HersfelöerTageblaü
Bd ^ä^Mng^w^"^m^E Hersfelöer Kreisblatt ;
»Ä.St^ ftÄ^g^S Amtlicher Myeig« für den Kreis Hersfelö 3
mit Sea Beilage»: Sttustrierr '. rrhaltrmaSbloll / Nach AeireabenS / SerS auS GLolle / AKterdaliang vM Witte»
Belebruvg »ab Karrweil / Wirlimaftlirdr Taseettsse»
g« ■— ■■■ ।iiwi !D!1D^»-M»!S»«W-?MSM—!—-!—»»-—«—''»'—-—--——'--—'—---——''''»—'-,»'—»-—— —————^
Nr. 137 (Erstes Wt) Sonnabend, den 14. Juni 1030 80. Jahrgang
RmOMLUM des Reichsdadlnetts
Reve Vchrchlmgen
über Ltaisausgleich.
Notopfer und Lastensenkung.
Reichskanzler Dr. Brüning ist am Freitag nach Berlin zurückgekehrt. Auf seiner Rückreise von einem Pfingstferienausenthalt in Freudenstadt machte der Reichskanzler bei dem Württembergischen Staatspräsidenten Dr. Bolz einen kurzen privaten Besuch. In seiner Begleitung befand sich der von seinem Genesungsaufenthalt im Süden kommende Reichstagsabgeordnete und Vorsitzende der Zentrumspartei, Prälat Dr. Kaas, der von seiner schweren Krankheit völlig wiederhergestellt erscheint und der die parlamentarischen Arbeiten wieder mit frischen Kräften ausnehmen will. Reichskanzler .Dr. Brüning sagte, er hoffe, die politischen Schwierigkeiten meistern zu können, im Bewußtsein, daß es eine andere Möglichkeit, der finanziellen und wirtschaftlichen Röte Herr zu werden, nicht gebe.
Ob sich der Optimismus des Reichskanzlers bewahrheiten wird, werden ja die nächsten Tage zeigen, in denen die neuen Steuern und das Ausgabensenkungsgesetz im Reichstag vorgelegt werden und zur Verabschiedung kommen sollen. . .
MoLdenhauer begründet seine
Deekungsvorlagen
Arbeitsbeschaffung — Preissenkung. — Verwaltungs- vereinsachung. — Die Minister verzichten auf 20 Prozen ihrer Repräsentationsgelder.
Berlin, 14. Juni. In der Kabinettssitzung vom Freitac stimmt wurde.
Das Ziel des'Programms ist: Ueberwindung der Ar beitslofigkeit, Wiederherstellung der Rentabilität der Land wirtschaft, Hilfe für den Osten und Sanierung der Finanzen Obwohl die Arbeitslosigkeit zum Teil durch eine schwer, Weltkrise bedingt ist, hofft die Reichsregierung, die Ar- beitslosigkeit erheblich mildern zu können. Das hier- für aufgestellte Arbeitsbeschaffungsprogramm besteht im wesentlichen in der Erteilung von Aufträgen bei Reichsbahn und Reichspost sowie in einer starken Belebuno des Baumarktes. Alle Maßnahmen auf dem Gebiete bei Agrarpolitik und der O st h i l f e sollen Arbeit unt Brot schaffen und hierdurch die Arbeitslosigkeit vermindern Voraussetzung für die Aufbringung der notwendigen Kredite ist die unverzügliche Herstellung und Erhaltung des Gleichgewichts im Reichshaushalt. Diese Schwierigkeiten können jedoch durchgreifend nur überwunden werden, wenn es gelingt, alle Produktionskosten und -preise herabzusetzen, um vor allem
zu einem niedrigen Preisniveau zu gelangen. Bei dieser Politik ist die Reichsregierung aus die Einsicht und die tätige Mithilfe aller Beteiligten angewiesen. Nur so wird man zu Produktionsbedingungen gelangen, die für eine dauernde Verbesserung des Arbeits- marktes grundlegend sind. Wesentlich hierfür ist die Senkung der öffentlichen Lasten, hierzu hat das Reichskabinett ein Gesetz zur Erzielung von Ersparnissen bei Reich, Ländern und Gemeinden verabschiedet.
Um die Verwaltungsvereinfachung vorzubereiten, wurde beschlossen, für die Dauer des Etatsjahres freiwerdende Planstellen in den Ministerien und in solchen Gebieten der Außenverwaltung nicht zu besetzen, die im Rahmen des beschlossenen Vereinfachungsprogrammes künftig wegfallen Um zu einer Vereinfachung der gesamten Lebensführung zu
Asm Kredite für Ardeitsbefchaffmg.
Verhandlungen mit Amerika.
Nachdem die Young-Anleihe jetzt mit Erfolg vom internationalen Geldmarkt übernommen worden ist, wird das Deutsche Reich - wenn auch auf indirektem Wege — sofort versuchen, eine größere langfristige Ante i h e für die Zwecke desArbeltsbeschas- funnsproaram m s in Newyork und London unter- zubringe .. Im ganzen sollen allmählich etwa 75 Millionen Dollar als Anleihe ausgenommen werden, die ausschließlich dazu dienen werden, öffentlichen Stellen die Vergebung von Bau- usw. Aufträgen an die Wirtschaft zu ermöglichen. ...
Bekanntlich hat das Reich, eine ganze Reche von „Außenständen" in Form von K r e d i t s u b v e n t i o nen an Länder, Kommunen, Kommunalverbände, sonstige öffentlich-rechtliche Körperschaften, Reedereien, Werften usw. Nun sollen diese Kredite in ei» n e u z u b e gründendes F i n a n z i e r u n g s i n st i i u t als - Aktien eingebracht werden, alles Kredite, die das Reich für die „produktive E r w e r b s l o s e n f ü r s o r g e" hergegeben hat; insgesamt handelt es sich um etwa 375 Millionen hypothekarisch gesicherte Darlehen,sanWrüche des Reiches, die nun durch Umwandlung in ein Ak/ien- kapital von 15 0 Millionen und 250 Millionen
kommen, wurde beschlossen, auf 20 Prozent der den Reichs- mimstern für Repräsentationszwecke zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel zu verzichten.
Da die Not der Zeit entschiosjenes, sofortiges handeln erfordert, die vorgenommenen Reformen aber nur Ersparnis auf lange Sicht bringen, Hält die Reichsregierung fest an der sofortigen Erledigung des Gesetzes zur Reform ber Arbeits- loseneersicherung, der Deckrlngsvorlagen und des bereits verabschiedeten Entwurfs einer Reform der Krankenversicherung. Weiter sollen dem Reichstag Abstriche am Reichsetat im einzelnen unterbreitet werden. Für Ersparnisse an Per- sonatkosten ist zur Zeit nur die vom Kabinett beschlossene Reichshilfe der Festbesoldeten möglich Auch die in gesicherter Lebensstellung Befindlichen müssen der Not der Zeit ein Opfer bringen, wie auch von den Arbeitnehmern Opfer gefordert werden. .....„.........
IerKandlungenWerLchn-undpmssenkulig
Nachprüfung der Eisenpreise.
Inzwischen sind am Freitag die Verhandlungen der Unternehmervertreter mit den Gewerkschaftsführern über eine Lohn- und Preissenkung wieder ausgenommen worden. In Kreisen der Unternehmer war man ziemlich zuversichtlich über den Ausgang der Aussprache. Es ist damit zu rechnen, daß die Öffentlichkeit über die hinter verschlossenen Türen stattfindenden Beratungen bald nähere Aufklärung erhalten wird, zumal man sich von den Besprechungen, falls sie tatsächlich zu einem Erfolg führen sollten, allerhand für die Ankurbelung der Wirtschaft verspricht.
Die von den Arbeitgeberverbänden in der Eisenindustrie gefaßten Beschlüsse über die Preissenkung werden gegenwärtig im Reichsarbeitsministerium sowie im Reichswirtschastsministerium nachgeprüft. Man will vor allem untersuchen, ob die Herabsetzungen der Arbeitgeber gemäß dem Schiedsspruch als ausreichend anzusehen sind. Im allgemeinen beträgt die- Preisherabsetzung nach den WWMWMWMMßWMMhL^Mavierbisfünf Prozent. L re Aroertgebervervcinde ersparen, daß bei einer ^mm= kürzung von 7% Prozent, wie sie der Schiedssprach ftir die Akkordlöhne vorsieht, eine Senkung der Preise um vier bis fünf Prozent ein Maximum darstelle, da ja die Höhe des Lohnes nur einen Bruchteil der Höhe des Preises ausmacbe.
Die Gemeinschaftsarbeit der Aternehmer- und Geiverkschaftsverlreter.
Zuversichtliche Verlautbarung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie.
Der Reichsverband der Deutschen Jn- d u st r i e veröffentlicht folgende Mitteilung über die Besprechungen zum Preis- und Lohnabbau: Die Vertreter der Spitzengewerkschaften, des Reichsverbandes der Deutschen Industrie und der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände Habens in den Besprechungen der letzten Wochen, ausgehend von der schweren Krisis der Wirtschaft und insbesondere der hohen Zahl der Arbeitslosen, die Fragen der dauernden Sanierung unserer öffentlichen Finanzen, der Selbstkostengestalten der Wirtschaft, der Preisbildung und der Möglichkeiten der Hebung des Absatzes, damit der Produktion und der Wiedereinstellung der Arbeitslosen in den Arbeitsprozeß behandelt.
Ungeachtet der selb st der stündlichen Verschiedenheit der Standpunkte sind sie zu der Überzeugung gekommen, daß weitere Besprechungen der einzelnen praktischen Fragen zu einer Verständigung über positive Maßnahmen zu nützlichen Ergebnissen für unser Volk führen können. Die Besprechungen werden fortgesetzt.
Mark Reserven konsolidiert werden. Das Finanzierungsinstitut hat die Ausgabe,
ausschließlich für Reichszwecke im Ausland Anleihen aufzunehmen;
es heißt, daß hierüber bereits Verhandlungen mit dem London-Newyorker Bankhaus Henry Schröder eingeleitet sind.
Die RückzahiNÄgeo anv Zinsen aus den Reichssubventionen fließen dann also dem neuen Institute zu, das im engsten Zusammenhang mit der Deutschen Bau - und Bodenbank — deren Kapital zu 50 Prozent im Besitz des Reiches ist — errichtet werden soll. Das gleiche gilt auch für dir .,Arbeitsbeschaffungs"kredite, die aus dem Ertrag der erhofften Anleihen dann der deutschen Wirtschaft zugeleitet werden sollen. Treuhänders dabei ist die Reichskredit-B.-G., die ja selbst schon als Bank der „Viag? -„Vereinigte Jndustriewerke A.-G.") sämtliche r e i ch s e.^ e n e n Betriebe kontrolliert. Es ist beabsichtigt, zunächst aus drei Jahre eine Reihe kleinerer Anleihen von alljährlich 15 b i s 2 5 Millionen Dollar aufzunehmen, die natürlich ebenso als unter Reichsgarantie stehend zu betrachten sind wie die Aktien des Instituts selbst.
Abschluß der deutsch-russischen Besprechungen.
Freundschaftspolitik im Sinne von Rapallo.
Wie von amtlicher Stelle mitgeteilt wird, sind die zwischen Dentschland und der Sowjetunion in Berlin und Moskau geführten diplomatischen Besprechungen zu einem gewissen Abschluß gelangt.
Ein Teil der beiderseitigen Einzelbeschwerden ist in den Unterhaltungen bereits befriedigend geklärt worden. Die übrigen sollen der dafür in bem Abkommen vom 25. Januar 1929 vorgeschlagenen Schlichtungskommission unterbreitet werden, die einmal jährlich um die Mitte des Jahres sich versammeln soll und die in diesem Jahre am 16. Juni in Moskau zu ihrer ordentliche» Tagung zu- summcntreten wird.
Bei der Behandlung der vorliegenden Einzelfragen gehen beide Regierungen übereinstimmend von dem Wunsche aus, die entstandenen' Schwierigkeiten im Geiste des R a- rallovertrages und der anderen zwischen ihnen be- tehenden Verträge zu ttberwinden und damit auch bei fort« chreiteuder internationaler Entwicklung die Politik fortzu- etzen, die sie auf Grund dieser Verträge nun schon lauge Jahre hindurch verfolgt haben. In offener Aussprache sind sie sich von neuem darüber klar geworden, daß die grundsätzliche Verschiedenheit der beiden Staatssysteine
kein Hindernis für die gedeihliche Weiterentwicklung ihrer freundschaftlichen Beziehungen
zu sein braucht. Dabei gehen beide Regierungen davon aus, daß alle Versuche einer aktiven Beeinflussung der innere n Angelegenheiten des anderen Landes zu unterbleiben haben. Beide Regierungen sind entschlossen, auf dieser Grundlage die gegenseitigen Beziehungen zu pflegen und an die sich ihnen künftig noch stellenden Aufgaben heranzutreten, mögen diese Aufgaben das unmittelbare Verhältnis zwischen den beiden Ländern oder andere ihre Interessen berührenden Fragen betreffen. Sie sind überzeugt, daß sie aus diese Weise sowohl dem Vorteil ihrer Länder als auch der Sicherung des Weltfriedens dienen werden.
Sir Henry Segrave 's.
Beim Angriff auf den Weltrekord tödlich verunglückt.
■ ist den
bootes erlitten hat, erlegen. Außerdem ist ein Mitglied der Besatzung ertrunken.
Der verunglückte Rennfahrer Sir Segrave s mit feinem Rennmotorboot „Miß England".
Segrave hat vor dem Unfall den Weltrekord zweimal überboten, indem er auf der ersten Strecke eine Geschwindigkeit von 96,41 Meilen (154 Kilometer) und auf der zweiten eine Geschwindigkeit von 101,11 (162,7 Kilometer) erreichte.
Amerikas Senat verabschiedet die Zoll- Vorlage
Washington, 14. Juni. Der Senat hat die Vorlage über die neuen Zolltarife mit 44 gegen 42 Stimmen angenommen.
In Nisch explodieren vier Höllenmaschinen.
Belgrad. Im Wartezimmer dritter Klasse des Bahnhofs von Nisch explodierte eine im Ofen versteckte Bombe. Der Fleischbeschauer Rankowitsch wurde getötet, zwei Soldaten wurden schwer verletzt, eine Gymnasiastin erlitt leichtere Verletzungen. Zwei Stunden später explodierte in der Nähe der Schienen der Eisenbahnlinie Nisch—Pirot, 900 Meter weit vom Bahnhos entsernt, eine zweite Höllenmaschine in nein Augenblick, da der von Pirot kommende Schnellzug vorbei- fuhr. In unmittelbarer Nähe davon entdeckte man eine dritte, anderthalb Kilogramm schwere Höllenmaschine, die dald darauf gleichfalls explodierte. Endlich explodierte um 3 Uhr früh eine vierte, unter einem Sandhaufen an der Straße nach Leskowats versteckte Bombe.