hersfelöerTageblatt
Amtlicher Anzeiger für den kreis Hersfelö
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Nr. isr
Mittwoch, den 2. Juli 1930
80. Jahrgang
Jubel im befreiten Gebiet
erster Linie zu danken ist, Stresemanns. Bittere Worte fand er für das Verhalten Frankreichs gegenüber dem Saargebiet:
Das Freiheitssest am Wem
Zu mitternächtiger Stunde feierte die Bevölkerung des , nach zwölfjähriger Fremdherrschaft nunmehr freien Rhein- landes ihr großes Befreiungsfest. Ein klarer Sternenhimme« wölbte sich über deutschem Land, und in der warmen Som- mernacht pilgerten Tausende und Abertausende zu den Stätten vaterländischer Begeisterung. Um Mitternacht begannen die Feiern mit Glockengeläut. Dann loderten auf den Höhen des Taunus und allen Bergen am Rhein, in der Pfalz und in der Eifel nächtliche Freudenfeuer empor, und überall erbrausten Dankes- und Jubelhymnen in die Nacht. In dieser denkwürdigen Stunde empfand das rheinische Volk mit Dankbarkeit und Freude die Wendung des Schicksals. Mit Wehmut gedachte es der Brüder an der Saar, denen die Sonne der Freiheit noch nicht erstrahlt.
Wiesbaden
satzungsjahre bewahrten: die Geschlossenheit des Wollens, die innere Verbundenheit der Volksgenossen über Trennendes hinweg.
Reichsminister Dr. Wirth überbrachte die Segenswünsche der Reichsregierung. Bedeutsame Worte fand der Minister über die gegenwärtige Notzeit Deutschlands. Er sagte u. a.:
„Wir empfinden mit dem deutschen Volke an der Saar den brennenden Schmerz darüber, daß es mit all Reden unserer ehemaligen Gegner über den er Menschheit und die Gleichberechtigung der
Die Stadt Wiesbaden, der Sitz der Rheinland- kommission, war reich mit Fahnen und Girlanden geschmückt. Eine unübersehbare Menschenmenge füllte um Mitter den Schloßplatz, den Marktplatz un' ßen. Punkt 12 Uhr wurde
itternacht
„Wir müssen uns fragen, ob die heutige Ordnung der europäischen und Weltwirtschaft noch als befriedigend angesehen werden kann. Sie ist es nicht. Aber jede mögliche neue Ordnung muß Deutschland die Möglichkeit bringen, das zu zahlen, was es wirklich leisten kann. Es ist zu hoffen, daß für die übrigen Staaten einschließlich der wirtschaftlichen Sieger im Weltkrieg, der Amerikaner, noch in diesem Jahre der Tag der Einsicht kommen wird. Der Rhein ist jetzt zwar frei, aber Deutschland fühlt sich noch nicht frei, da es den übrigen Völkern noch nicht völlig gleichberechtigt zur Seite steht. Der Weg zur wahren Freiheit ist der Weg vom minderen Recht zum gleichen Recht, der Weg zur allgemeinen Abrüstung, den mir ' alle gehen müssen,
den schönen Reden unserer ehemaligen Gegner über den Fortschritt der Menschheit und die Gleichberechtigung der Völker noch immer für vereinbar gehalten wird, deutsches ' Land und deutsches Volk gegen seinen Willen von der natürlichen Vereinigung mit dem deutschen Vakerlande fernzuhalten. Sein Vertrag vermag diesen Verstoß gegen die elementarsten Sittengesetze der Menschheit zu recht- fertigen.“
den Schloßplatz, den Marktplatz und die angrenzenden Straßen. Punkt 12 Uhr wurde unter dem Geläut der Glocken die Reichsflagge auf dem Schloß gehißt. Nach dem Posau- nenchor „Lobe den Herrn" und einem Chorgesang der Wiesbadener Gesangvereine hielt Oberbürgermeister Dr. Krücke die Festansprache. Nach einem Rückblick auf die elfjährige Besetzungszeit, die Demütigungen und Bedrückungen der Bevölkerung und die Separatistenzeit dankte der Oberbürgermeister denen, die in Reich und Staat an verantwortlicher Stelle durch zielbewußte Arbeit zu dieser Befreiungstunde verholfen haben. Der Oberbürgermeister gedach auch derer, die dahingegangen sind und diesen Frecheitstag nicht mehr erleben d
ite Arbeit zu dieser Befreiungs-
Als Vertreter der Reichsregierung ergriff der Reichs- kommiffar für die besetzten Gebiete, Freiherr Langwerth von Simmern, das Wort und sprach an diesem ge= ' .......amen Tage dem rheinischen Volke die
ieichsregierung aus. Der Redner schloß
schichtlich so bedeutst Glückwünsche der R< mit den Worten:
i, wenn
bereits gegangen find und den der Friede Bestand haben soll."
Trier
Die fast 2000 Jahre alte deutsche Stadt T r i e r an der Mosel zeigte an ihrem Befreiungstage ein farbenfreudiges. Bild. Kein Haus blieb ungeflaggt. Am Abend glühten in den Straßen Hunderttausende von Lampen auf, die die Stadt in ein zauberhaftes Licht tauchten. Zu der mitternächtigen Befreiungsfeier hatten sich etwa 30 000 Menschen eingefunden. Die Festansprache hielt Oberbürgermeister Dr. W e i tz. Er gedachte der treuen Rheinländer, die sich im Kamps gegen Besatzungswillkür und verbrecherischen Separatistenspuk für ihre Heimat opferten. Der lange Kamps ** ' ^ meie Wunden geschlagen; noch
Möglichkeit zur Genesung, aber der Ehrenschild der Stadt Trier bleibe rein.
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Leid kann Menschen schlechter machen. Leid vermag es aber auch, wenn es innerlich in richtiger Weise überwunden wird, große Kraft zu verleihen. Es vermag zu veredeln und zu vertiefen, neuen Aufschwung und neuen Fortschritt zu begründen. Möchte uns solcher
Fortschritt beschieden sein!
Dann folgte die Ansprache des preußischen Ministerpräsidenten Dr. Braun, der u. a. ausführte:
Ihr Herr Oberbürgermeister hat die Erinnerung an die Lasten und Leiden der letzten Jahre wieder lebendig werden lassen. Um so Heller erstrahlt die Treue des nassauischen Landes zum deutschen Vaterlande und zum neuen Staat. Sie hat in dieser Zeit die Feuerprobe bestanden. Die Erinnerung an die tapfere, vaterländische und freue Haltung des besetzten Gebietes wird uns immer lebendig fein und wird ein Vorbild für ganz Deutschland bleiben. Dieser Ihrer Treue und Ihrer Vaterlandsliebe gedenkt die preußische Staatsregierung in dieser Stunde mit höchster Anerkennung und wärmstem Dank. Heute eint Sie alle die Begeisterung; die gemeinsam ertragene Not und die heute gemeinsame Freude haben hier im besetzten Gebiet die bedauerlich hohen Schranken niedergelegt, die in unserem Vaterland leider Menschen verschiedener politischer Meinung und verschiedener Weltanschauung oft zu trennen pflegen.
Nehmen Sie aus den vergangenen Jahren und aus dieser festlichen Stunde dieses Gefühl der Verbundenheit, nehmen Sie die Achtung vor der ehrlichen Ueberzeugung anderer mit in den Alllag der mühevollen Kleinarbeit. Möge das besetzte Gebiet auch darin ein Vorbild für das ganze Volk sein!
Mainz
Die große Befreiungsfeier in M a i n z begann mit dem gemeinsamen Gesang des Chorals „Großer Gott, wir loben dich". Dann gab Oberbürgermeister Dr. K ü l b den Empfindungen all der Taufende, die den weiten Platz füllten, Ausdruck. Der Rhein, den man zu Deutschlands Grenze herabdrücken wollte, fei wieder Deutschlands Strom geworden. Der Oberbürgermeister erinnerte an die furchtbaren Leiden der rheinischen Bevölkerung während der Schreckenszeit, wo Taufende ins Gefängnis oder in die Verbannung wanderten, aber in unverbrüchlicher Treue hatten alle Parteien des Dichters Mahnworte beherzigt:
„Wir wollen fein ein einzig Volk von Brüdern, in keiner Rot uns trennen und Gefahr!"
Nach dem Gesang des Deutschlandliedes hielt Reichsminister von Gusrard eine Rede, in der er u. a. aus- führte: „Den Dank der deutschen Reichsregierung dem Trierer Volk in dieser weihevollen Stunde schwer erkämpfter Freiheit sagen zu dürfen, ist mir eine hohe und heilige Aufgabe.
Es ist eine geschichtliche Stunde, denn Frankreich hatte sich hier zum dauernden Aufenthalt eingenistet. Mit allen Mitteln hat es die Abtrennung der deutschen Rheinlande vom Reiche propagiert. Roch beim Abzug der französischen Truppen empfanden wir die Geste des Siegers in der Zerstörung der Flughalle. Das schwere Hindernis, das die fremde Besatzung für die Versöhnung und die friedliche Zusammenarbeit der Völker bedeutete, ist beseitigt. Die Jahre des Leidens des rheinischen Volkes mögen aber nicht vergessen werden. Die Saar muß wieder werden, was sie war: das starke wirtschaftliche Rückgrat des Trierer Landes. Die Glocken der altehrwürdigen Kirchen Triers sind auch Sünder unserer Grüße, unserer Hoffnungen für die deutsche Saar. Ernst ist diese Stunde, auch weil die Sorgen klopfen an mancherTür im Tale der sonnigen Mosel, wo die Rebe blüht. Die Umstellung auf Friedensarbeit beginnt in Trier mehr als ein Jahrzehnt zu spät. Die fördernde Hand der Reichsregierung muß und wird unterstützend eingreifen."
Dann sprach der preußische Handelsminister Dr. Schreiber, der die Glückwünsche der preußischen Staats- regierung überbrachte. Auch er gedachte des Staatsmannes, dessen unermüdlicher Arbeit die Erreichung dieses Zieles in
Staatspräsident Dr. A d e l u n g gedachte in seiner Rede der Toten, die starben, damit Deutschland lebe Er feierte ......'ienbe und konsequente Politik deutscher ich an die Namen Ebert, Rathenau, Wirth, Stresemann und Hermann Müller knüpft, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Saarverhandlungen bald " ' en Fiel führen werden. Die schweren Wunden
vor allem die i Staatsmänner,
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aelinaen. wenn
ifte Aufgabe des Vaterlandes. Dies werde ll- Deutschen das wertvollste Gut der B«-
Das Salutsdjießen im Lustgarten.
Speyer
Schon lange vor Mitternacht hatte sich die Speyerer Bevölkerung auf dem Domplatz zur offiziellen Befreiungskund- gebung eingefunden. Die angrenzenden Gebäude waren illuminiert. Straßen und Plätze trugen reichen Flaggenschmuck. Die Festansprache hielt Oberbürgermeister Dr. L e i l i n g- Speyer. Er sagte u. a.: „Die ganze Leidenszeit steigt in dieser Stunde vor unserer Seele auf. Der Feind, der am 5. Dezember 1918 in unsere Stadt einzog, brächte auf den Lippen das feierliche Gelöbnis loyaler Ausübung der Vertragsrechte, im Innern aber die heimliche Absicht, mit den Jahrtausendtraum der Rheingrenze auf Umwegen zu verwirklichen. Der Oberbürgermeister schilderte dan die Leidenszeit der Bevölkerung und erklärte weiter: Wir wollen trotz der Vergangenheit» trotz der Not der Zeit und der Sorge für die Zukunft stolze Genugtuung empfinden. Mit Freude und Dank wollen wir die sehnsüchtige Hoffnung verbinden, es möchte aus Krieg und Besetzungszeit doch noch Gutes für die Zukunft erwachsen.
Darauf wurde das Deutschlandlied intoniert, das die Menschenmenge begeistert mitsang. Vom Dom läuteten die alten Glocken. Danach erfolgte der Einmarsch der inzwischen vom rechtsrheinischen User herangekommenen bayerischen
Reichsminister Treviranus dankte dann der Pfalz für die in den schweren Jahren bewiesene Treue. Die Pfalz habe im Abwehrkampfe das edelste Beispiel brüderlicher Volksgemeinschaft gegeben. Wörtlich fuhr der Minister dann fort:
„Was allein Stärke und Willen zur Selbsthilfe wachsen lassen kann, die in der Pfalz durch die Jahrhunderte immer wieder so Großes erreicht hat, das ist das Gemeinschaftsgefühl dieser Zeit. Die fremde Besetzung war eine schwere Prüfung. Gerade unerwartete Prüfungen aber zeigen, was ein Volk vermag. Lernen wir aus diesen Jahren für die Zukunft, machen wir uns stark für alles, was kommen mag. Durch Rot und Tod, durch Sorge und Leid bfeibt uns der unerschütterliche Glaube an die Heimatliebe und das Recht unseres Volkes, auf freier Scholle sich selbst und der Menschheit eine freie Stätte zu schaffen."
Kehl
In schlichter und würdiger Weise feierte die Stadt Kehl die Befreiung von fremder Besatzung. Als um 12 Uhr die Glocken der Kirchen läuteten, bewegten sich zwei Fackelzüge zum Rathausplatz, wo sich bereits eine dicht gedrängte Menge eingefunden hatte. Bürgermeister Dr. Luthmer hielt eine Ansprache, in der er in großen Strichen die Ereignisse nach dem Einzüge der Franzosen schilderte. Nach dem Dank an die Reichsregierung für die Hilfe schloß der Redner mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland.
Nach dieser Ansprache zog unter Vorantritt der Karlsruher Polizeikapelle die neue Staatspolizei in Kehl ein. An den Reichspräsidenten wurde folgendes Telegramm gerichtet:
„Im Augenblick der endlichen Befreiung gilt der erste Gruß der Bevölkerung der Grenzstadt kehl in Dankbarkeit und Verehrung dem Vater des Vaterlandes mit dem Gelöbnis unwandelbarer Treuer zum deutschen Volk und Deutschen Reich."
Das Telegramm an die Reichsregierung hat folgenden Wortlaut:
„In der Stunde der Befreiung gedenkt die Bevölkerung der Stadt Kehl in Dankbarkeit der mühevollen vaterländischen Arbeit der Reichsregierung, insbesondere der verewigten Minister Rathenau und Stresemann, um unsere Erlösung. Wir erneuern das Trengelöbnis zu Volk und Reich. Gott schütze unser Vaterland."
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Paris, 1. Juli
Die weiteren Kommentare der französischen Blätter lassen erkennen, daß man sich in weiten Kreisen der französischen Öffentlichkeit garnicht dessen bewußt ist, daß die Beendigung des Rechtsanspruches Deutschlands auf die Räumung sich im Hinblick auf die internationale Politik nicht mehr länger hinausschieben ließ. Zuzustimmen ist den Aeußerungen, in denen auf die Handlungsfreiheit hingewiesen wird, die Deutschland jetzt im Spiel der Kräfte auszugutzen imstande sein wird. Das Wirtschaftsblatt „I o u r n e e 3 n= d u st r i e l l e" erklärt: „Wir werden binnen kurzem sehen.