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hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Mzeiger für den Kreis Yersfel-

Nr. 185 (Elftes Statt) Sonnabends den 9. August 1930 80. Jahrgang

Drosselung des Roggenanbaues nötig!

Um Absatzschwierigkeiten 1931 zu vermeiden, mu& der Roggenanbau aus weizensähigen Ackern unbedingt unterbleiben

M ettWirtfchaftskrife

und Parlamentsreform

Eine programmatische Erklärung des Reichskanzlers.

Köln, 9. August. Reichskanzler Brüning hielt ge­stern in einer Versammlung des Provinzialausschuffes der rheinischen Zentrumspartei eine programmatische Rede, in der er u. a. die Verdienste Dr. S t r e s e m a n n s um die endlich erfolgte Räumung des Rheinlandes würdigte und dann fartfuhr:

Wir sind der Ansicht, daß für die gegenwärtige wirt­schaftliche Krise nicht nur wirtschaftliche Umstände die Ursache sind, sondern an dieser Entwicklung auch die heutige politische Gestaltung nicht nur in Europa, sondern in der ganzen Welt in gleichem Maße die Schuld tragen, und wir glaubten in der Antwort auf eine Anfrage des französischen Außenmini­sters es für unsere Pflicht ansehen zu müssen, dieses einmal in aller Rücksicht auf die politischen Umstände in einem Augenblick, der geschichtlich werden kann, aussprechen zu müssen. Wir sind der Ueberzeugung, daß wir damit das Richtige getroffen haben. Diese Krise, in der sich seit Mona­ten die gesamte Weltwirtschaft befindet, kommt nicht von ungefähr, sie war bis zu einem Grade vorauszusehen. Von einem Optimismus bei der Zentrumsfraktion des Reichs­tages über die an die Annahme des Noung-Planes, die von uns im vollen Bewußtsein gegenüber dem Lande befürwortet wurde, anschließende Entwicklung ist nie die Rede gewesen. Deshalb haben wir damals verlangt, daß mit der Annahme des Poung-Planes gleichzeitig auch die Finanzreform und auch eine Wirtschaftsreform durchgeführt werden soll.

Die Wirtschaftskrise ist eine Krise, von der man anneh- men muß, daß sie von längerer Dauer ist. Die Wirtschaft MMWMWMjMMWMDML niveau zurückzugehen.

Das Schwierige, in dem wir stehen, ist, daß wir alles, was wir an Reformen auf dem Gebiet der Finanzen aller öffentlichen Körperschaften, auf dem Gebiete der Reformen der Wirtschaft und der Verwaltung in den vergangenen Jah­ren aufgeschoben haben, im Augenblick des größten Tief­standes der Weltwirtschaft mit einmal nachholen müssen. Ich bin der Ueberzeugung, daß es gelingen muß, das, was der Herr Reichspräsident auf Vorschlag der Reichsregierung durch die Rotverordnung verkündet hat, durchzuführen. Alles dies ist ja nur eine Vorstufe für die Arbeiten, die jetzt begon­nen sind, und die der Reichstag im herbst verabschieden muß. Ich bin überzeugt, daß es gelingen wird, eine Mehrheit dafür im nächsten Reichstag zu gewinnen. Denn ich kann mir nicht gut Dorfteilen, daß ernsthafte Parteien es wagen wer­den, beispielsweise die Reform der Gemeindefi­nanzen, die Schaffung neuer Einnnahmen für die Gemein­den, durch die die Gemeinden allein in die Lage versetzt wer­den, die Wohlfahrtsunterstützungen in den näch­sten Monaten auszuzahlen, nachträglich wieder aufzuheben.

Es ist notwendig, daß Ländern und Gemeinden eine klare Aufgabenscheidung zuteil wird und auch die möglichst unab­hängige Verfügung über eigene Einnahmen. Es ist eine der vordringlichsten Aufgaben, nachdem wir den Gemeinden er­möglicht haben, ohne sinnlose Erhöhung der Realsteuern ihre schweren sozialen Lasten abzudecken, im nächsten Winter durch die neuen Steuern das Problem der Gemeindesanle- rung in bezug auf die Konsolidierung der schwebenden Schul­den im Interesse der Entwicklung des Zinsfusses zu lösen. Darüber hinaus müssen Garantien geschaffen werden, daß ein neues Aufleben einer ungedeckten Ausgabenwirtschaft in Reich, Ländern und Gemeinden in Zukunft nicht mehr mög­lich ist. Noch nicht haben wir das voraussichtliche Defizit der Eisenbahn gedeckt, daß aller Wahrscheinlichkeit sich auf 500 Millionen Mark in diesem Jahre belaufen wird. Noch nicht haben wir durchgesetzt: ein auf Jahre gültiges klares, aber auch realisierbares Bauprogramm. Die Aufgabe muß fein: durch ein sorgfältig abgewogenes Finanzierungssystem und Bauprogramm auch im Interesse der Vermeidung von Krisenschwankungen bei der Bauarbeiterschaft ein Vaupro- gramm gleichmäßig auf bestimmte Jahre billig zu finanzie­ren und durchzuführen, mit dem Ziele, die Behebung der Wohnungsnot und der unsinnigen Steigerung der Baukosten lind damit der Mietsätzen, bis zu einem bestimmten Termin durchzuführen. Denn ewig kann man die Wohnungszwangs- wirtschaft ohne schwere Schäden nicht durchführen. Alles das find Dinge, die einheitlich aufgefaßt werden müssen, gleichzeitig mit einem weitsichtigen, aber realisierbaren Spar­programm für Reich, Länder und Gemeinden. Man darf nicht davor zurückschrecken, an das Problem Reich und Län­der heranzugehen, zum mindesten in dem Sinne, daß die Arbeit und der Leerlauf der Verwaltung bei Reich und Ländern beseitigt werden.

Das andere ist die Frage der Parlamentsreform. Wir, als Zentrumspartei, haben zweifellos ein Interesse daran, eine Konsolidierung aller Gruppen herbeizuführen, die mit Verantwortungsbewußtsein dem Staat gegenüber treten wol­len, eine Konsolidierung der Gruppen, die bereit sind, in sich einen Ausgleich der Interessen herbeizuführen. Es ist unnötig, daß allzu viele kleine Gruppen im Reichstag die Politik maßgebend bestimmen können. Auch ohne Verfas­sungsänderung kann der Reichstag durch seine Geschäfts­ordnung oder durch andere Maßnahmen sich mehr Selbst­disziplin auferlegen. Das Parlament hat es in der Hand, ob es für eine Regierung notwendig ist, dem Reichspräsiden­ten dis Anwendung des Artikels 48 vorzuschlggen- Ruhe

Baut mehr Weizen!

Einschränkung des Roggenanbaues erforderlich.

-Sr Da der Roggenverbrauch in Deutschland im allge­meinen hinter dem Umfang der Ernte zurückbleibt, und es auch nicht möglich ist, größere Mengen im Auslande ohne Verlust abzusetzen, muß die Landwirtschaft darauf bedacht sein, die Anbaufläche des Roggens überall dort einzuschränken,wo an dessen Stelle die Bo­denverhältnisse einen Weizenanbau zulassen. Das ist eins der wichtigsten Mittel, die ungünstige Preisentwicklung des Roggens zu beseitigen.

Jetzt, kurz vor der Herbstbestellung, tritt die Frage besonders in den Vordergrund: Sollen bei der nächsten Roggenernte wiederum die Absatzschwierigkeiten zu völlig unzureichenden Preisen führen? Ein Blick in die Außen­handelsstatistik zeigt, daß Deutschland in den letzten Jahren zwar Roggen ausgeführt, dafür aber nahezu die Hälfte seines Weizenbedarfs eingeführt hat. Obwohl von 1927 bis 1929 ein Rückgang eingetreten ist, wurde 1929 immerhin die beträchtliche Menge von rund 1,8 Millionen Tonnen Weizen aus dem Auslande bezogen. Am Verbrauch des Brotgetreides betrug der Anteil des Roggens 1924 bis 1925 noch 59,6 Prozent, der des Weizens 40,4 Prozent. Bis zum Jahre 1928 bis 1929 war der Roggenverbrauch dagegen auf 46,6 Prozent zurückgegangen, der des Weizens auf 53,4 Prozent gestiegen. Die Propaganda für einen stärkeren Roggenbrot-Konsum dürfte allein nicht zu den Zielen füh­ren, diese in den letzten Jahren beobachtete Tendenz um= zukehren und damit das bestehende Ueberangebot an Rog­gen aus dem Markte zu nehmen. schaftsministenum ges«äM»MM Roggenanbau auf weizenfähigen Steifern z u unterbleiben hat, wenn er ausschließlich aus dem Gesichtspunkt betrieben wird, die nötigen Roggenmengen für Deputat und Haushalt zu beschaffen. Bei der Preis­spanne zwischen Roggen und Weizen ist es zweckmäßig, diese Roggenmengen zu kaufen und dafür Weizen zu ver­kaufen. Das bedeutet auch einen Akt der gegenseitigen Selbsthilfe der Landwirtschaft, weil dann der Landwirt des besseren Bodens dem ärmeren Roggenboden gegen­über als Konsument auftritt. Eine ausreichende Preis­spanne zwischen Roggen und Weizen dürfte auch in Zukunft aufrechterhalten werden können. Der Reichsernährungs- minister kann bekanntlich die Mühlen zwingen, einen so großen Prozentsatz Jnlandsweizen zu vermahlen, daß auch ein reichliches Angebot von Auslandsweizen nicht imstande ist, den inländischen Weizenpreis herunterzudrücken. Dem­gegenüber ist der Roggenpreis Schwankungen schon deshalb unterworfen, weil hier nicht das Mittel der Zollregulie­rung besteht.

Die aus der Preisspanne sich ergebende günstige Ren­tabilität des Weizens auf allen geeigneten Böden wird noch dadurch verstärkt, daß der Weizen dem Roggen gegenüber eine Reihe betriebswirtschaftlicher Vorteile voraus hat. Die Möglichkeit der Bestellung des Weizens in den westlichen Provinzen bis in den Dezember hinein, hat, abgesehen von der Verschiebung der Arbeitsspitze bei der Herbstbestellung vor dem Roggen noch den Vorzug, größeren Nutzen aus den Vorfrüchten ziehen zu können (Klee, Luzerne). Ebenso ist eine Reihe von Vorfrüchten beim Roggen unmöglich, die beim Weizen angebracht sind, wie z. V. Ackerbohnen, Zucker­rüben.

in der Beurteilung der jeweiligen Situation, stärkere Par­teien und großes Verantwortlichkeitsgefühl machen die An­wendung des Artikels 48 für alle Zeit überflüssig. Aber so lange das nicht der Fall ist, wird es das deutsche Volk lie­ber sehen, daß zu seiner Rettung in entscheidender Stunde der Reichspräsident von feinen Vollmachten Gebrauch macht. Der Kampf geht nicht gegen das Parlament, sondern um die Rettung des Parlaments."

Neichsfinanzminister fordert bürgerliche Sammlung

Berlin, 9. August. Reichsfinanzminister Dr. Dietrich veröffentlicht im Sonnabendmorgenblatt derDeutschen All­gemeinen Zeitung" einen Artikel mit der UeberschriftDer schwarze Donnerstag", in dem er u. a. ausführt:Ein böser Tag für das deutsche Bürgertum! Die Politik der fortschritt­lich liberalen Kräfte, auf deren Arbeit die heutige Wirtschaft und Kultur beruht, ist falsch geführt werden. Der Gedanke, eine Dachgesellschaft zu gründen, unter der sich konservative und fortschrittliche Elemente zusammenfinden sollten, ist ein Augenblicksgedanke. Aber auf das schwerste niedergeschla­gen muß man fein, daß auch die Einigung zwischen Volks- partei und Staatspartei nicht gelungen ist. Die Zuiammen- fassung der fortschrittlichen und entwickelnden, aus dem Ge­dankengut des bürgerlichen Liberalismus des letzten Jahr­hunderts erwachsenden Kräfte ist damit einstweilen zer­schlagen. Gewiß ist die Aufgabe des Tages, eine Mehrheit zu schaffen, die die Notverordnungen des Reichspräsidenten im neuen Reichstag gutheißt. hoffentlich wird dies gelingen. Ganz abgesehen von der Revision der Krankenversicherung enthält die Notverordnung die Grundlage zu einer vernunft­gemäßen Umgestaltung der Arbeitslosenversicherung. Nie-

manS will die Arbeitslosenversicherung zerschlagen, und alle sozialen Aengske nach dieser Richtung sind überflüssig. Aber vernichtet wird die Arbeitslosenversicherung automatisch dann, wenn sie so bleibt, wie sie jetzt ist.

Für die bürgerlichen Elemente ist die Aufgabe die gleiche geblieben. Die Gefahr der Schwächung droht von den ex­tremen Gruppen und dem Jnteressenkampf, der sich in diesen Gruppen jetzt austobt und auf dessen Konto die Parteizer­splitterung der Bürgerlichen zu setzen ist. Die besten Elemente im Bürgertum wollen jedoch hinaus aus diesem Zustand, und vor allen Dingen will es die Jugend. Also Sammlung ist die Parole! Auf der einen Seite müssen die staatstreuen konservativen Elemente gesammelt werden und auf der ande­ren Seite die liberal-fortschrittlichen. Darum hatten Staats­partei und Volkspartei Zusammenkommen müssen. Die fort- schriktliche Mitte und die konservative Rechte sind die beiden großen Heerhaufen, in denen künftig das Bürgertum kämp- fen wird. Es wird nie eine starke Politik in Deutschland ge­trieben werden können, wenn die Mitte in dem Zustand ver­dorrt, in dem sie sich heute befindet. ____

Lerstärtter Siedlungrmerl

Zusammengehen zwischen Reich und Preußen.

Berlin, 9. August.

Ebenso wie bei der gesamten Osihilfe, ist auch bei der Fortsetzung des Siedlungswerks ein Zusammengehen zwi­schen Reichsregierung und preußischer Staatsregierung ge­plant, welches vor allem in einem gemeinsamen Vorgehen bei der Finanzierung zum Ausdruck kommen wird.

Die entsprechenden Verhandlungen zwischen Reich und Preußen sind nahezu abgeschlossen. Die bisher vom Reiche und von Preußen gegebenen Zwischenkredite werden in eine ftnanzterung fein mfrE

Die Höhe der von preußischer Seite bisher gegebenen Zwischenkredite beträgt 100 Millionen, die der Reichs- kredile 250 Millionen.

Reich und Preußen werden in der Bank den gleichen Ein­fluß haben. Das Kapital der Bank wird bis zur Höhe von 100 Millionen M. festgesetzt, während die 350 Millionen Mark Zwischenkredite als Reserven eingesetzt werden sollen. Ein Reichskommissar und ein preußischer Staatskommissar werden in die Leitung der Bank, als welche die Preußische Landesrentenbank in Aussicht genommen ist, eintreten.

Ein Schiüsalrmonat für Deutschland

Wie die Engländer Deutschland sehen

London, 9. August.

Der diplomatische Korrespondent derF i n a n c i a I News" schreibt:In der Londoner City hat ein gewisses Unbehagen im Hinblick auf die politische Lage in Mittel- europa Platz gegriffen.

Der Monat September wird als Schicksalsmonat für die Zukunft Deutschlands und Ungarns und für die internationalen Beziehungen in Mitteleuropa angesehen.

Was Ungarn betrifft, so ist allerdings nicht anzunehmen. daß in absehbarer Zeit versucht werden wird, die Habs­burger wiedereinzusetzen, die Aussichten in Deutschland sind dagegen alles andere als ermutigend. Wenn man aus den sächsischen Wahlen Schlüsse ziehen darf, dann ist es wahr­scheinlich, daß die beiden extremen Parteien, Kommunisten und Nationalsozialisten, an Stärke zunehmen werden. Sollte dies der Fall sein, dann würden

die Aussichten Deutschlands auf Anleihen im Auslande ernstlich beeinträchtigt und möglicherweise die Abwan­derung deutschen Kapitals, die seit einiger Zeit im Gange ist, noch beschleunigt

werden. Die Stärke der Kommunisten würde wahrscheinlich zu Lohnkämpfen in der Industrie führen und der kürzlich begonnenen Bewegung, die auf Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitern wegen einer gleichzeitigen Lohn- und Preisherabsetzung geführt worden sind, würde Einhalt getan werden. Da die Lage des Handels in Deutschland ohnehin alles andere als günstig ist, würde dieser schädliche Faktor die Krisis noch verschärfen. Die Lustlosigkeit bet Börse zeigt, welche Stimmung in dieser Hinsicht herrscht.

Die Verstärkung des faschistischen Flügels des Reichs­tages würde andererseits die Entwicklung der internatio­nalen Beziehungen Deutschlands mit Frankreich und Polen nachteilig beeinflussen und auch für die Wirtschaflsinieressen verhängnisvoll sein."

Sieg der Ranlmgtmvve»

Berlin, 9. August.

Die chinesische Gesandtschaft in Berlin erhielt eine amt­liche Nachricht aus dem Hauptquartier der chinesischen Na- tionalarmee in Liuho, daß die Regierungstruppen einen großen Sieg über die aufständischen Truppen der Nord­partei in der Provinz Schantung davongetragen haben. Nach der Einnahme von Taian am 5. August rückten sie über Feischeng hinaus vor und nähern sich Tsinanfu. Die Auf­ständischen ziehen sich in größter Anordnung zurück. Ueber 10 000 Gefangene wurden gemacht. 11 000 Gewehre und 105 Srickiitze wurden erbeutet. ~-