hersfelöer Tageblatt
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Hersfelöer Preisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö
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Nr. 271
Dienstag, den 15. November 1930
80. Jahrgang
Diktatur Dilsubki bestätigt
Unter Anwendung der brutalsten Gewaltmastnahmen hat sich der Pilsudski-Block die Mehrheit erzwungen
Terromahleu in Wen
Absolute Mehrheit des pilsudski-Blocks — Die nationalen Minderheiten auf einen kleinen Rest zerschlagen.
Warschau, 18. November
Die Pilsudskiwahlen am letzten Sonntag haben dem Regierungsblock 248 von insgesamt 444 Mandaten ge- bracht. Die Rationaldemokraten als Rechtsopposition konnten ihre Mandate von 37 auf 65 erhöhen. Alle übrigen Parteien, vor allem der Block der Zentrolinken, die Ukrainer, die Juden und die Deutschen sind zum Teil sehr stark zu- sammeageschlagen worden. Die Zentrolinke behält von ihren bisherigen 175 Mandaten nur noch 78. Die Ukrainer von bisher 25 Mandaten 20, die Deutschen von 21 nur noch 5. Die Korfantygruppe hat in Oberschlesien zwar ihre Stim- meuzahl vergrößert aber im übrigen Polen verloren. Sie besitzt im neuen Sejm noch 14 von bisher 15 Mandaten. Der sogenannte Mnderheiten-Block — Deutsche, Juden und Ukrainer — verliert von seinen bisherigen 55 Mandaten 23; er ist im neuen Sejm nur noch mit 32 vertreten.
Nach den bisher bekanntgewordenen Ergebnissen ergibt sich, daß die Nationaldemokraten im Westen, der Regierungsblock hingegen im Zentrum und besonders im Osten des Landes die meisten Stimmen auf sich vereinigen konnten. Bezeichnend für den offiziösen Wahlterror ist die Tatsache, daß in rein ukrainischen und weißrussischen Kreisen f a st durchweg Regierungsanhänger gewählt worden sind. So meldet beispielsweise „Expreß Poranny", daß in der rein ukrainischen Wojewodschaft Wolhynien von 16 Mandaten 15 der Pilsudski-Liste zugefallen sind, w ä h- rend in den Wahlen des Jahres 1922 gerade dort d i e n a t i o n a l e Minderheit fast sämtliche Mandate erhalten hat.
In 12 Wahlkreisen, deren. Ergebnis Ursachen. endgül- sMelt oec Reglerungsblock 25 gegen 15 Mandate der letzten Wahlen. Die Hauptstadt Warschau hat sich klar für die Regierung Pilsudski ausgesprochen, denn von den 14 Mandaten, die auf Warschau entfallen, erhielt der Regierungsblock acht, was einen Zuwachs von zwei Mandaten im Vergleich zu den letzten Wahlen bedeutet.
Die Wojewodschaft Schlesien. stellt danach im neuen Warschauer Sejm wiederum 17 Abgeordnete, jedoch hat der Deutsche Wahlblock in den drei Wahlkreisen je ein Mandat gegenüber 1928 aus den bereits gemeldeten Gründen verloren, während Korfanty in den Wahlkreisen Königshütte und Kattowitz je ein Mandat und im Wahlkreis Bielitz-pleß sogar zwei Mandate gewann. Die Regierungspartei hat im Wahlkreis Bielitz-pleß trotz ihrer großen Anstrengungen und der behördlichen Anterstötzung sogar ein Mandat einge- büßt, während die Sozialdemokraten ihr einziges Mandat im kreis Bielitz-pleß behaupten konnten. Korfanty hat also nicht nur die Verluste der Deutschen Wahlgemeinschaft, sondern auch ein Sanacja-Mandat erobert. Von der Deutschen Wahlgemeinschaft sind im Wahlkreis Königshütte Ge- werkschaftsfekretür Jankowski, im Wahlkreis Kattowitz Ingenieur Rofumek und im Wahlkreis Bielitz-pleß Geschäftsführer Franz gewählt.
Die Lanziger Boltttsgrwsiklen
Danzig, 18. November.
Bei den Volkstagswahlen am Sonntag der Frei
Stadt Danzig wurden ins
en
; gesamt 193 192 gegen 183 363 Stimmen im "Jahre 1927 abgegeben. Die Wahlbeteiligung ist damit von 85,4 auf 87 Prozent gestiegen. Da die Zahl der Abgeordneten von 120 auf 72 herabgesetzt worden ist,
ergeben sich für sämtliche Parteien entsprechende Mandats- kürzungen. Das Gesamtergebnis stellt sich danach wie folgt:
Sozialdemokraken Dcutfchnationale Zentrum Kommunisten Rationalliberale
Wirtschaftspakte;
polnische Partei Miekerpartei Fischer
48 859 (61 779) - 19 Mandate (26
25 507 (35 826) = 10
28 958 (26 096) = 11
19 895 (11 700) = 7
4 322
6 223
4589
1 276
903
(8 331)= 2
(8 010} $ 3
16) (11) 5
Der neue Etat im Neichsrat
Die Ausschüsse beenden die zweite Lesung.
Berlin, 48. November.
Unter dem Vorsitz des Reichskanzlers verabschiedeten die vereinigten Ausschüsse des Reichsrates in zweiter Lesung das Haushaltsgesetz und den Reichshaushaltsplan 1931. Nach schwierigen Verhandlungen erklärte sich die Reichsregierung einverstanden, den Ländern für die Kürzung der Ueberwei- sungen um 100 Millionen Mark die im Hinblick auf die Einschränkung des Personalaufwandes in der öffentlichen Verwaltung der Länder uyd Gemeinden vorgesehen ist, einen ür einen Betrag von 50 Millionen
Ausgleich zu gewähren. Fi
Mark werden ihnen im Reichsbesitz befindliche Reichsbahnvorzugsaktien übereignet. Die Tragung der restlichen 50 Millionen Mark soll ihnen dadurch ermöglicht werden, daß die für drei Jahre vorgesehene sechsprozentige Gehaltskürzung der Beamten schon mit dem 1. Februar 1931 beginnen und dementsprechend mit dem 31. Januar 1934 außer Kraft treten soll. Ab 1. Februar wird die Reichshilfe der Beamten auf die Gehaltskürzung angerechnet.
In den Bereinigten Ausschüssen des Reichsrates sind die von Preußen zum Wehretat gestellten Aenderungs- und Kürzungsanträge gegen die preußischen Stimmen abgelehnt
worden.
Bsssilche Kriegsveovtzezeiusge»
Gasmasken für die russische Bevölkerung.
Kowno, 17. November.
Den Hauptdruck haben die nationalen Minderheiten ausgehalten, die auch demgemäß die stetsten Verluste erlitten haben. Die Deutschen haben sämtliche Mandate in Kongreßpolen und in Pommerellen, drei in Ober- schlesien, zwei in der Provinz Posen und eins in Ostgalizier verloren. Die deutsche Vertretung wird somit im kom- 21 auf 5 Sitze zusammenschmelzen. Aehn- Verhältnis für die ukrainische und weiß-
Nationalsozialisten 31 516
Hafenarb. u. Eisenb. 3 468
Volksgemeinschaft
(t 227) = 2 (5 764) = 2 (3 577)= 0
1 558)= 0
1 483) = 12
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In hiesigen politischen und diplomatischen Kreisen folgt man mit großem Interesse die Maßnahmen der Sowjetbehörden, die sich auf die Landesverteidigung beziehen. In Leningrad haben große Gasmanöver begonnen, wobei die Stadt in Gaswolken gehüllt wurde. Von größerer Be- tiMorbiiMiig, daß die Bevölkerung sich im on zwei Jahren mit Gasmasken für den Fall eines Gasangriffs auf Leningrad auszurüsten habe. Die Gasmasken müssen von der Bevölkerung auf eigene Kosten be- fchaffl werden, und zwar zum Preise von 12 Mark, die in mehreren Raten bezahlt werden können.
ver-
(Landliste)
5197 (--)
2
Die übrigen Parteien blieben wie bisher mandatslos. Die in der obigen Mandatsliste in Klammern bezeichneten Zahlen geben die Mandatszahl an, die die einzelnen Parteien bei bereits verkleinertem Volkstag innegehabt hätten.
wenden Sejm von 21 auf 5 Sitze zusammenschmelzen. Aehn- sich stellt sich das Verhältnis für die ukrainische und weiß- russische Vertretung.
Der Pilsudski-Block hat zwar die einfache, nicht aber die zur Durchführung der Berfassungsreform angestrebte Zweidrittelmehrheit erreicht. Die sich daraus ergebenden innerpolitischen Komplikationen können zur Zeit noch nicht
Bor der Semillion Baugoins
Schoberblock und Lhristlich-soziale verhandeln.
Wien, 18. November.
Die Wiener Sonn- und Montagszeitung will aus parlamentarischen Kreisen, in denen in den letzten Tagen die
übersehen werden.
Die Wahlbeteiligung war ungleichmäßig. Die stärkste Frequenz scheinen die West- gebieke, vor allem die Provinz Posen, aufzuweisen, während die kongreßpolnischen und Ostbezirke eine geringere Wahlbeteiligung aufweisen. hier haben die unterdrückten Ukrainer regelrechten Wahlstreik geübt, indem bis zu 95% der Wahlberechtigten der Wahl fernblieben. Nach den bisher vorliegenden Teilergebnissen hat überall der Regierungs- block die größte Stimmenzahl erhalten. Freilich haben die Anhänger des Regierungsblocks in zahlreichen Orten in ge- schlossenen Trupps ihre Stimmzettel offen abgegeben. 3n verschiedenen Dörfern zogen sie sogar in größeren Abteilungen mit Musik zum Wahllokal.
Sie Wahlen WMrMeliens
Zuwachs der korfanty-Stimmen. — Gute Behauptung der Deutschen.
Das Ergebnis der Wahlen zum Warschauer Sejm in der Wojewodschaft Schlesien stellt sich in den drei schlesischen Wahlkreisen wie folgt:
Wahlkreis Königshütte: Sanacja 59543 Stimmen 2 Mandate (Warschauer Sejmwahl 1928: 50 715 Stimmen 2 Mandate). Deutscher Wahl block 54383 Stim- ■ men 1 Mandat (70 832 Stimmen 2 Mandate), nationale Juden 584 Stimmen, Korfanty-Partei 60 467 Stimmen 2 Man- Date (33 037 Stimmen 1 Mandat), Kommunisten 11428 Stimmen kein Mandat (9440 Stimmen), Sozialisten 9126 Stimmen kein Kandidat (15 005 Stimmen). Wahlkrs. Kat - t o w i tz : Sanacja 52 834 Stimmen 2 Mandate (42 665 Stimmen 2 Mandate), Deutscher Wahlblock 40 539 Stimmen ein Mandat (54 877 Stimmen 2 Mandate), nationale Juden 922 (1411) Stimmen, Korfanty-Partei 58 389 Stimmen 2 Mandate (30 363 Stimmen 1 Mandat), Socialisten 12 457 (20 996) Stimmen, Kommunisten 13 416 (9659) Stimmen. Wahlkreis B i el i tz - P l e ß : Sanacja 82 771 Stimmen 2 Mandate (78 657 Stimmen 3 Mandate), Deutscher Wahlblock : 32 536 Stimmen 1 Mandat (49 404 Stimmen 2 Mandate), nationale Juden 1254 (215) Stimmen, Korfanty-Partei 91 496 Stimmen 3 Mandate (46 206 Stimmen-1 Mandat), Sozialisten 30 862 Stimmen 1 Mandat (41 300 Stimmen 1 Mandat).
einer Koalitionsregierung aus
Möglichkeit der Bildung einer Koalitic Christlich-sozialen und Schoberblock lebhaft sichere Mitteilung erhalten haben, daß d zoin im Laufe dieser Woche dem Bundespräsidenten seine Demission anbieten werde. Die Regierung werde mit der Fortführung der Geschäfte betraut werden, bis die Verhandlungen, welche die Christlich-soziale Partei mit Dr. Schober aufzunehmen gedenke, zum Abschluß gelangen, und eine neue Regierung gebildet werde. Das Wahlkabinett Vaugoin werde nicht vor das neue Parlament treten. Starhemberg dürfte dem neuen Kabinett nichtwie - der angehören. Dagegen legten die Christlich-sozialen Wert darauf, daß Vaugoin als Bundesmini st er für das Heerwesen bleibe. Man glaube nicht, daß an dieser Frage die Verhandlungen mit dem Schoberblock scheitern könnten. Der Heimatblock werde sich der Regierungsmehrheit nicht anschließen, sondern eine abwartende
Haltung einnehmen.
st erörtert wird, die
ias Kabinett Vau-
Metier deutsch« AbrUtungsantrag
Genf, 18. November
Gras Bernstorff hat im Vorbereitenden Abrüstungsausschuß den Antrag gestellt, daß außer dem Verbot des Gaskrieges ein Verbot aller schweren Angriffswafsen, wie z. B. Mörser, schwerer Geschütze und Tanks, in die Ab- rüskungskonvention ausgenommen werde.
Der Antrag sieht im einzelnen vor, daß außerhalb von Befestigungen Geschütze mit einem Kaliber über 77 Millimeter, Haubitzen über 105 Millimeter verboten sein sollen; innerhalb von Befestigungen sollen Geschütze mit einem Kaliber von über 105 Millimeter, Haubitzen über 210 Millimeter, ferner Mörser und Minenwerfer über 150 Millimeter verboten sein; desgleichen sollen unter das völlige Verbot fallen alle Arten von Kampfwagen (Tanks). Die Staaten sollen sich verpflichten, das vorhandene Material zu zerstören und darüber an den Generalsekretär des Völkerbundes berichten. — Nachdem der Ausschuß den Grundsatz der direkten Herabsetzung des Heeresmaterials abgelehnt hat, ist es mehr als zweifelhaft, ob er diesen Antrag annehmen wird.
Verschiedene Vorgänge deuten darauf hin, daß man in Rußland mit einem Kriege rechnet, der von einer ausländischen Macht zum Sturze des Sowjetregimes angezettelt werden würde. Ein Korrespondent der „Times", der vor nnigen Wochen Rußland besucht hat, erklärte, in Moskau )errfche die Meinung vor, daß der Krieg im Jahre 1 9 3 5 beginnen werde. Ein russischer General soll sich dahin geäußert haben: „Der Krieg wird kommen, das ist unumgänglich. Dazu braucht England selbst gar nicht Krieg mit uns zu führen, aber es wird anderen Staaten befehlen, dieses zu tun, etwa Polen und China." Andere russische Kreise wollen hinter dem baltisch-balkanischen Agrarblock üne sowjetfeindliche Front unter Führung des französischen Imperialismus erkennen.
Jedenfalls besteht ziemlich allgemein in den führenden russischen Kreisen die Auffassung, daß dieser Krieg zur Aus- ünandersetzung zwischen den kapitalistischen Staaten und der Sowjetunion kommen werde und kommen müsse. Die größte Sorge der russischen Regierung scheint die Durchführung des Fünfjahrplanes zu sein. Sollte das Experiment glücken, dann hofft man, die Bevölkerung mit allen nötigen Waren versorgen zu können, um es dann auf eine Auseinandersetzung ankommen lassen zu können.
Beginn der Wirtschaftrlonserenr
Genf, 18. November
Die zweite diesjährige Wirtschaftskonferenz des Völkerbundes hat begonnen. Sie bildet die Fortsetzung der Vorkonferenz für die planmäßigen wirtschaftspolitischen Maßnahmen, die im Februar und März d. I. stattgefunden hat und zur Annahme der sogenannten Genfer Handelskonvention führte, durch die die vertragschließenden Staaten sich eine gewisse Stabilität der Zolltarife gegenseitig gewähren wollten. Die jetzige Konferenz soll nun beschließen, wann und unter welchen Bedingungen die Konvention in Kraft treten soll. Schon der erste Tag der Konferenz hat ergeben, daß die Schwierigkeiten für die Inkraftsetzung sehr groß sind
;en die Konvention in
Der Vorsitzende der Konferenz, der ehemalige holländische Ministerpräsident C o l i j n stellte den Delegierten, deren Regierungen die Konvention ratifiziert haben, die Frage, ob sie damit einverstanden seien, daß die Konvention ■ unter ihnen schon jetzt in Kraft trete. Diese Frage wurde von allen in verneindem Sinne beantwortet und zwar hauptsächlich mit dem Hinweis, daß die Konvention eine noch nicht genügende Zahl von Ratifikationen gefunden habe.
Ministerialrar Posse, der Deutschland auf der Konferenz vertritt, erklärte, daß die Reichsregierung die Konvention den gesetzgebenden Körperschaften nach Zusammentritt des Reichstages vorlegen werde. Der Vertreter Frankreichs teilte mit, daß die französische Kammer die Konvention ratifiziert Habe und daß sie jetzt dem Senat vorliege. Der italienische Vertreter erklärte, daß die italienische Regierung soeben die Ratifikationsurkunde dem Generalsekre- tär übersandt habe. Die Verbandlungen dauern am