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hersfelöerTageblatt

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Nr. 130

Donnerstag, den 5. Juni 1930

80. Jahrgang

GemmsOstMeit

Der Kampf gegen die Krise.

Zusammenarbeit zwischen Industrie und Gewerkschaften.

Die Reichsregierung wird ihre finanzpolitischen Be­ratungen am Donnerstag fortsetzen, nachdem sie sich bis­her mit der Revision der Arbeitslosenversicherung, wie sie ihr vom Reichsarbeitsminister vorgeschlagen worden ist, einverstanden erklärt hat. Auch über die Deckungsvor­schläge zum Reichshaushalt ist man sich innerhalb des Kabinetts einig geworden. Wie diese Deckungsvorschläge aussehen sollen, darüber hüllt sich die Regierung vor­läufig noch in Stillschweigen.

Die größte Beachtung haben neben diesen Beratungen der Neichsregierung die Besprechungen gefunden, die führende Wirtschaftsverbände zur Überwindung der Finanz- und Wirtschaftskrise in den letzten Tagen geführt haben. Man erfährt dabei, daß an der Konferenz ves Ncichsverbandes der deutschen Industrie und der Ber­einigung der deutschen Arbeitgeberverbände in Berlin auch Führer der Gewerkschaften teilgenommen haben. Im Mittelpunkt der Erörterungen der in- dustriellen Verbände soll der Versuch stehen, zwischen Arbeitgebern undArbeitnehmernzueiner B e r st ä n d i g u n g über Maßnahmen zur A n - k u r b e l u n g der Wirtschaft zu kommen. Es ist hierbei an einen Kosten- und Preisabbau gedacht, wobei allerdings den Arbeitnehmern die Arbeitslosenversiche­rung wie der Reallohn gesichert werden soll. Die Ver­handlungen zwischen- den Organisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind noch nicht zum endgültigen Ab­schluß gekommen und sollen kurz nach Pfingsten weiter­geführt werden. Die Vorbereitungen für diese Gemein­schaftsarbeit der Wirtschaftsstände wurden auf Arbeit- geberseite von dem ehemaligen NeichZwirtschaftsminister ^^^WWW^W^WWWmttl^MWrt^^rr^^IW Lemmer geführt. Die Besprechungen sollen übrigens einen günstigen Verlauf nehmen und, wenn nicht unvor­hergesehene Zwischenfälle eintreten, dürfte in den nächsten Tagen ein Abschluß erfolgen.

Auch Reichspräsident von Hindenburg ist über Den Verlauf der Verhandlungen unterrichtet worden und nahm mit großer Genugtuung und Zustimmung Kenntnis von ihnen. Er versprach, sie nach Kräften zu fördern. In Berliner politischen Kreisen war im übrigen die Nach­richt verbreitet, daß der Reichspräsident nach vorheriger Fühlungnahme mit den Spitzenorganisationen der Arbeit­geber und Arbeitnehmer einen Bries zugunsten einer gleich­seitigen Lohn- und Preissenkung eines Notopfers uns)

. Komplimenie Heim Abschied.

Die Abwicklung der R h e i n l a n d r ä u m u n g.

Der französische General Guillaumat hat über den Verlauf und die Abwicklung der Räumung des Rhein­landes einige Erklärungen veröffentlicht. Seit einem Monat würden, so erklärt der General, alle Tage vierzig Waggons abgelassen. Genau, in 30 Tagen werde nicht ein französischer Soldat mehr am Rhein stehen. Er hoffe, daß sich alles weiterhin ohne Zwischenfall abwickeln werde, wie sich das gehöre, auch in der Pfalz, wo die Einstellung stets etwas schwieriger gewesen sei als in Mainz, wo völlige Ruhe herrsche. Er, Guillaumat, könne die Höflichkeit, die die deutschen Behörden und Beamten stets bewiesen hätten, nur anerkennen. Jeder von ihnen habe sich ihm gegenüber sehr liebens­würdig gezeigt und auf französischer Seite habe man auch sein Möglichstes getan. Auf diese Weise würden die Be­satzungstruppen beim Verlassen des Rheinlandes keine schlechte Erinnerung hinterlassen.

EiNberufzzng des polnischen Senats verlangt

Warschau, 5. Juni. Bei der Zivilkanzlei des Staatsprä stdenten ist ein von 38 Senatsmitgliedern der Oppositions Parteien unterzeichneter Antrag eingereicht worden, der die Einberufung einer außerordentlichen Senatstagung fordert

Schweden ratifiziert ZoÜfriedens- Abkommen

Stockholm, 5. Juni. Die beiden Kammern des Reichs tages haben gestern den Vorschlag der Regierung, die von der Genfer Zollfriedenskonferenz empfohlene Handelskon­vention zu genehmigen, angenommen.

Die amerikanische Zollnovelle

Washington, 5. Juni. Im Weißen Haus wird erklärt daß Präsident Hoover noch keinen Entschluß hinsichtlich der Unterzeichnung des Gesetzentwurfes über die neuen Zollsätze gefaßt habe. Der Präsident beabsichtige, mit Hilfe von Sach­verständigen Sätze und Bestimmungen sorgfältig zu prüfen und den Gesetzentwurf, wie üblich. den verschiedenen De­partements zur Prüfung vorzulegen, was sehr viel Zeit er­fordere.

er WirtsAtsWe anderer Maßnahmen zur Beseitigung der Finanznot an Den Reichskanzler richten würde. Der Gedanke dieses Briefes war von führenden politischen Kreisen dem Reichs­präsidenten nahegelegt worden. Bisher ist allerdings ein solcher Schritt Hindenburgs unterblieben, da die ganze Angelegenheit scheinbar noch nicht spruchreif ist und man wünscht, daß der Reichspräsident nicht zuost in den poli­tischen Kampf eingreift.

Wie das Reich sparen will.

Über das Ausgabensenkungsgesetz glaubt die Kölnische Zeitung nähere Mitteilungen bringen zu können. Danach sei darunter ein Mantelgesetz zu verstehen, das eine Reihe von Einzelgesetzen uinschließt. Zunächst wird dort ein

Gesetz zur Sicherung des Haushalts des Reiches, der Länder und der Gemeinden genannt, worin festgelegl werden soll, daß einerseits die Ausgaben gesetzlich gebunden bleiben und überschießende Einnahmen nur zur Schulden­tilgung Verwendung finden sollen. Neubauten dürfen bis 1935 nur bei dringendem dienstlichen Bedarf zugelassen werden. Weiter soll ein

Gesetz zur Verminderung des behördlichen Aufwandes vorgeschlagen werden, das eine Verminderung der Reichs­behörden versieht. Eine ganze Reihe höherer Behörden des Reiches, darunter die Rerchsvermögensverwaltung, das Ministerium für die besetzten Gebiete, die Reichszentrale für Heimatdienst u. a. m., sollen teils bis zum 30. September 1930, teils bis zum 31. März 1931 aufgelöst werden. Dem sollen später noch eine Reihe anderer Behörden, namentlich inner­halb der Finanzverwaltung der Reichspost usw. folgen.

Besonders wichtig erscheint

die Mitteilung über den Beamtenabbau.

Nach den Angaben der Kölnischen Zeitung sei beabsichtigt, zehn Prozent aller Referenten, Hufsreferenten und des sonstigen Personals der Reichsministerien abzubauen, und der dann er-

der oeamienrechtkichen Vorschriften ab 1931

dir örtlichen Zuschläge jährlich um 1 Prozent bis zu ihrer völligen BeseRgung. Eine einschneidende Verkürzung sollen auch die Urlaube der Beamten in Reich, Ländern, Gemeinden und bei der Reichsbahn er- 8 ren. Auch die Kündigung verheirateter weiblicher Reichs- imter soll wieder platzgreifen unter Zahlung einer Abfin­dungssumme von höchstens einem JahreLgehÄt. Die Alters- g r e n z e wird auf 68 Jahre hinaufgesetzt.

Schließlich soll noch ein viertes Gesetz eine

Verminderung der Zahl der A b g e o e o n e t e n des Reichstages

bringen ein Abgeordneter auf 80 000 Wählerstimmen, die Diäten werden herabgesetzt. Landgemeinden unter 3000 Ein- wobner dürfen besoldete Gemeindevertreter nicht mehr anstellen.

Die Voung-Bankiers hoffen

Paris, 5. Juni. Die Delegierten der an der Emission der ersten Noung-Anleihe interessierten Banken haben gestern nachmittag ihre Arbeiten fortgesetzt. Einige technische Fra gen von sekundärer Bedeutung bleiben noch zu regeln. Man hofft i^tmer noch, im Verlaufe der wieder aufgenommenen Beratungen zu einer Einigung zu kommen.

Begleitmusik zur Rheinlaudräumung

Paris, 5. Juni. Im Kammerausschuß für Auswärtiges hatte gestern der der Gruppe Marin angehörende Abg. S o u Her um die Ermächtigung gebeten, im Namen des Aus schusses den Kriegsminister und den Außenminister um Auf klärung über die Zerstörung der Befestigungsanlagen im geräumten Rheinlande zu ersuchen, du diese Zerstörung die Vorbedingung für die Räumung der dritten Rheinlandzon sei. Der Auswärtige Ausschuß hat sich jedoch diesem Vor schlag nicht angeschlossen und den Abg. Soulier anheimge- stellt. persönlich eine derartige Initiative zu ergreifen.

Die Unstimmigkeiten bei Labours

London, 5. Juni. Die parlamentarische Arbeiterpartei befaßte sich aus einer gestern nachmittag im Unterhause ab­gehaltenen Sitzung mit der Frage der Parteidisziplin. Die von den Mitgliedern des linken Flügels eingebrachten Abän- derungsanträge zu den Bestimmungen über die Parteidiszi plin wurden sämtlich abgelehnt. In politischen Kreisen gel­ten damit die Versuche gewisserbackbenchers", unmittelba­ren Einfluß auf die Parteipolitik zu erhalten, als gescheitert

Eiue deutsche Zeitung

von den Polen beschlagnahmt

Sakkowitz, 5. Juni. Die gestrigen Ausgaben derOst deutschen Morgenpost" wurden wegen ihrer Stellungnahm zu den Grenzvorfällen in Neuhöfen beschlagnahmt.

Ein neuer transozeanischer Flug.

Der Flieger Hauptmann Kingssord Smuh ist mit zwei Begleitern zusammen an Bord seines FlugzeugesSouthern Croß" nach dem Flughafen Baldonnel in Laland abgeflogen. Von dort aus. Wird er, sobald die Weiterverhaltnisse es er­lauben, den Flug über den Ozean versuchen.

132 Gandhi-Freiwillige zu Zuchthaus verurteilt.

Von den 800 Gandhi-Freiwilligen, die bei dem Sturm aus die Salzniederlage von Wadala festgenommen wurden und sich noch in Haft befinden, sind 132 zu drei Monaten Zuchthaus verurteilt worden.

SimmtetifW Interesse an der Fahrt desGras Zeppelin".

Der englische Luftfahrtminister über Dr. Eckener.

Die amerikanischen Blätter berichten ausführlich über den Rückflug desGraf Zeppelin" und heben die große Geschwindigkeit hervor, die das Luftschiff entwickelt. Der amerikanischeNationalverband der Söhne der Revolu­tion" übermittelte Dr. Eckener in einem Funkspruch seinen Dank für den Abwuöf des für das Steuben-Denkural be­stimmten Kranzes, der zwar von Andeukenjägern etwas zerpflückt wurde, euer trotzdem von dem Verband an bem Denkmal Steubens niedergelegt werden wird.

Der englische Luftfahrtminister Lord Thomson kam im Verlauf einer Rede im Oberhaus auch aus die Frage der Luftschiffe zu sprechen und sagte:Es wird

Graf Zeppelin" auf dem Flugplatz von Pernambuko.

Europa (FlugzeugTorpedoboot -WgzeugFlugzeug) nach Berlin kam.

vielleicht gefragt werden, w.ew verGraf Zeppeim" um die Welt fliegen und andere Fernfahrten ausführen könne, während unsere beiden Luftschiffe ihre Zeit hauptsächlich in ihren Hallen verbringe». Die Antwort ist sehr einfach: Die Deutschen haben 30 Jahre Erfahrung im Bau von Luftschiffen. Sie hatten schon vor dem Kriege Verkehrs- luftschiffe im Bau. Ich wünsche bte guten Eigenschaften unserer eigenen Landsleute nicht herabzusetzen, aber an­gesichts solcher Ersahrung müssen wir uns damit ab- finden, daß es

sehr wenige Dr. Eckeners in der Welt gibt.

Wir haben noch nicht die Zeit gehabt, unseren eigenen Dr. Eckener hervorzubringen. Solche Männer sind nicht in jeder Generation zu finden. Auf der anderen Seite wünsche ich nichts gegen denGraf Zeppelin" zu sagen, wenn ich erkläre, daß er vielleicht mit demR 101" und sogar mit demR 100" nicht zu vergleichen ist. Wir haben diese Schiffe so konstruiert, daß sie die stärksten der Welt sind. Einer der hervorragendsten Sachverständigen Dr. Eckeners hat nach Besichtigung desR 101" zu mir gesagt, dies sei das sicherste aller Beförderungsmittel zu Lande, zur See oder in der Luft, und er hat sich begeistert über den Wert des Luftschiffes geäußert."

Die Äzsren üSe7siogen.

Graf Zeppelin" hat die Stadt Horta (Azoren) überflogen. Nach einem FunkspLuch befindet sich an Bord des Luftschiffes alles wohl.

Sevilla erwartet den Zeppelin

Sein schönes Welker.

Sevilla, 5. Juni. Sämtliche Vorbereitungen für die Ankunft des LuftschiffesGraf Zeppelin" sind getroffen. Die Funkstation hat bereits versucht, mit dem Luftschiff in- Verbindung zu treten, um ihm meteorologische Nachrichten zukommen zu lassen. Man hofft, daß der'Graf Zeppelin" heute früh eintreffen wird, meint aber, daß er wegen des schlechten Wetters allerdings erst drei Stunden später landet. Abends fiel ein wolkenbruchartiger Regen, der anzuhalten droht.

Der Zeppelin sollte nach Friedrichshafen mit drei unbe- legten Plätzen starten, aber von Madrid aus ist ein Platz telephonisch bestellt worden. Post für Mitteleuropa im Werte von 7000 Peseten liegt zur Mitnahme bereit. Das Luftschiff bringt für den König von Spanien fünf Automobil­pneus einer amerikanischen Firma mit.

Se diner Kleinlu tschiff in Ostsee gestürzt

Skockholu. 6. Juni. Das Seddiner Kleinluftschiff der Stockholmer AuL'tcllung, das nach Stolp in Pommern unter­wegs war, i|i (b.« der Ostsee südlich der Insel Oeland ha­variert worden l>< drei Insassen, Diplom-Ingenieur Tho­mas. Hauptmann Holmecke und ein Mechaniker wurden von dem vorbeifahren**n DampferWachtburg" gerettet. Ein Bergungsdampfer st unterwegs.

Der Führer eines Marineflugzeuges, das nach der Un­fallstelle des Kleinluftschiffes ausgesandt worden war. be­rietet, daß das Luftschiff um 45 Grad geneigt im Wasser liege, mit dem Propeller oberhalb der Wasserfläche, und in der allgemeinen Fahrtrinne treibe, wo es eine Gefahr für die Schiffahrt darstellt.