HersfelöerTageblatt
Knxrtgenprrls: die einspaltige Petitzeile 15 Pfennig, die Reklamezelle 50 Pfennig. (Grunöschrist Korpus). Bei Wle-eryolnngen wird ein entsprechender Preisnachlaß gewährt. ♦ Zür die Schristleitung verantwortlich : Kranz Kunk in HersfelS. ❖ Kernsprecher Nr.
Nr. 263 (erstes W)
Hersselöer Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfei- Gonnabenö, den S. November 1930
***♦♦**♦♦♦*♦♦♦•♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦
Monatlicher Bezugspreis: durch die Post bezogen 1.50 Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für yersfeid 1*20 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer 1-00 Relchs-Mark. ❖ druck und Verlag von Ludwig Zunks Buchdruckerei in Yersseld, Mitglied des VVZV.
tüvAlämw
80. Jahrgang
Das Ergebnis der amerikanischen Wahlen
Die Republikaner werden mit 218 Sitzen über eine knappe Mehrheit verfügen
ALtzeupoUtik- Debatte in der Kammer
Für und gegen die Verständigung. — Fortsetzung der Aussprache am Donnerstag.
Paris, 8. November.
In der Kammersitzung vom Freitag sprach als erster der blinde Abgeordnete Scapini (Fraktion Maginot) zu seiner Interpellation: Was gedenkt der Minister des Auswärtigen zu tun, um der jetzigen beunruhigenden Lage in Europa zu begegnen?
Der Redner beschäftigte sich sehr eingehend mit Deutschland und lehnt vor allen Dingen die Tamtams des Friedens um jeden Preis ab, die von den Sozialisten betrieben werden. Nach dem Kriege habe man durch den Völkerbund als Ersatz für die Bündnispolitik der Vorkriegszeit eine Politik der europäischen Solidarität betreiben wollen, die, wie die letzten Jahre gezeigt hätten, ohne Ergebnis geblieben sei. Der Völkerbund habe nach dieser Richtung versagt. Wenn man die Karte Europas betrachte, so könne man vier Gruppierungen festsiellen: 1. Deutschland-Oesterreich-Rußland; 2. Frankreich- Belgien und die Kleine Entente; 3. Jtalien-Alban!en-Bul- ganen-Ungarn-Griechenland und Türkei; 4. England, das sich mehr und mehr von den europäischen Verpflichtungen zurückziehe. Es sei notwendig, die Alliierten wieder zu vereinen, um einen Schuhwall gegen den krieg aufzurichken, und ZwarZo lange, bis der Völkerbund so stark sei, daß er selbst eine Schutztruppe schaffen könne.
Letzter Redner ist der Abgeordnete Ernest P e z e t (Kath. Demokrat), der sich zunächst mit dem Inhalt und Anwendung des Artikels 89 des Völkerbundsstatuts beschäftigt, aber ausdrücklich den Begriff Revision ablehnt. Der Redner geht sodann auf die Frage des polnischen Korridors ein, ohne sich aber in bestimmter Weise festzulegen. Zum Schluß seiner Ausführungen, die außerordentlich starken Beifall auf der tÄT^-eB*^
Worten für die „menschlich notwendige Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich" ein. In diesem Zusammenhang widmete er auch der Politik des Reichskanzlers Beinling Worte der Anerkennung.
Als der Redner sich auch gegen die Verstärkung des nationalistischen Geistes wandte, wurde auf der Tribüne der französischen Journalisten von rechtsstehenden Journalisten demonstriert; die gesamte Kammer wandte sich gegen diese Kundgebung und der Kammerpräsident erklärte, in diesem Hause hätten nur die Abgeordneten das Recht, eine Meinung zu äußern.
Schließlich wurde die weitere Diskussion über die Interpellationen über die Außenpolitik auf Donnerstag nächster Woche vertagt.
*
Finanzminister Reynaud über den Zusammenbruch der Bank Oustric.
Finanzminister Reynaud hat nach Schluß der Kam- mersihung eine Erklärung über die durch den
Zusammenbruch mehrerer Bankhäuser aus dem PariserGeldmarkt geschaffene Lage abgegeben. Er betonte, daß es sich um einen von dem allgemeinen Srisenphäno- men unabhängiger! Einzelfall handele, der nicht zu beunruhigen brauche. Die Regierung bemühe sich, die Auswirkungen dieses Zusammenbruchs auf die von der Bank Oustric kontrollierten Industrie- und Bankunkernehmungen zu mildern, k Der Weiterflug des Do X
Sie Flugroute des Do X auf dem Wege nach England.
। Amsterdam, 8. November.
Das Flugschiff Do X wird nach seinem Start in Schel- lingwoude, der in einiger Entfernung vom Marinefluggelände auf der Zuidersee erfolgen soll, voraussichtlich nicht das Amsterdamer Hafengelände und den Amsterdamer Nordsee- kanal, sondern den Zuidersee überfliegen und am nordwestlichen Ende des Zuidersee bei dem holländischen Marine- flughafen Den selber die Nordsee erreichen. Die Flugroute wird endgültig erst kurz vor dem Abflug vom Kapitän des Do X, Lhristiansen, festgelegt werden. Den Fluggästen des Do X ist mitgeteilt worden, daß sie sich bereits um neun Uhr an Bord begeben sollen.
Der Aufenthalt des Do X im englischen Marineflughafen Calshot, wo das deutsche Flugboot u. a. auch vom Prinzen von Wales besichtigt werden wird, dürfte mit Rücksicht auf die englische Heilighaltung des Sonntags und im Hinblick auf die geplanten Besichtigungs- und Vorführungsveranstaltungen vier Tage dauern, so daß der Start zum
Weiterflug nach Frankreich erst für Mittwoch vorgesehen ist. Der Do X wird auch nicht nach Le Havre/ sondern direkt nach Bordeaux fliegen, da die dortigen Hafenverhältnisse für die Landung günstiger sind.
Abermals Erdbeben in Italien keine Todesopfer.
Rom, 8. November.
Ein heftiges Erdbeben suchte Apulien heim. In verschiedenen Ortschaften wurde durch die Erdstöße großer Schaden an Gebäuden angerichtet. Todesopfer sind glücklicherweise nicht zu beklagen. j
Republikaner haben knappe Mehrheit
im amerikanischen Repräsentantenhaus.
Rew Pork, 8. November.
Die Wiederwahl des republikanischen Unterhausmitgliedes N a t es in Illinois erscheint auf Grund der nunmehr vorliegenden Nachrichten als gesichert, so daß entgegen den von manchen Stellen erfolgten voreiligen Ausdeutungen im Sinne eines Sieges der Demokraten,
die Republikaner im Repräsentantenhaus mit 218 Sitzen über eine knappe Mehrheit verfügen.
Dies gilt natürlich vorbehaltlich der Aenderungen, die in den Wahlbezirken, deren Ergebnisse angefochten werden, auf Grund der offiziellen Nachzählung eintreten können.
Im Staate Kentucky sind insgesamt sechs demokratische Unterhaus- und zwei demokratische Senatskandidaten gewählt worden. Dies ist der größte Sieg, den die Demo- traten in Kentucky seit einem Vierteljahrhundert errungen haben.
*
Hoovers Kommentar zu den amerikanischen Wahlen.
Etwa 30 beim Weißen Haus akkreditierte Pressevertreter versammelten sich am Freitag voller Erwartung im Arbeitszimmer des Präsidenten zur ersten Pressekonferenz nach den Wahlen vom Dienstag, die der Republikanischen Partei und, — wie noch viele behaupten, auch der Politik des Präsidenten — eine so große Niederlage brachten.
H o o v e r empfing und entließ die Pressevertreter mit einem Satz, der folgenden Wortlaut hatte:
„Unser Land hat jetzt mehr denn je die Aufgabe, seine Aufmerksamkeit aus Maßnahmen zur Zusammenarbeit im Interesse der wirtschaftlichen Erholung zu konzentrieren."
^eöotsmtue«^^»^ ^ ^rtz Kommen
Vertreter des Deutschen Städtetages beim Reichsernährungs- minister.
Berlin, 8. November.
Reichsernährungsminister Dr. h. c. Schiele empfing am Freitag den Präsidenten des Deutschen Städtetages, M u l e r t sowie die Oberbürgermeister Adenauer, Köln, Blü- Her, Dresden, Brauer, Altona, Lohmeyer, Königsberg, Luppe, Nürnbergs und Scharnagl, München, um mit ihnen die geplanten Maßnahmen auf dem Gebiete der Preissenkung für Lebensmittel
zu besprechen. Der Minister berichtete über den Stand der Verhandlungen und legte die Gründe und Ziele der Preis- senkungsaktion im einzelnen dar. Unter Hinweis auf die allgemeine Wirtschaftslage und die zur Zeit bestehenden, zum Teil noch überhöhten Spännen zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen richtete der Minister an die Vertreter des Städtetages die Bitte, mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln die Bestrebungen der Reichsregierung auf Freis- senkung zu unterstützen. Nur durch ein gemeinsames und (planmäßiges Vorgehen im ganzen Reich könne das ange- strebte Ziel erreicht werden. Die Vertreter des Städtetages betonten ihrerseits, daß auch sie eine teilweise erhebliche Senkung der Handelsspannen bei Lebensmitteln, insbesondere bei Brot, Fleisch und Kartoffeln für möglich hielten. Eine derartige
Preissenkung sei überdies unbedingt notwendig, nicht nur mit Rücksicht auf die bereits durchgeführten und noch bevorstehenden Lohn- und Gehaltskürzungen, sondern auch im Interesse der großen Anzahl von Erwerbslosen, die auf eine Unterstützung durch die Wohlfahrtsämter angewiesen seien. Sie begrüßten das Vorgehen der Reichsregierung, auf dem Gebiete der Preissenkung und versprachen, die von ihr geplanten Maßnahmen auf der ganzen Linie mit Nachdruck zu unterstützen.
*
Im Zuge der Preissenkungsaktion der Reichsregierung anden am Freitag im Reichsernährungsministerium Vsr- ;andlungen mit den Vertretern der Berliner Milchver» o r g u n g statt. Unter Hinweis auf den Ernst der Lage orderte das Ministerium eine Herabsetzung der Handelspanne für Milch. Die Verhandlungen werden in den Nächten Tagen fortgesetzt. Das Ernährungsministerium wird ich mit allem Nachdruck dafür einsetzen, daß den Bestrebungen der Reichsregierung auf eine Ermäßigung der Lebensmittelpreise auch auf diesem Gebiete Rechnung getragen wird.
Gehaltsabbau bei Wirtschaft und Theater
Berlin, 8. November.
Bei der dem Reich gehörigen Viag (Vereinigte Industrieunternehmungen, A.-G.) und ihren Tochtergesellschaften wird eine Absenkung der Bezüge der Direktoren und höheren Angestellten vorgenommen.
Der Deutsche Bühnenverein beschloß, daß in Zukunft an deutschen Opernhäusern keine Iahresverträge mit mehr als 27 000 Mark Gage abgeschlossen werden dürfen. Bei Gastspielverträgen dürfen nicht mehr als 650 Mark gegenüber bisher 1000 Mark für die Vorstellung gezahlt werden.
Kalium zum Sowietdumving Feier der Oktoberrevolution in Moskau.
Moskau, 7. November.
Gelegentlich der dreizehnten Jahresfeier der Oktoberrevolution hielt Kalinin, der Vorsitzende des Zentralexeku- tivkomitees, eine große Rede über die innere und äußere Lage der Sowjetunion. Er erklärte u. a.: Die Imperialisten sind bemüht, unter der Flagge der Bekämpfung des Sowjetdumpings eine Intervention gegen die Sowjetunion vorzubereiten. Aber jedem ehrlichen Menschen in der ganzen Welt ist bekannt, daß wir Kriegsgegner sind und mit allen Kräften einen Krieg zu vermeiden bemüht sind.
Im Rahmen der großangelegten Veranstaltungen wurde auf dem Roten Platz in Moskau das neue aus Granit errichtete Lenin-Mausoleum enthüllt. Außerdem nahm Worofchilow auf dem Roten Platz eine Parade der Moskauer Garnison ab. Im Anschluß daran fand ein viel- ständiger Vorbeimarsch der Arbeitermassen statt. Ueber 1 250 000 Personen beteiligten sich an der Kundgebung.
Gin rassisches Leattsstschiss I
. November.
Wie die Telegraphenagentur der Sowjetunion milteilt, wird dieser Tage das erste lenkbare Sowjet-Luftschiff „Kom- somolskaja Prawda" seinen ersten Dauerflug anlreten, der von Moskau über Tula—Kursk—Eharkow—Slavjanjk gehen soll. Die Gesamtlänge des Fluges wird 900 Kilometer betragen.
Diese Meldung muß außerordentlich überraschen, da man von dem Mm eines russischen Luftschiffes bisher nichts gehört hat.
WfoWg See ÄeichstMMeW
London, 7. November.
In bestunterrichteten politischen Kreisen besteht, wie „Daily Telegraph" berichtet, der bestimmte Eindruck, daß Schatzkanzler S n o w d e n nachdrücklichst gegen den Reichs-Weizen - Vorschlag ist und daß er eher bereit wäre, zurückzutreten, als diesem Vorschläge zuzustim- men. MacDonald könne es sich nicht leisten, mit dem Schatzkanzler zu streiten und dadurch die Meinungsverschiedenheiten im sozialistischen Kabinett zu vermehren. Jede Hoffnung, daß die Reichskonferenz in wirtschaftlicher Hinsicht Ergebnisse von praktischem Wert zeitigen werde, schwinde jetzt rasch. Es verlaute, daß das Kabinett das Angebot der Dominions, gegenseitige Tarifsvorzugsbehandlung einzufüh- ren, verworfen habe und zu keiner Entscheidung darüber gelangt sei, ob die bestehende Vorzugsbehandlung, die von dem Vereinigten Königreich für den Zeitraum von drei Jahren gewährt wurde, fortzusetzen sei. .
Wert HenarntiottstaMnngen weil der Goldwert der Reparationen gestiegen ist
Berlin, 8. November.
Der Poung-Plan hat bekanntlich festumrissene Zahlungsleistungen Deutschlands ohne Berücksichtigung des Goldwertes dieser Zahlungen festgelegk. Durch die Preisrevolution hat sich der Goldwert der Reparationen etwa im Verhältnis zum Umfang des Preissturzes erhöht. Damit leistet Deutschland in Wirklichkeit mehr, als es zu leisten verpflichtet ist.
Unter Berücksichtigung aller Fehlerquellen hat das „Magazin der Wirtschaft" errechnet, daß die Reparationslast, am gegenwärtigen Preisstand gemessen, um mehr als 10 Prozent gestiegen ist. Da aber im Poung-Plan im Gegensatz zum Dawes-Plan eine Goldklausel nicht enthalten ist, so steht Deutschland kein vertragliches Recht auf Berücksichtigung der tatsächlichen Mehrleistungen zu.
Wie sich der tatsächliche Wert der deutschen Reparationsleistungen verschoben hat, geht aus der Tatsache hervor, daß der durchschnittliche Großhandelsindex, gemessen an dem Normaljahr des Dawes-Planes vom Jahre 1928, im ersten Vierteljahr 1929 95,1, im dritten Vierteljahr 1930 83,8 und im September 1930 83,1 beträgt, wenn man das Rormaljahr mit 100 einsetzt. Der Preisstand vom September 1930 würde somit eine Ermäßigung der Annuität um 15 bis 17 v. h. rechtfertigen.
Landtagrauslösang in Ihiitingen?
Weimar, 7. November.
Im Thüringer Landtag erklärten die Vertreter einiger bürgerlicher Parteien, nicht für den Auflösungsantrag der Kommunisten, sondern für den Vertrauensantrag der Nationalsozialisten stimmen zu wollen. Die Deutsche volks- oartei erklärte dagegen, der Antrag der Nationalsozialisten habe nur demonstrative Bedeutung aber keine rechtliche Wirkung; sie werde daher für Uebergang zur Tagesordnung stimmen. Man rechnet jedoch allgemein angesichts der großen Gegensätze zwischen den Regierungsparteien mit der Landtagsauflösung.