Hersfel-erTageblatt Hersfelöer Kreisblatt Amtlicher Anzeiger für den kreis Hersfelö
Nr. 188 Mittwoch, den 13. August 1930 80. Jahrgang
Türkisch Persischer Krieg
Folgen des Kurden-Aufstan-es — Türkischer Einmarsch in Persien
Rhein und Donau
Wo bleibt die deutsch-österreichische Wirtschaftsgemeinschaft?
Nach der Räumung des Rheinlandes rückt in den Brennpunkt der großen Entscheidungen mehr und mehr der deutsche Osten. Hier liegt ein ungeheures Feld nationalpolitischer Aufgaben vor uns, das wir leider nicht immer ausreichend überblicken. Wir sehen den deutschen Osten als wirtschaftliches und politisches Blickfeld aufgelöst in einer Reihe von Einzelfragen, mögen sie nun polnischer Korridor, Danzig, Ostpreußen oder Anschluß Oesterreichs heißen. Es ist allerhöchste Zeit, daß wir aus dieser unrichtigen und unhaltbaren Betrachtungsweise herauskommen. Die Achse, um die sich das Rad der Weltgeschichte in dem Raum von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer drehen wird und heute schon dreht, der Mittelpunkt, in dem die Entscheidungen für oder gegen Deutschland fallen werden, dieser Brennpunkt der europäischen Entwicklung für das nächste Jahrzehnt liegt in Wien.
Kriegserklärung der Türkei an die Kurden
Türkische Truppen überschreiten die persische Grenze.
stehen. Das, was er darunter verstehe, fei das Gefühl größerer Kameradschaftlichkeit und stärkerer Verbundenheit.
Angara, 13. August. Die türkische Regierung, die be- schloffen hat, den Protest der persischen Regierung unbeachtet zu lassen, hat General S a l i h P a sch a, dem Befehlshaber der türkischen Streitkräfte an der türkisch-persischen Grenze, den Befehl erteilt, militärische Operationen gegen die Kurden zu beginnen, die sich am Abhang des Ararat eingegraben haben. Die türkischen Truppen haben die persische Grenze überschritten und auf dem östlichen Abhang des Agridagh eine strategische Stellung beseht, die ziemlich lief im persischen Gebiet liegt. Die Türken h<' " “ ' '
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rungen getroffen, um den Rückzug der Aufständischen abzu- schneiden, und hoffen, der kurdischen Gefahr ein für allemal ein Ende zu machen.
Es ist ein Irrglaube, anzunehmen, Deutschland sei in der Lage, die schweren Verluste seiner östlichen Siedlung wieder wettzumachen durch eine Teilverständigung mit Polen oder Litauen. Die Auseinandersetzung über die Besiedlung des einstmals deutschen Ostens wird gegenstandslos, wenn wir die wichtigste Stellung endgültig verlieren und den vorgedrungenen slawischen Völkern die Möglichkeit bieten, die Front i m O st e n aus der Flanke im Osten aufzurollen. Unwiderbringlich politisch, wirtschaftlich und volklich uns« sam gehaltenen Provinzen verlieren, ur
en Siedlung
würden wir dann
politisch, wirtschaftlich und volklich unsere jetzt noch mühsam gehaltenen Provinzen verlieren, und der Traum polnischer Chauvinisten, der sich in dem unverblümt ausge-
terbrochen waren, weil wegen der möglichen Einfuhr von einigen tausend österreichischen Rindern gerade von Bayern heftiger Einspruch erhoben wurde. Dazu kommen noch die sich immer mehr häufenden Klagen über die deutsche amtliche Vertretung in Wien. In allen anschlußfreundlichen Kreisen Oesterreichs findet man immer wieder die Auffassung, daß es um die ganze Anschlußbewegung sehr viel besser stünde, wenn die deutsche amtliche Vertretung sich ihrer Aufgaben bewußt sei und mit der nötigen Schärfe den französischen und legitimistischen Treibereien entgegen- träte.
Es ist die allerhöchste Zeit, dafür Sorge zu tragen, daß
Der Reichsminister betonte, daß er selbstverständlich m keiner Weise an eine Revision der Ostgrenzen mit abenteuerlichen kriegerischen Mitteln gedacht habe, als er in seiner Rede vom Sonntag erklärte, die Grenzen des Reiches hielten nicht Stand gegen Völkerrecht und nationalen Lebenswillen. Es fei darüber niemals Zweifel gelassen worden, daß die Verträge, die völkerrechtlich abgeschlossen sind, auch gehalten werden sollen. Das Unrecht der Grenzziehung könne nur auf dem Wege der friedlichen Verständigung beseitigt werden, aber Deutschland könne auf seine Forderung nach Gleichberechtigung und ehrlicher klarer Abrede nicht verzichten.
Reichsminister Treviranus wies die besonders von französischer Seite gemachte Darstellung zurück, die einen Gegensatz zwischen Dr. Stresemann und ihm selbst konstruieren will. Dr. Stresemann habe Ende 1925 in Beantwortung einer Frage des Grafen Westarp auf die im Vertrag von Versailles gegebenen Revisionsmöglich- feiten hingewiesen, und man versuche sehr zu Unrecht, seine, des Redners, Auffassung im Gegensatz zu der Dr. Stresemanns zu stellen. Chamberlain und Lloyd George hätten ebenfalls im englischen Unterhaus auf die Revisionsmöglichkeiten verwiesen, die innerhalb des Locar- novertrages liegen. In der Präambel dieses Vertrages werde ausdrücklich davon gesprochen, daß alle Bestimmungen des Locarnovertrages sich innerhalb der Grenzen der Völkerbundssatzung halten müßten. Allgemein werde der Artikel 19 der Völkerbundssatzung als ein selbstverständliches Mittel angesehen, um die unerträgliche Lage in Deutschland innerhalb des Völkerbundes nicht nur zur Sprache zu brin-
dmtlaaiMiiM^Mii^aMMMwahia^^ über Nacht zur Wirklichkeit werden. Seit taufend Jahren bewegt sich das deutsche Schicksal zwischen den beiden Strömen : Rhein und Donau.
Vor noch zwei Jahren konnten wir feststellen, daß an der Donau Volk und Wirtschaft sich in innigster Gemeinschaft mit uns befanden. Im Tageskampf um die nackte Existenz von Staat und Wirtschaft verloren beide Länder die wichtigsten Zukunftsaufgaben aus den Augen. Geschickt setzten die Gegner zum Gegenstoß an und lenkten vornehmlich in Oesterreich selbst die Aufmerksamkeit von der Kernfrage seiner Außen- und Wirtschaftspolitik ab. Jnnerpoli- tische Auseinandersetzungen beherrschen das Feld, und hie und da machen sich sogar Strömungen bemerkbar, die eine Wiederbelebung schwarz-gelber Traditionen anstreben. Außenpolitische Einflüsse kommen hinzu: insbesondere ist Frankreich an der Spitze der ihm verbündeten kleinen Entente lebhaft damit beschäftigt, den Plan einer Donauföderation zu propagieren und damit der österreichischen Wirtschaft einen Köder hinzuhalten, durch den sie angeblich ihre alten Absatzmärkte wiedergewinnen soll. Der Preis, den Oesterreich für dieses Bündnis zahlen soll, besteht in der allerdings unausgesprochenen Forde-
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größtem Nachdruck dazu ubergehen, in gemeinsamer Arbeit eine möglichst enge Wirtschaftsgemeinschaft mit Oesterreich / herbeizuführen. Wenn der Abschluß einer Zollunion uns gewisse Opfer auferlegen sollte, dann stehen diese in keinem
Verhältnis zu dem Gewicht der G auf der Wagschale liegen.
gen, wildern und) ju tu,trugen.
In feinem Schlußwort betonte der Minister, daß die waffenlosen Deutschen, die inmitten gerüsteter Nachbarn lebten, den Frieden brauchten als Voraussetzung ihrer Lebensmöglichkeit, allerdings einen Frieden, der so ehrlich sein müsse, daß er den Namen Frieden verdiene.
rung, daß Oesterreich auf seine nationale Zukunft wie auf seine wirtschaftliche Führerstellung verzichten soll. Auch Italien scheint neuerdings dieser Politik nicht fern zu stehen. Es ist vornehmlich Ungarn, das sich der Aufmerksamkeit Italiens erfreut. Immer deutlicher verdichten sich Mitteilungen über den Plan, in Ungarn den Habsburger Erzherzog Otto, den Sohn der Kaiserin Zita, zum König auszurufen. Nach Meldungen der Presse aus den letzten Tagen hat es sogar den Anschein, als ob dieses Ereignis nicht ohne Rückwirkungen auf Oesterreich bleiben würde.
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Wie verhält sich Deutschland dieser verhängnisvollen Entwicklung gegenüber? Sowohl die deutsche, Wirtschaft wie die amtlichen Stellen scheinen die Wichtigkeit der sich hier anbahnenden Entscheidungen nicht deutlich zu übersehen. Der Reichsverband der Deutschen Industrie hat in dem Hauptverband der österreichischen Industrie, dessen Anschlußfeindlichkeit und hartnäckiger Wider- stand gegen eine deutsch-österreichische Zollunion bekannt ist, eine wenig verläßliche Stütze für die Pflege seiner Beziehungen zur österreichischen Wirtschaft: die deutsche Industrie sollte es sich deshalb doch noch einmal überlegen, ob nicht die Handelskammern, bei denen gerade in Oesterreich die Führung auf wirtfchaftspolitifchem Gebiete liegt, als ein geeigneteres Organ zur Erreichung engster deutsch-österreichischer wirtschaftlicher Zusammenarbeit anzusehen wären. Die amtlichen Stellen scheinen auch keinen schärferen Blick für die Tragweite der in Oesterreich bevorstehenden politischen Entscheidungen zu haben, denn die Handelsvertrags - Verhandlungen zwischen Deutschland und Oesterreich wurden nicht nur von österreichischer, sondern auch von deutscher Seite als eine Gelegenheit betrachtet, einen wenig ergiebigen Kuhhandel in Bagatellfragen auszufechten. Die politischen Auswirkungen der hieraus naturgemäß entstehenden Verstimmungen wurden völlig außer acht gelassen und selbstverständlich sofort von unseren Gegnern für ihre Zwecke ausn nutzt. Man hört, daß die Stimmungsmadje in Oesterreich sich so weit verstiegen hat, daß in, gewissen Kreisen ganz offen davon gesprochen wird, die Wiederaufrichtung des Habsburgischen Königtums in Ungarn müsse zu einer Vereinigung mit Oest erreich und Bayern führen. Natürlich vergessen die Verbreiter solcher Gerüchte geflissentlich die Tatsache, daß die deutsch-öfter- reichifchen Handelsvertragsverhandlungen monatelang un-
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Saris ant die Zreoironus^ehe
kein Grund zu einer deutschen Entschuldigung.
Paris, 13. August.
Deutschlands Pariser Botschafter von Hoesch hatte mit dem französischen Außenminister B r i a n d eine kürzere Aussprache, in der nach der offiziellen Mitteilung die bevorstehende Völkerbundstagung besprochen worden sein soll. Die französische Presse berichtet jedoch übereinstimmend, daß dieser Unterredung aller Wahrscheinlichkeit nach die Rede des deutschen Reichsministers Treviranus zugrunde gelegen habe. Im „Echo de Paris" wird behauptet, der deutsche Botschafter habe erklärt, daß es sich bei den Ausführungen Treviranus' um die Wiedergabe einer persönlichen Meinung gehandelt habe. Das Blatt erklärt dazu, Treviranus fei einer der ersten Berater des Reichspräsidenten. Aehnliche Auffassungen werden auch im „Petit Parisien" zum Ausdruck gebracht.
Wie hierzu von zuständiger deutscher Seite erklärt wird, lag und liegt für die deutsche Regierung keinerlei Anlaß vor, irgendeine Erklärung zu der Rede des Ministers Treviranus abzugeben, da deren fachlicher Inhalt über die Ungerechtigkeit der deutschen Ost grenzen sich mit der einmütigen Ausfassung des Kabinetts wie des Parlaments und fast sämtlicher Parteien deckt. Wenn es sich bei der Rede des Ministers Treviranus auch nicht um eine offiziöse Verlautbarung handelt, so ist von deutscher zuständiger Seite, vor allem auch durch den verstorbenen deutschen Außenminister Dr. Stresemann, wiederholt erklärt worden, daß die in Versailles gezogenen Grenzen als ungerecht empfunden würden und daß es im Interesse eines dauernden Friedens in Europa läge, wenn Polen sich zu einer friedlichen Verständigung über eine Berichtigung dieser Grenze, vor allem über die Aufhebung des Weichselkorridors bereitfände.
Auch die Hinweise des Ministers Treviranus wie auch des Reichskanzlers und des Ministers Dr. Wirth in diesen Tagen über das mindere Recht, das dem Rhein- l a n d aufgezwungen worden ist, und die Notwendigkeit der Beseitigung dieses Zustandes im Interesse der Zusammenarbeit gleichberechtigter Staaten zur Schaffung und Festigung eines Dauerfriedens in Europa liegen in der Richtung der von Minister Treviranus erhobenen Forderung nach der Beseitigung des in Versailles festgesetzten Unrechts.
Treviranus' „Frontgeist"
Berlin, 13. August. Reichsminister Tre oPr anus äußerte sich gestern abend im Rundfunk in einem Zwiegespräch mit Chefredakteur Dr. Bandy über die Auslegung, die seine Rede vor dem Ost- und Westausschuß der Heimattreuen Verbände in In- und Ausland gefunden hat. Der Minister wies die unsachliche Kritik zurück, die an seiner Rede geübt wurde und erklärte, er halte es für gut, daß ein Minister Ort und Gelegenheit benutze, um das zu sagen, was ihm aus weitesten Volkskreisen entgegenklinge. Wenn gewisse Interpreten unter dem Begriff „Frontgeist" nur die Kriegslüsternheit waffenstarrender Krieger verstehen wollten,Jo sonnten sie diesen Begriff nicht gründlicher mißv^r?
Ehrlicher Eingeständnis Belgiens
„Kein Beweis für derartige Grausamkeiten der deutschen
Soldaten".
Brüssel, 12. August.
Vor kurzem ist auf Wunsch der belgischen Regierung das bekannte Kriegsgreuelbild, aus dem ein Kind mit abgehackten Händen dargestellt ist, aus dem Armeemuseum in Brüssel entfernt worden, da für eine derartige Grausamkeit der deutschen Soldaten keinerlei Beweise existieren.
Das liberale Blatt „L'Independence Belge" hat eine Anzahl Artikel veröffentlicht, in denen die belgische Regierung wegen der Entfernung des Bildes heftig angegriffen wird, und die darauf abzielen, das Bild an feine alte Stelle zurückzubringen. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, werden diese Angriffe auf die Entscheidung der Regierung aber keinerlei Einfluß ausüben.
Auch in StraWurg...
Die Pariser Presse berichtet ausführlich über einen Zwischenfall, der sich in Straßburg gelegentlich der Zusammenkunft der Mitglieder der Internationalen Liga für Frieden und Freiheit zugetragen hat. Die Mitglieder wurden von der Straßburger Stadtbehörde im Rathaus empfangen, in welchem u. a. die der Stadt von einer Pariser Zeitung gestiftete Statue mit der Inschrift „Zur Erinnerung an den Sieg des Rechtes über die Gewalt und der Zivilisation über die Barbarei" aufgestellt ist. Diese Inschrift löste bei den Delegierten zum Teil stärkste Erregung aus, so daß der kommunistische stellvertretende Bürgermeister Haas versprach, die Inschrift zu M ',;gen.
König von Warthausen verunglückt.
junge deutsche Rekordflieger König von Warthausen erlitt, als er eine Autofahrt durch Newyork machte, einen schweren Unfall. Der von ihm gesteuerte Wagen stieß mit einem Milchwagen zusammen. Das Auto stürzte um. König wurde schwer verletzt.
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