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Kersfel-erTageblatt

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Bei Wiederholungen wird ein entfpi NachlaK gewührt. Kür die Schrtl worillch: Kranz Kunk in Hersfelö. 5

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Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

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mit bea Beilassu: Allustriertes AnlerhattungSblatt / Nach UeireabrnS / Herd und Schotte / Anterbaltung aaS Wissen Belehrnna and Krrrrweit / Wirtschaftliche Laaesfragev

Nr. 100

Mittwoch, den 30. April 1930

80. Jahrgang

Schabers Reise ja den Westmächlen

Qr österreichische Vundeskanzier in Paris.

Anleihepläne und innere Festigung.

Die französische Hauptstadt verunstaltet in diesen Tagen eine große Reihe von offiziellen Festlichkeiten zu Ehren des in Paris weilenden Österreichischen Bundes­kanzlers Dr. Schober, der im Anschluß an seine seiner- zeitige» Reisen nach Rom und Berlin nunmehr auch die Regierungen der europäischen westlichen Großmächte Frankreich und England besucht. Die Presse in Paris und London beschäftigt sich in außerordentlicher Weise mit dem Besuch und legt ihm besondere Bedeutung bei. Mit Briand hatte Schober bereits eine längere Unterredung.

In erster Linie soll Schober nach dem vortrefflichen Abschneiden Österreichs bei den Haager Abmachungen Anleihepläne zwecks Wirtschaftsaufbau fördern, dann aber auch der inneren Festigung des bisher unter Partei- zerrissenheit leidenden einzig neben Ungarn selbständig gebliebenen Reiches der ehemaligen Habsburger-Monar­chie bessere Aussichten eröffnen. Selbstverständlich wird dabei bei der Mentalität der Franzosen der Anschluß­gedanke an das Deutsche Reich in den Vordergrund gerückt werden.

Kommunique über die Unterredung Schober-Briand

Paris, 30. April. Ueber die Unterredung, die der Bun­deskanzler Schober Dienstag mittag mit Außenminister Briand hatte, gibt das Außenministerium ein Kommunique aus, in dem es heißt: Dr. Schober hatte Gelegenheit, Briand über die gegenwärtige Außen- und Jnnennolitik Oesterreichs sowie üver dessen Wirtschaftslage zu informieren. Er erin­nerte ihn vor allem an die Verpflichtungen, die Oesterreich durch seine geographische Lage in Mitteleuropa auferlegt wer­den, wo es ein Element der Ordnung im Dienste des euro­päischen Friedens bilde. Der Bundeskanzler hat ferner Briand seinen Dank für die Oesterreich in der Vergangenheit und namentlich auf der Hager Konferenz gewährte Unter­stützung Frankreichs zum Ausdruck gebracht. Briand be­glückwünschte den Bundeskanzler zu den für Oesterreich er­freulichen Ergebnissen und gab Dr. Schober die Versicherung, daß Frankreich weiterhin in seinen Beziehungen zu Oester­reich die gleiche wohlwollende Einstellung wie in der Ver­gangenheit zeigen werde.

Oesterreichs Anschlußfrage.

Nun ist das letzte Hindernis für die Ratifikation des Young-Planes aus der Welt geräumt: auch über die O st r e p a r a 1 i o n e n hat man sich nach sechs- monatiger Kommissionsarbeit endlich geeinigt und, um den Noung-Plan in Gang zu setzen, ist es nur noch not­wendig, daß er von England und Italien angenommen wirb. Natürlich ist es kein Zufall, daß der Österreichische Bundeskanzler Dr. Schober gerade in dem Augenblick einen Besuch in Paris macht, als nun sozusagen der Schlußpunkt hinter die Verhandlungen über die gesamte Reparationsfrage gemacht worden ist. ,

Keinem Staat unter den ehemaligen Mittelmächten es auf der Haager Konferenz so gut gegangen wie S st er» r e i ch; es hat überhaupt keine Lasten mehr zu tragen, die ihren Ursprung im Weltkrieg finden, hat jetzt die Arme frei, um sich wieder hochzuarbeiten. Schon in der kurzen Zeit, während der der neue Bundeskanzler Dr. Schober die Führung der politischen Geschäfte in Österreich hat, ist es ihm also wiederholt gelungen, für sein Land bedeutende Erfolge hereinzuholen; abgesehen von dem Resultat der Haager Konferenz hat er ja durch seine Rerse nach Rom die politischen Schwierigkeiten zwischen Österreich und Italien einigermaßen ansgeglichen und dann durch einen .Handelsvertrag mit Deutschland auch vorteilhafte Früchte für die Wirtschaft seines Landes mit nach Hause gebracht.

Die Befreiung von jeder Reparationspflicht hat nun dem "kleinen Deutsch-Österreich auch den Weg dafür frei gemacht, an den internationalen Geldmarkt mit Anleche- wünschen heranzutreten. Bisher nämlich, solange Öster­reich noch Reparationen zahlen sollte, haftete es mrt fernem Volksvermögen für die Erfüllung btefcr Pflichten. Jetzt lastet auf diesem Staat aber nur noch die Volkerbund­anleihe, für deren Sicherstellnng auch bestimmte Garantien gegeben werden mußten; sie bezogen sich vor allem auf die Stabilerhaltung der österreichischen Währung. Frank­reich als führende Macht im Völkerbund übt daher eine Art finanzpolitischer Beeinflussung Österreichs aus, wenn auch natürlich nur sehr indirekt; und selbstverständlich ist die Reife Dr Schobers nach Paris nun nicht etwa nur als ein Akt der Höflichkeit gemeint. Zwischen den Festen und Feiern Besuchen und Banketten wird man wohl Zeit genug haben für eine Besprechung über die österreichischen Anleihewünsche. Ausdrücklich soll diesmal der aus­ländische Kredit in Österreich nur für wirtschaftliche In­vestierungen verwendet werden. Dieweiße Kohle", also die Wasserkräfte zwecks Elektrifizierung, ist der eigentliche Rohstoff, über den Österreich heute verfügt, nachdem ihm Kohle und Petroleum im Frieden von St. Germain ent­

rissen worden sind. Man hat große Pläne für die Aus­nutzung der Wasserkräfte in den Alpen und auch reich­lichste Gelegenheit, diese zu verwerten, aber bisher war es dem Staat nur möglich, ausländisches Privatkapital dafür zu interessieren nicht immer zum unbedingten Nutzen der österreichischen Wirtschaft selbst; die finanzielle Notlage, in der sich der Staat befindet, ist von den aus­ländischen Geldgebern weidlich ausgenutzt worden.

Selbstverständlich hat man in der französischen Presse den Österreichischen Bundeskanzler Dr. Schober gleich mit der Frage begrüßt, wie er zu dem deutsch-österreichischen Anschlußgedanken stehe. Eigentlich ist es doch er­staunlich, wieviel Wesens heute noch von der angeblichen Friedensstörung" gemacht wird, die eine Verschmelzung Österreichs mit Deutschland bedeute; aber dementsprechend tönt es auch jetzt wieder aus allen französischen Zeitungen, Österreich würde für seine Anleihewünsche nur dann Er­füllung finden, wenn es selbständig bleiben, jeden Ge­danken an den Anschluß von sich weisen würde. Dr. Schober wird wohl dementsprechende Zusicherungen machen und vom deutschen Standpunkt aus gesehen, braucht man das nicht zu tadeln. Österreichs Wirtschaft bedarf Anleihen auf das dringendste und dieses finan­zielle Hemd wird ihm näher fein, als der zukünftige Rock des Anschlußgedankens. Geschichtliche Entwicklungen und die Verschmelzung Deutschlands mit Österreich ist eine solche geschichtliche Entwicklung nicht bloß deswegen, weil sie in den Novembertagen 1918 ausgesprochen war, dann aber auf Gebot der Entente wieder beseitigt werden mußte, sondern weil die nationale Zusammenfassung der. Völker überhaupt das Ergebnis der neuesten Geschichte ist voll­ziehen sich nicht so schnell, wie Wunsch und Verlangen das fordern; aber einst wird kommen der Tag, an dem der letzte Widerspruch gegen die Verschmelzung verstummt sein IvUu. övtlUu|ly uUctvlut)» ist ds «luu, »vm til» mu^i»..

Im übrigen soll gelegentlich des Befuchs Dr. Schobers in Paris auch noch manches andere über die österreichische Innenpolitik verhandelt werden. Stehen sich doch auf dem Boden Österreichs schroff und sogar bewaffnet die beiden großen Bünde gegenüber, die Heimwehren und der Republikanische Schutzbund, derentwegen es beinahe zum Bürgerkriege gekommen wäre. Hinter den Kulissen der internationalen Politik scheinen sich nun vor kurzem Verhandlungen der Westmächte mit Österreich abgespielt zu haben, und zwar mit dem Ziele, nach einer Beruhigung der innenpolitischen Verhältnisse Österreichs zu einer mög­lichst weitgehenden Entwaffnung der Bünde zu gelangen; entsprechende Forderungen sind ebenso im Londoner wie im Pariser Parlament bereits vor längerer Zeit erhoben worden. Wenn das auch eine Einmischung in die Souveränität Deutsch-Österreichs bedeutet, so wird Dr. Schober den Druck sicherlich ausnutzen, der von draußen her im Sinne einer Entwaffnung erfolgt, und Österreich wird davon bestimmt nur einen Vorteil haben, weil dann den innenpolitischen Gegensätzen die schärfste Spitze und ihre verhängnisvollsten Wirkunaeu genommen sein werden.

Teilte Kabinettskrise in Spanien

Madrid, 30. April. Ministerpräsident Berenguer er- klärte Pressevertretern, die Gerüchte über eine Labinettskris« seien vollkommen unbegründet. Die Regierung werden der Weg, den sie sich vorgezeichnet habe, weiter verfolgen, bis dar Parlament eine Entscheidung getroffen habe.

Die Regelung der Ostreparationen

Eine Erklärung Ministers Krofta.

Prag, 30. April. Im Außenausschuß des Senates er­stattete Minister Krofta Bericht über die Pariser Konferenz für die Ostreparationen. Er hob hervor, daß es gelang, alle Unklarheiten soweit zu beseitigen, daß ernstliche Konflikte überhaupt nicht mehr entstehen können. Er gab zu, daß die Ungarn in wesentlichen Punkten Erfolge erzielt haben. Sie können sagen, den Artikel 250 behauptet zu haben. Jedoch hören alle Klagen aus der Bodenreform auf. Für die Ungarn ist es wertvoll, daß das Pfandrecht auf ihren Gütern und Einnahmen erlöscht, daß die Kontrolle aufhört und daß sie die Möglichkeit einer internationalen Anleihe erlangen. Das Wertvollste ist, daß das Abkommen für beide Parteien annehmbar ist und beiden Vorteile bringt. Schließlich er­wähnte Krofta, politisch sei es durchaus unrichtig, sich vorzu- stellen, daß bei den Pariser Verhandlungen von den Groß­mächten die einen für Ungarn, die anderen für die Tschecho­slowakei kämpften. Das Verhältnis der Tschechoslowakei zu den Verbündeten sei gefestigt und das Verhältnis zu Ungarn gebessert.

Mac Garrah reift nach Brüssel

: Berlin, 30. April. Der Präsident der B.J.Z., Mae Garrah, der am 30. d. M. zum letztenmal an einer Ge­neralratssitzung der Reichsbank in Berlin teilnimmt, begibt sich, wie W.T.B.-Handelsdienst erfährt, unmittelbar darauf nach Brüssel, um als Vorsitzender an Besprechungen der Privatbanken teilzunehmen, die die erste Branche der Young- Anleihe an den verschiedenen internationalen Plätzen emit­tieren sollen.

Wiederzusammentritt des Parlaments.

Vor der großen Etatsrede des Reichsfinanzministers.

Nach der Osterpause tritt der Reichstag am Freitag dieser Woche wieder zusammen, um den Etat für 1930 in erster Lesung zu erledigen. Die Beratung beginnt mit einer g r o ß e n R e d e des Reichsfinanzministers Dr. Moldenhauer. Nach Beendigung der Aussprache soll dann am Sonnabend der Etat dem Haushaltsausschuß über- wiesen werden, der bereits am Montag seine Arbeiten be­ginnt. Das Reichstagsplenum wird sich am Sonnabend, um dem Ausschuß Zeit für seine Arbeit zu lassen, noch­mals für eine Woche vertagen.

Bereits am Donnerstag hält der R e i ch s r a t eine Sitzung ab, neben kleineren Vorlagen soll der Gesetzent­wurf über die Ermächtigung zur Ergreifung von steuer­lichen Maßnahmen zum Zwecke der Erleichterung und Ver- billigung der K r e d i t v e r s o r g u n g der deutschen Wirtschaft verabschiedet werden.

Am Dienstag, dem 6. Mai, nachmittags 1 Uhr, nimmt derPreußischeLandtag seine Arbeiten wieder auf. Auf der Tagesordnung steht die Einzelberatung der Etats der Bergverwaltung des Landwirtschaftsministeriums, der Gestütverwaltung sowie des Volkswohlfahrtsministe­riums, ferner die zweite Beratung der Etats des Land­tages, des Staatsrats und der Staatsbank.

Gegen ein Moratorium.

Bedenken von Handel und Gewerbe.

Die amtlichen Berufsvertretungen von Handel und Ge­werbe Ostpreußens, und zwar der Verband ostpreußischer Industrie- und Gewerbekammern, die Industrie- und Handels­kammer zu Königsberg und die Handwerkskammer für das östliche Preußen veröffentlichen eine Erklärung, die sich mit den Forderungen nach einem Moratorium beschäftigt. Darin wird u. a. hervorgehoben, daß diese Forderungen im einzelnen unklar seien und in wesentlichen Punkten vonein- es sich um ein Generalmoratorium handeln solle, ob das Mora­torium nur der Landwirtschaft oder auch anderen Be­rufsgruppen gewährt werden solle, auf welche Forderungen es sich erstrecken solle, ob nur ein Zahlungsaufschub oder auch ein gleichzeitiger Erlaß gewisser Schulden gewährt wer­den solle usw. Um eine Beunruhigung der Öffentlichkeit zu vermeiden, erklären die unterzeichneten amtlichen Berufsver­tretungen von Handel und Gewerbe Ostpreußens, daß sie diesen Bestrebungen fernständen. Ein über die bereits seit Jahren geforderte Stundung oder Ermäßigung der Steuern hinaus­gehendes Moratorium, das sich insbesondere auch auf pri­vate Forderungen erstrecken solle, wird von den unterzeich­neten Kammern als nicht nur ungeeignete, sondern geradezu s ch ä d l i ch e Maßnahme abgelehnt.

Memlandamnestie im Landtagsausschuß abgelehnt.

Der Rechtsausschuß des Preußischen Landtages lehnte einen Entschließungsantrag der Wirtschaftspartei betreffend die Gewährung von Straffreiheit aus Anlaß der bevorstehenden Räumung des besetzten Gebietes gegen die Stimmen der Antragsteller und der Deutsch» nationalen ab.

Indische Truppen meutern.

Beunruhigung in England.

Großes Aufsehen ruft in England eine Meldung aus dem Unruhegebiet in Indien hervor, die von der indischen Regierung nach London gesandt wurde. Während der letzten Unruhen in der Stadt Peschawar sei die Haltung einer kleinen Abteilung eingeborener Truppen, nämlich zweier Züge der Garhwalschützen, unbefriedigend gewesen. Die Truppen haben also den Gehorsam ver­weigert. Das betreffende Bataillon ist nach Abbottabad verlegt worden und eine Untersuchung ist eingeleitet worden. Die Londoner Blätter weisen darauf hin, daß die Garhwalschützen aus Hindus der oberen Kaste bestehen, und daß die überwiegende Mehrheit der Anhänger Gandhis, wie dieser selbst, Hindus sind. Das Regiment habe sich im Weltkriege mehrfach ausgezeichnet.Daily Mail" nennt die Nachricht beunruhigend und behauptet, die Tatsache, daß die Nachricht erst jetzt bekannt wird, sei darauf zurückzuführen, daß Nachrichten aus Indien seit einiger Zeit der Zensur unterworfen seien.

In verschiedenen Teilen Indiens ist es zu Kämpfen zwischen strenggläubigen Hindus und Angehörigen her Sekte derUnberührbaren" gekommen, wobei zahlreiche Personen verletzt wurden.

Im Zusammenhang mit eingehenden Erhebungen in Kalkutta wurden fünfzehn verdächtige Personen ver­haftet. Die Fuhrleute der Stadt haben die Arbeit niedergelegt, um dagegen zu protestieren, daß man einigen Fuhrleuten die Schuld an den letzten Zusammenstößen beigemessen hat. _____

Schweiz-Fahrt des Zeppelin verschoben

Berlin, 30. April. Nach Wetterberichten aus der Schweh ist mit einer Besserung des Wetters vorerst nicht zu rechnen Die Täler und Berge liegen völlig unter Wolken, so daß keinerlei Aussicht auf die Berge ist. Da sich die Wetterlage in den nächsten zwei Tagen voraussichtlich nicht ändert, wird die Fahrt desGraf Zeppelin" verschoben werden.