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KersfelöerTageblatt

Hersfelöer Kreisblatt j

Amtlicher /inzeiger für den kreis Hersfelö * Nr. 16g Dienstag, den 22. Juli 1930 80. Jahrgang

Keine Sammlung des Bürgertums

Zwar Marschverbande, aber keine Verschmelzung der Rechtsgruppen

»in A.S.A.

Wie ein riesiger Schatten lastet über allen Ländern der Weit die W i r t s ch a f t s d e p r e s s i o n. In ewigem Auf und Ab wechselten in der Geschichte des Kapitalismus Krisen mit Perioden der Hochkonjunktur. Man glaubte schließlich die wissenschaftlichen Methoden, besonders mit Hilfe der jungen Wissenschaft der Statistik, so verfeinert zu haben, daß man den Eintritt einer Krise voraussehen zu können hoffte. Während in früheren Wirtschaftsepochen und in der jüngsten Vergangenheit in Ländern, deren Wirtschaft noch nicht von der kapitalistischen Wirtschaftsweise erfaßt war, der Eintritt einer Wirtschaftskrise zumeist von dem Ausfall der Ernten abhängig war und die Depression auf bestimmte Gebiete beschränkt blieb, sind Krisen heutzutage infolge der innigen Verflechtung der einzelnen Wirtschaften miteinander von allumfassender Wirkung, ein Land nach dem andern wird heimgesucht. Deutschland, das infolge Krieg, Inflation und Tributbelastung in den letzten 10 Jahren Wirtschaftserschütte­rungen ungeheuren Ausmaßes durchmachen mußte, hat jetzt auch noch die furchtbaren Wirkungen der Weltkrise zu bestehen. Ihre Ursachen liegen darin, daß nicht wie in vergangenen Jahrhunderten zu wenig, sondern zu viel produziert wird. Diese Ueberproduktion geht daraus zurück, daß die Gütererzeugung infolge der technisch bis aufs höchste vervollkommneten Produktionsmethoden im Verhält­nis schneller wuchs als die Konsumfähigkeit der Verbraucher­massen. Stillstand des geschäftlichen Lebens und Arbeitslosigkeit sind die Folgen.

Wir in Europa sind gewohnt, in Amerika das reiche Land zu sehen, das infolge seiner Wirtschaftsautarkie, d. h. Selbstgenügsamkeit, seiner ungeheuren Rohstoffquellen wenn nicht immun, so doch weit widerstandsfähiger gegenüber

VarleigSrung aus der Rechten

# Berlin, 21. Juli.

Seit der Auflösung des Reichstages ist auf der Rechten eine Neugruppierung im Gange, die man nicht anders als eine Parteigärung bezeichnen kann. Die Deutschnationale Volkspartei ist auseinandergefallen. Der eine Teil will nach den Worten Hugenbergs eineSynthese zwischen national­revolutionärem Angriffsgeist und staatspolitischer Beherrscht- Heit" herstellen. Ein sogenannter Bruderkampf soll vermie­den werden, und im Wahlkampf will man gegenseitig größte Schonung üben. Beide Parteien werden danach ihre stärkste Aufmerksamkeit darauf richten können, die durch die Split­terbewegung drohende Gefahr zu bekämpfen und ihren Sta­tus, bei den Deutschnationalen unter Abrechnung der ab­gewanderten Kräfte, zu bewahren.

reich ist im Begriff, infolge der deutschen Milliardenzu- flüsse sich zum Weltbankier aufzuschwingen und sogar Amerika Kapitalien zur Verfügung zu stellen!

Zur Ueberwindung der Krise hat Amerika einen großen

-se hat Amerika einen großen

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ifach geglaubt, daß jetzt der Augenblick Werk der Sammlung der bürger-

gekommen sei, das Werk der Sammlung der bürger­lich e n K r ä f t e in die Tat umzusetzen. Aber Gegensätzlich­keiten genug verhindern die Bildung einer großen bürger­lichen Einheitsfront. Das schließt nicht aus, daß sich eine vermutlich bedeutende neue große Partei konstituieren wird. Sie dürfte den Namen Konservative Volkspartei tragen Die Verhandlungen, die zu dem Zwecke geführt worden sind unter diesem Namen alle deutschnationalen Nachfolgegrup­pen zu vereinigen, versprechen jedoch keinen Erfolg.

Dumping - Feldzug eingeleitet. Der größte Zollkrieg aller Zeiten ist entbrannt. Die Hooversche Exportoffensive soll zusammen mit der Hochschutz­zollmauer, die mit der Abnahme der Zollnovelle durch das amerikanische Repräsentantenhaus errichtet wurde, die ame­rikanische Wirtschaft wieder auf die Beine bringen. Beide Maßnahmen, die in der Art, wie sie Amerika anwendet. einander ausschließen, wurden in Europa, besonders inFrank- reich und der Schweiz, als unverhüllte Kampfansage aufge­faßt und stießen auf schärfsten Widerstand.Amerika will uns alles verkaufen und bei uns nichts kaufen", rief man in Frankreich, wo ebenso wie in der Schweiz zahlreiche In­dustriezweige infolge des amerikanischen Zollgesetzes vor dem Zusammenbruch stehen. Die Bewegung, die in Europa entstanden ist, und für die Frankreich bestrebt ist, auch Deutschland und ändere europäische Länder zu interessieren, zielt auf den völligen Boykott amerikanischer Waren hin. Und so hat denn auch der amerikanische Außenhandel im Laufe der letzten Monate eine fühlbare Verminderung er­fahren, nicht nur in Europa, sondern auch beispielsweise in Kanada und Südamerika. Teuerung und neue Arbeits-

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an pitze innewohnt.

Westarpgruz bündeter zu den

glaubte man, das Grundübel des Pitalismus, das Krifenaefpenst, überhaupt gebannt zu ha­ben. WachsendeProsperität", das war das Schlag­wort, an welchem man sich seit dem letzten Präsidentschafts­wahlkampf, in dem Hoover unter diesem Zeichen siegte, be­rauscht hat. Da wurde Amerika nach dem großen Börsenzu- sammenbruch vom 11. November vorigen Jahres plötzlich gewahr, daß jene alte volkswirtschaftliche Theorie vom Wirt- schaftssterben nach Zeiten der Ueberproduktion auch für Ame­rika noch nicht tot war. Wie Schuppen fiel es den Ameri­kanern von den Augen. Milliardenwerte wurden vernichtet. Die Weltkrise hatte auf Amerika übergegriffen. Jetzt steht Amerika mitten in einer ungeheuren Wirtschaftsdepression. Der Börsensturz vom 16. Juni dieses Jahres hat das ame­rikanische Nationalvermögen um 20 Milliarden Mark ver­ein Beweis dafür, daß die nach dem 11. November des vergangenen Jahres von Hoover einge­leiteten Maßnahmen zur Verhinderung künftiger Erschütte­rungen nicht vermocht hatten, die Wirtschaftskrise aufzuhal- ten. Diese hatte sich vielmehr weiterhin verschärft. Seit eini« gen Monaten ist die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten bis zu der gewaltigen Ziffer von sieben M i l l i- o n e n angeschwollen. Die Not der Bevölkerung, die durch keine soziale Gesetzgebung gesichert ist, steigt ins Unge- messene. Die Millionen Erwerbslosen sind einzig und allein auf die private Wohltätigkeit angewiesen. Seit Wochen sieht man in allen amerikanischen Städten, besonders aber in New Park, endlose Schlangen von Arbeitslosen vor den Gebäuden der Wohlfahrtsstellen auf die Ausgabe von Le­bensmitteln warten. Alle großangelegten Hilfsprogramme des Präsidenten Hoover, der ein Arbeitsbeschaffungspro-

Die Kerntruppe der deutschnationalen Splittergruppen stellt der Landbund dar, der, da er das Hautgewicht aus wirtschaftspolitische Betätigung legt, im alten Reichstag nid)! direkt vertreten war, sondern seine Interessen durch bu Christlich-Nationalen Bauern wahren ließ. Aus der bevorstehenden Tagung des Bundesvorstandes der jss, ästig "________' J Man spricht davon, daß di«

p v e entweder organisatorisch oder als 23 er : Landbund- und Landvolkgruppen treten dürfte. Einer anderen Version zufolge soll die monarchistisch« Wahlparole der Westarpgruppe, die angeblich mit den KampfrufFür Kaiser und Reich" in den Wahlkampf gehen will, ein Hindernis darstellen. Abgesehen davon, daß di« Volkskonservative Vereinigung eine führend« Stellung in der neuen Sammelbewegung der Rechten bean­sprucht, lehnt sie jede monarchistische Wahlparole ab. Jhi gehören die Abgeordneten Lambach und Lindeiner-Wildar

losigkeit werden drüben die Folge sein. Wer v e r will, muß auch kaufen. Auch das wirtschaftsstarke Ame­rika wird nicht ungestraft gegen diese volkswirtschaftliche Binsenwahrheit verstoßen dürfen. Auf den .Ausgang des riesigen Wirtschaftskampfes unter der Fahne des Protek­tionismus darf man gespannt sein. Amerikas Prosperität ist entschwunden, -.ine bedrohliche internationale Aktion soll sie wieder herbeizaubern. Die Folgen können unabsehbar sein.

rika wird

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mindert! Er war

gramm mit öffentlichen Mitteln durchzuführen begann, ha­ben vollständig versagt.

An eine baldige Konjunkturbesserubg glaubt niemand mehr, im Gegenteil, man erwartet eine weitere Verschär­fung der Depression. Die industrielle Produktion, auf die Amerika so stolz war, hat einen allgemeinen Rückgang er­fahren. So sank z. B. die Roheisenerzeugung im Juni gegen­über dem Vormonat von 3,23 auf 2,93 Millionen Tonnen. Bis Rohstahlgewinnung meiste gegenüber dem Vorjahre einen Rückgang von nahezu 1 ^ Millionen Tonen auf. Man nehme einen der bedeutendsten unb gleichzeitig verwund­barsten Produktionszweige Amerikas, die A u t o p r o d u k- t i o n. Sie ist gegenüber dem Stand Mitte 1929 um nahezu 40 Prozent zurückgegangen. Fabriken wie Ford waren gezwungen, ihre Tore für Wochen zu schließen. Be­sonders ist es der Autoexport nach Europa, der einen starken Rückgang erfahren hat. Der Wollverbrauch der amerika­nischen Spinnereien ist im Juni um rund 35 Prozent hinter dem Vorjahr zurückgeblieben. Allmählich beginnt die Absatz­stockung auch auf die großen amerikanischen Warenhäuser Überzugreifen. Alle Maßnahmen, wie Preisabbau usw. blei­ben- erfolglos. Noch schärfer als in New Park breitet sich die Wirtschaftsschrumpfung-im Innern der Union, besonders in den landwirtschaftlichen Produktionsgebieten, aus. Der amerikanische Geldmarkt verfügte in der ersten Zeit der Krise über genügend Mittel, um die Gegenmaßnahmen zu finanzieren. Infolge Anhaltens der Depression sieht sich aber Amerika mehr und mehr gezwungen, auf feine Kre - ditreserven, ja auf die A u s l a n d s g e l d e r, zurück- zugreifen. Und so ist es denn in der jüngsten Zeit in zuneh­mendem Maße ein Abfließen der Dollars aus Europa zu beobachten. Eine Umgruppierung auf den

'chistische Wahlparole ab. Ihr ambach und Lindeiner-Wildar an, die bereits vor einiger Zeit durch ihr Auftreten gegen den monarchistischen Gedanken in der Deutschnationalen Volkspartei Aussehen erregt hatten. Die Deutsch-Hannove­raner stehen mit der Treviranusgruppe im Wahlkartell. Die vierte Gruppe der Deutschnationalen, die einen Trennungs­strich zu Hugenberg zog, ist die Gruppe der Christlich- Sozialen unter Führung des Aog. Mumm. Sie sind mit dem Christlichen Volksdienst und der Volksrechtspartes den Aufwertlern, liiert. Die Möglichkeit, daß es zu einer Listenverbindung all dieser Gruppen oder einiger von ihnen kommt, besteht durchaus.

Die ««e» AotgerorSmmgea

Berlin, 22. Juli. (Eig. Meldg.)

Zwischen dem Reichskanzler und dem Reichsfinanz- minisker finden täglich Besprechungen über den Inhalt der neuen mit Hilfe des Artikels 48 durchzuführenden Notver­ordnungen statt. Die Entscheidung des Reichskabinetts wird voraussichtlich erst Freitag fallen, da erst dann alle ka- binetlsmitglieder wieder in Berlin anwesend sind.

Die Spannung in politischen Kreisen über die neuen Notmaßnahmen des Kabinetts ist erheblich. Von zuständi­ger Stelle wird übrigens gegenüber der Meldung, daß Reichssparkommissär Sämisch mit besonderen Vollmachten ausgestattet sein soll, erklärt, daß keinerlei Erwägungen über einen solchen Schritt stattgefunden hätten.

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Schließlich wird auch von einer Fühlungnahme zwischen Volkspartei und Wirtschaftspartei mit dem Ziel, gemeinsam in den Wahlkampf zu gehen, gesprochen. Welche,Marschverbünde sich für den Wahlkampf bilden wer­den, wird sich aber endgültig erst in einiger Zeit übersehen lassen.

Vol

internationalen Geldmärkten als Folge der amerikanischen Krise ist im Gange. Der Europäer, der gewohnt war, im Dollar denrocher de bronze" der internationalen Wäh­rungen zu sehen, stellt mit Erstaunen fest, daß die inter­national festeste Währung der französische und Schweizer Franken aeworden ist. Das glückliche Frank­

Der Platz auf dem Stimmzettel

Kampf um die Reihenfolge

Berlin, 22. Juli.

Um die Festsetzung der Reihenfolge, in welcher die ein­zelnen Parteien auf dem neuen Stimmzettel verzeichnet wer­den sollen, hat bereits ein hartnäckiger Kampf eingesetzt. Nur für die großen im bisherigen Reichstag bereits vertretenen Parteien steht die Reihenfolge fest: Sozialdemokraten, Deutschnationale, Zentrum, Kommunisten, D. V. P., Demo-

kraten usw. Um die letzten Plätze wird He'

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werden. Die Verhandlungen, die über die Verteilung der Plätze im Reichsinnenministerium geführt wurden, muhten, weil noch keine Klarheit auf der Rechten besteht, vertagt werden

Hindenburg bei der Einweihung des Mainzer Rheinlandbefreiungsdenkmals