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HersfelörrTageblatt hersfelöer Kreisblatt Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

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Nr. 120

©pannung in Oesterreich

Oesterreichs innere Sniinaffnnng.

HeiMwehr gegen Schutzbund.

Die Bundesführung der Heimwehren hat Bundes­kanzler Schober eine Denkschrift über die Frage der inneren Entwaffnung in Österreich überreicht. Das Schreiben verlangt die sofortige Entwaffnung des Repu- blikanifch-Sozialdcmokratischcn Schutzbundes unter Mit-

Dr. Steidte, der Führer der Heimwehr.

'Wirkung der Heimwehren, die Entlassung des Junen- miniftcrs Schumy und seine Ersetzung durch einen Ver­trauensmann der Heimwehren, ferner die Besetzung leiten­der Stellen bei der Polizei und Gendarmerie mit Heim- wehrmännern. Die vom Bundeskanzler geplante Novelle w MM-ti^uE-LWUMaeu übex^dss Recht, Waffen zu tragen) wird von den Heimwehren abgelehnt.

Bundeskanzler Schober wird die Denkschrift, die in ziemlich ultimativer Form gehalten sein sott, dem Kabinett unterbreiten. Er soll den Forderungen ablehnend gegen- überstehen. -

Sie ößemWschen Sünde.

Anders wie in Deutschland ist in Österreich Entstehung und Wesen derS e l b st s ch u tz v e r b ä n d e", ihre Weiterentwicklung und ihre' Stellung zum Staat. Erster auf dem Plan war der Republikanische Schutzbund, der ein rein sozialdemokratisches Gepräge trägt, unter Füh­rung des früheren sozialdemokratischen Kriegsministers Deutsch steht, aber doch Beziehungen zum deutschen Reichsbanner" unterhält, obwohl dieses unter seinen Mitgliedern neben Sozialdemokraten auch Anhänger des Zentrums und der Demokratischen Partei aufweist. In Österreich ist kein Ehristlichsozialer Mitglied des Schutz­bundes und Demokraten gibt es in diesem Donaustaat Werhaupt nicht. Dafür sind dort in den Heimwehren alle nichtsozialistischen Parteien vertreten - dieselben übri­gens, die jetzt im Rationalrat das Kabinett Schober stützen - und es ist diesem Selbstschutzverband gelungen, dem Schutzbund zum mindesten die Waage zu halten. Man kann sie beide und ihr Verhältnis zu- bzw. gegen­einander auch nicht unbedingt gleichsetzen mit dem deut­schenStahlhelm" und demReichsbanner" um nur die beiden größten Verbände zu nennen, weil sie in Deutschland-rein staatspolitisch ausaezogen sind, während

England will Briands Fragebogen prüfen

London, 23. Mai. Der Unterstaatssekretär des Auswär­tigen, D all ton, teilte gestern im Unterhaus auf eine An­frage mit, die britische Regierung werde keine Zeit verlie­ren, den Vorschlägen der französischen Regierung über die Organisation eines Systems der föderalen Union in Europa ernste Prüfung zuteil werden zu lassen.

Die Klise in der britischen Arbeiterpartei Mosleys Mißlrauensanlrag abgelehnt. Entscheidung bis zur nächsten Unterhausdebatte vertagt.

London, 23. Mai. Die Sitzung der Arbeiterpartei zur Beratung über dieMosley-Krise" begann am Donnerstag nachmittag und dauerte bis 23 Uhr. MacDonald und zahl­reiche Minister waren anwesend. Die Sitzung erregte natur­gemäß sehr lebhaftes Interesse. Während der ersten Stun­den kam es zu lebhaften Auseinandersetzungen. M o s l e y brächte nach 50 Minuten Redezeit folgenden Antrag ein: Die Arbeiterpartei ist unzufrieden mit der bisherigen Arbeits­losenpolitik der Regierung und verlangt die Formulierung einer Alternativpolitik, die mehr in Übereinstimmung mit dem Programm und den Versprechungen der Partei bei den letz­ten Wahlen ist. . . ... _

Danach erhob sich der Premierminister MacDonald, der eingehend zu den Vorgängen Stellung nahm.

Nach einer lebhaften Erörterung wurde der Antrag Mosleys mit 210 gegen 29 Stimmen abgelehnt.

Di-ck-s Ergebnis bedeutet, daß lebe mögliche Entwicklung her poüllfchen Lage bis zur Unterhausdebatte. am nächsten Mittwoch verschoben wird. . ^w^,^^^^^ .

Freitag, den 23. Mai 1930

in Österreich sehr starke wirttwaftspolitische Strömungen mitwirken: Gegensatz-zwischen demWasserkopf"^Wien und dem übrigen Österreich, dem Land; zwischen Sozial- demokratie und Bürger- bzw. Bauerntum. Vor allem aber verfügen die österreichischen Selbstschutzverbände anders wie die deutschen ganz offiziell über einen reich­haltigen Waffenvorrat. Es ist nicht gerade selten, daß es bei den politischen Auseinandersetzungen zwischen den beiderseitigen Anhängerscharen Verwundete und sogar Tote gibt.

Es ist bekannt, daß unter dein Druck der Heimwehren in Österreich eine Verfassungsreform durchgeführt wurde, die allerdings nur zum Teil die von den Führern dieser Bewegung aufgestellten Forderungen erfüllte. So stark war dieser Druck, daß die Sozialdemokratie ihre Bereitwilligkeit erklärte, den Schutzbundabzurüsten" bzw. auszulösen, wenn die Heimwehren dasselbe täten. Daraus ist nichts geworden, wohl aber beschäftigte man sich im englischen und im französischen Parlament mit dem Verhältnis der Heimwehren zum Österreichischen Staat, formell unter dem Thema: wirkliche Durchführung der österreichischen Entwaffnung; bei den Rednern der eng­lischen Arbeiterpartei spielte aber wohl auch die Absicht mit, der in eine gewisse politische Bedrängnis gekomme­nen österreichischen Bruderpartei ein wenig zu helfen. Daß auch Mussolini die Heimwehren nicht gerade gern sieht, ergibt sich schon aus deren Stellung zur Südtiroler Frage; liegt doch ihrHauptquartier" in Innsbruck. Immerhin blieben die Dinge seit jener Verfassungsreform in einer Art innenpolitischen Schwebezustandes, bis Dr. Schober jetzt mit der F o r d e r u n g e i n e r gesetz - lich fest gelegten Entwaffnung aller öster­reichischen Selbstschutzverbände auf den Plan getreten ist.

Daß er dieses Verlangen von seinen Besuchen in Rom, Paris, London zurückbrachte als Voraussetzung für die a der österreichischen Anleihewünsche, bedeutet für ihn, innenpolitisch gesehen, natürlich eine nicht zu unterschätzende Schwierigkeit, die von der Gegenseite sofort in d'as Schlagwort geprägt wird: Entwaffnung der Heim­wehren auf Befehl des Auslandes. Und die zweite Schwierigkeit liegt darin, daß sowohl in Schobers Kabi­nett wie in der parlamentarischen Mehrheit, von der es gestützt wird, zahlreiche Mitglieder der Heimwehren sitzen, nicht zuletzt in der Partei Dr. Schobers selbst, den Ehrist- lichsozialen. Schließlich löste ja auch gerade die Regierung Schober ihre Vorgänger ab, weil Dr. Streeruwitz sich den Forderungen der Heimwehren nach Verfassungsänderung nicht fügen wollte. Und derselbe Schober soll nun die Entwaffnungseiner" Heimwehren durchführen, wofür er sich aus seine parlamentarische Mehrheit gewiß nicht ver­lassen kann. Zumal der Gegenstoß.bereits eingesetzt hat.

Denn die Führer der Heimwehren verlangen die Ent­waffnung allein des gegnerischen Schutzverbandes und als Garantie für die Durchführung noch obendrein, daß die Ämter des Innenministers und des Leiters der Polizei und der Gendarmerie mit Vertrauensmännern der Heim- Wehren besetzt werden. Dr. Schober hat ziemlich unver­blümt, wenn auch höflich abgelehnt; irgendwelche Körper­schaften hätten weder bei der staatlichen Verwaltung noch bei der Besetzung von Ämtern etwa mitzuwirken. Der Konflikt ist also da, das Ringen zwischen Dr. Schober und den Heimwehren hat angefangen und überschattet natürlich die gesamte österreichische Innenpolitik. Als stärkste Waffe verfügt der Bundeskanzler über die in Aus­sicht stehende und dringend notwendige Anleihe.

EiniguNg über die Auflegung der Boung-Anleihe

Paris, 23. Mai. Die Delegierten der Schatzämter der Gläubigermächte haben sich gestern nachmittag in einer Sitzung über die Bedingungen der Auflegung der Poung- Anleihe verständigt. Sie haben festgestellt, daß sie hinsicht­lich aller Punkte über die Modalitäten der Emission einig seien. Eine Formel soll die völlige Goldparität der Wertpapiere gewährleisten und so alle Anleihe- inhaber vor evtl. Geldentwertung sowohl hinsichtlich-der Zin­sen als auch der Rückzahlung sichern.

Die Verteilung der aufzulegenden Anleihe unter die verschiedenen Zeichnerländer dürfte endgültig, etwa wie folgt vorgenommen werden: Frankreich und Amerika je einen gleichen Betrag, wahrscheinlich zu 82 Millionen, Großbritan­nien 50 Millionen, Holland und Schweden 25 Millionen, Schweiz 15 Millionen, Deutschland 10 Millionen und Belgien und Italien je 5 Millionen Dollar.

Auch die ZiviLsranzssen packen

Mainz, 23. Mai. Die französischen Zivilangehörigen der Besatzung haben gestern die Anweisung erhalten, sich darauf vorzubereiten, daß sie das besetzte Gebiet bis 14. Juni zu verlassen haben.

Die Griesheimer Flugzeughallen versteigert

Mainz, 23. Mai. Bei der gestern nachmittag erfolgten Versteigerung gingen die Flugzeughallen auf dem Gries- heimer Sand bei Darmstadt für den Betrag von 100 200 Francs in den Besitz eines Mühlhäuser Ersteigerers über.

___ 80. Jahrgang pemsmbuks erreicht.

Nach 6 b c r q u e r u n a des Äquators.

Pernambuco, 23. Mai.Graf Zeppelin" hat um 16.45 Uhr die brasilianische Küste erreicht und befindet sich über Pernambuco. Er kreiste einige Zeit über dem Landungs­platz. Augenblicklich, kurz vor 18.30 Uhr Ortszeit, ist er im Begriff, am Ankermast zu landen.

* .

Pernambuco, 23. Mai. Die Landungsmanöver des Graf Zeppelin" begannen um 19.10 Uhr örtlicher Zeit. Nach dem erstmaligen Erscheinen über dem Flugplatz flog das Luftschiff in südlicher Richtung weiter, kehrte nach einer halben Stunde zurück und ging dann langsam auf das Flug­feld nieder, begeistert begrüßt von einer riesigen Menschen­menge.

Die Südamerikafahrt, wie sie ursprünglich vom Graf Zeppelin" geplant war.

Infolge technischer Anforderungen hat das Luftschiff vor feinet Landung in Rio de Janeiro zunächst Pernambuko angesteuert. Von dort aus wird es dann nochmals Pernambuko besuchen und seinen Flug über die West­indischen Inseln nach Lakehurst fortsetzen.

Ganz Brasilien erwartete mit höchster Spannung die Ankunft des Luftriesen. Ein brasilianisches Flugzeug- geschwader hielt sich schon in den frühesten Morgenstunden bereit, demGraf Zeppelin" aufs Meer entgegenzufliegen und ihn einzuholen. Aus S a o P a u l o und aus anderen Städten im Landesinnern waren zahlreiche Bewohner nach P e r n.a m b u k o gekommen, um der Landung bei» zuwohnen. Unter den Schaulustigen war

das deutsche Element

stark vertreten. Auf dem Landungsplätze entwickelte sich lebhaftestes Treiben in der nach Tausenden zählenden Menge. . Selten gesehene Typen konnte man beobachten, wie zum Beispiel sogenannte Sertanejos, mit Flinten und Pätronengürteln ausgestaltete Siedler der abgelegenen Gegenden, die der Luftschifflandung wie einem Wunder entgegensehen.

Ärztliche Hilfeleistung an Bord des Zeppelins.

Einem Funkspruch vornGraf Zeppelin" zufolge hat der spanische Arzt Dr. M e g i a s ein während der Reise erkranktes Mitglied der Mannschaft behandelt. Dr. Megias bemerkte, der Fall beweise die Notwendigkeit eines Arztes an Bord eines Luftschiffes während der Transatlantik- rersen, da viele Passagiere nicht an solche Höhen gewöhnt seien. Die Mehrzahl der Passagiere beschäftigte sich während der Fahrt mit der Niederschrift ihrer Eindrücke.

Limentause nach altem Geemansbrauch.

Als derGraf Zeppelin" den Äquator überflog, er­hielt Dr. Eckener, der die Linie zilm erstenmal kreuzte, ent­sprechend dem alten Seemannsbrauch die Linientaufe von den anderen Fahrgästen, welche bereits Mitglieder der sogenannten Neptungesellschaft waren. Der Erste Offizier Schiller hatte die Rolle desGottes Neptun" übernommen.

Amerikanische Interessen und

Reparationsanleihe

Washington, 23. Mai. Zur Frage der Auflegung eines Teiles der Reparationsobligationen in den Vereinigten Staaten wurde im Staatsdepartement gestern erklärt, die bei Ausländsanleihen übliche Anfrage der die Auflegung be­treibenden amerikanischen Bankiers, ob außenpolitische Be­denken gegen die Auslegung bestünden, fei bisher nicht er­folgt. Wenn diese Anfrage komme, werde sie nur unter dem Gesichtspunkt entschieden werden, ob die Auflegung den In­teressen Amerikas zuwiderlaufe oder nicht. Hingegen sei es nicht Sache der amerikanischen Außenpolitik, zu entscheiden, ob eine fremde Anleihe im Ursprungslands legal fei oder nickt.