kersfelöer Tageblatt
hersfelöer Kreisblatt
Amtlicher /inzeiger für den Kreis Hersfel-
Nr. 220
Freitag, den 19. September 1030
80. Jahrgang
Flugzeug Katastrophe in Württemberg
Vier erprobte Piloten stürzen infolge waghalsiger Experimente tödlich ab
Wehrm-mster Gröner
vor der Manöverpresse
Wehrhaftigkeit und Landesverteidigung ist keine Partelsache!
Kissingen, 19. September. Bei einem Empfang zu Ehren der am Manöver teilnehmenden Gäste, unter ihnen der bayerische Ministerpräsident Held, der thüringische Staatsminister Baum, Vertreter der Regierung, Abgeordnete und Vertreter der Wirtschaft und der Presse hielt Reichsmehrminister Grüner eine Ansprache, in der er u. a. aus- führte:
Während unsere westlichen Nachbarn in den letzten Wochen zwei große Manöver durchgeführt haben, an denen je etwa 50 000 Mann, also soviel wie die ganze Reichswehr, teilnahmen, während bei dem letzten dieser beiden Manöver in Lothringen allein vier vollständige Infanterie-, zwei vollständige Kavalleriedivisionen, mehrere Tankbataillone, fünf Regimenter schwere Artillerie und fünf Fliegerregimenter zum Einsatz kamen, haben Sie bei uns eine einzige Infanterie- eine und Kavalleriedivision, haben Sie Tankattrappen und Holzgeschütze, haben Sie keine schweren Geschütze und keine Flieger gesehen. Diese Gegenüberstellung straft schon alle diejenigen Lügen, die in der deutschen Armee eine Bedrohung für irgendeinen ihrer Nachbarn sehen wollen. Um so unsinniger ist die im Auslande verbreitete Behauptung, Deutschland könne durch Heranziehung von Reserven binnen kurzem ein großes Heer aufstellen. Ebenso lächerlich ist die Annahme, Deutschland könne mit Hilfe ausländischer Staaten seine Rüstungen erweitern. Aufs schärfste weise ich alle die Gerüchte zurück, die der Reichswehr unterschieben, sie treibe eine besondere Außenpolitik. Diese wird einzig und allein vom Reichskanzler und Reichsaußenminister bestimmt. Die Reichswehr hat sich stets rückhaltlos in den Zusammenhang der deutschen Außenpolitik eingefügt. Die deutsche Wehr- der englische Außenminister in Genf getan hak, daß auch die anderen Staaten der von ihnen feierlich übernommenen Verpflichtung zur Abrüstung endlich nachkommen. Die schwierige militärpolitische Lage Deutschlands, die in diesen Feststellungen zum Ausdruck kommt, soll uns aber nicht den Blick trüben für die Leistungen unserer Truppe. Sie legen Zeugnis ab von der ernsten Arbeit des Heeres. Diese Arbeit hat auch im Auslande zunehmende Beachtung gefunden. Aber die vielen Lobeshymnen, die von jenseits der Grenze kommen, sind so durchsichtig, daß der Zweck dieser Uebertreibung ganz klar ist. Diese planvolle Arbeit wurde geleistet unter einem unerhörten außenpolitischen Druck und in einer Zeit innerpolitischer und wirtschaftlicher Schwierigkeiten aller Art. Was ist in den letzten Monaten über die Reichswehr nicht alles zusammengelogen worden, über diktakurlüsterne Generale, politische Rnzuverlässigkeit usw.! Aber sind nicht diese Angriffe auf die zahlenmäßig kleine Reichswehr eine Bestätigung und Anerkenntnis der wachsenden Bedeutung der Wehrmacht im Staate? Diese Bedeutung hat die Reichswehr erlangt durch ihre klare politische Linie, die darin besteht, daß sie abseits aller Parteipolitik nur der Idee des Staates dient. Diesen Weg wird die Reichswehr auch in Zukunft weitergehen in aufopfernder und zäher Arbeit. Und ich bin überzeugt, daß dieser Weg der allein richtige und mögliche ist. Wenn eine Erfahrung des letzten Krieges feststeht, dann ist es die, daß die Arbeit der Wehrmacht im Kriege und Frieden nur dann erfolgreich sein kann, wenn sie vom einmütigen Willen und der verständnisvollen Mitarbeit des Volkes getragen wird. Helfen Sie, die Kenntnis unserer Wehrmacht im Volke vertiefen, wirken Sie für die Berufsauffassung der Reichswehr, abseits aller Parteipolitik nur dem Vaterlande zu dienen, vertreten Sie den Geist aufopfernder und stiller Arbeit, einer Arbeit, der mit negativer Kritik und dauerndem Skeotrzismus nicht gedient wird, sondern nur mit positiver
^ellung und Mitarbeit. Wehrhaftigkeit und Landesver- t ung dürfen nicht Parteisache sein! Bei aller Wahrung
Schmeres FtugzeügmglSS
Der Akrobat Schindler und drei weitere Flieger tot.
Böblingen, 19. September.
Bei einem Uebnngsflug zweier Flugzeuge über dem Böblinger Flugplatz, bei dem der bekannte Luft-Akrobat Fritz Schindler das Hinübersteigen von einem Flugzeug zum anderen ausprobieren wollte, verfingen sich die beiden Flugzeuge über der Maschinenfabrik Optima in Sindelfin- gen und stürzten ab.
Sämtliche vier Insassen, Fluglehrer Spengler, Haupt- mann Engweler, Monteur Hagenmaier und der Akrobat Schindler waren sofort tot. Fritz Schindler stürzte auf das Dach eines Hauses, während die übrigen mit den beiden Maschinen auf eine Wiese stürzten. Die beiden Flugzeuge wurden vollständig zertrümmert. Das Unglück ereignete sich heute nachmittag gegen 16 Uhr.
i nannschattlicher Eigenart gibt es im Reichsheer keine
1 mannschaftlichen Gegensätze. Ich darf den Herren Mi- r präsideMen dieser beiden Länder, die hier zu sehen mit- eine besondere. Freude ist, meinen herzlichsten Dank für die Bereitwilligkeit, gussprechen, mit der sie an dem Zustande
unmen der Herbsiübung mitgeholfen haben. Es ist das Ziel meines Strebens, und mein inniger Wunsch, daß es uns gelingen möge, weiterhin die Wehrmacht vollkommen her- i auszuheben über den Streit der Parteien. So wird sie zum einigenden Symbol der Nation. In ihr sind alle Gegensatze ' durch Selbstzucht und Gehorsam überwunden. Sie ist und | will nichts anderes sein als ein zuverlässiges Werkzeug der Reichsgewalt in der Hand des Reichspräsidenten.
Berlin, 19. September.
Nach Mitteilung des Reichsfinanzministeriums betrugen im Monat 1930 (alles in Millionen M.) im ordentlichen Haushalt die Einnahmen 1 242,2 und für die Zeit vom 1. April bis Ende Juli 3664,7, während sich die Ausgaben auf 1044,6 bezw. 3691,9 stellten,
so daß sich für den Juli eine Mehreinnahme von 197,6 und für die Zeit feit Beginn des Rechnungsjahres bis Ende Juli eine Mehrausgabe von 27,2 ergibt.
Im außerordentlichen Haushalt betrugen die Einnahmen im Juli 15,0 und seit Beginn des Rechnungsjahres 605,4, in der Ausgabe wird für Juli ein Minus von 25,3 ausgewiesen. Seit Beginn des Rechnungsjahres betrugen die Ausgaben 118,4. Für Juli 1930 wird mithin im außerordentlichen Haushalt eine Mehreinnahme von 40,3 und seit Beginn des Rechnungsjahres von 487,5 ausgewiesen. Der Kassensoll- bestand des Reiches betrug am 31. Juli 1930 1187,0, wovon 1143 verwendet worden sind, so daß ein Restbestand von 44 bei der Reichshauptkasse und den Außenkassen vorhanden war. Die schwebende Schuld hat sich auf 1207,3 Ende Juli gegen 1387,0 Ende Juni vermindert.
Beleidigungsprozetz
Duesterberg — Bornemann
Halle, 19. September. In der Beleidigungsklagesache des zweiten Bundesführers des Stahlhelm, Werstleutnant a. D. D u e st e r b e r g, gegen den GeschäftsfMrer des Jungdeutschen Ordens, Bornemann, und den Hauptschriftleiter der Zeitung „Der Jungdeutsche", P a st e n a c i, wurden die beiden Angeklagten Bornemann und Pastenaci wegen Beleidigung in einem Falle zu je 50 Mark Geldstrafe verurteilt. Dem Privatkläger wurde außerdem Publikationsbe- fugnis des Urteils zuerkannt.
222 Millionen Mehreinnahmen
Geschäftsbericht der Deutschen Reichspost für 1929.
Berlin, 19. September.
Das Rechnungsjahr 1929 (1. April 1929 bis 31. März 1930) stand, wie aus dem soeben veröffentlichten Geschäftsbericht hervorgeht, im Zeichen des Ausbaus und der Vertiefung der in Organisation, Verwaltung und Betrieb in den letzten Jahren getroffenen Reformmaßnahmen.
Im allgemeinen ist das Jahr 1929 durch einen fortschreitenden Rückgang der Wirtschaftskonjunktur gekennzeichnet. Wenn der Gesamtverkehr der Reichspost hiervon auch nicht unberührt blieb, so hat er sich im ganzen doch nicht ungünstig entwickelt.
Die Verkehrseinrichtungen sind im Berichtsjahre aus- gebaut, insbesondere die Verkehrsanstalten um mehr als 4000 vermehrt worden. Die Verkehrsbeziehungen zum Ausland konnten in erfreulichem Umfang erweitert werden.
Der Kraftfahrzeugpark umfaßte Ende des Berichtjahrs 10 920 Kraftfahrzeuge, die den Güter- und Personenverkehr auf 2266 Linien mit einer Streckenlänge von 43 815 Kilometern durchführten. Von rund 300 Postämtern gingen Ende März 1930 540 Landkraftposten aus, die 1150 Postagenturen und 7231 Poststellen umfassen und auf diese Weise etwa 3.3 Millionen Landbewohner viel schneller als früher versorgen.
Das Lustpostnetz, das im Sommer 1929 100 Linien umfaßte, mußte im Winter 1929-30 aus 17 Linien beschränkt werden, doch konnten schon im März und April wieder weitere 17 Linien hinzutreten.
Der Postscheckverkehr hat sich ebenfalls günstig entwickelt. Der Verkehrsumsang dieses Dienstzweiges erreichte bei rund 975 000 Postscheckkonten Ende Dezember 1929 die
150,7 Milliarden Rm., wovon 82,8 o. H. bargeldlos abgewickelt wurden. Der Fernsprechverkehr wurde durch Einrichtung neuer Selbstanschlußämter und Schnellverkehrsämter gefördert. 21m Ende des Berichtsjahres waren 1453 von 6666 Vermittlungsstellen auf den selbsttätigen Betrieb umgestellt; an diese Aemter sind 973 582 oder 50.3 v. H. aller Hauptanschlüsse herangeführt.
Die Zahl der Rundfunkteilnehmer hatte Ende des Berichtsjahres die dritte Million überschritten.
Im Rechnungsjahr 1929 find an Betriebseinnahmen 2281,9 Millionen Rm. aufgekommen. Die Mehreinnahme beträgt 222,7 Millionen Rm., wovon 151,5 Millionen Rm. an das Reich abgeführt und 71,3 Millionen Rm. als Zuweisung zum Vermögen verrechnet worden sind.
Amerika und die deutsche Lage
Newyork, 18. September.
Die „ N e w P o r k T i m e s " beschäftigen sich in einem Leitartikel mit der Lage in Deutschland. Das Blatt schreibt zu dem Wahlsieg der Nationalsozialisten, wenn die französischen Nationalisten in dem Ausfall der Reichstagswahlen eine Bedrohung des europäischen Friedens erblickten und wenn gewisse Amerikaner mit dem Anwachsen des deutschen Faschismus eine Verlagerung des europäischen Gleichgewichts befürchten, so müsse man sich frühere deutsche Wahlen ins Gedächtnis zurückrufen, bei denen die Ergebnisse gleichfalls als bedrohlich angesehen wurden, ohne daß diese Befürchtungen später sich als gerechtfertigt erwiesen hätten. Man dürfe erwarten, daß die Extremisten von 1930 sich schließlich ebenso wie ihre Vorgänger mit den Tatsachen abfinden müßten und daß ihre Führer nicht die Bedingungen übersähen, die ihnen ihren Wahlerfolg verschafft hätten und die doch lediglich zeitweilig wären.
Hindenburg bei den Herbstmanövern
Der Reichspräsident begrüßt im Manövergebiet bei Königshöfen Der Reichspräsident nimmt bei seiner Ankunft in Königshöfen zur Teil- die fremden Militärattachees, die den Uebungen beiwohnen. nähme an den Herbstmanövern den Ehrentrunk der Stadt entgegen.