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Hersfel-erTageblätt

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hersfelöer Krelsblatt

Amtlicher /inzeiger für den Kreis Hersfelö

Nr. 270 Montag, den 17. November 7930 80. Jahrgang

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Die Preise müssen herunter!

Mit Steuererhöhung Bekämpfung der Krise unmöglich Senkung der Preise für Markenartikel nötig

SejmWühlen in Polen

und Ostoberschlesien

Katkowitz, 17. November.

Entgegen allen Befürchtungen, die sich um so mehr stei­gerten, als es in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag zv schweren Zusammenstößen des Selbstschutzes der Oppositions­parteien mit den Aufständischen kam in Schoppinitz wur­den sieben Personen schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht verlief der Wahlsonntag in Großkattowitz, Königshütte und auch in den übrigen Jndustrierevieren verhältnismäßig ruhig. Gerüchtweise verlautet, daß es in Lublinitz und Tat" °wwitz zu schweren Ausschreitungen gekommen sei. Die Auf­ständischen versuchten Sonntag früh die Wahllokale zu b= setzen, wurden aber in den meisten Fällen von den Wahl­kommissionen zurückgewiesen. Allerdings lehnten einige Wahlkommissionen die deutschen Vertrauensleute ab mit der Begründung, ihre Ausweife seien nicht ausreichend. Auf dem Lande wurden vielfach deutsche Wähler vor den Wahl­lokalen nach Stimmzetteln durchsucht.

Gegenwärtig weilen in Ostoberschlesien eine Anzahl von amerikanischen, englischen, französischen und italienischen Be­richterstattern, die sich an Ort und Stelle darüber unterrichten wollen, ob Wahlterror ausgeübt wird. Der Woiwode emp­fing diese Berichterstatter am Sonnabend und gab ihnen die Versicherung ab, daß die Wahlen ohne sede Störung vor sich gehen würden.

Aus verschiedenen Orten, besonders aus dem Ostmarken­gebiet, wurde gemeldet, daß dort die Anhänger des Regie- rungsblocks entgegen den Bestimmungen der Verfassung ihre. Stimmen öffentlich abgaben. Im Karpathenort Spitz war der Wahlakt schon am Nachmittag abgeschlossen, wobei seltsamerweise sämtliche Stimmen für die Liste Pil- sudsN abgegeben worden sind. In Warschau selbst entfaltete, autös, mit Radiomusik, Trompetern und halbwüchsigen Bur­schen, die taktmäßig:Es lebe der erste Marschall Polens, Pilsiidski!" schrien, durchfuhren die Stadt. Von einer öffent­lichen Werbearbeit der anderen Parteien war kaum etwas zu merken.

Nach den in den Abendstunden vorliegenden Meldungen ist es bei den Sejmwahien doch in verschiedenen Orten zu Zusammenstößen gekommen. So kam es in Posen zu größeren Schlägereien zwischen Nationaldemokraten und Re- gierungsanhöngern; etwa 30 Personen wurden verhaftet. 3n Lvdz stürmten die Regierungsanhänger das sozialdemokra- tische Parteilokal, wobei zahlreiche Personen verletzt worden sind.

Die Wahlbeteiligung wär ungleichmäßig. Die stärkste Frequenz scheinen die Westgebiete, vor allem die Provinz Posen aufzuweisen, während die kongreßpolnischen und Ost­bezirke eine geringe Wahlbeteiligung aufwiesen. Nach den bisher vorliegenden Teilergebnissen hat überall der Regie- rungsbloS die größte Stimmenzahl zu verzeichnen. Freilich haben die Anhänger des Regierungsblocks in zahlreichen Orten in geschlossenem Trupp ihre Stimmzettel offen abgeben.

KommuNalwahlen in Baden

Nationalsozialisten gewinnen 28 Sitze.

Karlsruhe, 17. November.

Die Wahlen zu den Gemeindeparlamenten und Körper- schasten der Bezirke und Kreise im Freistaat Baden fanden bei weitem nicht die Beteiligung des 14. September. Stark scheint die Wahlbeteiligung nur auf dem Lande gewesen zu fein. Bei den letzten Gemeindewahlen im November 1926 war die Wahlbeteiligung kaum 50 Prozent der Wahlberech­tigten. Die Nationalsozialisten sicherten sich allenthalben den Einzug in die Rathäuser und die übrigen Organe der Selbst­verwaltung. Dies gilt besonders von den größeren und mitt­leren Städten. Auch der evangelische Volksdienst, der vor Jahresfrist anläßlich der Landtagswahlen das erste Mal in Aktion trat, hat Erfolge zu buchen. Ein abschließendes Urteil über den Wahlausgang ist erst im Laufe des Montags oder Dienstags möglich.

Die Verteilung der Mandate stellt sich wie folgt: Zentrum 16 (19); Sozialdemokraten 18 (24); Deutsche Volkspartei 3 (12); Nationalsozialisten 28 (0); Staatspartei 3 (5); Kommu­nisten 8 (6); Evangelischer Volksdienst 3 (0); Deutschnationale 2 (9); Wirtschaftspartei und Konservative 3 (3).

Bürgerausschußwahlen in Karlsruhe.

Karlsruhe, 17. November.

Das amtliche Ergebnis der Bürgerausschußwahlen in Karlsruhe stellt sich wie folgt: Zentrum 11039, Sozialdemo­kraten 12 719, Deutsche Volkspartei 2512, Deutschnationale 1535, Nationalsozialisten 18 889, Staatspartei 2031, Kommu­nisten 5803, Evangelischer Volksdienst 2688, Wirtschaftspartei und Konservative 2112, ungültig 436, gültig 59 327, Wahl­beteiligung rund 54 Prozent.

Die Wahlen in Danzig

Danzig, 17. November.

Endgültiges Ergebnis aus drei von fünf Wahlkreisen: Sozialdemokraten 15 863 (letzte Volkswahl im Jahre 1927. 18 964); Deutschnationale 8788 (15 399); Zentrum 7534! (7333): Kommunisten 7694 (4665): Nationalliberale Büraer;

Mit Stenererhühung geht; nicht!

Die Preise müssen herunter.

Münster, 16. November.

UeberWirtschaftskrise und ihre Beseitigung" sprach vor dem Akademischen Windhorstbund Arbeitsminister S t e g e r w a l d. Er stellte fest, daß die wirtschaftliche Lei­stungsfähigkeit für die Ueberwindung der Krise in der her­gebrachten Weife an der Grenze des Möglichen angelangt sei und daß auf dem Wege der Sleuererhöhung, mit der man bislang der Gefahr Herr zu werden versuchte, nicht mehr weiterzukommen. Die Frage der Beseitigung der Ar­beitslosigkeit zu beheben, sei das große Ziel des Sanie- rungsprogramms der Regierung Brüning Eine zweite Aufgabe zur Erreichung des primären Zieles fei die R e - vifion der Reparationsfrage. Im Hinblick auf die Preissenkung müsse unbedingt die Herabsetzung der Zwi­schenhandelssätze verlangt werden. Die gebundenen Preise der Kartelle hätten in letzter Zeit gegenüber den veränder­lichen Weltmarktpreisen unbeweglich gestanden. Stegerwald betonte, wenn nicht in absehbarer Zeit ein Nachlassen der Preise für Markenartikel eintrete, dann sei die Regierung festen Willens, hier einzugreifen. Man habe in diesem Jahre die Arbeitslosigkeit dadurch zu beheben gesucht, daß man beträchtliche Mittel für ein Arbeitsbeschaffungspro- gramm bereit gestellt habe. Das werde in dieser Form nicht immer geschehen können. Man werde vielleicht in Zukunft daran denken müssen, auf dem Wege über Erleichterungen auf steuerlichem und frachtlichem Gebiete und ferner durcy Meliorationsarbeiten zum gleichen Ziel zu kommen. Für 1931 rechne die Regierung nicht mit einem Anwachsen der Erwerbslosigkeit. Seitens des Reiches feien die Mittel dafür bereits gesichert. Der Minister schloß: Zur Verzweiflung bestehe kein Grund. den Mut zur Wahrheit und

We^-Sutbrinkien.

Partei"276 (829)'"Deutsche Seiger (2340); Deutschliberale Partei 276 (534); Bürgerliche Arbeits­gemeinschaft 834 (985); Polnische Partei 884 (1243)); Mie­terpartei 84 (106); Fischer 844 (1590); Nationalsozialisten 7944 (280); Berufsvertretung Danziger Eisenbahn- und Ha­fenbediensteter 875 (0); Christliche Volkspartei 483, Deutsche Volksgemeinschaft (Landliste) 5142; Deutsche Volksgemein­schaft (Stadtliste) 220; Polnische Katholische Partei 81. Wahl­berechtigt sind 69 223 Personen; abgegebene Stimmen 55 042, Wahlbeteiligung 85 Prozent.

Bei lebhafter Agitationstätigkeit verlief der Wahlsonn­tag im ganzen Freistaatgebiet Danzig ohne jegliche Störung.

Ltadtverordnetenwahlen in Mecklenburg

Rostock, 17. November.

Die Stadtverordnetenwahlen in beiden Mecklenburg sind im allgemeinen ruhig und ohne Zwischenfälle verlaufen. In fast allen Orten der beiden Länder hatten die bürgerlichen Parteien eine Listenverbindung hergestellt, nur die Wirt­schaftspartei und die Hausbesitzer sowie die Parteien der Linken hatten selbständige Listen aufgestellt. In Rostock, Schwerin, Wismar, Güstrow, Neustrelitz und den übrigen Städten betrieben die radikalen Flügelparteien eine sehr eifrige Wahlpropaganda, die an Intensität der vergangenen Reichstagswahl nur wenig nachstand. Immerhin dürfte die Wahlbeteiligung im Vergleich zur Reichstagswahl wesentlich geringer gewesen sein, da infolge ungünstiger Witterung die Wahltätigkeit im allgemeinen erst in den späten Abendstun­den einsetzte.

Belgiens Krise beigelegt

Brüssel, 17. November.

Ministerpräsident Iaspar hatte Unterredungen mit den Führern der flandrischen liberalen und der flandrischen ka­tholischen Gruppe. Anschließend begab sich Iaspar nach dem Schloß Laeken, um dem König über die politische Lage Vor- trag zu halten.

3n dieser Audienz ersuchte der König den Ministerprä­sidenten, sein Amt nicht niederzulegen. Die Ministerkrise ist damit beigelegt. Auch wird in der Zusammensetzung der Regierung keinerlei Aenderung eintreten.

So. X in Bordeaux

Bordeaux, 15. November

Nachdem das deutsche FlugschiffDo. X einen her­vorragenden Beweis seiner Seetüchtigkeit dadurch abge­legt hatte, daß es die ganze Nacht hindurch bei Les Sables d'Olonne auf hoher See blieb, um den Morgen abzuwar- ten, startete es um 12.45 Uhr glatt und landete um 2.16 Uhr bereits bei Bordeaux.

Ueber die Zwischenlandung wird noch bekannt, daß sie einzig und allein aus Sicherheitsgrün- d e n erfolgte. Der Flug hatte sich durch- heftige Gegen­winde verzögert, und schließlich gerietDo. X" auch noch in dichten Nebel. Als die Nacht hereinbrach^ flog die Ma­schine dicht über dem Wasserspiegel dahin und setzte ohne Zwischenfall aus dem Wasser auf, als sich die Flugleitung entschlossen hatte, der großen Gefahren wegen den Flug abzubrechen.

Für den Mirtschastrsrieden

Beginn der Genfer Wirtschastskonferenz

Genf, 17. November.

Am heutigen Montag begann hier die Wirtschafls- konferenz, an der eine große Anzahl von Vertretern euro­päischer und nichteuropäischer Staaten keilnimmt. Die Konferenz wird in ihren Verhandlungen an die sogenannte Zollwaffenskiüsiandskonferenz vom Februar dieses Jahres anknüpfen und sich insvesondere mit der Inkraftsetzung der auf jener Konferenz beschlossenen Handelskonvention, die bisher nur von neun Staaten, und zwar hauptsächlich von solchen, die wirkschaftsliberalistisch eingestellt sind, ratifiziert worden ist. Die Inkraftsetzung wird als schwierg ange­sehen. Zum Arbeiksstoff der Konferenz gehört ferner die Aufstellung eines Programms für weitere einheitliche wirt- schaftspolitische Maßnahmen.

Hier ist vor allem der englische Vorschlag eines grup­penweise» Abbaus der Zölle zu nennen, eine Frage, die gleichfalls großen Schwierigkeiten begegnet. Ein anderer Vorschlag, den Holland macht, geht darauf aus, daß die sogenannten Freihandelsstaaten bereit sind, beim jegigen System zu bleiben, wenn die anderen Staaten sich verpflichten, das augenblickliche Zoll- niveau nicht zu überschreiten. Dieser Vorschlag i hat große Bedeutung angesichts der in England bemerk­baren Tendenz, unter Umständen j)ie Freihandelspolitik zu verlassen.

Die Bestrebungen der südosteuropäischen Staaten nach besserem Absatz ihrer Agrarprodukte wer­den gleichfalls aus der Konferenz eine Rolle spielen. In den für die Aufnahme des Getreideüberschuffes diefer Staaten hauptsächlich in Frage kommenden Ländern (Oesterreich, Italien, Deutschland, Tschechoslowakei, Schweiz) scheint Nei­gung zu bestehen, auf dem Wege der Präferenz den südöst- -^iA^jg^^.» ihrerseits zu j len Zollpositionen bereit sind. Die Aussichten dieses Pla­nes werden hier als ziemlich günstig angesehen. Es sei schließlich noch erwähnt, daß die Konferenz sich auch mit der Aufhebung der Ein- und Ausfuhrverbote unb her Ein­berufung einer neuen Fremdenrechtskonferenz beschäftigen wird.

Das Genfer Abrüstungsgerede

Genf, 17. November.

In der Sonnabend-Sitzung des Vorbereitenden Ab­rüstungsausschusses erklärte Graf Bernstorff unter Be­zugnahme auf die mit Stimmengleichheit erfolgte Ablehnung des deutschen Antrags, daß sich danach in der Kommission eine Mehrheit gegen die direkte Herabsetzung des Materials nicht ergeben habe. Graf Bernstorff und General d e Ma­ri n i s zitierten dann einen Sachverftändigenbericht des Ab­rüstungsausschusses aus dem Jahre 1927, in dem einstimmig festgestellt worden war, daß die Beschränkung der Heeres­ausgaben allein kein wirksames Mittel der Abrüstung fei.

Lord Cecil kündigte im Verlaufe der Debatte an, daß England evtl. die Anwendung der budgetären Methode für die Seeabrüstungen ablehnen werde, wenn die Vereinigten Staaten für ihre Seerüstungen nur die Methode der direkten Begrenzungen zulassen wollten.

Der Vertreter Italiens wiederholte seine Forderung, daß Italien die Begrenzung der Heeresausgaben nur anneh­men werde, wenn sie von der direkten Herabsetzung des Materials begleitet sei.

Das amerikanische Flolkenbauprogramm für 1931.

Washington, 17. November.

In dem entsprechend dem Londoner Vertrag aufgestell­ten Flottenbauprogramm für 1931 werden Kredite in Höhe von 100 Millionen fürFlottenneubauten und 40 Mil­lionen für Modernisierung dreier Kreuzer verlangt.

Fehlbetrag im amerikanischen Budget

Washington, 17. November.

Nach einer Andeutung Hoooers dürfte das diesjäh­rige Bundesbudget mit einem Defizit abschließen, da infolge der Arbeitslosigkeit erhebliche Summen für Arbeits­beschaffung angefordert werden mußten. Die konservativ re­publikanische Presse verlangt aber, daß ein Defizit gerade jetzt vermieden werden müsse,um die Beibehaltung der ein- prozentigen Steuerermäßigung zu ermöglichen.

Son|etea$ der taMrtiMtsmMer

Berlin, 17. November

Die Landwirtschaftsminister der Länder werden Ende November oder Anfang Dezember in Berlin unter dem Vorsitz des Reichsernährungsministers Schiele zu einer Kon­ferenz zusammentreten in der die allgemeinen Richtlinien ür die Landwirtschaftspolitik des nächsten Jahres aufge­stellt werden sollen.

Man wird bei dieser Zusammenkunft die inzwischen erzielten Ergebnisse der Preissenkungsaktion und die wei­terhin auf diesem Gebiet möglichen Maßnahmen besprechen. In erster Linie dient die Aussprache einer Verständigung über die im Etat des Reichsernährungsministeriums ange- ! forderten Mittel.