HersfelöerTageblatt
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mit des Beilage«: Illustriertes AnterhalLvagSblatt / Nach BeiersbeaS / Herv a«S Scholle / Aolerbaltuag und Witte« Beteh-UttS es§ Ksrrweil / Wirtschaftliche Tassstrasss
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Nr. 126
(Erstes Blatt»
Sonnabend, den 31. Mai 1930
80. Jahrgang
MechWq ota
10 Millionen Arbeitslose
in den Zadvstriestaaten
MeitPleMeit?
in Zweckpefstmismus
Der Reichsarbeitsminister über das Erwerbslosenproblem.
Auf der im Plenarsaal des Reichswirtschaftsrates abgehaltenen Tagung der Bundesausschüsse des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes und des Allgemeinen Freien b u n d e s, die sich mit der Frage , Niedergan g" b .
Dr. h. c. Sieger
Angestellten-
_ „ ...Aufstieg oder te, führte Reichsarbeitsminister in einer Ansprache u. a. aus:
zu machen. Trotzdem muß ich sagen, unsere Lage ist augenblicklich ernst. Durch verschiedene Maßnahmen, die bisher in Angriff genommen sind, hofft die ReichSregierung, Reichstag ihren Vorschlägen beitritt, in kurzer Frist
150 000 Arbeitern, insbesondere Bauarbeitern, Arbeit und Brot verschaffen zu könne». Für jene, die nicht sofort in den Produktionsprozeß eingegliedert werden können, muß gesorgt werden. Innerhalb von vier Wochen hat der Reichstag darüber zu entscheiden, wie neben den vorhandenen Mitteln noch
;, wenn der 120 000 bis
Dir-kter Flug nach LakehurK.
• Schlechtes Wetter und Brennstofsmangel. — Betrübnis in Havanna.
Beim Bureau der Hamburg-Amerika-Linie in Ha- Vanrra ging von Dr. Eckener folgender Funkspruch ein:
Der Besuch Havannas ist endgültig aufgegeben worden wegen Knappheit an Brennstoff und anderem Material, welches bei gutem Wetter genügt hätte, jedoch nicht bei Wetter, wie es jetzt vorausgefagt wird. Bedauere sehr, daß eine Landung im schönen Kuba unmöglich, jedoch geht die Sicherheit der Passagiere vor. Grüße
an alle.
Dr. Eckener.
Wir befinden uns gegenwärtig in e
s ck a f t s k r i s e. Das geht schon daraus hervor, daß in ' drei hauptsächlichsten Industrieländern, den Vereinig- t Staaten von Amerika, England und Deutschland rund
e l t w i r t-
zehn Millionen Arbeitslose vorhanden sind. In Deutschland arbeitet der bedeutsamste Wirtschaftszweig, die Landwirtschaft, schon längere Zeit mit einer großen Unterbilanz, daneben wird mit zwei Millionen Arbeitslosen die deutsche Kaufkraft weiterhin jährlich um vier bis fünf Milliarden Mark geschwächt.
Auch in der Finanzpolitik des Reiches und der Gemeinden wurden in den letzten fünf Jahren schwere Fehler gemacht. Und so stehen wir im Jahre 1930 vor der nüchternen Realität, daß, um die Finanzen des Reiches, der Länder, der Gemeinden, der Reichsbahn, der Arbeitslosenversicherung usw. in Ordnung zu bringen, wir Volk und Wirtschaft mit rund •
zwei Milliarden Mark neubelasten müssen, in derselben Stunde, in der man glaubte, daß durch die Annahme des Nonng-Planes Erleichterungen auf der ganzen Linie zu erwarten seien. Und nun wird mit einem gewissen Recht gesagt, daß es verfehlt sei, so hohe Unterstützungen zu verausgaben, anstatt mit diesem großen Betrage Arbeitsgelegenheit zu schassen. Das ist leichter gesagt als getan. Um zwei Millionen Arbeitslose normal beschäftige» zu können, sind an sechs Milliarden Mark notwendig. Diesen Betrag kann
für weitere 500 000 bis 600 000 Arbeitslose neue Mittel zu beschaffen sind.
Der Leiter der Sozialpolitischen Abteilung des A. D. G. B sprach über das Thema
„Für den Schutz der Arbeitskraft"
und führte dabei aus: Nur auf dem Wege gesunder und auf lange Sicht angelegter Arbeitsmarktpolitik könne eine wirkliche Entlastung erzielt werden. Auch durch den Abbau sonstiger Sozialleistungen, insbesondere der der Krankenversicherung, könnten nennswerte Ersparnisse nicht getätigt werden. Niemals werden die Gewerkschaften anerkennen, daß eine weitere. Verminderung der Massenkaufkraft der auf den Jnlandsmarkt angewiesenen Wirtschaft einen gesunden Antrieb geben könnte.
Der Leiter der Wirtschaftspolitischen Abteilung, W. Egg e rI, wendete sich gegen die w i r ischa ftliche Ka tast r öp h e n.p o l i t i k.
Ausgabendroffeiung zur Arbeiisfosensamerung.
Im Haushaltsausschuß des Reichstages errechnete Finanzminister Dr. M oldenh auer bei der Arbeitslosenversicherung einen weiteren
Mehrbedarf von 600 Millionen Mark.
Insgesamt betrage also der Fehlbetrag 736,6 Millionen. Zum Teil werde sich die Deckung dieser Mehraufwendungen durch Maßnahmen auf dem Gebiete der Arbeitslosenversicherung selbst ergeben. In Zusammenhang hiermit sei auch eine Reihe von Maßnahmen in Vorbereitung, die
durch Arbeitsbeschaffung
die wirtschaftliche Lage im allgemeinen heben sollen. Bezüglich
In Havanna, wo zum Empfang des Luftschiffs schon festliche Vorbereitungen getroffen waren, rief diese Absage natürlich größte Enttäuschung hervor.
Der Zeppelin weckt die Schläfer in Sau Juan.
In San Juan auf Porto Rico bildete es für die Bevölkerung eine riesige Überraschung, als der „Graf Zeppelin" in den frühen Morgenstunden plötzlich über der Stadt erschien. Die Bewohner wurden durch das
Surren
o r e n aufgeweckt und stürzten z u
Tausenden auf die Straßen, um das silberne Luftschiff anzustaunen, das sehr niedrig flog und im Licht des tropischen Sonnenaufgangs deutlich zu erkennen war. Es verschwand in schneller Fahrt in nordöstlicher Richtung.
Nordamerika in Erwartung des Luftschiffes.
Die aeronautische Abteilung des Handelsamtes in Washington hat ein Verbot erlassen, wonach Zivilflugzeuge nicht näher als 1000 Fuß “ herankommen dürfen. Für
nicht näher als 1000 Fuß an das Luftschiff „Graf Zeppelin" herankommen dürfen. Für den Ordnungsdienst angesichts des erwarteten Massenandranges in Lakehurst während der Ankunft des Luftschiffes werden 300 Marinesoldaten bereitgehalten.
Boston, 31. Mai. Nach den letzten Meldungen hält das Luftschiff „Graf Zeppelin" direkten Kurs von San Juan (Porto Rio) nach Lakehurst. Seit Freitag 1 Uhr morgens Ostnormalzeit fährt es mit einer Durchschniltsgeschwindigkeil von 134 Kilometern in der Stunde. Es dürfte Lakehurst gegen Mitternacht erreichen. Man bezweifelt noch, daß es vor Tagesanbruch die Landung versucht.
habe als Arbeitsminister bestimmt keine Veranlassung.
noch durch laufende Steuern beschaffen. s einer rtschaft können nicht beliebig Abgaben herausgepreßt iverden, wenn noi' etwas übrigbleiben soll für die Lohn- und Gehaltsquote. 3,
)cr emacht, ohne sich auf einen bestimmten Weg festzulegen. on :ch setzt könne man sagen, daß man dabei an der Ausgaben-
' feitedes Haushalts nicht vorbeigehen werde.
Dem VolksLumgedanken gehört Sie Zukunft
Reichsaußenminister Dr. Curtius spricht vor dem Deutschen Auslandsinstitut.
Stuttgart, 31. Mai. Auf der gestern eröffneten Jahresversammlung des Deutschen Auslandsinstituts begrüßte Reichsaußenminister Curtius die Teilnehmer im Namen der Reichsregierung und erklärte, er werde in Fortführung der Tradition Stresemanns, aber auch aus eigenem Bedürfnis die Beziehungen zum deutschen Auslandstum pflegen.
In längerer Rede sagte er dann u. a. folgendes: Die materielle Hilfe, die das Reich bei dem Ernst der wirtschaftlichen Lage für die auslandsdeutschen Kultureinrichtungen beizusteuern vermag, ist nur bescheiden im Vergleich zu dem, was andere Länder für ihre auslandskulturellen Zwecke aufwenden. Wenn gleichwohl die Deutschen im Auslande ihren kulturellen Besitzstand sogar noch erweitern konnten, so war das nur möglich infolge der regen Tätigkeit der privaten Deutschtumsverbände.
Das Deutsche Auslandsinstitut darf mit vollem Recht stolz sein auf das reiche Kapital an Vertrauen und Achtung, daß es bei allen Ausländsdeutschen erworben hat. Seinen unausgesetzten Bemühungen ist es in erster Linie zu danken, daß das Bewußtsein von der Einheit und dem Wert des • deutschen Volkstums im Auslande immer tiefer Wurzel in unserem Volke zu schlagen beginnt. Ich glaube, daß dem Volkskumsgedanken die Zukunft gehört. Die Erkenntnis, daß eine Zusammenarbeit des Volkstums verschiedener Prägung möglich ist und die Durchdringung der politischen Praxis mit dieser Erkenntnis ist eine der Voraussetzungen für eine wirkliche Befriedung und gedeihliche Entwicklung Europas.
Inzwischen freilich dürfen und wollen mir gegenüber den harten Gegebenheiten der Umwelt nicht vergessen, daß in Europa außerhalb der Grenzen des Deutschen Reichs etwa zehn Millionen Angehörige des deutschen Sprach- und Volks- körpers als nationale Minderheiten unter fremden Slaaksvölkern leben. Die Frage der nationalen Minderheit ist keineswegs eine ausschließlich oder überwiegend deutsche Frage. Seit den Friedensverträgen belauft sich die Gesamtzahl der nationalen Minderheiten Europas bei vorsichtiger Schätzung auf insgesamt etwa 35 Millwnen. Den Minderheiten sind ihre Rechte ausdrücklich in besonderen Minder- Heitenschutzverträgen bestätigt worden. Die Entwicklung der letzten Jahre hat aber gezeigt, daß die Minderheiten in einem unaufhörlichen schweren Kampf um die Verteidigung ihrer Rechte stehen. Die Minderheiten denken nicht daran, die Staaten, in denen sie leben, innerlich aushöhlen zu wollen. Nur zufriedengestellte Minderheiten erfüllen mit innerer Bereitwilligkeit ihre Pflichten gegenüber dem Staat und sind ein wichtiger Faktor zur Aufrechterhaltung und Förderung guter Beziehungen zu auswärtigen Staaten.
hier fällt auch dem Völkerbund eine roid)hge und verantwortungsvolle Aufgabe zu. Nicht umsonst hat mein Amtsvorgänger, der in klarer Voraussicht der kommenden
Entwicklung ein warmherziger Anwalt der Rechte der Minderheiten war, den Völkerbund immer wieder an seine Pflichten erinnert.
Zum Schluß richtete Dr. Curtius im besonderen ein Wort an die Reichsdeutschen im Auslande: Nach wie vor werde die vornehmste Aufgabe des Auswärtigen Amtes und der Vertretungen im Auslande fein, den Landsleuten Schutz und Hilfe angedeihen zu lasten. Im Sinne echter Volksgemeinschaft sei aber der Geist einmütigen Zusammenwirkens zwischen den amtlichen Vertretungen und den einzelnen Deutschen oder ihren Vereinigungen erforderlich. Bei den Beratungen des Haushalts des Auswärtigen Amts fei von den verschiedensten Parteien eine Verstärkung der Mittel für Kulturpflege auch im nächsten Etat gefordert worden.
Wer sich zurückdenkt in die Zeiten des Tiefstandes, müsse das Zusammenwachsen aller deutschen Volkssplitter und die dauernde Vertiefung und Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls wie ein Wunder betrachten. Dieser Bewegung werde die Zukunft gehören.
Die höchste Ehrung des Deutschen Auslandsinstituts.
Stuttgart, 31. Mai. Im Laufe des Festaktes des Deutschen Auslandsinstitutes wurden mehrere Ehrungen vorge- nommen. Der „Deutsche Ring", die höchste Ehrung, die das Deutsche Auslandsinstitut für Verdienste um das Volkstum vergibt, wurde verliehen dem früheren Handelssekretär der Vereinigten Staten, Charles Nagel, und Dr. Eckener.
An Stelle des in Paris ferngehaltenen Ersten Vorsitzenden des Verwaltungsrates des Deutschen Auslandsinstituts, Reichsbankpräsident Dr. Luther, hielt der Stellvertretende Vorsitzende Botschafter a. D. Dr. S o l f, die Schlußansprache.
Vor der Sprengung der Trierer Zeppelinhalle
Trier, 31. Mai. Das gestern mittag zur Sprengung der Zeppelinhalle hier eingetroffene französische Kommando besteht aus einer kriegsstarken Kompagnie von rund 200 Pionieren, Unteroffizieren und Offizieren. Die Unteroffiziere wurden auf dem Trierer Uebungsplatz in Baracken untergebracht. Da diese Baracken bereits von der deutschen Behörde zum Verkauf vorgesehen waren und seit längerer Zeit leer standen, mußten sie vom Reichsvermögensamt erneut hergerichtet werden. Am Morgen wurde mit dem Abbruch der Flugzeughalle, die neben der Zeppelinhalle liegt, begonnen. Der Ersteigern Marx aus Mülhausen (Elsaß) hat in Wiesbaden einen Ingenieur und fünf Monteure angeworben, die mit der Leitung der Abbrucharbeiten beauftragt sind.
Seeräuber in Schanghai.
Paris. Wie Havas aus Schanghai berichtet, haben neun Seeräuber eine am Kai liegende Schaluppe überfallen und die an Bord befindlichen Lohngelder geraubt. Beim Überfall wurden ein Chinese getötet und fünf Personen, darunter zwei Eingeborene, verletzt.
Washington 31. Mai. „Graf Zeppelin" meldete dem Marmeamt durch Funkspruch um 3 Uhr nachmittags Ostnor- malzeit, daß es sich 644 Meilen östlich von St. Äuqustine (Florida) befinde.
In dem vom hiesigen Wetterbüro gefunkten Spezialbe- richt wird die Möglichkeit angedeutet, daß das Luftschiff auf der Höhe von Hatteras nordöstlich schlechtes Wetter mit starren Wind- und Regenböen antreffen werde. Man nimmt jedoch an, daß der „Graf Zeppelin" gute Aussicht habe, die- em Tief zum größten Teil zu entrinnen, falls er die augenblickliche Geschwindigkeit aufrechterhalten könne.
New Zork, 31. Mai. Dem hiesigen Zeppelinvertreter o. Meister teilte Dr. Eckener in einem Zeppelinfunkspruch mit, er beabsichtige, die Rückfahrt von Lakehurst am Sonntag abend über Sevilla anzutreten.
Das ZubiLaum des B. d. A.
Empfang beim Reichspräfidenten.
empfing das
Reichspräsident von Hindenburg aus Anlaß der fünfzigjährigen Jubelfest für das Deutschtum im Auslande eine Abord
er des Vereins
nung des Vorstandes unter Führung seines Ersten Vorsitzenden, Freiherr» von dem Bussche-Haddenhausen. Die Abordnung überreichte dem Reichspräsidenten die E h r e n p l a k e t t e des Vereins in Gold mit dem Gelöbnis, daß der Verein auch in Zukunft treu für das Deutschtum im Auslande seine Kräfte einsetzen werde. Der Reichspräsident nahm die Plakette mit Dank für die bisher geleistete Arbeit entgegen und versicherte dem Verein seines ferneren Wohlwollens.
Der verhängnisvolle SärenfKinren.
Abschluß der gerichtlichen Untersuchung.
Die staatsanwaltschaftliche Untersuchung der Trichi- nosisfälle in Stuttgart ist nunmehr abgeschlossen. Die Staatsanwaltschaft teilt mit, daß zu irgendeinem strafrechtlichen Einschreiten kein Anlaß gegeben sei. Wie erinnerlich, sind nach dem Genuß von Bärenschinken über 40 Erkrankungen vorgekommen, von denen 12 tödlich verliefen. __
Balkanjustiz.
Südslawischer General von einem Prozeßgegner erschossen.
In Marburg (Südslawien) wurde General Stramlitsch von dem Mechaniker Faleskini durch vier Revolver'......... verletzt. Die Bluttat ist das Nachspiel eines s Faleskini gegen den General geführt hatte.
rschüsse tödlich Prozesses, den
General Stramlitsch soll der Frau Faleskini, die ihm vor ihrer Ehe die Wirtschaft geführt hatte, versprochen haben, daß er ihr ein Haus vermachen werde. Als die Wirtschafterin Faleskini heiratete, enterbte sie der General, worauf Frau Faleskini ihn verklagte. Die Klage wurde in allen Instanzen abgewiesen. Frau Faleskini wurde über den Verlauf des Prozesses, der ihre ganzen Ersparnisse auszehrte, geisteskrank. Aus Verzweiflung hierüber verübte Faleskini den Anschlag.