HersfelöerTageblaü
Hersfelöer Kreisblatt Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfel- mit den Betlaaea: SllsArlertes AatechattllaaSdlott / Nach Aetrrabraö / ©erd and Scholle / Aaleebaltvaa und Wisse« Beteoraos and Kur; weil / Wierschaktttche Tagesfrogev
Nr. 114
Freitag, den 16. Mai 1030
80. Jahrgang
Gchlust in Gens
LurAs mahnt M A-rUmH.
Vertagung in Genf.
Bei einer Sitzung des Völkerbundrates gab der Bericht über die letzte Tagung des Sicherheitskomitees dem deutschen Ratsmitglied Dr. Curtius Gelegenheit, angesichts der nicht befriedigenden Ergebnisse einen dringenden Appell an alle Staaten zu richten, sie möchten bis zur nächsten Völkerbundtagung alle Anstrengungen machen, um in dem großen Fragenkomplex der Organisierung des Friedens zu brauchbaren Vorschlägen zu kommen.
Von Interesse war weiterhin eine Erklärung des englischen Außenministers über die Lage in Palästina. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung sei das Truppenaufgebot vermehrt worden; auch erwäge man die Einrichtung einer Garnison, wie sie seit langem von Palästina verlangt werde. Bis zur Entscheidung über diese Frage werde das Truppenaufgebot auf seiner jetzigen Höhe gehalten. Auch sei bereits mit der Reorganisation der Polizei in Palästina begonnen und in Ausführung der Vorschläge eines hohen britischen Polizeioffiziers zum besseren Schutz der jüdischen Kolonie eine Reihe weiterer Maßnahmen ergriffen worden. So sei die britische Polizeiabteilung in Palästina um 479 englische Polizisten verstärkt worden. Die englische Regierung habe sich ferner in Verhandlungen mit einer arabischen Delegation aus Palästina über die Interessen und Ansprüche ihrer Stammesgenossen unterrichtet und prüfe jetzt die Mittel, wie im Rahmen des Mandats ihre legitimen Ansprüche gewährleistet und jede noch bestehende Besorgnis behoben werden könne.
Die 59. Ratstagung wurde dann geschlossen. Die auf der Tagesordnung stehenden oberschlesischen Minderheitsfragen werden erst in der nächsten Ratstagung im September zur Entscheidung kommen. Die Besprechungen «zwischen der deutschen und der polnischen Delegation haben aber 3« Isfe des Reichsaußenministers und des polnischen Außenministers gefuyu. »^ eine Fall betrifft die Entlassung von 32 deutschen Knappschaftsärzten in Tarnowitz, der zweite die Entziehung der Lizenz des Prozeßagenten Ochmann durch die polnischen Behörden.
Das polnische Ratsmitglied Zaleski gab bte bestimmte Zusicherung einer beschleunigten Durchführung der En- auet-' und einer vollständigen Vorlage der Bestandsausnahme. Auf Antrag des Berichterstatters wurden sodann beide Berichte unter Ergänzung durch die von Deutschland und Polen abgegebenen Erklärungen vom Rate angenommen.
Befehl zur Memlan-raumung?
Obstruktion der Generalität.
Nachdem sämtliche am Haager Vertragswerk beteiligten Mächte den Neuen Plan ratisiziert haben und er somit in Kraft getreten ist, ist die Frage der Rheinlandräumung jetzt akut geworden. Der Abzug der französischen Truppen aus dem bis jetzt noch besetzten Gebiet war Gegen-
Um die Mobilisierung derVoung-Anleihe
Verzinsung für Amerika macht Schwierigkeiten.
Bafel, 16. Mai. Die Verhandlungen über die Mobilisierung der Younganleihe, die hier zwischen den Bankiers, den Vertretern der Schatzämter und Notenbanken und der Leitung der B.J.Z. geführt werden, dauerten bis in die Abendstunden hinein. Ein Beschluß konnte noch nicht gefaßt werden, da zwei maßgebende französische Delegierte noch nicht in Basel eingetroffen sind. Indessen glaubt man annehmen zu dürfen, daß die gestrige Diskussion bereits über verschiedene Punkte einigermaßen Klarheit geschaffen hat. So dürfte die Forderung nach besonderen von Deutschland zu leistenden Garantien für die 100 Millionen Dollar, die der Reichsbahn und der Reichspost zufallen sollen, fallen gelassen werden, da man grundsätzlich sich der Ansicht der deutschen Delegierten anschließt, daß es sich um eine Anleihe des Deutschen Reiches handelt, für die der deutsche Kredit genüge.
Große Schwierigkeiten bietet noch immer die Frage der Verzinsung der Yoüng-Obliqationen in den Vereinigten Staaten, und in gewissen Bankkreisen wäre man nicht abgeneigt, den Vereinigten Staaten eine Sonderstellung ein= zuräumen in dem Sinne, daß eotl. für die U.S.A. ein Zinsfuß von 6,5 Prozent in Frage kommt. Indessen konnte auch über diesen Punkt eine offizielle Mitteilung noch nicht erhalten werden.
Bezüglich des Anstellungsverhältnisses der hohen Beamten der B'I.Z. ist noch zu erwähnen, daß amerikanischen Ge- schäftsprinzipien entsprechend, vom Abschluß von Anstel- lungsverträgen abgesehen wurde.
v. Hoesch bei Tardieu
Paris, 16. Mai. Ministerpräsident Tardieu hatte gestern nachmittag eine einstündige Unterredung mit dem Botschafter von Hoesch.
Estuischer Staatsbesuch in Deutschland
Reval, 16. Mai. Eine Abordnung des Parlaments ist unter Führung des Kammerpräsidenten Einbund gestern abend nach Berlin abgereist, Auch vier estnische Journalisten darunter der Direktor der Estländischen Telegraphenagentur Kornel, nehmen an dieser Reise teil.
stano einer Unterredung zwischen E u r t i u s und Briand, wobei beide Minister über die Termine der Rheinlandräumung zu einem rückhaltlosen Einvernehmen gekommen sein sollen.
Aus gutunterrichteten Kreisen erführt man übrigens, daß das Kriegsministerium in Paris der Räumung einige Hindernisse in den Weg gelegt haben soll. Es soll zu einem heftigen Auftritt zwischen Ministerpräsident Tardieu und dem Befehlshaber der Besatzungs- truppen, General Guillaumat, gekommen sein. Tardieu soll den General gefragt haben, warum das Oberkommando, das.feit langem von der bevorstehenden Räumung wisse, nicht rechtzeitig seine Vorbereitungen getroffen habe. Guillaumat soll darauf geantwortet haben, daß er keinerlei amtliche Instruktionen erhalten habe.
Wie das Pariser „Journal" meldet, soll der amtliche Befehl zur Räumung an die Besatzungsbehörden nunmehr umgehend ergehen. Man glaubt, daß die französische Regierung sich auch nicht durch die Quertreibereien beeinflussen lassen wird, die in einem Teil der nationalistischen, Presse in Paris gegen die Räumung eingesetzt haben und an denen sich auch der ehemalige Ministerpräsident Poincars beteiligt. Im „Excelsior" stellt Poincarö eine ganze Liste von Vorwürfen gegen Deutschland auf, die seiner Ansicht nach das Vertrauen in die Loyalität der Reichspolitik unmöglich machen.
Es wäre natürlich ein Bruch aller Vereinbarungen, falls die Rheinlandräumung auch nur um einen Tag später als vereinbart verzögert würde. Man wird ja sehen, ob Tardieu und Briand der französischen Generalität gegenüber genug Kraft besitzen, um den abgeschlossenen Verträgen zu ihrem Recht zu verhelfen.
r Wer ist für Pan-Europa?
Briands Fragebogen.
Paris, 16. Mai. Briands Fragebogen über die bundes- staartretz»—se^yu^q.^*«..# - - - -------
abend veröffentlicht werden. Das Dokument wird vorher den interessierten 26 europäischen Mächten überreicht und den anderen Weltmächten zur Kenntnisnahme übergeben werden. Briand wird in der Note anregen, man möge im Rahmen des Völkerbundes und unter Achtung der Souveränität der vertretenen Staaten einen Sonderorganismus einsetzen, der in periodischen Konferenzen sich mit den verschiedenen Problemen von allgemeinem Interesse für all« europäischen Mächte befassen soll. Der französische Außenminister wird die Außenminister der anderen Länder auffordern, ihm mitzuteilen, unter welcher Form nach ihrer Ansicht diese Zusammenarbeit eingeführt und auf welche Fragen sie sich erstrecken könnte.
Briand wird eine ziemlich rasche Beantwortung seines Fragebogens erbitten, damit er in der Lage fei, unter Zugrundelegung der Ergebnisse dieser Umfrage einen Bericht für die nächste Völkerbundsvollversammlung auszuarbeiten und im September d. I. einen bestimmten Vorschlag unterbreiten zu können.
Die „Stürme" auf die Salzbepots.
Indische Demonstrationen.
Frau Naidu, die Nachfolgerin Gandhis in der Führung der indischen Aufstandsbewegung, hat sich selbst an die Spitze einer Freiwilligenkolonne gefetzt, um den natürlich völlig aussichtslosen Versuch zu mache«, das staatliche Salzdepot in Dharsana zu stürmen, das von Militär und Polizei sowie von Stacheldrahtzäunen umgeben ist. Der Allindische Nationalkongreß hatte Frau Naidu mit der Organisation dieses „Sturmes" beauftragt, der natürlich nur zu neuen Opfern und Verhaftungen führen wird. Auch andere Frauen der Aufstandsbewegung beteiligen sich an derartigen Demonstrationen gegen das Salzmonopol, eine von ihnen ist als erste Frau von den Engländern aus ein Jahr ins Gefängnis gesetzt worden.
Die Engländer versuchen aber auch in der Stadt Scholapur, die bekanntlich Schauplatz schwerster Unruhen war, dadurch energisch „normale" Verhältnisse wiederher- zustellen, daß sie die Wiedereröffung der dortigen stillgelegten Baumwollspinnereien erzwingen wollen und — als bezeichnende Gegenmaßnahme — das Tragen einheimischer Stoffe verboten haben. Auf der anderen Seite hat die indische Majorität in der Stadtverwaltung von Kalkutta dem „Apostel der Gewaltlosigkeit, Gandhi", zu seiner Verhaftung und zu den Fortschritten seines Feldzuges demonstrative Glückwünsche ^ausgesprochen.
Geheime Beratung der indischen Nationalist enführer
Allahabad, 16. Mai. Der Vollzugsausschuß des Nationalistischen Kongresses ist hier zu einer Geheimsitzung zusammengetreten, in der seit drei Tagen und Nächten ^inta“«' schlossenen Türen das Aktionsprogramm für die Fortsetzung des passiven Widerstandes beraten wird. Man ist jedoch noch zu keinem endgültigen Entschluß getommeh. Umfassende Vorsichtsmaßregeln sind getroffen worden, um bis zum Abschluß der Beratungen nichts über ihren Verlaus in Die Oeffentlichkeit gelangen zu lassen.
Industrie und Landwirtschafl.
Mittel für das O st p r o g r a m m.
Der Reichsverband der deutschen Industrie hat ein Gutachten über Maßnahmen, die zu einer dauernden Besserung der Lage der Landwirtschaft führen sollen und das er sich von einer Reihe namhafter Vertreter der Agrarwissenschaft hat erstatten lassen, der Öffentlichkeit übergeben. Er geht dabei von der Erwägung aus, daß die letzten Jahre
die entscheidende Bedeutung des Binnenmarktes für alle Teile der Produktion
deutlich bewiesen, insbesondere auch für die dauernde Aufrechterhaltung eines gesunden Exportes.
Die Tatsache, daß erhebliche Teile der Landwirtschaft vor einer Katastrophe stehen, macht es weiterhin erforderlich, öffentliche Mittel aufzuwenden, die von der Industrie zum erheblichen Teil aufgebracht werden müssen; von der gegenwärtigen Wirtschaftslage werden aber auch zahlreiche mittlere und kleinere Betriebe der Industrie nicht weniger betroffen als erhebliche Teile der Landwirtschaft. Für die Hilfe ist Vor- anssetzung dafür, daß die Lage der Landwirtschaft, als eines der wichtigsten Teile des Binnenmarktes, nachhaltig gebessert wird. Der Reichsverband der Deutschen Industrie erkennt an, daß grundsätzlich die bisherige Zollpolitik nicht b e a n st a n d e t wird, ohne daß dadurch die Maßnahmen in ihren Einzelheiten gebilligt werden sollen. Zoll- maßnahmen können aber auf die Dauer nur zum Ausgleich der unterschiedlichen naturgegebenen Produktionsbedingungeu vertreten werden. Auf die Dauer gesehen, wird die vor- iviegende Betonung des Zollschutzes der Landwirtschaft nicht helfen und darüber hinaus den Binnenmarkt beunruhigen und die Ausfuhrinteressen beeinträchtigen Es müssen deshalb andere Wege gegangen werden, die auch von der Landwirtschaft wiederholt angeregt worden sind, praktisch aber noch nicht zum Ziele geführt haben.
Durch weitgehende, mit größter Beschleunigung durch- zuführende betriebswirtschafliche und absatz- organisatorische Maßnahmen muß dafür gesorgt werden, daß die Erzeugungsbedingungen der deutschen Landwirtschaft sich denen in den konkurrierenden Ländern anpassen, und dem veränderten Verbrauch in stärkerem Maße Rechnung tragen. Auf derartige Wege weisen die Verfasser des zur Veröffentlichung gebrachten Gutachtens hin, das der Reichsverband der Deutschen Industrie selbst als eine brauchbare aebenben'ycYireWö^^^ ist mit maß- und diese haben unter VorbÄJli ihrer SteUuühUayme im einzelnen das Vorgehen des Reichsverbandes begrützt.
Für einen Erfolg ist aber notwendig, daß die deutsche Wirtschafts- und Finanzpolitik der Lage der deutschen Volkswirtschaft Rechnung trägt und die Tatsache der auferlegten außenpolitischen Verpflichtungen nicht Übersicht.
Der Reichsverband der Deutschen Industrie hat aber weiter noch durch das geschästsführende Vorstandsmitglied Geheimrot Dr. Kastl sich bereit erklärt, aus den 330 Millionen, die bisher für die Jndustriebelastung aufgebracht wurden und die ja durch den Young-Plan zwar grundsätzlich beseitigt sind, tatsächlich aber für die Reichskasse zu fast gleicher Höhe weiter erhoben werden, das Ostprogramm der Regierung finanziell zu unterstützen. .....
Voraussetzung dabei ist u. a., datz für Die Verteilung dieser Mittel, die zu 60 Prozent der mittleren und kleineren Industriebetriebe im Osten, zu 40 Prozent den Zwecken der landwirtschaftlichen UmschuldungzufNetzensollen, bestehende Organisationen, nämlich die Bank für ^n- dustrieobllgationen bzw.die Rentenbankkroditanstalt benutzt werden. Für die Umschuldungskredite ist durch unabhängige Persönlichkeiten die Umfchuldungsfahlgkeit der Be- triebe nach persönlicher und fachlicher Hinsicht genau zu prüfen. Nach Abstotzung aller bisher aufbringungspflichtigen, also mit den Jndustrieobligationen des Dawes-Planes belegten Unternehmungen unter einer Million Kapital, sollen die dann übrig- bleibenden zwölf Prozent für das laufende Jahr 1930/31 für die Zwecke des Ost Programms zur Verfügung stellen, von denen allerdings die 70 Millionen abzuziehen wären, die aus der Bank für Jndustrieobligationen für den Reichshaushalt 1930 entnommen werden sollen. Für die folgenden vier Jahre werden dann, jährlich um 40 Millionen absteigend, weitere Summen zur Verfügung gestellt, also 160, 120, 80, 40 Millionen bis Ende 1935, so daß
von der Industrie im ganzen 600 Millionen für die Zwecke des Ostprogramms hergegeben werden.
Diese Summen werden der Rentenbankkreditanstalt bzw. der Bank für Jndustrieobligationen zinslos jiberwiesen, sollen aber von diesen bei den zukünftigen Schuldnern hypothekarisch zu einem geringen Zinsfuß stchergestellt werden, weilJie nur Leihkapital bleiben sollen, für das natürlich aber eine lange Laufzeit vorgesehen ist.
31 Millionen Ausfuhrüberschuß.
Deutschlands Außenhandel im April.
Der erste Monat des Haushaltsjahres 1930/31 brächte wieder wie, im März einen allerdings geringenen Ausfuhrüberschuß, der diesmal nur 88,5 und — wenn man die Sachlieferungsexporte abzieht — sogar nur 37,7 Millionen Mark betrug gegen 220 bzw. 159 Millionen Mark im März. Der Grund liegt in einem starken Rückgang der Ausfuhr um über 127 Millionen, während die Einfuhr in ihrer Gesamthöhe mit 968 Millionen Mark ungefähr dieselbe blieb: auf der einen Seite stieg die Einfuhr von Lebensmitteln, sank aber die von Rohstoffen und Fertigwaren. Bedauerlicherweise ist aber die Fertig- Warenausfuhr gegen den März um 100 Millionen Mark zurückgegangen, der Rohstoffexport auch um über 20 Millionen Mark.
In den ersten vier Monaten des Jahres 1930 ist der deutsche Außenhandel mit etwa insgesamt 180 Millionen Einfuhrüberschuß passiv geblieben, wobei allerdings diesem Passivum etwa 200 Millionen für Sachlieferungen hinzugerechnet werden müssen, da für diese ja ein finanzieller Gegenwert nicht nach Deutschland hineinkommt. „i^-l