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hersfel-erTageblatt

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Inzeiger für den kreis Hersfel-

Nr. 202 Freitag, den 29. August 1930 80. Jahrgang

Die Richtlinien der Finanzreform

Weitere AusgabensenKung Großes Wohnungsbauprogramm Vereinfachtes Steuersystem Senkung der hohen Zinsen

LeutWand-ReA-Aork von Gronaus Wegbereitung für den europäisch - amerika­nischen Luftverkehr.

Wieder einmal sind deutsche Luftpioniere Gegenstand größter Bewunderung in Amerika und darüber hinaus in

Was die Finaarressm bringt

Das Programm der Reichsregierung.

allen verkehrspolitischen und sportbegeisterten ^Kreisen des In- und Auslandes. Unter der tatkräftig und Führung des Leiters der Seeflugstatic

Verkehrsfliegerschule in Warnemünde, von Gronau, ist das theoretisch seit langem ausgearbeitete Projekt eines

;en Vorbereitung

on der Deutschen

Etappenfluges DeutschlandGrönlandAmerika soeben zum ersten Male praktisch durchgeführt worden. Nach Eckener und Kühl empfängt das tatbegeisterte und luftverkehrspoli- tisch außerordentlich interessierte Amerika die deutsche Flug­expedition mit jener Herzlichkeit und spontanen Begeisterung, die es allen tatkräftigen und wagemutigen Pionieren der Luftfahrt entgegenbringt.

Das Problem eines regelmäßigen europäisch-amerika­nischen Flugverkehrs steckt trotz aller energisch betriebenen Vorwärtsentwicklung noch in den Kinderschuhen. Theoretisch sind die modernen mehrmotorigen Verkehrsflugzeuge zweifel­los in der Lage, entweder im Nonstopp-Flug oder in Etap­pen den Ozean zu überqueren und damit die schnellste Ver­bindung zwischen den beiden Kontinenten herzustellen.

Mit der theoretischen Bestätigung dieses Gedankens ist das Problem aber um so weniger gelost, als es sich hier nicht um eine sportliche Spielerei, sondern um ein Projekt han­delt, das kommerziellen Interessen und völkerverbindenden Ideen dienen soll. Deshalb ist erste Vorbedingung für die praktische Inangriffnahme eines regelmäßigen transozeani­schen Luftverkehrs die Erkundung der meteorolo­gischen Verhältnisse über den einzelnen Ozeange­bieten.

lEWBSMIug des Syauptmanns Kohl sollte nicht eine sportliche Bravourleistung sein, sondern der Aufgabe dienen, sich über die noch völlig unerforschten me­teorologischen Verhältnisse über dem Ozean zu unterrichten. Kähls damaliger Bericht über seinen Flug durch Regen, Sturm und Eis stellte ausdrücklich fest, daß trotz aller um­fassenden Vorbereitungen für die vorherige Feststellung der' Wetterverhältnisse die rauhe Wirklichkeit sich in den uner­forschten atmosphärischen Gebieten wesentlich anders zeigte, als die Wetterberichte vorausahue» ließen.

Das Ziel des deutschen Flugkapitäns von Gronau war deshalb, die von Köhl begonnene Erforschung der at­mosphärischen Ozeangebiete fortzusehen unter dem Ge­sichtspunkt, den zu erstrebenden regelmäßigen Luftver­kehr zwischen Ost und West in Zwischenlandungen zur Durchführung zu bringen.

Berlin, 29. August.

Die mehrtägigen Beratungen des Reichskabinetts über seine finanziellen Reformpläne wurden zu Ende geführt. Es wurde Uebereinstimmung über die­jenigen Grundsätze erzielt, nach denen nunmehr die erfor­derlichen Gesetzesvorlagen durch die zuständigen Ressorts während der nächsten Wochen zwecks Vorlage an den Reichsrat und den Reichstag ausgearbeitet werden. sollen. Voraussetzung für das Gelingen aller Reformpläne ist eine ' geordnete Kafsenlage und ein die Wirtschaftslage berück­sichtigender Haushaltsplan. Das Kabinett hat für die Auf­stellung dieses Programms als wesentliche Gesichtspunkte die folgenden festgelegt:

Ende

Flieger von G r onau und feine Flugkameraden wurder bei ihrem Erscheinen von dem Publikum mit herzlichem Bu fall empfangen. Im Verlaufe des Banketts begrüßte Sur germeister Walk e r die deutschen Flieger und feierte ihr-r glücklichen Flug über den Ozean in beredten Worten. 91 aU einer gleich herzlichen Ansprache von W H a l e n, in der

Gronau als derLindbergh Deutschlands" bezeichnet wurde, nahm Gronau das Wort und dankte ii. englischer Sprache für den ihm und seinen Kameraden ge­wordenen Empfang.

An dem Empfang nahmen auch zahlreiche angesehene Deutschamerikaner sowie der stellvertretende Generalkonsul Dr. Heuser teil, der eine Rede in deutscher Sprache vor dem Mikrophon hielt. Vor der City Hall begrüßte eine etwa 2000köpfige begeisterte Menge die Flieger, als sie zur Tonfilmaufnahme auf die Rathaustreppe heraustraten.

1. 3m Haushaltsplan 1931 wird über die bereits im Haushaltsplan 1930 vorgesehene Senkung der Ausgaben von 169 Millionen Mark hinaus auf Grund der vom Reichsfinanzminister gemachten Vorschläge ein weiterer namhafter Betrag eingespart werden.

2. Es wird ein mehrjähriges Programm für den Wohnungsbau und die ländliche Siedlung mit dem Ziel der beschleunigten Verminderung der Wohnungsnot der unbemittelten Schichten und unter Berücksichtigung ihrer Leistungsfähigkeit aufgestellt. Die Finanzierung der größe­ren Wohnungen wird auf anderem Wege durchgeführt.

3. Der Reichshaushalt soll gegen grenzte und unvorsehbare Beanspruch schiedenen Formen der Arbeitslosenhil indessen ohne das, dadurch die notwent

die bisherige unbe-

jung durch die ver- . . Arbeitslosenhilfe gesichert werden,

indessen ohne daß dadurch die notwendigen Leistungen ge­fährdet werden.

4. Der Finanzausgleich wird durch eine anderweitige Verteilung der öffentlichen Einnahmen unter Reich. Länder

gäben umgeskaltek werden,

Dabei soll vor allem auf Klarstellung der selbständigen Verantwortung für die Ausgabengebarung hingewirkt wer­den. Dieser endgültige Finanzausgleich kann in Kraft tre­ten, sobald^der Reichstag das Steuervereinheitlichungsgesetz, ntung in der Notverordnung entsprechende

zu dessen Vorbereitung , _____

Maßnahmen vorgesehen und eingeleitet sind, verabschie­det hat.

In diesem Zusammenhang ist auch eine Vereinfachung des Steuersystems in Aussicht genommen, und zwar zu­nächst bei der Landwirtschaft, sodann durch Freistellung der Vermögen bis zu 20 000 Mark von der Vermögenssteuer.

Die Auswüchse auf amtenbesoldung sollen I

dem Gebiet der kommunalen Be^

Sie BreissMkMZzsMsK

Berlin, 29. August.

Der Wirtschaftspolitische Ausschuß des Vorläufigen Reichswirtschaftsrats trat zusammen, um auf der Grund­lage des Schreibens des Reichswirtschaftsministers vom 22. August an den Vorläufigen Reichswirtschaftsrat seine weiteren Verhandlungen über die Fragen der Preisbindungen festzusetzen.

Nach längerer Aussprache wurden zwei Arbeitsaus­schüsse mit je 12 Mitgliedern gebildet, von denen der erste Ausschuß zuerst die Fragen der Baustosfe und sodann die Fragen von Kohle, Kali, Eisen, Treibstoff, Düngemitteln u. a., der zweite Ausschuß der Preisprobleme der Marken­artikel.

Der abschließende Bericht von Gronaus über seine Fest­stellungen liegt noch nicht vor. Man weiß nur eines, daß der Weg über Grönland nach Labrador durch eine Wetter­zone führt, die fast ständig Stürme oder undurch­dringlichen Nebel aufweist. Es hat sich auch ergeben, daß die Sichtverhältnisse auf Grönland mit seinen zackigen Cisfelsen und den eingeengten Häfen nicht besonders gute sind und daß es noch besonderer Studien an Ort und Stelle bedarf, um den sich hieraus ergebenden Gefahren für sichere Orientierung und Landung zu begegnen. Das aber waren ja letzten Endes die Aufgaben, die sich von Gronau und seine wackeren Kameraden gestellt hatten. Bestimmt sind die Ver­hältnisse mit diesem einen Fluge noch nicht restlos geklärt. Umso wertvoller ist es, daß gerade im gegenwärtigen Zeit­punkt eine deutsche wissenschaftliche Expedition unter Leitung von Prof. Alfred W e g e n e r damit beschäftigt ist, die me­teorologischen und äronautischen Verhältnisse in Grönland zu erforschen. Die Beobachtungen der deutschen Flieger auf ihrem Fluge über den Ozean gemacht haben, scheinen zu beweisen, daß die a t m * r * " :r m- setzungenfürdieDur, mäßigen F ' " 5 '

allzu erfolgversprechend erscheinen.

, beseitigt werden; hierbei wird bei denjenigen Gemeinden einzusetzen sein, deren Realsteuern besonders überhöht sind.

5. Eine Bewirtschaftung der Kredikbedürfnisfe der öffentlichen Körperschaften unter einheitlichen Gesichtspunk­ten wird die notwendige Senkung des zu hohen Zinsfußes unterstützen.

Die Gesamtheit dieser Maßnahmen wird eine Senkung der zu hohen steuerlichen Belastung des deutschen Volkes ermöglichen. Ein solches Senkungsprogramm kann nur fortschreitend durchgeführt werden. Begonnen werden soll aber bereits im Jahre 1931 mit der Senkung der die Produktion am meisten hemmenden Realsteuern. Da­durch soll der Wirtschaft Antrieb und neue Arbeit gegeben werden.

Kriegsosser gegen Nitierordnmg

Der Reichsbund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteilneh­mer und Sriegshinterbliebenen hak, da die breite Masse der Kriegsopfer durch die Notverordnung des Reichspräsi­denten^ erheblich betroffen wird, den Skaatsgerichtshof an­gerufen.

Diese Anrufung erfolgt, weil der Bundesvorstand die Rechtsansicht vertritt, daß Artikel 48, Abi atz u, der Reichs- verfassung im Gegensatz zu Artikel 55 der preußischen Ver­fassung Notverordnungen finanzieller und wirtschaftlicher Art nicht kenne und nicht zulasse. Der Reichsbund hat des­halb beantragt, der Staatsgerichtshof möge die Notver­ordnung für verfassungswidrig und reti ;-ungültig erklären.

Vor einem Staatsstreich in Argentinien?

en Voraus-

geinesregel- Fluges Europa Amerika nicht

Andererseits hat sich das Flugzeug, das von Gro­nau und seine Gefährten nach Newyork brächte, ein Dornier- Wal im Serienbau, ganz ausgezeichnet bewährt. Die Maschine ist nicht besonders für diesen Flug hergerichtet worden, ist vielmehr älteren Datums und hat, wie bereits gemeldet, seinerzeit Amundsen auf seinen bekannten Polar­flügen erfolgreich gedient. Auch die deutschen Flugzeugmo­toren haben allen, auch den schwersten Beanspruchungen Stand gehalten und bewiesen, daß sie hinsichtlich ihrer Zu­verlässigkeit und Leistungsfähigkeit jedem ausländischen Produkt die Waage halten.

Der Flug von Gronaus hat nicht nur der deutschen Fliegerei insgemein neue Achtung und neues Vertrauen im Ausland zugeführt, er hat der Welt auch bewiesen, daß Deutschland trotz seiner ungünstigen wirtschaftlichen und po­litischen Lage und trotz der deutschfeindlichen Propaganda im Ausland bemüht ist und das durch Taten beweist, daß es an der Fortentwicklung von Technik und Wissenschaft und an der freundschaftlichen Annäherung der Völker mitzuar- beiten sich bestrebt und hierzu seine besten Pioniere zur Ver­fügung stellt Gronau hat eine Tat vollbracht, d ie sich dervon Eckenerund Kühl ebenbürtig an die Seite stellen darf. #

von Gronau und seine Begleiter.

Unser Bild zeigt die erste Aufnahme von Wolfgang von Gronau und seinen Begleitern, bevor sie zu ihrem Ctappenfluge über den Atlantik starteten. Von links nach rechts: Mechaniker Franz Hack, Pilot Zimmer, W. von Gronau und Funker Fritz Albrecht.

Buenos Aires, 29. August. Die Lage in Buenos Aires ist noch immer ziemlich unklar. Gewiß ist indessen, daß die Lage sowohl in der Stadt Buenos Aiers als auch in der gleichnamigen Provinz ernster ist, als die ersten Nachrichten erkennen ließen. In der Hauptstadt schwirren beunruhigende Gerüchte umher. Die Wachen im Regierungspalast sind in der Nacht erheblich verstärkt worden. Die Wohnung des Präsidenten Jrigoyen wird von berittenen Truppen be­wacht, die dauernd auf- und abpatrouillieren, ohne daß ein Grund hierfür bekanntgegeben worden sei.

Jrigoyen haf die ganze Nacht mit dem Bürgermeister von Buenos Aires, mit zwei Kabinettsministern und den Militärkommandanten der Hauptstadt konferiert, während gleichzeitig die Regierung der Provinz Buenos Aires mit den Kommandeuren der Regimenter der Garnison La Plata Be-

ratungen abhielt.

Der Justizminister Juan de la Campa soll dem Präsi­denten Jrigoyen mitgeteilt haben, es bestehe die unmittelbare Gefahr einer Revolution gewisser politischer Führer und eines Teiles der Armee.

Wie wir kurz vor Redaktionsschluß erfahren, haben sich " ' ' ' >en erforderlich gemacht, die

Wie wir kurz vor Redaktion- außerordentliche Polizeimaßnahml man offiziell allerdings lediglich als Vorsichtsmaßregeln dar- - äs des Streiks von 6000 Angestellten

gestellt hat, die angej

Die deutschen Flieger im New Borker Rathaus

New Bart, 29. August. Im Rathaus fand gestern abem zu Ehren der deutschen Ozeanflieger ein Empfang statt zu dem eine große Zahl von Einladungen an die Behörde' und die New Borker Gesellschaft ergangen waren. Dei

der Union Telephone Company erforderlich gewesen seien. Es liegt aber auch das gesamte Militär in den Kasernen in Alarmbereitschaft.

Präsident Jrigoyen hak sich am Nachmittag unter schwerer Bewachung nach dem Regierungspalast begeben, wo eine Kabinettsitzung slalkgesunden hat. La Campa hat den Präsidenten auch über die wachsende allgemeine Unzu­friedenheit über die Untätigkeit des Kongresses unterrichtet. Jrigoyen soll erwidert haben, er befürchte keine Insur­rektion, halte es aber für möglich, daß er persönlich der Ge­fahr eines Angriffes ausgesetzt sei.

Die Leiche« der Andree-Expedition auf dem Wege in die Heimat

Stockholm, 29. August. Die Regierung hat Befehl ge- geben, daß das KanonenbootSvensksund" die Leichen von Andres und feinen Begleitern unmittelbar nach Stockholm befördern soll. Da die P r äp a r i e r u n g der Leichen mangels Räumlichkeiten an Bord des Kanonenbootes in Tromsö vorgenommen werden muß, dürfte die Ankunft in Stockholm erst Mitte^Septembererfo^gen.___ ....