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hersfelöerTageblaü

ftU^E^än^mtstm^rn^er j&ti* Hersfel-er Kreisblatt ^kSS2H2LA Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

Mit bea Bellaaen: Illllstriertes Aaterhatt»ngSbl«tt / Nach AeirrabeaS / AmS and Scholle / Aater-attsos and « Beletzrans and Kuerweil / Wirtschaftliche TasrsttWer.

Nr. 156 Montag, den 7. Juli 1930 80. Jahrgang

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Die Feiern im Rheinland

Freude herrscht am Rhein

Trier, 7. Juli. Sonnabend und Sonntag waren der Fortsetzung bei Trierer Befreiungsfeierlichkeiten gewidmet. Der Sonnabend abend war einem Moselfest vorbehalten, das der Freude der Bevölkerung über die endliche Befreiung Ausdruck verlieh. Etwa 50 000 Zuschauer wohnten dem großartigen Schauspiel bei, das sich mit Einbruch der Dun­kelheit entfaltete. Die alte Römerbrücke erstrahlte im Lichte unzähliger elektrischer Lampen, deren Glühen die Konturen der Brücke aus dem Dunkel plastisch hervortreten ließ. Auf der Mosel schaukelten Hunderte von beleuchteten Booten. Gegen 22 Uhr bewegten sich riesige Fackelzüge unter den Klängen flotter Marschweisen aus dem Innern der Stadt zu den Moselufern und vereinigten sich zu einem Feuerstrom, dessen unzählige zuckende Flammen sich über die Brücken und Uferwege ergossen. Um 22.30 Uhr krachten Böllerschüsse, gleichzeitig schössen Raketen in den dunklen Sommerhimmel empor. In diesem Augenblick erklang, spontan von Zehn­tausenden gesungen das Deutschlandlied und das Mosellied, die dem Jubel über die Befreiung einen erschütternden Aus- bruct verliehen. .^t^,., E^,E^M,M^.HE^tw,BiMWW^ i

kehl, 7. Juli. An der Vefreiungsfeier der Stadt Kehl und des Hanauer Landes beteiligte sich die gesamte badische Staatsregierung. Staatspräsident Dr. Schmidt führte u. a. folgendes aus: In der feierlichen Stunde der Befrei­ung grüßt die badische Regierung und das badische Volk die befreiten Gebiete und dankt dafür, daß die Bewohner in die­ser Leidenszeit Unheroisches heroisch ertragen haben. Wir danken aber auch denjenigen, die seit vielen Jahren für das Deutsche Reich mit unseren früheren Feinden die Verhand­lungen, die zur Befreiung führten, gepflogen haben. Ihre Namen sind zu bekannt, als daß ich sie einzeln zu nennen brauchte. Vieles haben wir in den lebten, zwölf Jahren er- .ELUji, uuei um vieles ringen wir noch. Möge uns der Völkerbund von den Schrecken eines weiteren Krieges be­wahren. Möge der heutige Tag ein Markstein für unsere innere Einigkeit werden.

Die Grüße des Reichspräsidenten und der Reichsregie­rung überbrachte Reichsinnenminister Dr. Wirth.Es ist mir eine Freude, als stammverwandter Alemanne in dieser geschichtlichen Stunde in diesem befreiten alemannischen Ge­biet zu weilen und an dieser Feier teilzunehmen. Aller ist gedacht worden und so gilt es nur noch der Freude über die wiedererlangte Freiheit Ausdruck zu geben. Der Weg zu diesem Tage war ein schwerer. Der Kampf der politischen Parteien um die Befreiung des Volkes ist von uns gewon­nen worden. Wir denken heute an jene furchtbaren Qualen, die die Vorkämpfer dieser Politik erdulden mußten. Sie haben ihre Gesundheit und ihr Leben eingesetzt. Ich kann es deshalb nicht unterlassen, in der Nähe der Heimat auch derer zu gedenken, die heute nicht mehr sind, die auf diesem Wege blieben, von Friedrich Ebert, dem ersten Reichspräsi­denten an über Erzberger und Rathenau hin zu dem Manne, der fünf Jahre lang im Außenamt diese Stunde vorbereitete und nicht müde ward, alles daran zu setzen, um mit Frank­reich zu einer Verständigung zu gelangen: Dr. Gustav S t r e s e m a n n. Wir haben unser Ziel klar erkannt und wir haben es erreicht, weil wir ein klares Ziel hatten und weil wir die große Masse des deutschen Volkes in den letz­ten Jahren hinter diese Politik brachten. Wir werden die­sen Weg weitergehen, weil wir uns klar sind, daß das deutsche Volk heute noch ein Volk minderen Rechtes ist. Gerade uns badischen Alemannen aber gibt das Schicksal eine Aufgabe. Wir sind eines Stammes mit den Aleman­nen des Elsaß, mit den Alemannen der Schweiz, mit den Alemannen des Vorarlbergs. Daraus erwächst uns badi­schen Alemannen eine geschichtliche Wendung. Wir müssen einmal für unser Deutsches Reich einstehen. Wir werden aber darüber hinaus das große Ziel verfolgen, die Staaten verbindende Brücke in Europa zu werden. Das ist ein großes Ziel und uns als Lebensaufgabe gestellt. Wolle Gott das deutsche Volk segnen und führen zur Freiheit und wieder zu neuem Glück."

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Mit Zeppelin und Flugzeugen zur Befreiungs ahrt

Friedrichshafen, 7. Juli. Das LuftschiffGraf Zeppelin" ist am Sonnabend, 23.30 Uhr, zu seiner Fahrt nach Köln, unter Führung von Dr. Eckener aufgestiegen.

Köln, 7. Juli.Graf Zeppelin" ist Sonntag früh, Punkt 7 Uhr, auf dem Kölner Flughafen Butzweiler Hof glatt ge­landet. Nach einem Aufenthalt von 22 Minuten stieg das Luftschiff zum Rheinlandbefreiungsfluge auf und verschwand nach einer großen Schleifenfahrt über der Stadt in westlicher Richtung.

Trier, 7. Juli. Von 57 in Köln zum Befreiungsflug ge­starteten Flugzeugen sind hier 53 Maschinen gelandet. Zwei Flugzeuge sind ausgeschieden, zwei weitere mußten bei Koblenz bzw. bei Kusel notlanden. Die zweite und letzte Etappe führt über Aachen, Essen usw. nach Köln zurück.

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Köln, 7. Juli. Nach seinem großen Nundflug über dem Rheinland landete das LuftschiffGraf Zeppelin" um 17.30 Uhr im Kölner Flughafen. Gleichzeitig landete auch das Junkersfluazeua D. 2000. Nachdem der Reichs­

verkehrsminister von Guerard und andere Herren, Führer und Passagiere, desGraf Zeppelin" begrüßt und geehrt hatten, startete dieser gegen 18 Uhr zur Rückfahrt nach Friedrichshafen.

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Köln, 7. Juli. Von den in Trier zum Rheinlandbefrei- ungsflug gestarteten 50 Flugzeugen sind die 49, die in Düs­seldorf aufgestiegen waren, sämtlich hier eingetroffen. Da­mit hat der Rheinlandflug sein Ende erreicht. Eine Ma­schine hatte bei der planmäßigen Zwischenlandung in Aachen wegen Bruchs des Fahrgestells den Weiterflug aüfgeben müssen. Die Flugzeuge haben die Etappe AachenDüssel­dorfKoblenz geflogen.

AM das Saargebiet befreien!

Trier, 5. Juli.

Die 10. Tagung des Bundes der Saarvereine trat am Sonnabendvormittag mit ihrer Mitglieder- und Vertreter­sitzung in die eigentliche Tagungsarbeit ein. Nach begrüßen­den Worten des Bundesvorsitzenden, Senatspräsidenten Andres- Frankfurt a. M., begannen die politischen Tagungsreferate.

Arm Saarvögeleins Sehnsucht nach Freiheit" lautete das Thema für das Referat des Stadtschulrats Martin- Saarbrücken, der die Aufgaben der Kundgebung in Trier folgendermaßen kennzeichnete: Die Kundgebung soll sein:

1. der stärkste Ausdruck des Verlangens nach einer bal­digen und tragbaren Rückgliederung und

2. ein Appell an alle einsichtigen Franzosen, die guten Willens sind, unser Motor zu sein, der die schleppenden mäÄÄÄ^^

Die Franzosen redeten immer noch von Tausenden von Schulkindern in französischen Schulen und von deren Eltern, die nach ihren Wünschen stimmen werden. Viele Kinder besuchten aber nur unter. Zwang die französischen Schulen, und ein großer Teil von ihnen sei zudem lothrin­gischer Abkunft. Das Saargebiet wünsche nichts sehnlicher als die Abstimmung. Dann werde sich zeigen, daß nur ein Häuflein Beamte der Zentralverwaltung und ein paar Ge­schäftsleute, die sich einen guten Absatzmarkt im Westen ge­sichert haben, die Völkerbundsverwaltung weiter wünschen. Die Herrschaften vergäßen, daß ohne die deutschen Sozial- zuschüsse und Zollstundungen das Saargebiet armselig da- stünde.

Untragbar sei im Saargebiet auch die Rechtlosigkeit der Bevölkerung. Ein solcher Zustand könne nicht verewigt werden.

Dann sprach Kommerzienrat Dr. R ö ch l i n g - Völk- lingen über die schwebenden Saarverhandlungen. Der Redner beleuchtete dabei einzelne Fragen besonders vom i n d u st r i e l l e n Standpunkte aus. Die Privatisierung der Saargruben werde in Frankreich nur von Leuten gefor­dert, die nicht übersetzen, welche große industrielle Aufgabe zu lösen sei, um die Lebensfähigkeit der Saargruben zu sichern. Die Saargruben hätten einen Stillstand in der Ent­wicklung aufzuweisen. Während beispielsweise in der Nach­kriegszeit alle anderen europäischen Kohlengebiete (mit Aus­nahme der französischen) erhebliche Leistungssteigerungen je Mann und Schicht erzielten (Ruhr 34%, Holland 46%, Saar 4%), sei der heutige Wert der Saargruben mindestens um soviel niedriger wie der saarländische Effekt sich gegen­über anderen Kohlengebieten verschlechtert habe.

Das letzte Referat hielt Studiendirektor D r e s e n - Trier, der zur Unterstützung der Saarländer aufforderte, sei es durch Besuch des herrlichen Saargebiets, sei es durch Er­haltung und Wiederanknüpfung wirtschaftlicher Beziehun-. gen oder sonst durch Wort und Schrift.

Geleger stich'der großen Saarkundgebung am Sonntag auf dem neuen Trierer Sportplatz sprach Pfarrer R o s ch - Andernach.

World" für Räumung des Saargebiets

Rew Sort, 7. Just.World" schreibt in einem Leitar­tikel: Die nach der Rheinlandräumung verbleibende Saar­frage könne kaum ernstliche Schwierigkeiten bereiten. Tar- d i e u wisse, daß die Bevölkerung gut deutsch ist und daß die Forderung eines Volksentscheides daher nur eine Farce wäre. Eine baldige freundliche Lösung dieses letzten terri­torialem Reibungspunktss zwischen den beiden großen Kontinentalmächten sei daher ebenso wünschenswert wie nötig. ?_____ _ _...

Grundsteinlegung zum Stresemann-Denkmal.

Mainz, 7. Juli. In Anwesenheit des Reichskommissars Freiherrn Langwerth von Simmern, anderer Vertreter der Behörden und des Führers der Deutschen Volkspartei sowie unter starker Beteiligung der Bevölkerung wurde am Sonn­tag mittag die feierliche Grundsteinlegung zum Stresemann- Ehrenmal am Fischtor-Platz vorgenommen. Reichsminister a. D. Dr. Scholz hielt die Weiherede, wobei er tief empfun­dene Worte für den verstorbenen Reichsaußenminister Dr. Stresemann fand. In einer Ansprache betonte der Mainzer Oberbürgermeister, daß Mainz wohl am schwersten gelitten habe und daher beanspruchen könne, das erste Denkmal des Befreiers der Rheinlande in seinen Mauern zu bergen.

Fortschreitende Klärung

Nach der Parteiführerbesprechung am Ende der vergan­genen Woche verstärkte sich in politischen Kreisen der Ein­druck, daß die Reichsregierung wiederum einen Schritt vorwärts gekommen ist. Selbstverständlich müssen die Verhandlungen noch fortgesetzt werden, da in der stattge- , habten allgemeinen Fühlungnahme nur sämtliche Vorlagen einer vorläufigen Durchprüfung unterzogen werden konnten. Erst Anfang der Woche wird man versuchen, aus dem Ge- jamtprogramm der Reichsregierung alle diejenigen Punkte auszusortieren, in denen Schwierigkeiten bestehen. An eine grundlegende materielle Abänderung des jetzigen Deckungs- programms ist nicht zu denken. Man glaub? daher inner­halb der Regierungskoalition, der Deutschen Volks­partei in der Weise entgegenkommen zu können, daß man sich in gewissem Umfange bezüglich der wei­teren Entwicklung festlegt. Bekanntlich plant die Reichs- regierung aber die Inangriffnahme der großen Finanz­reform erst im Herbst. Man will der Deutschen Volkspartei nunmehr Zusicherungen in der Richtung ihrer Forderungen für den Herbst geben. Damit glaubt man in Regierungs- kreisen, mit Bestimmtheit auf ihre Unterstützung bei der Verabschiedung der Deckungsvorlagen bauen zu können.

Viel ist damit schon gewonnen, jedoch nicht alles, da kleine Absplitterungen vom Regierungsblock möglicherweise zu erwarten sind, so bei den bayerischen Bauern bzw. bei den christlich-nationalen Bauern. Die Regierung ist also nach wie vor auf Unterstützung von außerhalb der Koalition stehenden Parteien angewiesen. Ob sie diese nun von links oder von rechts her erhalten wird, darüber läßt sich Ge­wißheit erst in den nächsten Tagen erlangen.

Räch wie vor steht aber die Unterstützung von rechts im Vordergründe. Ein Teil der Deutschnationalen nämlich scheint trotz der Ablehnung der Finanzvorlagen durch die Fraktion, die bereits vor der Plenarsitzung des Reichsrats erfolgte, gesonnen, der Regierung an die Seite zu treten. 3m Reichstage war am Wochenende die Version nerhreUef. daß vv»i vW 21 Mitglieds« des WestürpFingeks, die gegen die Veröffentlichung des Fratttonsbeschtuffes gestimmt haben. 15 auf jeden Fall ein gemäß den Forderungen der Parteien umgestattetes Deckungsprogramm billigen werden. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhänge, daß im Re- gierungslager wieder der Gedanke eines 3 u n c f i m s zwischen Steuervorlage und S st h i l f c einerseits und zwischen Steuervorlage und Sozialversiche - rungsresorm andererseits neuerdings erwogen wird.

AmMimWrr $l®tt*W in Kiel

Kiel, 5. Juli.

Ein amerikanisches Geschwader, bestehend aus den LinienschiffenA r k a n s a s",F l o r i d a" undU t a h". lief am Sonnabend zu mehrtägigem Besuch in den Kieler Hafen ein. An den Förde-Ufern und auf zahlreichen Booten hatten sich viele Schaulustige eingefunden, die den amerika­nischen Gästen einen freundlichen Empfang bereiteten. Die Mannschaften der im Hafen liegenden deutschen Kriegsschiffe Schleswig-Holstein",Hessen",Königs­berg" undK ö 1 n" hatten Aufstellung an Bord genom­men. Der amerikanische Geschwaderchef, Admiral Cluve - r i u s , stattete dem Chef der Marinestation der Ostsee, Ad­miral Hansen, dem Oberpräsidenten von Kiel Dr. L u e - k e n und dem stellvertretenden Flottenchef Konteradmiral F o e r st e r Besuche ab.

Die Stimme Euven-Mnlmrdyr Der immer wiederkehrende Protest.

Berlin, 6. Juli.

Auf der Tagesordnung der letzten Sitzung des Lütticher Provinzialrates stand u. a. die Erörterung des Antrages Wigny (Kath.) und Genossen auf Gewährung einer Bei­hilfe an die Waisenhäuser der Provinz, die ihre Pflege­befohlenen zur Lütticher Weltausstellung schickten, die be­kanntlich ebenso wie die Ausstellung in Antwerpen aus An­laß der belgischen Hundertjahrfeier veranstaltet wird.

Die drei Vertreter der Christlichen Volkspartei Eupen MalmedySt. Vikh stimmten dem Antrag zu und begrün­den dies wie folgt: Wir wollen keinen Zweifel darüber lassen, daß diese Zustimmung keine Anerkennung des gegen­wärtigen staatsrechtlichen Zustandes unserer Gebiete be­deutet. Wir werden im Gegenteil, getreu dem Programm der Christlichen Volkspartei, in Uebereinstimmung mit unse ren Wählern und der überwältigenden Mehrheit unserer Bo völkerung nicht aufhören, für Eupen, Malmedy und St Vikh eine neue, regelrechte Volksbefragung zu verlangen.

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Es ist wahrscheinlich, daß die Erklärung, die der Pro- vinzialrat mit gespannter Aufmerksamkeit anhörte und mit tiefem Stillschweigen aufnahm, der Kritik begegnen und in Belgien an manchen ©teilen Unbehagen auslösen wird. Alle rechtlich denkenden Menschen aber werden sie billigen. Sie wird die Welt daran erinnern, daß vor nunmehr zehn Jah­ren an Eupen und Malmedy Unrecht geschah, dessen Wieder­gutmachung noch immer oneck-^

Der Jahresbericht des Völkerbundes.

Genf, 7. Juli. Der Generalsekretär des Völkerbundes hat den Mitgliedsstaaten den Jahresbericht über die vom Völkerbund feit der letzten Völkerbundsverjammlung ge­leistete Arbeit übermittelt.