die bürgerliche Front der Mitte?

Nach dem Mannheimer Parteitag der D. V. P.

Der mit einiger Spannung erwartete Reichsparteitag der Deutschen Volkspartei ist ohne Sensation Verläufen. Er hat die Reichstagsfraktion der D- V. P. nicht bindend f e st g e l e g t, ihr vielmehr für die weiteren parlamen­tarischen Verhandlungen freie Hand gelassen. Die Basis für diesen Beschluß des Parteitages hatte bereits der Zen- tralvorftand gegeben, als er das Ergebnis seiner eingehen­den Beratungen in einer Entschließung zusammenfaßte, die die Beschlüsse des Reichsausschusses und der Reichstags­fraktion vom 2. März billigt und erwartet, daß die Reichs­tagsfraktion daran unbeirrt festhalten wird".

Diese hier angezogenen Beschlüsse des Reichsaus­schusses und der Reichstagsfraktion gehen von der Auffas­sung aus,daß das Kernstück jeder Finanz­reform eine Entlastung der Wirts ch a f t" in jeder Richtung und in Zusammenhang damit eine Sen­kung der direkten Steuern sein müsse. Als Grundsatz für die Durchführung dieser Gedanken ist angegeben worden die gesetzliche Sicherung der Ausgabensenkung in Reich, Ländern und Gemeinden, insbesondere auch durch Sanie­rung der Arbeitslosenversicherung. Vielfach war erwartet, in Kreisen, die der Deutschen Volkspartei besonders nahe- stehen, auch gefordert worden, daß der Parteitag der Deut­schen Volkspartei nach dieser Seite hin eine völlige Klar­stellung für biy weiteren Verhandlungen mit den übrigen Koalitionsparteien bringen müßte.

Nach dem, was vorausgegangen war und was schließ­lich auch zur Vertagung der interfraktionellen Finanzbe­sprechungen bis nach dem Mannheimer Parteitag geführt hatte, hätte man annehmen können, daß dieser Parteitag ein festumrissenes Programm für die Weiterführung der Verhandlungen aufstellen und die Reichstagsfraktion mit entsprechenden Weisungen ausrüsten würde. Das ist nicht geschehen. ist, wie aus den Ausführungen des Parteivor- ti^eiwn Dr SchMzchrrMrging, nicht, geschehM- LM.SLM Deutsche Volkspartei als ihre historische Aufgabe betrachtet, gemeinsam mit den übrigen Parteien der verant­wortungsbewußten Mitte und beide große Flügelparteien zur restlosen Hinabe an den Staat, wie er ist, zu veranlassen oder gar zu erziehen".

Dr Scholz hat im übrigen sich zu dem Grundsatz Stre- semanns bekannt,daß ein Regieren gegen oder auch ohne Sozialdemokratie auf die Dauer kaum möglich sei". Nachdem Dr. Scholz bisher als jenes Element innerhalb der Deutschen Volks­partei angesehen wurde, das schon zu Stresemanns Zeiten versucht habe, die Partei nach rechts, und'zwar aus der Gemeinschaft mit der Sozialdemokratie abzudrängen, mußte setzt dieses Bekenntnis umso mehr überraschen. Dr. Scholz hat aber eine Erklärung dazu gegeben, die erken­nen läßt, daß er sich auf den rein realen Standpunkt stellt. Er sieht zur Zeit keine Möglichkeit, im Sinne des Reichs­präsidenten dem Volks- und Staatsganzen unter Ausschluß der Sozialdemokratie zu dienen. Dazu ist die bürgerliche Mitte vorerst noch nicht stark genug, vor allem aber auch noch nicht einheitlich in der Festlegung des zu erstrebenden Zieles. Trotzdem hat aber der Vorsitzende der Deutschen Volksoarteiletzte Konsequenzen" angekündigt für den Fall, daß es nicht gelingen sollte, mit den übrigen bürgerlichen Parteien und der Sozialdemokratie zu einem Finanzprogramm zu gelangen, das auf die Erfordernisse des Staates und der Wirtschaft Rücksicht nimmt.

Die von Dr Scholz aufgegeigten Richtlinien sind vom Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer ergänzt worden, und zwar in der Richtung, daß die Massen selbst zu der Er­kenntnis kommen müssen, wie sehr ihr eigenes Ergehen von geordneten Reichsfinanzen und leistungsfähiger Wirt­schaft abhängig ist.

Darin scheint die Hauptbedeutung des Mannheimer Parteitages zu liegen, erneut zu versuchen, die Sozialdemo­kratie nicht nur staatspolitisch sondern auch wirtschaftspo- litisch einzustellen auf die Verhältnisse, wie sie durch die Weimarer Verfassung festgelegt wurden. Sollte das nicht zu erreichen sein, dann wird sich allerdings die von Dr. Scholz angedeutete Konsequenz nicht vermeiden lassen, die nur in einer Trennung von der Sozialdemo­kratie liegen kann.

Es ist nicht ohne Bedeutung, daß gerade jetzt Mit­teilungen veröffentlicht werden über unverbindliche Be- svrechungen, die ein engeres Zusammenarbeiten zwischen Deutscher Volkspartei, Demokraten und Christlich-Nationa­ler Arbeitsgemeinschaft zum Ziele haben. In einge­weihten Kreisen ist das keine Ueberraschung. Es ist be­kannt. daß die von der Deutscken Volkspartei abgespreng- ten Svlitter die Auffassung vertreten, daß eine Oppost- tionsstellung einer Partei nur dann praktisch einen Sinn hat, wenn man bereit ist, gegebenenfalls auch die Konse­quenzen aus dieser Oppositionsstellung durch Uebernahme der Mitverantwortung an der Regierung zu ziehen. Nach­dem die Younggesetze ihre Erledigung gefunden haben, wird das Schwergewicht der Regierungsarbeit für die nächste Zeit auf innerpolittfchem Gebiet liegen. Die Christ­lich-Nationale Arbeitsgemeinschaft hat bereits mehrfach zu erkennen gegeben, daß sie nicht nur bereit ist, sondern Wert darauf legt, an der künftigen Gestaltung der innerpoli­tischen Arbeit im Reich mitzuarbeiten.

Wenn auch die bisher geführten Aussprachen zwischen

MW erringt WAnne Sand"

Rekord der Bremen unterboten Begeisterter Empfang in Amerika Glücklicher Auftakt zur Arbeitsgemeinschaft Hapag-Lloyd

Weltrekord derEuropa"

Siegerin im Kamps umsBlaue Band"

Newyork, 25. März.

Der DampferEuropa" wurde am Dienstag 5,54 Uhr amerikanischer Zeit vom Ambrofe-Feuerschiff gesichtet. Das Schiff hat damit einen neuen Weltrekord aus­gestellt und das Blaue Band des Ozeans erworben. Die Europa" benötigte für die Ueberfahrt 4 Tage, 17 Stun­den und 6 Minuten, der Rekord derBremen" wurde damit um 36 Minuten unterboten.

Das Ergebnis der Jungfernfahrt derEuropa" ist um so bemerkenswerter, als der Dampfer während eines Teils der Ueberfahrt mit schwerer See zu kämpfen, außerdem eine im Vergleich zurBremen" längere Strecke zurückzulegen hatte.

Der Empfang in Amerika

DieEuropa" r-urde in Newyork mit ungeheurem Jubel empfangen. Den Erfolg hatte man in Amerika er­wartet. Schon vom frühen Morgen an warteten zahlreiche Motorboote, vollbesetzt mit Pressephotographen, Journali­sten und Vertretern der Behörden, auf die Ankunft des Wunderschiffes.

Als dieEuropa" in den Hafen einfuhr, stimmten alle im Hafen anwesenden Schiffe zur Begrüßung ein Sirenen- geheul an. Der deutsche Votsch,^Zer war dem Schiff auf einem Zollkutter entgegengefahren. Unzählige Menschen hatten sich an den Pieranlagen eingefunden. Um 7 Uhr morgens amerikanischer Zeit erreichte der Dampfer die Quarantänestation.

Auch die Presse widmet dem Ereignis freundschaftliche Begrüßungsartikel.

In einemWillkommen Europa" überschriebe- neu Leitartikel derWorld" heißt es, daß dieEuropa" den Rekord derBremen" schlage, sei an sich weniger bedeu­tungsvoll als die Tatsache, daß es sich bei dieser Schöpfung der deutschen Industrie der Nachkriegszeit um ein ganz un­vergleichliches Schiff handele.

Nach der Ankunft des Schiffes um S,50 Uhr amerikani­scher Zeit (14,50 M. E. Z.) teilte der Kapitän des Schiffes, Commodore Johnson, durch den Rundfunk der ganzen Welt das Ereignis mit. Danach ergriff der deutsche Botschafter Dr. von Prittwitz und Gasfron oas Wort, um die Mitteilung von der Ankunft derEuropa" auch amtlich zu bestätigen. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck, die Ge­legenheit dazu benutzen zu können, von Newyork aus einen Gruß an die Heimat richten zu können. Er schloß seine kurzen Worte mit der Bemerkung, das Schiff habe das gute deutsche Sprichwort wahr gemacht: Doppelt genäht hält bessert

Nach einer Erklärung des Kapitäns, Eommodore Johnson, hat der Dampfer während seiner Rekordfahrt nicht das Aeußerste aus seinen Maschinen herausgeholt. Der Kapitän nimmt an, daß es gelingen wird, den jetzigen Re- kord im Sommer noch zu steigern. Bekanntlich wird im Sommer die nördliche Route gefahren, die um etwa 70 See­meilen kürzer ist als die Winterroute.

Deutsche Wiederaufbauarbeit

Der Erfolg derEuropa" legt erneut Zeugnis ab von der außerordentlichen Tatkraft, die Deutschlands große

Vertretern der Mittelparteien und der Christlich-Nationa­len Arbeitsgemeinschaft ganz unverbindlicher Art waren, so hat sich aus ihnen doch bereits eine gewisse Linie her­auskristallisiert, die bei Weiterverfolgung zu einem posi­tiven Ergebnis Möglichkeiten bietet.

DirStern wieder Hott

Hamburg, 25. März.

Nach einet bei der Hamburg-Amerika-Linie eingetrof­fenen Meldung aus Konstantinopel ist der bei Tenedos aufgelaufene DampferOceana" wieder flott gewor­den. Das Schiff weist keinerlei Beschädigungen auf und hat in Konstantinopel die Passagiere wieder abgeholt, um seine Fahrt programmätzig fortzusetzen.

Seltenn - TmnsatlmtildiM

Eckeners Verhandlungen in

Neuyork, 25. März.

Während seines Aufenthaltes in Amerika hat D r. Eckener mit hervorragenden Finanzleuten und Luft­fahrtinteressenten der Bereinigten Staaten Unterhandlun­gen gepflogen, die die Einrichtung eines transatlantischen Zeppelindienstes zum Ziele haben. Zwischen amerikani­schen und europäischen Finanzleuten sind nach den Mittei­

Schiffahrtsgesellschaften nach dem Zusammenbruch entfalte­ten, um die verlorengegangene Stellung im Weltverkehr wieder zu erobern. Im Zusammenhang mit dem neuesten Erfolg der deutschen Schiffahrt ist es angebracht, die Wie­deraufbauarbeit Deutschlands auf diesen! Gebiet in der nüch­ternen Zahleninrache der Statistik festzuhalten.

Nach statistischen Ermittlungen besaß England 1914 18,9 Millionen Bruttoregistertonnen Handelsflotte, Deutschland 5,1, die USA. 4,3, Norwegen 2,9, Frankreich 1,9, Japan 1,7. die britischen Dominions 1,6, Holland 1,5, Italien 1,4, Schwe­den 1,0, Dänemark 0,8, Spanien 0,5 Millionen Brutto­registertonnen.

1929 besaß England 20,2 Bruttoregistertonnen Handels­flotte, die USA. 11,8, Frankreich 3,4, Japan 4,2, die bri­tischen Dominions 2,9, Norwegen 3,2, Italien 3,3, Holland 1,9, Schweden 1,5, Spanien 1,2, Dänemark 1,0, Deutschland 4,2. Von allen Flotten hat die deutsche Flotte sich am stärksten entwickelt und zwar vermehrte sie sich um rund 315 000 Bruttoregistertonnen bis Ende 1929.

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T Hamburg, 25. März.

Die Aufsichtsräte der H a p a g und des Norddeut­schen Lloyd haben ihre Zustimmung zu dem Vertrage, der die Arbeits- und Interessengemeinschaft der beiden Großreedereien auf 50 Jahre festlegt, gegeben. Die General­versammlungen sind auf den 15. April einberufen. Hebet die Vereinbarung wurde von beiden Verwaltungen ein Kommunique ausgegeben.

In der Geueraiversammlung des Norddeutschen Lln)d, Bremen, ging Präsident Heineken auf die Arbeitsgemein­schaft zwischen dem Norddeutschen Lloyd und der Hamburg- Amerika-Linie ein. Erfreulicherweise sei es gelungen, zu einer bereits durch die Aufsichtsräte beider Gesellschaften gebilligten Einigung zu kommen, die ohne Preisgabe der Selbständigkeit beider Gesellschaften und unter starker Be­tonung und Sicherung der Interessen der Heimathäfen eine gedeihliche Zusammenarbeit nach menschlichem Ermessen sicherstellt. Damit komme eine Entwicklung zum Abschluß, deren Notwendigkeit schon vor dem Kriege vorauszusehen war. Wie man hoffe, sei nunmehr ein Werk geschaffen, des­sen Früchte der deutschen Wirtschaft als Ganzes und schließ­lich auch der Welt zugute kommen sollen. Bei der Wichtig­keit der Angelegenheit wolle man die Abreden der Zustim­mung der Generalversammlungen beider Gesellschaften un­terbreiten. Von beiden Linien werde eine Generalversamm­lung auf Dienstag, 15. April, mittags 12 Uhr, einberufen.

Der Norddeutsche Lloyd und die Hapag haben in einem Vertrage von SOjähriger Dauer vorbehaltlich der Zustim­mung durch die Generalversammlung beschlossen, ihre ge­samte wirtschaftliche Betätigung unter Verzicht auf jedweden Vorrang in gegenseitiger Unterstützung und Förderung nach einheitlichen Gesichtspunkten und unter einheitlichem Zu­sammenwirken auszuüben. Beide Gesellschaften bleiben selb­ständig, mit dem Sitz in Hamburg und Bremen, sie bewah­ren ihren bisherigen Charakter dadurch, daß sie getrennte Aufsichtsräte behalten, deren Mitglieder wie bisher in ihrer Mehrzahl in Hamburg bezw. Bremen ansässig sein müssen. Zur Besprechung gemeinsamer Angelegenheiten treten die Aufsichtsräte durch eine Anzahl ihrer Mitglieder zu einem Gemeinschaftsrat zusammen.

Mit dieser Lösung ist dem seit Jahrzehnten bestehenden Wettbewerb der Interessen zwischen der Hamburg-Amerika- Linie und dem Norddeutschen Lloyd ein endgültiges Ende bereitet.

lungen Eckeners Vertrüge unterzeichnet worden, und zwar u. a. mit der Zeppelintransportgesellschaft in Delaware, der National City Company, der Good Year - Zeppelingesellschaft, der United Air- craft Company, dem größten Flugzeugkonzern der Vereinigten Staaten, der Aluminium Company u. a.

Die Unterzeichnung des Vertrages wird in Amerika als Beweis dafür angesehen, daß der Plan eines Zeppelin- Transatlantikdienstes nunmehr einer baldigen Ausführung entgegengeht. Bis zum Ende des Jahres erwartet Eckener den Abschluß der Vorarbeiten für die Aufnahme des Transportdienstes, die noch in diesem Jahre erfolgen soll. Die Luftschiffe sollen in Deutschland und Amerika gebaut werden.

In Amerika hat man bereits Versuche gemacht, um die Brennstoffversorgung der Zeppelinluftschiffe sicherzu­stellen. Zu diesem Zwecke wird ein Riesendrachenballon mit einem Fassungsvermögen von 700 000 Kubikfuß Ver­wendung finden. Der Ballon ist gegenwärtig nach Brasi­lien unterwegs, wo die Gastanks für das LuftschiffGraf Zeppelin" gefüllt werden sollen, wenn es auf seiner Süd­amerikareise Pernambuco berühren wird

Unter den Begleitern Gandhis auf seinem Protestmarsch ist eine ansteckende Krankheit ausgebrochen, so daß bereits 19 Erkrankte auf Tragbahren mitqeführt werden.