HersfelSerTageblätt
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lenöet Preis-
Nachlaß gewährt. o Kür öle Schristleitung oerant- woAllch: Kranz Kunk in siersfelö.» Kernsprecher Nr.
tzersfelüer Kreisblatt
J Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö
Monatlicher Bezugspreis: durch Sir Post bezogen 1.50 Reichs-Mark, ausschließlich BestellgelS, für Sersfelö 1.20 Veichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer 1.00 Neichs-Mark.» druck unö Verlag von Luowig Zunks Buchöruckerei in tzersfelö, Mitglieö 6t» VdZV.
Nr. 25t Mes Blatt) Sonnabend, den 1. November 1930
80. Jahrgang
Eine neue Hochwasserwelle
Schneeschmelze im Gebirge und anhaltende Regensälle führten in Schlesien erneut zu Hochwasserschäden
Der Weg aus der Krise
Der Präsident des Lhemietrustes spricht im Rundfunk.
Berlin, 1. November.
Im Rundfunk sprach Geheimrat C. D u i s b e r g, Leverkusen über „Den Weg aus der Krise". Er eröffnete damit eine Reihe von Vortrügen, die namhafte Wirtschaftsführer in diesen Tagen aus der „Deutschen Welle" über die Wirtschaftslage halten werden.
„Die wenigen Tage Rsichstagsarbeit haben gezeigt, daß es trotz des alle Welt überraschenden Wahlausganges dem Kabinett Brüning gelang, von der überwiegenden Mehrheit des Reichstages die Zustimmung zu seinen Reformplänen zu erlangen. Heute sehe ich die Lage so an, daß wir
mit eigener Kraft den Weg aus der Krise
zu suchen haben; ich bin nicht der Meinung, daß es sich bei unserer gegenwärtigen wirtschaftlichen Notzeit nur um Zwangsläufigkeiten handelt, auf die die wirtschaftenden Menschen keinen Einfluß nehmen könnten; ich bin im Gegenteil der Ueberzeugung, daß die Ueberwindung der Krise von der Entschlußkraft, der Opferbereitschaft eines jeden einzelnen am Wirtschaftsprozeß Teilnehmenden, sei es mittelbar oder unmittelbar, abhängt, und ebenso von der reibungslosen Zusammenarbeit aller Kräfte.
Die wichtigste Aufgabe ist zunächst, so rasch wie möglich die Reste der Vertrauenskrise, die noch vorhanden sind, zu beseitigen. Dies liegt allein in unserer Kraft'. Mag der Winter auch schwer werden,
Grund zur Mutlosigkeit haben wir noch lange nicht.
Wesentlich schwieriger ist die Ueberwindung des zweiten Kri- senelementes: der innerwirtschaftlichen finanz- und wict- anMi!iskSiM^^ eigene Kapitalbildung ergab sich weiter in vielen Betrieben der Zwang zu weitgehender Verschuldung.
Der Reichhaushalt geriet immer mehr in Verwirrung. Das Reichskabinett ist gesonnen, auf finanzpolitischem Gebiet so rasch wie möglich Ordnung zu schaffen. Natürlich ist der Plan noch kein ideales Reformwerk, sondern nur ein erster Schritt, um Ordnung in den Haushalt, Vernunft in die Wirtschaftspolitik zu bringen. Neben den Steuern fallen als fixe Produktionskosten besonders die Lohn- und Gehaltssummen ins Gewicht. Auch ihre Senkung ist nicht mehr zu vermeiden. Härten können aber durch gleichzeitiges Sinken des Preisniveaus ausgeglichen werden. Die viel erörterte
Kürzung der Arbeikszeit
ist ein Mittel, das nicht generell ausführbar ist. Der Plan, einen Teil der Arbeitslosen von der Straße wegzubringen, ist nur möglich, wenn dadurch die notwendige Senkung der Selbstkosten nicht beeinträchtigt wird. Möglichst viele Arbeiter wieder einzustellen, dazu scheint es mir zweckmäßig, zu sein, wenn ein freiwilliger Lohn- und Gehaltsabbau die notwendige Selbstkostenlage schafft, die es den Betrieben ermöglicht, die Produktion auszudehnen und so neue Arbeitskräfte wieder organisch einzugliedern. Nur dieser Weg führt zum Ziel. Daneben ist ein
rascher Ausbau des inneren Marktes
durch Sanierung und Mordernisierung der Landwirtschaft und rasche Hilfe für den Osten nach den Vorschlägen des Reichsverbandes der deutschen Industrie, die sich heute als die einzig brauchbaren erweisen, Voraussetzung. Aber selbst, wenn uns alles gelingt, werden wir zu einer echten und dauerhaften Gesundung nur unter zwei weiteren Voraussetzungen kommen:
1. Ausschöpfung aller Revisionsmöglichkeiten des poung- Planes und Senkung von dieser Seite her;
2. Sicherung einer Exportbasis, um die gesteigerte Produktion unterbringen zu können. Unsere Lage macht es zur Pflicht, alle. Möglichkeiten auszuschöpfen, um zu gegebener Zeit aus legalem Wege zu einer neuen Diskussion über die Reparationsfrage zu kommen.
Die Folgen einer überspannten Belastungspolitik zeigen sich heute auf das eindringlichste. Die Sicherung unserer Export- basis ist durch die Weltkrise wesentlich schwieriger geworden. Große Märkte sind entweder durch politische Erschütterung oder Krisen der Ueberproduktion und Ueberindustrialisierung unsichere Faktoren in der Absatzfrage geworden. Deutsch^ land, die Tschechoslowakei und zum Teil Oesterreich, sind hoch industrialisierte Staaten. Dagegen sind Rumänien,.Jugoslawien und zum Teil Ungarn reine Agrarstaaten. Hier.ist ein Ausgleich notwendig. Die Agrarstaaten haben schon die Initiative ergriffen und in einigen Konferenzen versucht, unter sich zu einem geschlossenen Block zu kommen. Sichere Absatzgebiete für 'landwirtschaftliche Produkte liegen in der Hauptsache nur in den industrialisierten Weststaaten. Andererseits wird es möglich, daß diese Länder eine größere Aufnahmefähigkeit für industrielle Produkte erhalten, wenn ihr agrarischer Export gesichert wird. Ohne Schädigung der agrarischen Interessen dieser Länder müssen deshalb Deutschland, die Tschechoslowakei und Oesterreich für ihre industrielle Ueberproduktion Absatz suchen.
Es wird Aufgabe einer zielbewußten Außen- und Wirtschaftspolitik sein, alle Möglichkeiten, die für uns im mitteleuropäischen Raum gegenwärtig gegeben sind, sorgfältig zu prüfen, um im geeigneten Moment die JMWp« zu er« greifen." -
Die Finünzierungsgesetze
Woher die erforderliche Zweidrittelmehrheit nehmen?
^ Die vom Reichskabinett verabschiedeten Finanz- und Wirtschaftsgesetze, die die Grundlage des neuen Reichshaushaltsplanes bilden, tragen zum Teil oerfafsungsän- beruhen Charakter, so insbesondere das Gesetz über die Einschränkung des Personalaufwands im Reich und Ländern, das die im Reich eintretende Gehälterkürzung auf Länder und Gemeinden übertragen will, und weiter das Gesetz, durch das dem Reich eine gewisse '2l u [[ id) t 5 befugni 5 über hie Finanzgeba- r u n g der Länder und Gemeinden zugestanden werden soll. Diese verfassungsändernden Gesetze, die eine Zweidrittelmehrheit im Reichstage bedingen, ' lassen sich vielleicht vermeiden, wenn es gelingt, vertragliche Vereinbarungen über diese Fragen zwischen Reich und Ländern zustande zu bringen. Die Punkte, in denen die Länder Widerstand angekündigt haben, sind: Die Kontrolle ihrer eigenen Finanzgebarung, die Umgestaltung der Hauszins- steuer, die Senkung der Realsteuern und die vom Reich geplante Kürzung der Beamtengehälter Die Länder sind zwar an sich mit einer Kürzung der Beamtengehälter einverstanden Das Reich will aber van der Ersparnis, ch? üch daraus für die Länder ergibt, für eigene Finanzzwecke 100 Millionen Mark abziehen, und gegen diesen Abzug r.chtete sich der Widerstand der süddeutschen Länder, Sachsens und auch einzelner mitteldeutscher Länder.
Von süddeutscher Seite ist vorgeschlagen worden, statt der einheitlichen öprozentigen Kürzung der Beamtengehälter einen gestaffelten Abzug vorzunehmen, der mit 15 Prozent bei den oberen Gehältern beginnen und auf 2 Prozent bei ^den . unter"' Gehältern f!'’?eiw>ütr\ Das Gleich hält dem Standpunkt der Länder entgegen, daUM^Mürzung der Ge- Halter bei Länder- und Gemeindebeamten eine Ersparnis von 300 Millionen Mark bedeuten würde, so daß, wenn das Reich für sich selbst 100 Millionen abzieht, den Ländern immer noch zwei Drittel des ersparten Betrages verbleiben würden. Insgesamt wird die Kürzung der Beamtengehälter 514 Millionen Mark bei allen öffentlichen Körperschaften betragen, und zwar entfallen davon auf das Reich 62 Millionen, auf die Reichspost 62 Millionen, auf die Reims- vahn 90 Millionen, auf Länder und Gemeinden 300 Millionen. Nach Verlautbarungen soll jetzt auch die sächsische Regierung erwägen, ihre mehrere Millionen betragenden Zinsansprüche aus der Abtretung der sächsischen Eisenbahnen an das Reich geltend zu machen.
Der Konslitt mit BtnnnHweii
Die Frage der Weiterzahlung der Polizeigelder
Berlin, 1. November
In der Frage der Weiterzahlung der Polizei g eld er an Bra u ns ch w ei g hat der Reichskanzler folgendes Telegramm an das Staatsministerium in jßraunfchweig gerichtet:
„Der Herr Reichsminister des Innern hat mir von dem Anhalt des Schreibens Kenntnis gegeben, das er am 27. Oktober an die Braunschweigische Regierung gerichtet hat und in dem er zum Ausdruck bringt, daß er sich die Entscheidung über die weitere Auszahlung der auf das Land Braunschweig entfallenden Zuschüsse zu den Polizeikosten zunächst vorbehalten müsse. Nachdem die Angelegenheit zum Gegenstand einer Aussprache innerhalb der Reichsregie- rung gemacht ist, beehre ich mich mitzuteilen, daß auch das Reichskabinett sich die endgültige Entscheidung vorbehält. Für die Regelung des Zwischenzustandes ist der Herr Reichsminister des Innern zuständig, der hierüber gleichzeitig besondere Mitteilung macht."
Wie wir vom Reichsminister des Innern erfahren, tritt in der Zwischenzeit in der Auszahlung der Polizeigelder keine Unterbrechung ein, vielmehr ist die Auszahlung für November inzwischen bereits erfolgt.
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Berlin, 1. November.
Der Ältestenrat des Preußischen Landtags wird am Dienstag vor Wiederaufnahme der Plenarberatungen zu- sammentreten. um den Beratungsplan festzulegen. Die Sitzung des 4. November wird durch die Beratung der Mißtrauensanträge gegen den Minister Se 0 e - ring ausgefüllt werden. Bei der Beratung der Anträge über Grubensicherheit, wird es zu einer eingehenden Aussprache über die letzten Bergwerksunglücke kommen. Zur Verabschiedung stehen das neue Landwirtschaftskammergesetz und die Gemeindebier-, Gemeindegetränke- sowie die Bürgersteuer.
Mitte November wird sich der Landtag voraussichtlich bis etwa zum 10. Dezember wieder vertagen. Sodann wird er sich in der Hauptsache mit dem neuen Haushalt zu beschäftigen haben, der zuvor vom Staatsrat begutachtet worden ist. Man rechnet mit dem Eingang des Haushaltsplans für 1931 im Landtag zum 14. Dezember.
Die Kochwallerlataktrophe
Görlitz, 31. Oktober.
Das vom Oberlauf der Neiße aus Zittau gemeldete neue Hochwasser hat sich hier nicht so katastrophal ausgewirkt, wie befürchtet wurde, obwohl der Regen bei milder Temperatur mit Unterbrechungen und auch die Schneeschmelze im Gebirge noch andauert.
Innerhalb der letzten 24 Stunden ist hier die Reiße wiederum um 62 Zentimeter gestiegen und hak somit die Ge- fahrenmarke A um 56 Zentimeter überschritten. Dieser Pegelsland von 2,76 Meter ist aber vorläufig unverändert, so daß mit einem Zurückgehen des neuen Hochwassers zu rechnen ist, da auch aus Zittau ein Sinken des Wasserstandes der Reiße gemeldet wird.
Doppelter Bruch des Lder-Dammes bei Dhlmt
In der Rähe von Scheidelwitz ist der Oder-Damm auf dem rechten Oder-Ufer zweimal gebrochen, und zwar einmal in der Rähe der Försterei Scheidelwitz etwa 10 Kilometer oberhalb Ohlau und zum anderen etwa einen Kilometer weiter stromabwärts, und zwar in einer Breite von etwa 80 Metern. Die Wassermassen ergossen sich in die anliegenden Forsten. Scheidelwitz steht vollständig unter Wasser und ist von jedem Verkehr abgeschnitten. Auch die telephonischen Verbindungen sind unterbrochen.
Aus Reichenberg wird berichtet, daß die Sturmschäden in den Bergen noch größer sind als die Hochwasserschäden. Die Wege im Isergebirge und am Ieschken sind noch unpassierbar, am Ieschken werden anderthalb bis zwei Meter hohe Schneewehen gemessen, im Isergebirge sind alle Telephonleitungen und elektrischen Leitungen gestört. Daher ist es auch zu erklären, daß man jetzt erst nähere CisizMeltep aus diesen Gebieten erhält. In Frieörichswatd lie$F%cs geftnMS" Leitungsnetz am Boden. Bei Gabkonz wurde der Turnauer Autobus vom Orkan um- geworfen, die Insassen blieben unverletzt. Alle Gablonzer Fernleitungen sind zerstört, in den Nebenorten sind fünfzig Drähte zerrissen und ein Dutzend Masten gebrochen.
Der Stahlhelm antwortet freute
Berlin, 1. November.
Zu den wiederholten Anfragen des Herausgebers der französischen Zeitung „La Victorie", Gustave HeroS, an den Stahlhelm, hat der Bundeskanzler des Stahlhelms, Wagner, in einem Schreiben wie folgt geantwortet:
„Der Stahlhelm hat bereits vor einigen Tagen auf Anregungen von einer Seite,' die er als Vermittler nicht für berufen hält, öffentlich Stellung genommen. Die Welt weiß, daß der Stahlhelm die Streichung der Tributlasten, die Rückgabe des Saargebiets, dessen Deutschtum jede Abstimmung klar erweisen würde, die Herstellung eines Groß- Deutschlands, die Schaffung von Lebensraum durch Rückgabe gesicherten Kolonialbesitzes, die Rüstungsfreiheit, den Wiedergewinn voller Hoheitsrechte für Deutschland und die Lösung der Korridor- wie der übrigen Ostfragen als vornehmste Aufgaben außenpolitischer Befreiungsarbeit unab- läßlich betrieben.
Solange indes die französische Nation an dem Glauben an Deutschlands Schuld am Kriege festhält, ist für uns im Stahlhelm keine geeignete Verhandlungsgrundlage gegeben. Für das nationale Deutschland ist die Beseitigung der Kriegsschuldlüge der ausschlaggebende Ehrenpunkt. Der wahre Friede der Welt kann nur auf Grund des Selbst« bestimmungsrechtes aller Nationen geschaffen werden."
Noch 17 lote in Alsdorf?
Alsdorf, 1. November.
Die Zahl der dem Grubenunglück in Alsdorf zum Opfer Gefallenen belauft sich nach amtlicher Mitteilung bisher auf 265 einschließlich der in den Krankenhäusern Gestorbenen und zweier noch nicht geborgener Toten. Räch der amtlichen Vermißtenliste, die jetzt sertiggestellt ist, sind 48 Bergleute als vermißt gemeldet. 3n dieser Zahl sind enthalten die 31 unbekannt Beerdigten, so daß das Schicksal der resttlichen 17 Bergleute noch vollkommen ungewiß ist. Die Verwaltung glaubt aber, auf Grund ihrer Erfahrungen sagen zu können, daß diese 17 nicht unbedingt als tot zu betrachten sind. Pielmehr kann angenommen werden, daß einige von ihnen nach Hause gegangen sind und sich bisher bei der Verwaltung noch nicht gemeldet haben. Zweifellos befindet, sich aber ein Teil dieser 17 Bergleute noch tot im Bergwerk.
Das 99. Snfer
Saarbrücken, 31. Oktober.
Runmehr ist auch die Leiche des letzten der in dem Unglücksschacht M - ybach eingeschlossen gewesenen Bergleute geborgen worden. Me noch im Lr-arr-. befindlichen 18 Ve» letzten sollen außer Lebensgefahr fein. ---
Die siegreichen brasilianischen Südtruppen sind nunmehr in die Bundeshauptstadt Rio de Ianeiro eingezogen.