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hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den kreis Hersfel- *

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Nr. 210

Montag, den S. September 1930

80. Jahrgang

Anruhen in Argentinien

Irigoyens Rücktritt Belagerungszustand über Buenos Aires

Sckolz und v. Seeckt über Tagesfragen

Berlin, 8. September. Auf einer Wahlkundgebung der Deutschen Volkspartei forderte der Parteiführer, Reichsmini- ster a. D. Dr. S ch o l z, daß jeder seiner Wahlpflicht genügen müsse, sei doch der 14. September ein Wahltag für die ganze deutsche Nation.

In einem Ueberblick über die Tätigkeit der vorigen und der jetzigen Regierungen stellte er die Frage, ob die Sozial- demokratie nach der Wahl von 1928 die Verantwortung so ausgeübt habe, wie das Wohl des gesamten Volkes und Va­terlandes es verlange. Diese Frage müsse verneint werden. Der Kampf gelte jetzt in erster Linie den extremen Parteien links und rechts, dann aber auch den sozialistischen Theorien und Ideen, die uns in die heutigen unhaltbaren Zustände hineingebracht hätten. Es müsse eine Mehrheit des zum Staat aktiv eingestellten und aufbaubereiten Bürgertums ge­schaffen werden. Deshalb hoffe er auch, daß seine Aktion der Sammlung sich doch noch durchsetzen werde.

Zur Innenpolitik betonte Dr. Scholz, daß die Wirtschaft ein Recht darauf habe, zu verlangen, daß auch der Staat ra­tionell erweitert werde. Es müsse zur Verfassungs- und Ver- waltungsreform kommen mit dem Ziele des deutschen Ein­heitsstaates, den Bismarck bereits erstrebt habe.

Zur Wahlreform verlange die Deutsche Volkspartei in erster Linie eine Heraufsetzung des Wahlalters. Die Sicherung unserer sozialen Errungenschaften sei zu wünschen, sie möchte sich aber im Rahmen der Tragfähigkeit der deutschen Wirt­schaft halten.

Darauf betrat Generaloberst von Seeckt, von nicht endenwollenden Beifall begrüßt, das Rednerpult. Er beton­te, daß der Feind nicht rechts oder links stehe, sondern daß für einen wahren Deutschen der Feind nur jenseits der Gren­zen stehen könne. Als Ziel der deutschen Außenpolitik be-

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anderen Völker entsprechend seiner Q röße, seiner Geschichte und seinem Können. Dies sei untrennbar verknüpft mit einem Kampf gegen die Bestimmungen des Versailter Ver­trages. In erster Linie richte sich der Kampf gegen einen untragbaren Tribut. Weiter müsse der Kampf gehen um die Lebensnotwendigkeiten im Osten. Deutschland wolle kein Staat zweiter Klasse sein. Ein weiteres Ziel der deutschen Außenpolitik müsse der Schutz der deutschen Minderheiten sein. Erst nach Verwirklichung dieser Ziele könne von einer vollständigen Außenpolitik die Rede sein, die keine Erobe­rungspolitik sei, sondern eine Politik der Erhaltung des Deutschtums. Generaloberst von Seeckt kam sodann auf die Bedeutung des Heeres zu sprechen und erhob die Forderung, daß wir auch des alten Heeres mit Treue und Dankbarkeit gedenken sollten. Dies solle aber auch auf das neue Heer übertragen werden, denn in ihm liege unsere Zukunft. Nur bei einer gesicherten Innenpolitik könne eine feste Außen­politik geführt werden. Es müsse einen Willen und eine Stelle im Staate geben, die eine Entscheidung herbeiführen könne. Damit aber verschwinde vollkommen das Gespenst der Diktatur.

Die Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft sei eine Frage, die die Stadt ebenso angehe, wie das Land. Deshalb müsse es auch zu einer Verständigung in der Frage der Zölle kom­men. Zu den sozialen Fragen betonte General von Seeckt, daß die Arbeitslosenunterstützung eine vollkommen gesunde Einrichtung sei. Wir müssen uns aber bei den sozialen Fra­gen immer den Unterschied klarmachen zwischen dem Wün­schenswerten und dem Erreichbaren. Die Hoffnung, daß es gelingen möge, unsere Arbeiter in Deutschland zu erziehen zum nationalen Denken und zur wirtschaftlichen Vernunft, könne nicht aufgegeben werden,

Generaloberst von Seeckt faßte schließlich seine Grund­sätze dahin zusammen: Erhaltung und Stärkung der Staats­macht nach innen und außen, Freiheit und Raum für Arbeit und Persönlichkeit, aber über allem der Glaube an das Reich".

Stürmisch langanhaltender Beifall folgte den Ausfüh­rungen des Redners.

Dr. Wirth spricht in Beuthen

Festigung der Staatsautorität.

Beuthen, 8. September. Reichsinnenminister Dr. Wirth sprach an seinem 51. Geburtstag hier in «ner sehr gut be- suchten Zentrumsversammlung. Die Weltwirtschaftskrise zu lösen, sei Aufgabe aller staatsbejahenden Kräfte. Dazu müßte zunächst eine , feste Staatsautoritat im Reich und in Preußen errichtet und dann die Sanierung der Finanzen des Reiches, der Länder und Gememden in Angriff genommen werden. Er warnte die Sozialdemokratie vor einer allzu scharfen Polemik gegen das Zentrum. Ohne den politischen Brückenschlag der Zentrumspartei zwischen rechts und links könne in Deutschland keine lebensfähige Re- gierung bestehen. Eingehend beschäftigte sich der Minister mit den Nationalsozialisten und stellte deren Vergröberung der Nietzscheschen Weltanschaung an den Pranger. Am Schluß berührte er noch kurz die oberschlesischen Grenzlandprobleme, die von ihm mit der Frage an den Reichsfinanzminister er­ledigt würden, welche Mittel im Etat dafür eingestellt I werden könnten. Alles gipfelte in der Notwendigkeit der Fi- uanzierung und der Wiederbelebung der Wirtschaft, wo?m I das Zentrum bereits Mittel und Wege gewiesen babe^^* |

Meiolitiiii in ArseutiMN

Buenos Aires, 8. September.

Sobald der Entschluß des Präsidenten Jrigoyen, sein Amt an den Vizepräsidenten zudelegieren", bekannt wurde, ereigneten sich Unruhen in der Hauptstraße der Stadt. Ob­wohl sie nicht unerwartet kam, löste die Nachricht eine außer­ordentliche Wirkung aus. Die Leute schlugen sich vor den Gebäuden der Zeitungen, deren telephonische Verbindun­gen plötzlich unterbrochen worden waren. Eine strenge Zensur wurde eingeführt, Ansammlungen aus den Straften der Stadt wurden verboten.

General Uriburu richtete an den Präsidenten Jrigoyen telegraphischen Ultimatum des Inhalts, daß er, falls der Präsident nicht sofort endgültig zurücktrete, den Regierungs­palast beschießen lassen werde. Die Truppen Uriburus sol­len sich bereits in der Nähe der Hauptstadt befinden, wäh­rend ein großes Truppenkontingent im Militärlager Eampo de Mayo marschbereit die Befehle Uriburus abwarte. Die Unzufriedenheit der Armee mit dem Regime Irigoyens ist allgemein, während die Haltung der Marine ungewiß ist.

Jrigoyen kapituliert

Buenos Aires, 8. September. Auf Generals Uriburu an Jrigoyen, daß er bi

das Ultimatum des

rücktrete, wurde am

Generals Uriburu an Jrigoyen, daß er den Regierungspalast beschießen werde, falls Jrigoyen nicht endgültig sofort zu-

Sonnabend abend auf dem Regierungs­

gebäude die weifte Flagge gehißt.

General Uriburu hat ein provisorisches Kabinett ge­bildet, in dem er als Präsident figuriert. Vizepräsident ist Santa Marina. Präsident Jrigoyen soll sich an Bord des KreuzersGaribaldi" be

alt an

riburu veröffentlichte eine Bo das Volk, daß er die Regierung übernommen habe, um den Zufammenbruch zu verhindern. Die provisorische Regierung hat den Kongreß aufgelöst.

Trotz der Hissung der weißen Flagge auf dem Regie- rungsgebäude ist es zu Schießereien gekommen. Die wilde­sten Gerüchte sind im Umlauf. Man spricht von insgesamt 1000 Toten oder Verwundeten. Als sich die Polizei den Auf­ständischen ergeben hatte, stürmte die Menge den Regie­rungspalast, riß die Bilder Irigoyens von den Wänden und verbrannte sie.

Minister Treviranus redet

Karlsruhe, 8. September. In einer Wahlversammlung der Konservativen Volkspartei sprach am Sonnabend abend Reichsminister Treviranus. Er betonte die Notwendigkeit, den konservativen Gedanken von den ihm anhaftenden Schlacken zu befreien. Das Ziel seiner Partei sei, den kon­servativen Geist mit neuem Sauerteig zu durchsehen. 6on- servativismus und Demokratie schlössen einander nicht aus. Über den kommenden

Finanzausgleich

habe die Regierung die entscheidenden Beschlüsse gefaßt. Die Gemeinden müßten von der Krisenfürsorge entlastet werden. An der Herabsetzung der Realsteuern sei als Ziel des näch­sten Jahres festzuhalten. Die Länder müßten nicht nur an dem Steueraufkommen beteiligt werden, sondern auch an dem Risiko. Dann würde man zu einem endgültigen Finanz­ausgleich kommen. Vor 1932 sei dieser aber schon rein tech­nisch nicht durchzuführen.

Zum Schluß vertrat der minister energisch die Regie- rungspolitik und die Regierungsmaßnahmen, die notwendig seien, um dem Volk die Möglichkeit zum Leben zu geben.

Im Gürzenich in K ö l n erklärte Reichsminister Treoi- r a n u s in einer Versammlung der konservativen Volkspar- tei am Sonntag, sowohl die Kritik von Links wie von Rechts an den Regierungsmaßnahmen gehe an wichtigen Tatsachen vorbei. Die Neigung zum politischen Radikalismus sei aus die wirtschaftlichen Notzeiten zurückzuführen. Der Wahl- kampf werde um die Sicherung der Durchführung des begon­nenen Reformwerkes geführt Die wechselnden Reichsregie­rungen seien an die Jnnehaltung der von ihren Vorgängern eingeaangenen Verpflichtungen gebunden. Das verlange auch die Fortsetzung der offiziellen Außenpolitik, und hieran werde auch eine Regierung Hitlers und Hugenbergs nichts ändern können.

Ein Internationales Friedensheer?

Paris, 8. September. Auf dem Kongreß der ehemali­gen Kriegsteilnehmer und Kriegsverletzten in V e r s a i l l e s hielt der sozialistische Abgeordnete Paul-Boncour eine Rede, in der er die Schaffung eines internationalen Heeres oder einer internationalen Polizei als wünschenswert für den Völkerbundsgedanken bezeichnet, doch habe dies die völ­lige Abrüstung aller Nationen zur Voraussetzung.

In zwei Entschließungen wurde die moralische Abrüstung in allen Ländern und die Bildung einer bewaffneten inter­nationalen Streitkraft sowie die Schaffung einer euro­päischen Föderation zur Sicherheit des Friedens gefordert.

Dr. Curtius zur Besprechung der

Vriand-Deubschrist eingeladen

Genf, 8. September. Die französische Regierung hat Reichsaußenminister Dr. C u r t i u s zu einer ersten Bespre­chung über das Memorandum Briands eingeladen. Die Be­sprechung, an der die Vertreter von 27 europäischen Regie­rungen, an die das Memorandum gerichtet war, teilnehmen, findet nach der ersten Ratssitzung, am Montag nachmittag, in Genf statt.

Bei dieser ersten Einladung handelt es sich im wesent­lichen nur um die Erörterung des weiteren Verfahrens. Ins­besondere geht es darum, ob die Frage der Europäischen Union in einer Sonderkonferenz der europäischen Staaten zu behandeln ist, oder was für wahrscheinlicher gehalten wird -- ob sie der Völkerbundsversammlung zur weiteren Ver­handlung überwiesen wird.

Innenminister Dr. Frick

gegen die Reichsregierung

Er fordert das Reichsinnen- und Wehrministerium für die Nationalsozialisten.

Weimar. Aus Köln wird derTH.K." gemeldet:

Der Thüringische Innenminister Dr. F r i ck sprach am Sonnabend abend in einer nationalsozialistischen Versamm­lung in der Rheinlandhalle. Dr. Frick richtete scharfe An­griffe gegen Reichsinnenminister Dr. Wirth und die übrigen Mitglieder der Reichsregierung. Die Verweigerung der Zuschüsse an Thüringen für die Polizeikosten, für deren Leistungen genaue Voraussetzungen beständen, sei ein glat­ter Vertragsbruch.

In seinem weiteren Ausführungen wandte sich der Red­ner wieder besonders gegen den Reichsinnenminister. Er be-

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zeidirektor in Weimar als Veranlassung zur Polizeikosten- sperre genommen habe. In Preußen würden ausnahmslos Oberpräsidenten, Regierungs- und Polizeipräsidenten nicht nach ihrer Befähigung, sondern nach dem Parteibuch.er­nannt. Schließlich forderte der Redner die Beseitigung Dr. Wirths, die am 14. September erfolgen müsse.

Dann ging er auf die gegen ihn erhobenen Angriffe in der Pensionsfrage ein. Bei seinem Uebertritt in den thü­ringischen Staatsdienst habe er das Recht auf Rückkehr in den bayerischen Staatsdienst behalten. Sobald seine Regierungs- kätigkeit in Thüringen beendet wäre, würde er seinen Posten im bayerischen Staatsdienst wieder aufnehmen. Er denke nicht daran, Thüringen mit irgendwelchen Pensionsansprü- chen zu belasten.

er:

Bezüglich der Kürzung der Steuerüberweisungen an das Land Thüringen betonte er, nicht das Reiche habe an Thüringen, sondern Thüringen habe an das Reich eine For­derung. Er verlange, daß die Frage im Kabinett erörtert werde. Anschließend sagte

Die Nationalsozialisten werden nach Maßgabe der Zahl ihrer Abgeordneten entsprechend Anteil an der Führung der Regierungsgeschäfte verlangen. Werden sich ihre Erwartungen erfüllen, so kündigen sie schon heute an, daß sie einen Anspruch auf das Innen- und Wehrministerium erheben werden.

Nach Schluß der Versammlung kam es in den anliegenden Straften zu starken Ansammlungen von Kommunisten. Die Polizei mußte verschiedentlich mit dem Gummiknüppel vor­gehen. Da die Menge aber nicht zurückwich, mußte die Poli­zei auch mit der blanken Waffe einschreiten. Zu ernsten Zwischenfällen ist es nicht gekommen.

L echs-M i lliarden-Abstrich

am französischen Etat

Paris 8. September. DemJournal" zufolge belaufen sich die Abstriche im Budget, die der Ministerrat am Sonn­abend genehmigt hat, auf rund 6 Milliarden Franc. Hier­von sollen in erster Linie das Kriegsministerium, das Ma­rineministerium, das Luftfahrtministerium und das Kolonial- ministerium betroffen werden.

Die deutsche Delegation in Genf

Genf, 8. September. Außenminister Dr. Curtius ist in Begleitung der Ministerialdirektoren Dr. Gau ß, Dr. Ritter und Dr. Z e ch l i n des Gesandten von Freytag und des Geheimrats Weiszäcker in Genf eingetroffen. Den Nach­mittag benutzte der Minister zu Besprechungen mit den Mit­gliedern der deutschen Delegation, von denen einige, darunter die Geheimräte von Friedberg und Frobein, schon vorher in Genf eingetroffen waren. Mit dem gleichen Zug wie Dr. Curtius ist auch der österreichische Bundeskanzler Dr. Scho­ber angekommen, der am Bahnhof von dem ständigen De­legierten Oesterreichs im Völkerbund, Dr. Pflügl, empfangen wurde.

Der Haager LuftfahrtKongretz abgefchlosien

Haag, 8. September. Der 5. Internationale Luftfahrt­kongreß im Haag hielt am Sonnabend mittag seine Schluß­sitzung ab. Der nächste Kongreß soll im Jahre 1934 in Paris abgehalten werden. "^''w* ^ ^^"^ ^--^^ ^xM?