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HersfelöerTageblatt

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MZÄMrprrls: Mt d^altfgt Petlizelle 15 Pfennig, oft ReklameZelle 50 Pfennig. (Grunüschrist Korpus). Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis­nachlaß gewährt.» Kür Sie Schristleitung verant­wortlich: Kranz Kunk in tzersfeld.»KernsprecherNr.

Nr. 265

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö Dienstag, den 11. November 1930

Monatlich er B ezugspreis: durch die Post bezogen 1.50 Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Kersfeld 1.20 Reichs-Mark bet freier Zustellung, für fibholer 1.00 Reichs-Mark. * druck und Verlag von Ludwig Kunks Buchdruckerei in Yersfeld, Mitglied des VDZV.

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80. Jahrgang

Die Wahlen in Oesterreich

Zersplitterung der bürgerlichen Parteien Starke Verluste der Christlich-Sozialen Sozialdemokraten stärkste Fraktion

Zar Wahlergebnis

Verluste der Christlich-Sozialen, Versagen des Schober-Blocks, geringer Gewinn der Sozialdemokraten.

Wien, 11. November.

Das vorläufige Endergebnis der Nationalratswahlen in Oesterreich nennt folgende Mandatsverleilung:

Sozialdemokraten 72 (1927: 71)

Lhristlich-Soziale einfchl. Heimwehr 66 ( 73)

Schober-Block mit Landbund 15 ( 21)

Heimatblock 8 ()

Die Ehristlich-Sozialen verlieren damit ihre führende Stellung, da jetzt die Sozialdemokraten die stärkste Partei im österreichischen Ralionalral sind.

Wiedergewählte Parlamentarier.

Von bekannten christlich-sozialen Nationalräten sind bis­her wiedergewählt: Bundeskanzler Vaugoin, Außen­minister Seipel, Unterrichtsminister Schwitz, Handels­minister H e i n l, Landeshauptmann von Niederösterreich B u r e s ch und die Nationalräte Dr. K i e n b ö ck, Dr. K u n s ch a k und D r e x e l, ferner der frühere Bundeskanz­ler Streruwitz und der frühere Landwirtschaftsminister Födermeyer; von Sozialdemokraten Bürgermeister Seitz, Otto Bauer, Julius Deutsch, Glöckel, Danneberg und Leuthmer. Der ehemalige Bundeskanzler Dr. Schober ist mehrfach wiedergewählt.

N e u g e w ä h l t ist der Landesführer der Heimwehr von Niederösterreich R a a b auf der Liste Christlich-Soziale und Heimwehr. Der Wiener Heimwehrführer Fey auf der­selben Liste kommt für ein Reststimmenmandat in Betracht. Der Führer der Eisenbahnerwehr Stocker erhielt kein Mandat.

Unter den Kandidaten, welche im ersten Ermittlungs­verfahren vorläufig kein Mandat errungen haben, befinden sich der bisherige großdeutsche dritte Präsident des Nationalrats Dr. Weber, der steiermärkische Landes­hauptmann Dr. R i n t e l e n , die Heimwehrführer Fürst Starhemberg, Dr. Steidle, Pfriemer und Major Fey, ferner der großdeutsche Abgeordnete Dr. H a m p e l - Steiermark und der in Kärnten vom Heimat­block als Kandidat aufgestellte ehemalige Landeskommandant von Körnten während der Freiheitskämpfe, General l- g e r t h.

Stimmengewinne und -Verluste

Ein Vergleich der Gesamtziffern der österreichijchen Wahlen mit denen der letzten Wahlen ergibt folgendes Bild: Insgesamt wurden sozialistische Stimmen abgegeben 1 623 070 gegenüber rund 1 550 000 im Jahre 1927, bürgerliche Stimmen 1 645 881 gegenüber rund 1 980 OÖO im Jahre 1927. Die Sozialisten haben also eine Zunahme von etwa 73 000, die Bürgerlichen eine Abnahme von etwa 335 000 Stimmen zu verzeichnen. Die starke Ab­nahme der bürgerlichen Stimmen wird mit der geringen Wahlbeteiligung und der größeren Anzahl un - gültiger Stimmen erklärt.

Wien bleibt* rot.

Nach den vorläufigen Feststellungen haben in Wien erhalten die Sozialdemokraten 30, die Christlich-So­zialen 11 und der Schoberblock 4 Mandate gegen früher 29, Sozialdemokraten und 16 Mandate der Einheitsliste.

Die Landtagrwahlen

Der neue Steierische Landtag

Zugleich mit den Nationalratswahlen wurde am Sonntag der Steierische Landtag gewählt. In den ersten Ermittlungsverfahren erhielten die Christlickssozialen 16 Mandate, die Sozialdemokraten 15, Nationaler Wirtschafts­block und Landbund (Schoberblock 6, Heimatblock 4 Mandate). Sieben Reststimmen. Vorbehaltlich der endgültigen Ueber- prüfung des Wahlergebnisses für den Landtag wird sich unter Berücksichtigung des zweiten Wahlermittlungsverfah­rens der Steierische Landtag folgendermaßen zusammen­setzen: 17 Christlichsoziale (1927 17), 17 Sozialdemokraten (21), 8 Nationaler Wirtschaftsblock und Landbund (Scho­berbund (1927 Landbund 9), 6 Heimatblock.

Kärntens neues Parlament

Der Kärntener Landtag fetzt sich nach den letzten Neu­wahlen wie folgt zusammen: Sozialdemokraten 15 (1927 16) Mandate, Nationaler Wirtschaftsblock und Landbund (Schoberblock) 8 (gegen 12 Mandate des Landbundes und 4 der Großdeutschen im Jahre 1927), Christlichnationale 6 (6), Heimatblock 3, Nationalsozialisten 2 (1), Partei der Kärntener Slowenen zwei (2), Kommunisten 0 (0).

Unwesentliche Aenderungen im Burgenland

Die Wahlen zum Burgenländischen Landtag brachten folgendes Ergebnis: 14 Christlichsoziale, 13 Sozialdemokra­ten, fünf Kandidaten Schoberblock. Gegenüber der letzten Zusammensetzung ist die Lage insofern unverändert, als die früheren Landbündler jetzt dem Schoberblock angehören.

Bor einer Europa-Krise?

Die Probleme der nächsten vier Jahre

London, 10. November.

In einem Leitartikel trittTimes" dafür ein, daß sich die anläßlich der Reichskonferenz anwesenden Premier­minister der Dominien vor allem mit der Frage befassen, bis zu welchem Maße sich die britische Regierung in euro­päischen Angelegenheiten verpflichten soll. Das Blatt rech­net damit, daß vor der nächsten Zusammenkunft der Staats­männer des britischen Reiches

eine politische Krise in Europa einkritt.

Die Probleme, so heißt es wörtlich, die nach mensch­licher Berechnung sicher innerhalb der nächsten vier Iahre zur Erwägung gelangen werden, sind die mit der Revision der Friedensverträge verbundenen, die ein Teil der Politik Deutschlands geworden ist, und verwandt mit ihnen ist die

Frage der Abrüstung. Für Deutschland und Frankreich bedeutet Revision der Verträge hauptsächlich eine Revision der Abrüstungsbestimmungen, die die bewaffneten Kräfte Deutschlands auf dem in Versailles auferlegten Tiefstand halten. Es wird allgemein zugegeben, daß dies Mißver- hältnis nicht dauernd aufrechterhalten werden kann, aus jeden Fall nicht in dem damals bestimmten Maße, und die Beseitigung dieser Ungleichheit, die jedes Jahr dringender wird, kann nur erreicht werden durch eine drastische, all­gemeine Rüstungsverminderung oder durch eine Erhöhung der Streitkrüste der wenigen entwaffneten Staaten. Die Haltung Frankreichs in dieser Frage läuft auf eine Wei-

^^^fi^^mu^^^^^^^^ nicht England weitere Verant­wortlichkeiten für FrankreichsSicherheit" übernimmt."

Times" fährt fort; Es ist bereits von Herrn Curtius gefordert worden (und Deutschland wird wohl kaum einen gemäßigteren Außenminister haben) daß ein Z u st a n d der Gleichheit am Rhein geschaffen wird. Während seines Besuches im geräumten Rheinland im letzten. Som­mer sprach er vonvoller Gleichberechtigung" am Rhein und er machte es im Reichstag klar, daß er nicht der An­sicht ist, daß die Räumung an sich Deutschland die Stellung verleiht, zu der es berechtigt ist. Nach Ansicht derTimes" bedeutet das, daß entweder Frankreich ersucht werden dürfte, einer Entmilitarisierung des Gebietes auf dem linken Rhein­ufer zuzustimmen, oder daß die Entmilitarisierung des rech­ten Ufers nicht aufrechtzuerhalten fei.Times" bemerkt, eine Ausdehnung entmilitarisierter Zonen in Europa würde ein riesiger Gewinn sein, eine Verminderung dieser Zonen ein verhängnisvoller Rückschritt. Das Blatt ist der Ansicht, daß dies gerade eines der Probleme ist, bei deren Lösung der britische Einfluß entscheidend sein könnte.

Bainleve gegen sofortige Abrüstung

Paris, 10. November.

Auf dem Schlußbankett des Jahreskongresses der Sozial- Republikanischen Partei sprach Paul Painleve über Ab­rüstung und Sicherheit. Sofortige Abrüstung von Frank­reich fordern, sei, so führte er aus, Beweis für einen ver­blendeten Pazifismus. Eine derartige Geste werde kei­neswegs gewissengrößenwahnsinnigen" Abenteurern oder gewissen Aposteln der Weltrevolution Einhalt gebieten. Selbst die gleichzeitige Abrüstung sämtlicher Länder ohne irgendeine Garantie bedeute keine Sicherung gegen den Krieg. Das Problem müsse leidenschaftslos erörtert wer­den. Zwischen den unzufriedenen und den saturierten Län­dern bestehe der Unterschied, daß letztgenannte keinen Grund und auch keine Absicht hätten anzugreifen, während für die unzufriedenen Länder Revanche die Hoffnung zum minde­sten sich regender und bisweilen starker Minderheiten bleibe.

Deshalb müsse Frankreich seine Sicherheit durch eigene Mittel in dem Maße, in dem die internationalen Verein­barungen noch nicht jeden Angriff unmöglich machten, ga­rantieren.

Im Verlaufe des Kongresses wurde Briand zu seiner außenpolitischen Aktion beglückwünscht, die von ihm betrie­bene internationale Politik der Völkerannäherung als not­wendig bezeichnet und dem Block der Rechten der Kampf angesagt. In seinem außenpolitischen Re­ferat sprach sich Senator Viollette für die wirtschaftliche Organisation Europas als Grundlage des Friedens aus. Das Recht der Völker auf Selbstschutz, erklärte er, sei nicht zu bestreiten, aber militärische Vorbereitungen allein schüfen keine endgültige Sicherheit. Andererseits wäre es gefährlich, das europäische Gleichgewicht wieder in Frage zu stellen und eine vollkommene Umbildung der Verträge von 1919 vor- zunehmen, doch könne man nicht behaupten, daß irgendein menschliches Werk, und sei es ein Vertrag, für Jahrhunderte gelt« und unantastbar sei.

Das traditionelle Guildhallbankelt in London

London, 11. November.

Der Bürgermeister von London gab am Montag in der Guildhall das traditionelle Bankett. Anwesend waren die Mitglieder des englischen Kabinetts, der Premierminister der Dominions, das Diplomatische Korps und die Führer von Armee und Marine.

Außenminister H e n d e r s o n, der einen Trinkspruch auf das Diplomatische Korps ausbrachte, rühmte die wert­vollen Dienste, die die Diplomaten dem Weltfrieden leisten und begrüßte die zuletzt in London angekommenen Botschaf­ter von Rußland, Chile und Deutschland. Er gedachte dabei der Verdienste des bisherigen deutschen Botschafters Dr. Sthamer. Der spanische Botschafter Merry del Val erwiderte in seiner Eigenschaft als langjähriger Doyen des Diplomati­schen Korps, in dem er der Bewunderung des Auslandes über die Jahrhunderte alte Tradition Englands in der mei­sterhaften Führung der auswärtigen Politik zum Ausdruck brachten. ,

Premierminister Mac Donald kam im Verlaufe sei­ner Rede auf die

Schiedsgerichts- und Abrüstungspolitik

der Regierung zu sprechen und sagte: Das Beispiel muß von anderen Nationen befolgt werden. Der alte Adam ist noch' nicht ausgetrieben. Es werden Worte gebraucht, die in / , den Zweifel erwecken, ob die Welt aus den tragischen Erfah­rungen von 1914 bis 1918 viel gelernt hat. Großbritannien ist durchaus bereit, die Führung zu übernehmen. Aber es richtet seine Aufmerksamkeit nicht nur nach vorne, sondern auch nach rückwärts, und es will wissen, ob die anderen Na­tionen ihm folgen. Denn Großbritannien kann nicht zulassen, daß es bei seinen Schritten zur Sicherung des Friedens iso- liert vorgeht. Ich begrüße in diesem .Zuiammenhvnn^

Seerüstungen, die zwischen Frankreich und Italien ausgenom­men worden sind.

Verwaltungsratsitzung der BIZ.

Basel, 11. November.

Der Verwaltungsrat der Bank für internationalen Zahlungsausgleich beschloß, die Erweiterungswahlen zum Verwaltungsrat in der Dezembertagung vorzunehmen? Bezüglich der Einrichtung eines Devisenclearings und des Transfer von Guthaben aus einer in die andere Währung wurde beschlossen, ein aus Sachverständigen bzw. Leitern der Zentralbanken zusammengesetztes Komitee zu bestellen, das diese Frage vom Standpunkt der Geschäftspraxis aus prüfen soll. Dieses Komitee soll erstmals am 24. November zusam- mentreten. Das Unterkomitee zur Behandlung der Frage der mittleren Kredite soll seine Arbeiten fortsetzen und in der nächsten Tagung Bericht darüber erstatten. Die nächste Tagung des Verwallungsrates der B.J.Z. wird am 8. De­zember in Basel stattfinden. j

Eenser Belanglosigkeiten

Begrenzung der Militärdienstzeit

Genf, 11. November.

Im Vorbereitenden Abrüstungsausschuß wurde die Aussprache über die Frage der Dienstzeit fortgesetzt. Nach­dem der deutsche Antrag, die Begrenzung des Jahreskon- tingenks in die Konvention aufzunehmen, an dem Wider­stände der Mehrheit gescheitert ist, haben die Fragen, über die man diskutierte, vom Gesichtspunkt einer wirksamen Ab­rüstung nurmehr geringe praktische Bedeutung. Die deutsche Delegation hat infolgedessen an der Diskussion nicht mehr teilgenommen.

Die Aussprache drehte sich in der Hauptsache um einen polnischen Antrag, die Höchstdienstzeit auf eine bestimmte Anzahl von Monaten festzulegen. Der Konventionsentwurf selbst geht nicht so weit. Aus einer Erklärung des polnischen Vertreters ging deutlich hervor, daß der Antrag in erster Linie sich gegen Rußland wendet. In Rußland beträgt die Dienstzeit drei bis vier Jahre. Litwinow sprach gegen den polnischen Antrag und wies darauf hin, daß die Frage der Beschränkung der Dienstzeit keine praktische Bedeutung habe, nachdem der Ausschuß erst jetzt wieder die Herabsetzung des Jahreskontingents und die Beschränkung der ausgebiloeten Reserven und im vorigen Jahre die Herabsetzung des Heeres- materials abgelehnt habe. Die Vertreter Frankreichs und Japans lehnten jede über den Entwurf hinausgehende Bin­dung in der Frage der Dienstzeit ab. Zum Schluß der Aussprache machte der Vertreter Frankreichs, Massigli, den alten französischen VorSehalt geltend, daß die Konvention in der Behandlung der Dienstzeit keinen Unterschied machen dürfe zwischen Land-, See- und Luftstreitkräften.

Schließlich wurde ein Ankrag angenommen, der besagt, daß für die Dienstzeit eine Höchstziffer festgesetzt werden soll, die von keinem Staat überschritten werden darf.

Der deutsche Gesandte in Rio de Janeiro hat den Auf­trag erhalten, die neue brasilianische Regierung anzuer- kennen. Man glaubt, daß nunmehr nach Anerkennung der Zwischenfall bald abgeschlossen werden wird.