HersfelöerTageblatt
MyrtMqmk; M rlnfpaMgr Petltzetle 15 Pfennig, ist RMamyette 50 Pfennig. (GrunSschrist Korpus). Bei Me-«holangen wird ein entsprechender Preisnachlaß gewährt. ♦ Zür die Schristleitung verantwortlich : Kranz Zunk in Hersfeld.» Kernsprecher Nr.
hersfel-er Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö
Nr. 274 (Erstes Nitt) Sonnabend, den 22. November 1930
Monatlicher Bezugspreis: durch öle Post bezogen 1^0 Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Kersfeld 1.20 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer 1.00 Reichs-Mark. ❖ druck und Verlag von Ludwig Kunks Buchdruckerei in Hersfeld, Mitglied des VVZV.
80. Jahrgang
„Kein Grundzu verzweifeln"
Bedeutsame und beherzigenswerte Worte des Reichskanzlers an die Delegierten der Landgemeinden
Die Steife zur Curtius-Rede
Was man in Berlin sagt
Berlin, 21. November.
In den Kommentaren der Morgenblätter zu der gestrigen Reichstagssitzung spielt die außenpolitische Rede des Ministers Dr. Curtius die Hauptrolle. Nur ein Teil der Zeitungen beschäftigt sich auch mit den eigentlichen Reichsratsbeschlüssen über das Sanierungsprogramm und den Reichsetat. Die „Germania" spricht von einem großen bedeutsamen Schritt vorwärts. Die Aufgabe, die der Reichsregierung im Reichstag harre, werde erheblich schwieriger fein. Die Ausführungen des Reichsaußenministers ordneten sich logisch und konsequent in den großen Gesamtplan der Reichs- regierung, Sanierung im Innern und dadurch neue und größere Bewegungsfreiheit nach außen, ein.
Auch die „Deutsche Allgemeine Zeitung" unterstreicht den Erfolg der Reichsratsarbeiten. In der wohl abgewogenen und sehr sorgfältig formulierten Rede des Reichsaußenministers iei e i n neuer Ton angeschlagen, der nicht überhört werden könne. Seine Rede sei mehr als eine bloße Rechtsverwahrung, sie sei die Ankündigung einer Initiative. Alle von ihm angeschnittenen Ein- zelfragen mündeten in das zentrale Gesamtproblem der Revision des Diktates von Versailles.
Die „Vossische Zeitung" nennt die Rede des Außenministers sehr geschickt, sie verbinde die Erfordernisse der Innenpolitik mit den Notwendigkeiten der Außenpolitik. Das „Tageblatt" sieht in ihr mehr als eine bloße Antwort auf die Kammerrede Tardieus. Die Erwiderung auf Tardieus Darlegungen werde an Bedeutung noch über- troffen durch die grundsätzliche Ankündigung deutschen Anspruches, die Bestimmungen der Verträge nicht immer nur gegen Deutschland angewandt zu sehen.
...... Die. „B ä r s e^ e itun g" char^B^ert die Ausführungen dahin, die Revision s o e b a it e lasse IM nicht durch die herrische Handbewegung Tardieus beenden, sie sei in Fluß und bleibe in Fluß, weil die Lebensnotwendigkeiten stärker seien, als papierne Paragraphen.
Der „Lo k a l - A n z e i g e r" empfindet die Ausführungen Dr. Curtius als zu schwach. Sie werden bei Tar- dieu, bat Briand und dem ganzen französischen Volke nur die Einstellung neu festigen: Mit Deutschland können wir springen wie wir wollen.
Paris eMpsindet „deWchen Zorn"
Paris, 22. November.
Die Rede des Reichsaußenministers Dr. Curtius ist von der Agentur Havas in einem längeren Auszug verbreitet worden und wird von den meisten Morgenblüttern wiedergegeben, jedoch nur von wenigen bereits kommentiert. Während das radikale Blatt „ L a R 6 p u b l i q u e " sich mit der vorläufigen Feststellung begnügt, daß der Reichsaußenminister die schwierigen Fragen nicht umgangen habe und daß seine Darstellungen ein wenig rauh seien, aber nichts Aggressives enthielten, verhalten sich die beiden rechtstehen- den Blätter, die bereits Kommentare veröffentlichen, durchaus ablehnend.
„Echo de Paris" spricht vom deutschen Zorn über Tardieus „Neuerung" in der Frage der Abrüstung und der Revision der Verträge. Wir danken Dr Curtius, so erklärt das Blatt, für seine Offenheit. Dr. Curtius wiederholt ganz laut, was sehr oft in geheimen persönlichen Aussprachen erörtert worden ist. Er leistet uns einen Dienst. Wir werden ihm doppelt dankbar sein, wenn seine Darlegungen dem französischen Parlament die Kraft geben, von Briand an= bete Ausführungen zu fordern als die vagen Melodien, mit denen er gewöhnlich feine Hörer überschüttet
„Figaro" schreibt: Bisher habe kein deutscher Minister die Forderung seines Landes in einem derartigen Ion vorgetragen. In Frankreich würden sich darüber nur diejenigen wundern, die auf die Konzessionspolitik große Hoffnungen setzten und die unter Verkennung der deutschen Mentalität meinten, unsere Nachbarn würden Frankreich Dankbarkeit dafür zollen, den Betrag ihrer Schuld herabgesetzt und ihr Gebiet fünf Jahre früher als vorgesehen ge= räumt zu haben. Muß man in Dr. Curtius' Ausführungen ofnen Ein ichüchterungsversuch erblicken? Vielleicht. In diesem Falle wäre es gut, wenn die Berliner Regierung wüßte, daß wir fest bleiben und daß man von uns keine neuen' Konzessionen erwarten darf, die keineswegs dem Frieden dienen würden.
AmerilmWei Betftönhnis
Rewyork, 22. November.
Von den Morgenblättern beschäftigt sich vorläufig nur „Times" in einem Leitartikel mit der Rede des Reichsaußenministers. Das Blatt erklärt, der Minister habe die öffentliche Meinung in Deutschland darauf verwiesen, daß, falls die Lasten des Youngplanes unerträglich werden sollten, Deutschland nicht hilflos sei, da der Young- Plan selbst das Zugeständnis enthalte, daß eine Revision eines Tages sich als notwendig erweisen könnte. Dr. Curtius habe auch erklärt, daß Deutschland den Youngplan nicht zerreißen und sich seinen ausdrücklich übernommenen Verpflichtungen nicht entziehen werde. Aehnliche Zusicherungen seien bereits oon^DH. Schacht gegeben worden.
Der Kanzler an die Landgemeinden
' Die Regierung wird in kürze neue Maßnahmen treffen.
Berlin, 22. November ■
Im Plenarsitzungssaal des Reichstages fand am Frei- , tag die Delegiertenversammlung des Landgemeindetages 11930 statt. In seiner Begrüßungsansprache bedauerte Bür- 1 germeifter Lange- Weißwasser, als Verhandlungsleiter, u. a., daß das Sanierungsprogramm der Reichsregierung nicht an die Gemeinden denke und hielt dem Reich vor, daß es unnötige Ausgaben für den Aufbau unterer Verwaltungen beim Finanz- und Bauwesen gemacht habe.
Reichskanzler Dr. B r ü n i n g erklärte u. a., auch der Reichstag habe leider jahrelang geglaubt, Lasten den Ländern und Gemeinden auferlegen zu können. Dadurch seien die Realsteuern zu einem schweren Druck geworden. Trotz der Agrarkrise sei es der Regierung gelungen, die Agrarpreise vom Weltmarkt abzuhüngen.
3n kürzester Frist werde die Regierung weitere Maßnahmen treffen, denn von der Konsolidierung der Landwirtschaft her könne ein großer Teil der Arbeitslosigkeit behoben werden. Für das nächste halbe oder ganze Jahr könne die Regierung noch keine volle Gesundung herbeiführen; sie wolle die Schwierigkeiten nur so weit abdämmen, daß das Vaterland nicht völlig zusammenbreche.
Der Sparsamkeitsruf sei 1929 nicht überall durchgedrungen. In der Kommunalpolitik habe man vielfach geglaubt, die garantierten Ueberweisungen würden auf alle Zeit weiter- laufen und habe darauf sein. ALg/zhem eingestellte Man müsse aber damit rechnen, daß schlechte Jahre auf gute fol-, " gen. Entscheidend für die weitere wirtschaftliche Entwicklung i werde die Durchführung — und zwar im schnellsten Tem- | po — des Gesamtprogramms der Reichsregierung sein, das nicht zuletzt die Kreditwürdigkeit und Kreditsicherheit wie- derherstellen wolle. Es sei kein Grund vorhanden zu verzweifeln.
Für die preußische Staatsregierung sprach der Innenminister Se v e r i n g , der zur Einigkeit im Kampfe gegen die Nöte des Winters ermähnte und als unsere gefährlichsten inneren Feinde den Hunger und den Pessimismus bezeichnete. Weiter bekannte er sich u. a. als Anhänger der Arbeitszeitkürzung im Interesse der Minderung der Erwerbslosigkeit und erklärte, wenn auch die Beamten mitopfern müßten, so werde Preußen nicht dulden, daß sie rechtlos gemacht würden.
Ueber die „Bedeutung des Landes für die Volksernährung sprach Reichsernährungsminister Schiele, wobei er hervorhob, die Erzeugerpreise müßten dem Landwirt die Existenz ermöglichen, ohne daß der Verbraucher übermäßige Preise bezahlen müsse. Die H a n- delsspanne sei zu verringern. Die letzte Ursache der Agrarkrise sei darin zu erblicken, daß unsere Volkswirtschaftspolitik eine Ausgeglichenheit in der Preisfrage herbeigeführt hat. Aus der fortlaufenden Unrentabilität der Landwirtschaft, besonders im Osten, resultiere die mangelnde Kaufkraft. Daher die Abwanderung aus dem Osten. Da müsse die Siedlung wieder einsetzen. Wir haben heute diesen verkehrten Wandertrieb vom O st e n n a ch d e m W e st e n; er müsse wieder in die umgekehrte Richtung gelegt werden.
Reichsminister Treviranus sprach in seiner Eigenschaft als Reichskommisfar für die Osthilfe über die Hilfsmaßnahmen, die seit 1929 für den Osten geleistet worden sind. Bei der gegenwärtigen Finanznot könne dem b e - drängten Osten nicht ausreichend geholfen werden; aber zunächst müsse der dringendsten Not der reinen Grenzgebiete gesteuert werden. Das neue Osthilfegesetz werde hoffentlich bald verabschiedet werden. In den nächsten Jahren werde dann das Hilfswerk für den Osten ausge- bank werden.
Der frühere Reichsfinanzminister Dr. H i l f e r d i n g schilderte dann den Einfluß der Wirtschaftskrise auf die öffentlichen Finanzen, unter Hinweis darauf, daß neben Deutschland auch England, Italien und selbst die Vereinigten Staaten erhebliche Millionen-Defizite hätten.
Der Präsident des Deutschen Landgemeindetages Reichstagsabgeordneter Dr. Gereke erklärte u. a., solange den Gemeinden hohe Schul- und Wohlfahrtslasten auferlegt seien, könne an eine Senkung derRealsteuer- zu schlüge nur bei höheren Steuerüberweisungen oder ergiebigen neuen Steuerquellen gedacht werden. Die jetzt geplanten neuen Kommupalsteuern böten nicht annähernd einen Ausgleich. Man müsse an eine Umgestaltung der Kraftfahrzeugsteuer etwa durch Einführung einer Betriebsstoffsteuer denken, die die Massen nicht so sehr belastet.
Major a. D. v. E i ck st e d t - Tantow erinnerte daran, daß jeder Staat zusammengebrochen fei, der seine Land- Mirtschaft verkümmern ließ. I
Banzerichils Matz-Lothringen
Erste Rate im Reichselat 1931
Berlin, 21. November
Der Reichselat für 1931, wie er jetzt vom Reichsraks- plenum verabschiedet wurde, enthält eine erste Rate im Betrage von 10,83 Millionen Reichsmark für das Panzerschiff „Elsaß Lothringen".
Wie der Generalberichterstatter für das Haushaltsgesetz im Reichsratsplenum erklärte, haben angesichts dieser Anforderung und des weiteren Bauprogramms die Rsichs- ratsausschüffe anerkannt, daß die überalterten Linienschiffe ersetzt werden müßten, wenn nicht die Bemannung ersatz- los von ihnen heruntergenommen werden müßten. Die Ausschüsse hätten aber im Text zum Ausdruck gebracht, daß das Programm nur „als Anhalt" mitgeteilt werde. Der preußische Antrag, bei Heer und Marine weitere je 10 Millionen Reichsmark für 1931 mit Rücksicht auf die allgemein« Notlage pauschal abzusetzen, was auch mit der Preissenkung für die Rohstoffe begründet war, fei in den Ausschüssen mit erheblicher Mehrheit abgelehnt. Weiter wird bekannt, daß das Panzerschiff A (Ersatz Preußen) auf den deutschen Werken in Kiel 1932 fertig wird. Panzerschiff B (Ersatz Elsaß Lothringen) soll 1931 auf der Marinewerft begonnen, 1934 fertiggestellt, „Ersatz Braunschweig" soll 1932 begonnen und 1936 fertiggestellt, „Ersatz Elsaß" 1934 begonnen werden. Der auf der Marinewerft im Bau befindliche Kreuzer „Leipzig" soll 1931 fertig werden und insgesamt 42 Millionen kosten. Als Gesamtjahresbetrag für Schiffsneubauten wird für die sechs Jahre, die der Plan umfaßt, die Durchschnittssumme von 50 Millionen angegeben. Allgemein bestimmt der Plan: Die Lebensdauer beträgt 30 Jahre für die Panzerschiffe und Kreuzer, 15 Jahre für die Zerstörer und Torpedoboote, vom Tage des Stapellaufs an gerechnet.
^Wß »M UMSMKWMe
Am Deukfch-Ofkafrika
Berlin, 21. November
Zum Protest gegen die Pläne Englands auf Einverleibung des großen Mandatsgebietes Dsutsch-Ostafrika ver- anftaltete der Arbeitsausschuß deutscher Verbände in Berlin eine große Protestkundgebung. Nach einer Eröffnungsansprache des Reichstagsabgeordneten Dr. Schnee, der den in jeher Beziehung hervorragenden Wert der von England begehrten Kolonie schilderte, bewies Rechtsanwalt Professor Dr. Grimm - Essen die völkerrechtliche Unzulässigkeit der britischen Pläne nach dem FriedensverUug und nach Artikel 22 der Völkerbundssatzung, der die Grundlage des Mandatssystems darstelle. Insbesondere zeigte der Redner, daß die beabsichtigte englische Annexion gegen Wilsons Grundsatz vom Selbstbestimmungsrecht der Völker verstoßen.
Deutschland habe das Recht und die Pflicht, als Mitglied des Völkerbundes in der Mandatskommission gegen Englands Vorgehen zu protestieren und, falls der Einspruch nicht durchdringe, an den ständigen internationalen Gerichtshof zu appellieren. Eine die Darlegungen Professor Dr. Grimms kurz zusammenfassende Entschließung wurde ohne Widerspruch angenommen.
Der erste deutsche Groß-Sender in Betrieb.
In der Nähe von Mühlacker zwischen Stuttgart und Karlsruhe ist der erste deutsche Groß-Rundfunksender errichtet worden, der jetzt in Betrieb genommen wurde. Unser Bild zeigt den Antennenmast des ersten deutschen Groß-Senders in Mühlacker. ;