hersfelöerTageblatt
Hersfelöer Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelü mit des BeilaseK: gllakttenes AaterhattoogSblatt / Nach Aeierabead / Seed vnd Scholle / AllEerhattovg asd Witte« Belehroag «ab Ksrrweil / Wirttchattlichr Tagesttasek
Nr. 154 Freitag, den 4. Juli 1930 SO. Jahrgang
Macheselbrug gegen Separatisten
In Mainz und Kaiserslautern heftige Zusammenstöße mit der zu schwachen Polizei
Ergebnis der Woche
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R. P. „Das Rheinland ist frei!" Dieser Ruf, von Millionen rheinischer Kehlen erhoben, von Tausenden rheinischer und deutscher Glocken begleitet, von Millionen deutscher und ausländischer Federn beschrieben, klingt heute noch durch rheinisches und deutsches Land und weckt darüber hinaus im Ausland Widerhall und bedächtige Ueberlegung. Die einen nennen es Fortschritt der Verständigungspolitik, die andern den Anbruch einer neuen Zeit in Europa, dritte die Auslöschung des Kriegsgeistes, vierte, und sie findet man vor allem in Frankreich, „eine nationale Katastrophe", Für Deutschland bedeutet die Rheinlandräumung zweifellos eine innen-, außen- und wirtschaftspolitische Erleichterung durch die Wiederherstellung der deutschen Souveränität und durch die wirtschaftliche und seelische Entlastung der rheinischen Bevölkerung; sie bedeutet einen Abschnitt der deutschen Nachkriegspolitik. Herr T i r a r d, der französische Oberkommissar im Rheinland, dem Herr Briand für seine „verständige und schwierige Arbeit,, besonderen Dank ausgesprochen hat, hat es fertig gebracht, die nun endlich aufgehobene Besetzung als eine besondere Form der — deutschfranzösischen Annäherung zu bezeichnen! Er hat es einem französischen Journalisten gesagt zu dem Zwecke natürlich, daß die Welt erfahren möge, „welch schwere Opfer" Frankreich durch Aufrechterhaltung der Besetzung für die deutsch- französische Annäherung gebracht hat! Man wird annehmen können, daß Herr Tirard mit dieser Darstellung selbst in den gläubigsten Seelen starke Zweifel erregt hat. Wenn man mit Tanks, schweren Geschützen, Maschinengewehren und ähnlichen „friedlichen" Mitteln Annäherung erzielen könnte, dann müßte sie während des Weltkrieges in einer Weite zustande gekommen sein, daß heute die neue lind öle alte Welt nur noch einen einzigen Freundschaftsbund dar- stellten.
In diesen Tagen tagte in Schmeks die Kleine Entente- Konferenz. Diese Entente, seinerzeit von Briand als Instrument der französischen Blockierungspolitik gegen. Deutschland ins Leben gerufen, hat sich in den letzten Jahren selbständiger gemacht, wenn auch in der Hauptsache in dem Sinne, die Interessen ihrer Staaten gegen die Mittel- Staaten wirksamer vertreten zu können. Man hat in den Kreisen dieser Staaten seit langem erfahren müssen, daß die Politik der Großmächte Wandlungen unterworfen ist, die nicht immer auf die Interessen der kleinen Vasallenstaaten Rücksicht nimmt Man möchte sich die Vorteile, die man aus dem Kriege mit Unterstützung der Großmächte gezogen hat, unter allen Umständen gegen die Mächte, auf deren Kosten man groß geworden ist. Für die Kleine Entente ist Ungarn ein ständiger Herd der Beunruhigung, weil es absolut darauf besteht, daß man auch Rechte der Besiegten an- erkennt. Herr Benesch hatte in Schmeks Sorgen wegen der angeblich in Ungarn drohenden Restaurationsge- f a h r der Habsburger, die verstärkt wurden durch den Besuch Gras Bethlens in London Der tschechische Außenminister wollte deshalb eine große Aktion dagegen in Szene setzen Er wurde aber von südslawischer und rumänischer Seite darauf hingewiesen, daß die Stellung der Großmächte gegenüber Ungarn und seiner Königsfrage manche bedeutsame Aenderung erfahren habe, z. B. durch die Wiederkehr Carols, weshalb ein Schritt in der Richtung des Veneschschen Antrages unter Umständen unzweckmäßig sein müßte Man hat dann schließlich beschlossen, in vertraulicher Weise die Großmächte auf die „Strömungen in Ungarn" hinzuweisen und ihnen bekannt zu geben, daß die Kleine Entente nach wie vor einer Habsburgischen Restauration ablehnend gegenüberstehe.
Die durch das Versailler Diktat neu belebte Frage des Schutzes der Minderheiten, hat auch in jenen Ländern Auswirkungen gehabt, die nie und nimmer anerkennen werden, daß auch sie eine Minderheitenfrage haben. Frankreich hat durch die gewaltsame Unterdrückung der elsaß-lothringischen Autonomiebewegung das Gegenteil von dem erreicht, was es bezweckte: heute spricht man im Elsaß fast mehr deutschals vor dem Kr i e g e Dabei ist es gleichgültig, ob man in Kalmar. Mülbausen oder Straßbu - einen Gepäckträger
Kolmar, Mülhausen oder Straßbu ruft: er hält es für selbstverstündlick redet wird! In der belgischen Kamm ebenso bezeichnende wie unangenehm batte; unangenehm für die Belgie> innert wurden, daß die Vlamen ihre Gleichberechtigungsbestrebungen nicht
zeichnend, weil die Erinnerungen zw an den antivlämischen Charakter de- gischen Iahrhundertfestes r sidenten als „die gehässigsten Reden scheu Parlament gehalten worden sn Den Nationalbelgiern muß es aller! sein, sich von den Mußbelgiern sagen gische Revolution im Jahre 1830 nie! perialistisches Machwerk Frankreichs
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SriMsMemagden in Mainz
Mainz, 3. Juli
Auch in Mainz kam es zu Racheakten gegen ehemalige
Separatisten. Eine große Menschenmenge durchzog unter dem Gesang vaterländischer Lieder die Straßen. Ein Laden, dessen Besitzer ein ehemaliger Separatist ist, wurde in der Bahnhofstraße demoliert. Die Fensterscheiben wurden ein- geschlagen, die Auslagen aus die Straße geworfen und zerstört. Auch ein Laden in der Synagogengasse wurde vollständig ausgeplündert. Ein starkes Polizeiaufgebot trieb die Menge auseinander. Vor den Läden wurden Beamte postiert, um weitere Zerstörungen zu verhindern. Die Stadt befindet sich in großer Erregung. Ein großer Teil der Separatisten hat Mainz verlassen. Andere wieder wurden von der Polizei in Schutzhaft genommen.
Am Donnerstag setzten sich die Demonstrationen fort. Es handelt sich um einen regelrechten V o l k s st u r m gegen die Separatisten, und es besteht die Gefahr, daß noch andere Städte von der Bewegung ergriffen werden. Von der Polizei ist alles getan worden, um die Ausschreitungen zu verhindern. Die vorhandenen Polizeikräfte waren aber vielfach zu schwach, um gegen die Tausende einzuschreiten.
Bei dieser Gelegenheit zeigt sich wieder einmal, von welch unheilvollem Einfluß die im Versailler Verdikt vorgesehene Beschränkung der Polizeikräfte sein kann. MaiNz Hat für besondere Anlässe viel zu geringen polizeilichen Schutz. Bis von außerhalb Unterstützung eingetragen ist, kann das größte Unglück längst geschehen "sein.
Ein ErM des heMchen Snnenmsnift^s
Der hessische Innenminister erläßt folgenden Aufruf: Heute nacht sind in Mainz von Unverantwortlichen schwere Ausschreitungen begangen worden, die im Interesse des Ansehens unseres Landes auf das schärfste verurteilt werden müssen, zumal davon auch gänzlich unbelastete ehrenwerte Bürger betroffen worden sind.
Die Befreiungsstunde erfordert von der ganzen Bevölkerung ein würdiges, dem Ernst der Zeit entsprechendes
Verhalten.
Wenn jemand in den kritischen Jahren der Besatzung eine zweifelhafte Haltung eingenommen hat, so ist er durch das Urteil seiner Mitbürger zur Genüge bestraft. Ich weiß, daß auch die Bevölkerung des befreiten hessischen Gebietes solche Roheitsakte verurteilt in dem Gefühl, daß der weltgeschichtliche Vorgang der Befreiung nicht durch Handlungen entwürdigt werden darf, die der Größe unserer Sache wider- spechen.
Ich habe die Polizeibehörden angewiesen, gegen jede Ausschreitung unter Anwendung aller polizeilichen Mittel rücksichtslos vorzugehen. Die Ordnung und der öffentliche Friede müssen unter allen Umständen gewahrt werden. Ich weise daraus hin, daß für Vermögens- und Sachschäden unter Umständen die Gesamtheit auhutommen hat.
Viele Zehntausend« von Bewohnern wohnten Der imposanten Jubelfeier aus Anlaß bet Befreiung des Rheinlandes bei. v
Doumergue empfängt General Guillaumat.
Paris, 4. Juli. Der Präsident der Republik hat gestern nachmittag den ehemaligen Oberstkommandierenden der Ve- iatzungstruppen in Rheinland, General Guillaumat, empfangen.
Am Worein Mangel abzuhelse«...
Eine neue Parteigründung
Berlin, 9. Juli.
Infolge der internen Auseinandersetzungen in der Rationalsozialistischen Partei hak die Straßer-Gruppe ihren Bruch mit der Hitler-Gruppe vollzogen: Der „Rationale Sozialist", dessen Herausgeber Otto Straßer ist, veröffenk- licht einen Aufruf an Leser, Partei, Genossen, Freunde zui Gründung einer eigenen Parkei, der revolutionären Ratio- nalsozialisten. An erster Stelle sind neben Otto Siraßer det frühere Major Buchrucker und Herbert Blanck unterzeichnet. Es folgen die Unterschriften einer Reihe örtlicher Führer.
Der Aufruf enthält eine Art Parteiprogramm. Aus außenpolitischem Gebiet wird der Interventionskrieg gegen Rußland bekämpft in der inneren Politik die Stellungnahme für das System der Einzelstaaten abgelehnt und ein republikanisches Bekenntnis abgelegt, im Gegensatz zu dem „republikanisch-monarchistischem Halbdunkel" und der „übersteigerten Verehrung für den faschistischen Obrigkeitsstaat". Weiter wird über die „Verbürgerlichung" der Partei geklagt, die in dem engen Bündnis mit Hugenberg, mit dem Stahlhelm und den sogenannten Vaterländischen zum Ausdruck komme.
Reichseimahmtn und -onsiobfn
Berlin, 4. Juli
Das Reichsfinanzministerium veröffentlicht den Monatsausweis über die Reichseinnahmen und -ausgaben im Mai 1930. Im ordentlichen Haushalt betrugen die Einnahmen 440,7 Millionen Mark gegen 828,7 Millionen Mark im April. Die Mehrausgaben in den Monaten April und Mai betrugen .«i^uKWuUftl WMM. M ^aus^alt beliefen sich die Einnahmen im Mai auf 101,6 Millionen gegen 195,3 Millionen im April. Die Ausgaben betrugen 111,9 Millionen gegen 18,0 Millionen im April. Daraus ergibt sich eine Mehreinnahme von 167,0 Millionen im April und Mai.
Der Gesamkfehlbetrag im ordentlichen Haushalt betrug einschließlich des Fehlbetrages aus den Vorjahren von 465.0 Millionen insgesamt 522,1 Millionen, der Fehlbetrag im. außerordentlichen Haushalt einschließlich des Fehlbetrages aus dem Vorjahr von 771,7 Millionen — 604,7 Millionen.
Der Stand der schwebenden Schuld war Ende Mai 1 479,0 Millionen gegen 1 541,4 Millionen Ende April.
Beamte und radikale Barteien
Das preußische Staatsministerium hat in seiner letzten Sitzung den folgenden Beschluß gefaßt, der nunmehr den Nachgeordneten Behörden aller Zweige der Staatsverwaltung und den Gemeindebehörden zugeht: (
„Räch der Entwicklung, die die Rationalsozialistisch« Deutsche Arbeiterpartei und die Kommunistische Partei Deut chlands genommen haben, sind beide Parteien als Organisationen anzusehen, deren Ziel der gewaltsame Umsturz der bestehenden Staatsordnung ist.
Ein Beamter, der an einer solchen Organisation teib nimmt, sich für sie betätigt, oder sie sonst unterstützt, verletzt dadurch die aus seinem Beamtenverhältnis sich ergebende besondere Treueverpflichtung gegenüber dem Staate und macht sich eines Dienstvergehens schuldig.
Allen Beamten ist demnach die Teilnahme an diesen Organisationen, die Betäligung für sie, oder ihre sonstige Unterstützung verboten.
Das Staatsministerium bringt diese Auffassung der Beamtenschaft hiermit besonders zur Kenntnis und weist sie darauf hin, daß künftig gegen jeden unmittelbaren oder mittelbaren Staatsbeamten, der dem zuwiderhandelt, disziplinarisch eingeschritten wird. Das Staatsministerium ordnet gleichzeitig an, daß die Nachgeordneten Behörden über jeden Fall der Zuwiderhandlung dem zuständigen Fachminister zu berichten haben."
Am die KemontePserde der HeiWswetr
Berlin, 4. Juli.
3n der Sitzung des Haushaltungsausschusses des Reichstages wurde mit 16 gegen 15 Stimmen ein Antrag des Reichswehrministeriums, mit Rücksicht auf die Remonte- markte dem Reichswehrministerium den Ankauf von Re- montepferden und einen Vorgriff auf die Etatsmittel zu gestatten, abgelehnt. Es handelt sich dabei um eine Vor- ausbewilligung von 799 200 Mark. Deutschnationale, Deutsche Volkspartei, Zentrum, Bayerische Volkspartei und Christlich-Nationale Arbeitsgemeinschaft stimmten für, So- zialdemokraten, Kommunisten und Demokraten gegen den Antrag, während sich die Wirtschaftspartei der Stimme enthielt. Der Reichsfinanzminister hatte den Antrag unterstützt Das Reichswehrministerium benötigte den Betrag, um die bereits seit Februar angesetzten Remontemärkte im Juli abzuhalten. Betroffen werden von der Ablehnung besonders die Pferdezuchtgebiete Ostpreußens, Hannovers, Mecklenburgs, Schleswig-Holsteins. Banerns und (Schlesiens.