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HersfelöerTageblatt

Hersfelöer Kreisblatt j

. Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö '

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Nr. 12S

Dienstag, den 3. Juni 1930

80. Jahrgang

Ein Rusgabensentungsgeseh

Kabmettsberatungen über Sparmaßnahmen.

Wie der Etat gesenkt werden soll.

Wie vom Reichsfinanzministerium mitgeteilt wird, ist der Entwurf eines Ausgabensenkungsgesetzes dem Reichskabinett vom Reichsfinanzministerium vorgelegt worden. Der Entwurf sieht nicht einen Abbau der zur­zeit im Dienst befindlichen Beamten, wohl aber ein all­mähliche, entsprechend dem Fortfall von Beamten durch- zuführende Verminderung des Beamtenkör­pers der Ministerien um 10 Prozent vor. Auch an anderen Stellen soll, soweit es sachlich möglich ist, in diesem Sinne vorgegangen werden. Pensions- kürzungen sind nur für Doppelverdiener in beschränktem Umfange vorgesehen.

Das Reichskabinett wird sich mit diesem Ausgaben- senkungsgesetz in diesen Tagen beschäftigen und es" noch vor den Pfingstferien verabschieden. Außer der Vermin­derung des Beamtenkörpers ist noch der Fortfall einiger Ämter in Aussicht genommen, auch sollen Kürzungspläne von Beamtengehältern bis zu 5 Prozent zur Beratung stehen.

Wirifchast in Not.

S. O. ®." dieser Notruf:Rettet unsere Seelen" wird wie von einem in Höchster Seenot befindlichen Schiff jetzt überall hinausgefunkt. Das Reich ist finanziell in solcher 91ot, wichtigste Teile unserer Wirtschaft erklären, untergehen zu müssen, wenn nicht eine entscheidende Senkung der Unkosten erfolgt. Alle Kalkulationen und Berechnungen werden über den Haufen gestoßen und teilen damit nur das Schicksal des deutschen Reichs­haushalts. Die Regierung trägt dem Rechnung, will es senkling für ihre Verwaltung gesetzlich festlegen lassen will. Die Arbeit des R e i ch s s p a r k o m m i s s a r s soll doch nicht ungenutzt bleiben. Man hat nun seit sechs Monaten immer und immer wieder von künftigen Aus- gabenverminderungen und Steuersenkungen sprechen hören, aber nur Steuererhöhungen erleben müssen, so daß

Vor der Emission der

Voung-Obligationen

Paris, 3. Juni. Der Unterausschuß des Ausschusses der an der Emission der ersten Ioung-Anleihe interessierten Bankiers und ebenso die Delegierten der Schatzämter der Gläubiger Deutschlands setzten ihre Arbeiten in befriedigen­der Weise fort. In informierten Kreisen hofft man nach wie vor, daß der Unterausschuß seinen Bericht demnächst, wahr­scheinlich am 4. Juni, überreichen kann, und daß die Voll­sitzung, in deren Verlauf die Vereinbarungen unterzeichnet werden sollen, am Sonnabend, dem 7. Juni, dem Jahrestage der Unterzeichnung des Noung-Planes, stattfinden könnte. Die Emission der Obligationen würde unter diesen Umstän­den Dienstag oder Mittwoch nächster Woche erfolgen.

Frankreichs Wirtschaftspläne

Paris, 3. Juni. Der Generalberichterstatter des Bud gets, de Chappedelaine, erstattete gestern im Finanz­ausschuß der Kammer einen Bericht über die Vorlage der Regierung und verschiedene Gegenvorlagen betreffend den Auf- und Ausbau der Nationalwirtschaft. Die Vorlage der Regierung, die im Laufe von drei Jahren durchgeführt wer­den soll, sieht 17 Milliarden Francs, der Gegenvorschlag des Sozialisten Bedouce 50 Milliarden, Palmades (Radikal) 35 Milliarden und Chabruns (Sozialrepublikaner) 65 Milliar den vor. Der Generalberichterstatter warnte davor, sich Jllu sionen zu machen, und insbesondere anzunehmen, daß eine moderne und vervollkommnete Ausgestaltung der Wirtschaft die notwendigen und wohlverstandenen Wirtschaftsübereiw kommen mit den anderen Staten ersetzen könne. Diese Be ziehungen zu den anderen Staaten müßten der Eckstein des ganzen Wirtschaftslebens Frankreichs und seines Wohlstan des sein.

Italienisch-französische

Liebenswürdigkeiten

Paris, 3. Juni. Zu Ehren des zur Zeit in Paris wei­lenden italienischen Korporationsministers Dr. G. B o t t a i gab die italienische wirtschaftliche Vereinigung in Paris ein Essen, dem auch der französische Handelsminister F l a n d i n beiwohnte. Flandin erklärte in einer Ansprache, Italien und Frankreich dürften trotz vorübergehender Verstimmungen nicht aufhören, miteinander an der Entwicklung ihrer wirt­schaftlichen Wohlfahrt zu arbeiten.

Minister Dr. B o t t a i stimmte dieser Erklärung zu und betonte die Notwendigkeit, dieser Auffassung inderWirk - l i ch k e i t b e s s e r R e ch n u n g z u t r a g e n. Die Freund­schaft, die das neue Italien entgegenbringen wolle, sei an­ders als die, die in der früheren Frankreich-Freundlichkeit zum Ausdruck gekommen sei. Diese sei oft lediglich mit dem Munde bekundete Freundlichkeit gewesen. Das neue Italien

man die gesetzliche Festlegung aus eine künftige Ausgaben- herabsetznug willig entgegennimmt.

Ist es richtig, daß der Reichstag bis Mitte Juni in die Pfingstferien gegangen ist, daß z. V. auch das Programm der Osthilfe vertagt wurde, daß die Vertreter des deutschen Volkes zu Hause bleiben, obwohl in der deutschen Wirt­schaft Tag um Tag neueS.-O.-S."-Rufe in die Öffentlich­keit gefunkt werden, immer wieder neue Zehntausende von Arbeitern den Weg zumStempeln" gehen müssen und Deutschland ist zu einem überwiegend industriell ein­gestellten Land geworden, ist es richtig, daß das Ä r b e i t s b e s ch a f f u n g s p r o g r a m m der Regie­rung, das fertig vorliegt, nicht heute, morgen, übermorgen in Angriff oder in schnellste Erledigung genommen wird! Ist das Schicksal der Wirtschaft also unser aller Schicksal. Das Brennendste, wichtiger selbst als Pfingstferien des Parlaments!

Man spricht soviel von demGegensatz zwischen Staat und Wirtschaft" und setzt dabei: die wirklichen oder angeblichen Lebensnotwendigkeiten des Staates in den Vordergrund. Richt mit Unrecht dann, wenn eine tatsächliche Notwendigkeit vorliegt. Wenn jetzt die Regie­rung Brüning ein Ausgabensenkungsgesetz ausgearbeitet hat und dem Reichstag vorlegt, so sollen eben damit jene Gebiete staatlicher Verwaltungabgebaut" werden, wo eine solche Notwendigkeit nach Ansicht der Regierung nicht unbedingt besteht. An und für sich ist nach den tiefen Eingriffen, die seit 1923 der Beamtenabbau vollzogen hat derPersonaletat" bei den Unkosten der Reichs-, Staats- und Kommunalverwaltung ganz außerordentlich zurückgegangen bis zu einem Maße, der gerade noch die Grenze des Erträglichen streift. Namentlich die Reichs­eisenbahn und die Reichspost weiß davon ein nicht gerade billiges Lied zu singen. Der Punkt, wo angepackt werden muß, liegt anderswo, und zwar dort, wo die deutsche Wirtschaft selbst seit der Mobilisierung unserer Währung WiiilÄ sachliche r Ra t i o n a l i s i e r tt n g. Also einer Be­schränkung auf das Erfüllen wirtschaft­licher Notwendigkeiten staatlicher Verwaltung. Dann wird auch die Kostenersparnis die Anpassung an finanziell Mögliches und Erträgliches zur Selbstverständ-

könne nur wünschen, daß die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern sich in einer Atmosphäre der Ruhe vollziehe.

Die franzöfifchen Flieger verlassen das Rheinland

Mainz, 3. Juni. Die letzten Flugzeuge des 33. am Rhein stehenden Fliegerregiments haben das Rheinland verlassen und Mainz überflogen. Sie sind auf folgende neuen Garni­sonen verteilt worden: Tours, Nancy, Chauteaucoux und Chalons.

Valdwins Vorstoß gegen das Seemächte-

Abkommen gescheitert

London, 3. Juni. Das Unterhaus hat den Antrag Baldwins auf Ernennung eines Ausschusses, der über die Vorschläge zu einem Abkommen der Seemächte Bericht erstatten sollte, mit 282 gegen 201 Stimmen abgelehnt.

Sitzung des neuen Schlesischen Sejm

Kattowitz, 3. Juni. Die erste Plenarsitzung des Schlesi­schen Sejm verlief in aller Ruhe. Sämtliche Anträge, auch diejenigen, die einen demonstrativen Charakter trugen, wur­den der Rechtskommission überwiesen. Der weitaus wich­tigste Punkt der Tagesordnung, der als letzter Punkt zur Be­ratung kam, war die Wahl des Woywodschaftsrales, der aus fünf Mitgliedern besteht. Es wurden zwei Vertreter der Korfanty-Partei, ein Vertreter der Deutschen Wahlgmeein- schaft, ein Vertreter der Sanacja und ein Vertreter des So­zialistischen Blocks gewählt.

Die schwedische Regierungskrise

Skockholm, 3. 6. Der König von Schweden hat seine Be­sprechungen zur Lösung der Regierungskrise ausgenommen. Er empfing die Führer der Regierungsparteien sowie den Ministerpräsidenten und den Außenminister. Der König wird heute vormittag seine Besprechungen fortsetzen.

Thüringen gibt nicht nach.

Kabinett in Weimar gegen Dr. Wirth.

Die thüringische Regierung beschloß in einer Kabi­nettssitzung, dem Ersuchen des Reichsinneuministers auf Zurücknahme der Bestallung der Polizeidirektoreu nicht stattzugeben und für den Fall, daß der Reichsinnen­minister die Polizeizuschüsse aus diesem Grunde sperren sollte, den Staatsgerichtshos für das Deutsche Reich anzu- rufen. ____________

SkrVotMfterwtchselmLon-onmidRom.

Ernennung der neuen Botschafter.

Der Reichspräsident hat die in Aussicht genommenen Ernennungen für die Botschafterposten in L o n d o n und 91 o m sowie für den Posten des Staatssekretärs zum Auswärtigen A m t nunmehr vollzogen. Bot­schafter Sthamer in London wird am 1. Oktober d. I. in den Ruhestand treten. Zu seinem Nachfolger ist der Bot­schafter in Rom, Freiherr von N e n r a t h, zum Bot- * fünfter in Rom der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes von S ch u b e r t und zum Staatssekretär des Aus­wärtigen Amtes der Dirigent Bernhard v o n B ü l o w er-' nannt worden. Herr von Schubert wird die Geschäfte des Staatssekretärs seinem Rachsolger in der zweiten Hälfte des Juni übergeben.

Der Tiefstand der Wirtschaft.

Handelund Gewerbe im Mai.

Der Tiefstand der Wirtschaftslage in Deutschland findet in dem geringen Rückgang der Arbeitslosenziffer und dem erneuten Fehlbetrag im Haushalt des Reiches feinen Ausdruck. Wenn auch die Lage auf fast allen Welt­märkten zu wünschen übrigläßt, so wird Deutschland von der Depression doch besonders schwer betroffen. Ins­besondere sind seine Produktionsmittelindustrien zu erneuten Einschränkungen gezwungen. Die Lage auf dem Kapitalmärkte erfuhr nur eine geringe Entlastung. Auf dem Börsenmarkt zogen nur die festverzinslichen Werte an. Die A u s f u h r blieb im April mit 88,5 Mil­lionen Mark aktiv. Der Baumarkt erfuhr nur eine ganz geringe Belebung, die hinter der in den Vorjahren weit zurückbleibt. Auch die Belebung in der Woll- und Seidenindustrie war nur gering. Die Preise sanken weiter.

Der Erfolg der Zeppelinfahri.

Mehr als 1 0 0 0 0 0 Personen in Lakehurst.

Die Newyorker kommentieren die letzte große Fahrt desGraf Zeppelins und bringen übereinstimmend zum egSu%erai9em*^^^ erwiesen habe, und daß sich diese Erkenntnis in einer schnellen Entwicklung des Luftschiffverkehrs auswirken werde.Herald Tribune" meint, daß der letzte Flug des ,/Vraf Zeppelin" zwar weniger sensationell gewesen sei als der Weltrundflug im vergangenen Jahre, daß er aber von einer noch größeren Bedeutung für den Luftverkehr sei, weil er den Nachweis erbracht habe, daß das Luft­schiff auch

Fahrten nach den Tropen ausführen könne.World" erklärt, das Luftschiff suche nunmehr nach ständiger Beschäftigung. Nach Schätzung der Blätter wa cen mehr als 100 000 Personen in Lake- Hurst, um deuGraf Zeppelin" zu besichtigen. Die Newyorker Postbehörde überreichte Dr. Ecken er ein Album mit Probedrucken von Zeppelinmarken. Der Wert der vom Luftschiff nach Europa zu befördernden Post wird mit 150 000 Dollar angegeben. Unter den Passa­gieren, die die Fahrt nach Europa mitmachen, befindet sich auch der Forscher Sir Hubert Wilkins.

Graf Zeppelin" vor der Heimfahrt.

Washington, 3. Juni. Der deutsche Botschafter von Prittwitz und Gaffron hat sich gestern nach Lakehurst begeben, um Dr. Eckener zu begrüßen und der Abfahrt des Luftschiffes Graf Zeppelin" beizuwohnen.

Zeppelins kleiner Bruder.

Deutschlands zweites Luftschiff.

Als das LuftschiffGraf Zeppelin" vor einiger Zeit nach Hamburg kam, tauchte vor den Blicken der erstaunten Hamburger noch ein zweites Luftschiff auf, das nicht minder flink durch die Lüfte trudelte. Es war D. P. N. 28", ein nach P a r s e v a l konstruiertes Prall- Luftschiff. Es ist dies außerGraf Zeppelin" das einzige deutsche Luftschiff. Etwa 40 Meter lang und 15 Meter­hoch, mit einem 80-?8-Siemens-Motor ausgestattet, hat es soeben seinen 250. Pflug hinter sich. Dies ist um so bemerkenswerter, als es seine Flüge größtenteils vom Ankermast aus unternimmt, also ohne Halle ist. Zu seinen Leistungen zählen auch viele Überlandfahrten mit Passagieren. Es dient verschiedenen Zwecken: der Schäd­lingsbekämpfung, der Führerausbildung, Luftbildauf­nahmen, Reklame usw.

Der korrekte Beamte.

Stadt rat Katz vor dem Sklarek -Ausschuß.

Der Sklarek-Ausschuß des Preußischen Landtages setzte die Zeugenvernehmung zu weiteren Berliner Grund­stücksgeschäften fort. Stadtrat Katz sagte aus, daß sein Schwager Bergmann, als er, der Zeuge, noch nicht Stadt­rat in Berlin gewesen sei, sich bei Busch um den Verkauf eines Geländes am Zentralviehhof bemüht habe. Dieser Fall sei für ihn Veranlassung gewesen, als er später Stadt­rat wurde, feinen Schwager so zu beeinflussen, daß er keinerlei Vermittlertätigkeit mehr für die Stadt ausgeübt habe. Eine Nachprüfung aller Geschäfte beim zentralen Magistrat werde dies bestätigen. Der Makler Dr. N e u m a n n trat den Aussagen des Stadt­rats Katz durch fein Zeugnis bei.