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WLNSLSl Hersfelder Kreisbla«

Sia»g] Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

Nr. 168

Montag, den 21. Juli 1930

80. Jahrgang

Hindenburg im Rheinland

Das bs

SiBleMinrg in Steter

Speyer, 19. Juli.

Das befreite Rheinland steht ganz im Zeichen des Be­suches des Reichspräsidenten. Ueberall wehen die Reichs­und die Landesfarben. Selbst die Orte, die der Reichsprä­sident nur auf der Durchreise berührt, prangen in buntem Flaggenschmuck.

Einen besonders reich geschmückten Anblick bieten die Straßen von Speyer. Vor dem Bahnhof hatten sich schon mehrere Stunden vor der Ankunft des Zuges Hun­derte von Menschen eingefunden, die aus der Umgebung herbeigeeilt waren. Abordnungen der Vereine mit ihren Fahnen nahmen Aufstellung. Die alte Stadt, die so oft Zeuge großen geschichtlichen Geschehens war, schien ein neues Gesicht bekommen zu haben. In den Straßen weh­ten die Flaggen. Jugend marschierte mit Gesang, mit Trommeln und Pfeifen zu den angewiesenen Plätzen.

Schon bei der Ankunft des Reichspräsidenten in den frühen Morgenstunden des Samstag an der pfälzischen Landesgrenze in Germersheim widmete der Ober­bürgermeister der Stadt dem hohen Gast den ersten Gruß des Pfälzer Landes. In Speyer besichtigte der Reichs­präsident die berühmte 1522 von den Protestanten der ganzen Welt gestiftete Protestationskirche. Unter Glocken- geläut ging die Fahrt weiter zum K a i s e r d o m, wo der Bischof von Speyer, Dr. Sebastian und das gesamte Domkapitel den Reichspräsidenten empfingen. Der Reichs­präsident betrat das Innere des herrlichen Domes. Dann

begab sich hindenburg zum Stadthause, wo er von etwa 200 Vertretern der pfälzischen Bevölkerung empfangen wurde. Die offizielle Begrüßungsansprache hielt der baye­rische Ministerpräsident Dr. h e l d. Dann sprachen der badische Landespräsident und der Oberbürgermeister von

Feierliche Stille trat auf dem Platz vor dem Skadthause ein, als der Reichspräsident auf dem Balkon erschien und an die Menge eine Ansprache richtete. Die Rede des Reichspräsidenten wurde durch Lautsprecher in der ganzen Stadt verbreitet. Der Begrützungsakt endete mit dem Gesang des Deutschlandliedes. Bei der Fest­tafel im Rathaus wurde dem Reichspräsidenten ein silberner Becher zur Erinnerung überreicht.

Noch lange nachdem das hoch und das Deutschlandlied verklungen waren, umgab eine riesige Menschenmenge das Stadthaus. Sie wollte es sich nicht nehmen lassen, den Reichspräsidenten, der im Stadthaus einen Imbiß nahm, nochmals zu sehen. Dann begann bei herrlichem Wetter die Fahrt des Reichspräsidenten durch das Pfälzer Land.

Eine Triumphfahrt durch die Pfalz und den Rhein hinab. Der Empfang in Wainz.

Wainz, 21. Juli. Die Rheinreise Hindenburgs gestaltete sich zu einem wahren Triumphzug des greifen Reichs­präsidenten, der von allen Bevölkerungsschichten mit Jubel empfangen wurde.

Aus Speyer kommend, traf der Reichspräsident am Sonnabend nachmittag 14.20 Uhr in Neustadt a. d. h a a rd t ein und wurde vom Bürgermeister Dr. Fori­tz u b e r mit einer kurzen Ansprache begrüßt, auf die Hinden­burg mit Dankesworten erwiderte. In Deidesheim wurde der Reichspräsident mit Böllerschüssen und Glockenge­läute festlich empfangen. Die Stadt prangte im schönsten Festesschmuck. Bürgermeister Dr. Siben überreichte Hin­denburg als Erinnerungsgabe an das deutsche Edelwein- gebiet ein Angebinde edlen Flaschenweins. Unter begeister­ten Hochrufen verließ das Automobil des Rei^vräsidenten das Städtchen und fuhr über Bad D ü r k h e i m, wo der Empfang ebenfalls überaus herzlich war, nach Ludwigs- Hafen.' Die Wenge umdrängte den Wagen derart auf den Iufahrtswegen, daß die pünktliche Einfahrt in Ludwigs­hafen verhindert wurde. Auf dem Ludwigsplatz, über dem drei Flugzeuge kreuzten, hatten sich die Spitzen der Behörden und Offiziere des alten Feldheeres versammelt. Als das Auto eintraf,

durchbrach die Wenge die Sperre.

Die Polizei war machtlos. Unter Glockengeläut wurde der Reichspräsident empfangen. Bürgermeister K l e e f o o t hieß den Gast willkommen und gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Reichspräsident der schwer bedrängten Stadt Lud­wigshafen in ihrer Not ein starker Helfer sein werde.

Abends gegen 7.30 Uhr traf der Reichspräsident an Bord des Dampfers, der seinen Namen trägt, in Mainz ein, wo die Ufer der Anlegestellen von Zehntausenden von Menschen besetzt waren, die hindenburg stürmisch begrüßten. Oberbürgermeister Dr. Külb brächte ein hoch auf den Reichspräsidenten aus, in das die Anwesenden begeistert einstimmten. Auf dem Rheinstrom hatten sämtliche Schiffe festlichen Flaggenschmuck angelegt. Flieger waren dem Reichspräsidenten entgegengeflogen, und als der Dampfer in Sicht war, dröhnten Böllerschüsse. Der Reichspratzdent machte zunächst eine kurze Rundfahrt durch die Stadt und nahm dann im großherzoglichen Schloß Wohnung, wo abends auf Einladung der Stadt Mainz ein Festessen statt- sand. Darauf wurde dem Reichspräsidenten ein Fackelzug

überall nahm Jung und Alt am Empfange teil, selbst Alte und Kranke winkten aus den Fenstern. Wahrend der Rheinsahrt las man irgendwo in riesigen Buchstaben:

Willkommen hindenburg am freien Rhein! ......

Begeisterter Empfang des Reichspräsidenten in Speyer und Mainz

Gerade an dieser Stelle wurde ein kleiner französischer Dampfer passiert, der zum Gruß die Trikolore hißte. In Mainz erreichte der Jubel seinen Höhepunkt.

Ehrung Stresemanns

Die Feier in Wainz.

Der deuksche Befreiungssieg ein Sieg Europas. Auch die Saar muß frei werden.

Wainz, 21. Juli. In der festlich geschmückten Stadthalle fand am Sonntag mittag zu Ehren des Reichspräsidenten ein Festakt statt, bei dem Staatspräsident Dr. A d e l u n g dem Reichspräsidenten den Willkommengruß des Hessen­landes entbot. Dann sprach Reichsaußenminister Dr. Cur­tius. Er bekonle, daß die Befreiung des Rheinlandes der Politik zu danken sei, die in dem Namen des leiser so früh verstorbenen großen Staatsmannes Stresemann ihre Ver­körperung gefunden habe. Das besetzte Gebiet habe allen Loslösungsbestrebungen und rechtswidrigen Eingriffen ent­schlossenen Widerstand mit den Waffen des Rechts und des Friedens entgegengesetzt. Dafür danke ihm das Vaterland.

Ueber den Sieg der deutschen Sache sollen wir uns auch um Europas Willen freuen. Ein gesundes, lebensfähiges Lm ,pa ist auf die Dauer nur möglich, wenn alle seine Glie­der gleichberechtigt sind. Zum Schluß gedachte der minister der deutschen Brüder an der Saar, die von der Befreiung noch ausgeschlossen seien. Mutig und entschlossen müssen wir weiter kämpfen, damit Deutschland volle Gleicht erechtigung im Kreise der Völker zuteil werde.

Der Reichspräsident dankte darauf der Stadt und dem Hessenlande für die herzliche Bewillkommung. Männer und Frauen dieses Landes hätten in Fesseln der Unfreiheit lange Zeit hindurch, abgeschnürt vom deutschen Wirtschaftsgebiet, in ihrem Deutschtum ausgeharrt in vor­bildlicher Treue.

AM Mnen allen bedaure auch ich, daß der Mann, mit dessen Namen sich das Bemühen um die Befreiung des rheinischen Gebietes unlösbar verknüpft, daß Gustav Skrefe- mann heute nicht mehr unter den Lebenden weilt. Wir ge­denken in dieser Stunde seiner als eines Wannes, der in vaterländischer Pflichterfüllung seiner

Aufgabe, der Befreiung der Rheinlande, treu bis zum letzten Atemzüge gedient hak, und dieses Dienstes von uns gegangen ist.

als Opfer

Wenn wir unseren Blick von dem heute dem Morgen zu wenden, so gilt unsere Hoffnung der Befreiung unserer deut­schen Brüder und Schwestern an der Saar. Wenn das er. reicht wird, ist dem Frieden Europas und der Versöhnung der Nachbarvölker der beste Dienst geleistet worden.

Wöge sich zur Freiheit am Rhein im ganzen deutschen Vaterlande endlich auch die Einigkeit gesellen! Dann, aber auch nur dann werden wir die Kraft haben, die uns wieder vorwärts und aufwärts bringt. Lassen Sie uns gemeinsam unsere Liebe und Treue zum Lande unserer Väter beken­nen, indem wir rufen:

Deutschland, unser geliebtes Vaterland, es lebe hoch!

Nach dem hoch des Reichspräsidenten sang die Menge

Deutschlandlied. Nicht endenwollende, minu-

gemeinsam das Deutschlandlied. Nicht tenlange Beifallsstürme folgten der 9t

öde. Der Reichsprästz

dent folgte dann einer Einladung des Staatspräsidenten Dr. Adelung und des Oberbürgermeisters Dr. Külb zu einem Frühstück im Kurfürstlichen Schloß. Um 3 Uhr erschien das LuftschiffGraf Zeppelin" über der Stadt, um dem Reichs­präsidenten seine Huldigung darzubringen.

Reichspräsident von Hindenburg hat an Frau Dr. Stre- semann folgendes Telegramm gerichtet:

Bei der erhebenden Befreiungsfeier in der Stadthalle zu Wainz haben wir in Trauer und Dankbarkeit Ihres ver­storbenen Herrn Gemahls gedacht, dem es nicht beschieden war, den Dank der Bevölkerung für seine bis zum Tode pflichttreue und aufopfernde Arbeit zu erleben. Ich bitte Sie. bei diesem Anlaß den Ausdruck meines Gedenkens und ergebenste Grütze entgegenzunehmen.

gez.: von hindenburg."

Reichsaußenminister Dr. Curtius hat am Sonntag nach­mittag in Begleitung des langjährigen Refere: ten für die besetzten Gebiete, Vortragenden Legationsrats von Fried- berg, einen Lorbeerkranz am Grundstein des Stresemann- Ehrenmals niedergelegt.

Wiesbaden begrüßt

den Reichspräsidenten

Weiterfahrk nach Eltville.

Wiesbaden, 21. Juli. Der Reichspräsident von Hinden­burg wurde auf der Fahrt von Mainz nach Wiesbaden in V i e b r i ch von dem Oberpräsidenten der Provinz Hessen- Nassau, h a a s, im Namen der preußischen Regierung be­grüßt. Dem Reichspräsidenten wurden allenthalben-stür­mische Huldigungen dargebracht. Besonders herzlich war auch die Begrüßung in W i e s b a d e n. JmKurhaus" fand nach der Begrüßung durch den Oberbürgermeister ein kurzer musikalischer Festakt statt, bei dem eine DichtungBe­

fand nach der Begrüßung durch den Oberbürgermeiste kurzer musikalischer Festakt statt, bei dem eine Dichtung freites Rheinland" zum Vortrag kam. Der Reichsprä! verließ dann, wieder von begeisterten Zurufen begleitet, Wiesbaden, um nach Eltvillezu fahren, wo er Gast des Reichskommissars Freiherr Langwerth von Sim - m e r n ist.

^spräsident

PfalzfahrkGraf Zeppelins".

Friedrichshafen. 21. Juli. Das LuftschiffGraf Zeppe^

lin" stieg Sonntag früh 5.15 Uhr unter Führung von Ka­

pitän Lehmann mit 17 Fahrgästen zu einem Rundflug durch die befreite Pfalz auf und landete wieder um 20.45 Uhr glatt in Friedrichshafen.

Eupen-Malmedy will zum Reich zurück

Eupen, 21. Juli. Die vier deutschen Zeitungen in Eupen- Malmedy richten anläßlich der belgischen Unabhängigkeits- feier einen Aufruf an die belgische Regierung und an die belgischen Abgeordneten und Senatoren, in dem es unter Hinweis darauf, datz die Eupen-Walmedyer unter Nicht­achtung von Recht, Vertrag und Volkswillen belgisch gewor­den sind und daß sie so das Naturrecht der Selbstbestimmung auch für sich beanspruchen, weiter heißt: Die Behauptung, die Mehrheit unserer Bevölkerung wolle bei Belgien Der« bleiben,.ist durch die Wahlen von 1929 überzeugend widerlegt worden. Wir sind der festen Ueberzeugung, daß eine bal­dige gerechte Lösung der Frage Eupen-Malmedy geeignet ist, den leider noch immer nicht ungetrübten Beziehungen zwi­schen Belgien und Deutschland eine entscheidende Wendung zum Bessern zu geben. Eine unglöste Frage Eupen-Mal­medy wäre ein ewiger untilgbarer Hohn auf die belgische Freiheit selbst und ihre jetzige Jahrhundertfeier.

Peinliche Reste

Durch die Auflösung des Reichstags sind verschiedene wichtige Vorlagen unerledigt geblieben, die auch aus dem Wege der Notverordnung nicht durchgeführt werden kön­nen. Als ein Rest, peinlich zu tragen, wird in erster Linie natürlich das große Werk der Ost Hilfe zu betrachten sein, das zwar in zweiter Lesung angenommen wurde, aber nicht mehr zur endgültigen Verabschiedung in der dritten Lesung kommen tonnte.. Das Arnire-sbie-geä etz Jür die Beteiligten an den Femetaten war und zwar vom Reichstag schon angenommen worden, es tritt aber nicht in Kraft, weil der Reichsratseinspruch vom Reichstag nicht mit der nötigen Mehrheit zurückgewiesen wurde und weil durch die Auflö­sung die Regierungsparteien verhindert wurden, die Am­nestie noch einmal als Jnitiativ-Gesetzentwurf anzunehmen.

Weite Kreise der Bauernschaft werden es bedauern, daß der im Ausschuh angenommene Gesetzentwurf über den VerwendungszwangvonJnlandsgersteund Jnlandshopfen zur Herstellung von Bier nicht in dritter Beratung bestätigt werden konnte. Weniger schmerz­lich werden es die Nächstbeteiligten empfinden, daß nun auch das Pensionskürzungsgesetz unerledigt ge­blieben ist. Den Gemeinden wird eine Enttäuschung da­durch bereitet, daß der Gesetzentwurs über die E r st a t t u n g von Kriegswohlfahrtsausgaben nicht ange­nommen werden konnte. Die Ratifikation des Genfer Handelsabkommens, die auf der Tagesordnung der letzten Reichstagssitzung stand, muß vorläufig unterbleiben. Der vielumstrittene deutfch-polnifche Wirt­schaftsvertrag kann erst durch den neuen Reichstag erledigt werden.

Den Sozialpolilikern bereites vor allem die Tatsache

Sorgen, daß auch die vorgeschlagenen Aenderungen bei der Arbeitslosenversicherung, bei der Krankenver­sicherung und beim Reichsversorgungsgesetz nicht zum Ab­schluß gebracht werden konnten, hier seht auch die Sorge der Reichsfinanzverwaltung ein, und es ist nicht ausgeschlos­sen, daß in ähnlicher Weise wie bei den Deckungsvorlagen der Art. 48 in Anspruch genommen wird, um die einzelnen Zweige der Sozialversicherung vor dem finanziellen Zu- sammenbruch zu bewahren.

Schließlich hat die Reichstagsauflösung auch dem gro­ßen Werk der S t r a f r e ch t s r e f o r m, an dem schon 2 Reichstage unter der geistigen Führung von Geheimrat Kahl gearbeitet haben, ein Ende gemacht. Der letzte Reichs­tag hat nicht, wie der vorletzte, ein Ueberleitungsgesetz be­schlossen, durch das ermöglicht worden wäre, daß der neue Reichstag'die Arbeit da fortsetzt, wo der alte aufgehört hat. Immerhin wird auch der kommende Reichstag Mittel und Wege finden, die bisher geleistete Arbeit für die Fortsetzung des Werkes nutzbar zu machen. Die Ausschußbeschlusse lie­gen ja säuberlich gedruckt vor und es ist nur notwendig, daß sie in den weniger umstrittenen Punkten als Anträge wiedereingebracht werden.

Man sieht, der neue Reichstag wird Arbeit in hülle und Fülle vorfinden. Zu hoffen bleibt, daß seme Zusam­mensetzung derart fein wird, daß wirklich produktive Arbeit möglich ist.

250 ..BMschützler" bleiben

Genf, 20. Juli.

Der Präsident der Regierungskommission des Saar- gebieks teilte hem Völkerbundssekretariat zur Weiterleitung an den Völkerbundsrak mit, daß die Regierungskommission nach der Räumung des Rheinlandes und unter Bezugnahme auf die Entschließungen des Völkerbundsrates vom 18. Wärz 1926 und 12. Wärz 1927 beschlossen habe, die Bahnschutz- kruppe des Saargebieks auf 250 Mann herabzusetzen.