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HersfelöerTageblatt

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MychMpttk: die einspaltige Petttzelle 15 Pfennig, 6k RMamyetle 50 Pfennig. (Grundschrist Korpus). Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis- NachlaK gewährt. Zür die Schristleitung verant" wörtlich: Kranz Lunk in Hersfelö. * Kernsprecher Nr.

Hersfelöer Kreisblatt sssEa

iflicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö U ...

Amtlicher Anzeiger für

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1.00 Reichs-Mark. druck und Verlag von Kunks Buchdruckerei in Herefeld, Mitglied der

1.50

I Ludwig öesvLZV.

Nr. 276 Dienstag, den 25. November 1930 80. Jahrgang

Völkerbund muß in Volen Ordnung schaffen

Terrorwahlen in Östoberschlesien 108 000 deutsche Stimmen vernichtet Deutscher Protest

Litmino« nach Maslan untemegr

Unerwartete Abreise von Genf

Genf, 25. November.

In Völkerbundskreisen und darüber hinaus in allen in Genf versammelten politischen Kreisen des In- und Aus­landes rief die am Montag erfolgte plötzliche Abreise des sowjetrussischen Außenkommissars L i t- winow nach Moskau geradezu Sensation hervor. Litwinow befand sich bekanntlich von Beginn der diesjähri­gen Verhandlungen des Vorbereitenden Abrüstungsaus­schusses als Vertreter der Sowjetunion in Genf und nahm hier vielfach an der Seite Deutschlands sehr aktiven Anteil an den Beratungen und Beschlüssen des Ausschusses. Er hat die Rückreise nach Moskau über Mailand und Berlin ange­treten, ohne die Gründe seiner plötzlichen Abreise oder auch nur irgendeine Benachrichtigung zu hinterlassen. Von Sei­ten der russischen Delegation wird allerdings erklärt, daß die Abreise Litwinows mit Gerüchten über angeb­liche Unruhen in Rußland nichts zu tun hätte. Sein weiteres Verbleiben in Genf habe sich aber als zwecklos erwiesen, nachdem er Gelegenheit gehabt hätte, in den entscheidenden Punkten der Abrüstungskonvention den sowjetrussischen Standpunkt wiederholt zum Ausdruck zu bringen. Er habe sich erneut überzeugt, daß durch die in Vorbereitung befindliche Abrüstungskonvention für eine wirksame Abrüstung nichts erreicht werde.

Diese Erklärung ist deshalb etwas auffallend, weil die entscheidenden Fragen des Abrüstungsabkommens erst in den nächsten Tagen zur Verhandlung kommen werden. Trotz aller Dementis hält sich auch in Genf das Gerücht, daß die gegenwärtige Lage in Moskau außerordentlich kritisch ist und die Anwesenheit Litwinows als notwendig angesehen werde. Zum Teil bringt man die Rückreise Litwinows auch mit der großen Personalveränderung in der Roten Armee und Marine in Zusammenhang, wie sie jetzt von Stalin ^orgeniemmw^ *K**er vvecvefeyisyaver gM Militärbezirke soll durch neue Männer ersetzt werden. Auch die Redaktion des MilitärblaktesKrasnaja Swesda" soll vollkommen erneuert werden.

Zivilluftfahrt im MMmsraiuMb

G. 38" beunruhigt Frankreich.

Genf, 25. November.

Im Vorbereitenden Abrüstungsausschuß wurde am Mon­tag die Frage der Zivilluftfahrt im Rahmen der Abrüstungs­konvention behandelt. Deutschland, das keine Militärflug­zeuge herstellt oder einführt, hat stets den Standpunkt ver­treten, daß eine Berücksichtigung der Zivilluftfahrt bei der Abrüstung völlig unberechtigt ist. In der Debatte machte M a s s i g l i (Frankreich) erneut unter offenem Hinweis auf Deutschland den Versuch, der Zivilluftfahrt militäri­schen Wert beizulegen. Er meinte, daß die Unterscheidung zwischen militärischem und zivilem Luftfahrzeug sehr schwie­rig sei. Es habe keinen Zweck, sich in der Kommission über Richtlinien für die aufzustellenden Tabellen zu unterhalten, ohne vorherige Klärung der technischen Fragen. Massigli zog das JunkersflugzeugG. 38" in die Debatte und meinte, das sei ein Beispiel, wie schnell ein Handelsflugzeug in ein Kriegsflugzeug umgewandelt werden könne.

Graf Bern st'o r f f erwiderte dem französischen Dele­gierten in einer kurzen Erklärung, in der er u. a. sagte: Wenn von Herrn Massigli der militärische Wert eines deut­schen Zivilflugzeuges hervorgehoben ist, so möchte ich ihm dazu die Aeußerung eines Sachverständigen seines Landes, des Präsidenten der französischen Luftfahrtkommission, Oberst B r o c a r d, imJournal officiel" in der Chambre des Deputees anführen, in der dieser sagt, daß Handelsflug­zeuge nicht für Kriegszwecke verwendbar seien. Oberst Bro- card spricht dann, so führte Graf Bernstorsf weiter aus, die allerdings irrtümliche Auffassung aus, daß Deutschland vielleicht ein Interesse habe, Handelsflugzeuge militärisch zu benutzen, da es keine Militärluftfahrt unterhält. Brocard fährt dann wörtlich fort:

Aber vergessen Sie nicht, daß man zu diesem Zweck die Geschwindigkeit eines Flugzeuges vermindern, seine Ar­mierung verstärken, seine Karosserie verkleinern und sie völlig unverletzlich machen müßte. Wenn ich die Ehre hätte, ein Flugzeuggeschwader zu kommandieren, das gegen eine solche umgewandelte Flotte zu sümpfen hätte, so würde das eine herrliche Aufgabe sein. Man hätte sich nämlich gegen Flugzeuge zu wehren, deren Geschwindigkeit um 20 bis 30 Prozent geringer wäre, als die eigene."

Zum Schluß seiner Erklärung betonte Graf Bernstorff: Mehrere Male habe ich bereits vor dieser Kommission die Gründe dargelegt, warum ich den Entwurf einer Ab­rüstungskonvention nicht annehmen kann, die sich auf das Gebiet der Zivilluftfahrt begibt. Ich habe nicht nötig, es Ihnen gelegentlich der jetzigen Diskussion noch einmal zu wiederholen. Wie andere Staaten hat Deutschland ein Inter­esse daran, die Entwicklung der Luftfahrt in den verschie­denen Ländern genau zu kennen. Seit mehreren Jahren schon veröffentlichten wir eine offizielle und detaillierte Liste aller Flugzeuge. Wir wären sehr zufrieden, wenn außer­halb dieser Konvention alle Staaten sich zu einer jährlichen Veröffentlichung des Standes ihrer zivilen Luftfahrt ver­pflichteten.

Mutwahleu in Olt-VberWeßen

Sechs Todesopfer. Starke Stimmen- und Mandats­verluste der Deutschen.

Kattowitz, 25. November.

Die Wahlen zum Warschauer Senat und zum Schle- sischen Sejm am letzten Sonntag sind unter noch blutigerem Wahlterror und furchtbareren Bestialitäten des polnischen Aufständischenverbandes vor sich gegangen als bei den Sejm- wahlen vor acht Tagen. Sechs Tote bezeugen vor aller Welt die polnische Blutschuld und das Wüten der polnischen Bluthunde, die unter Führung des polnischen Aufständischen- verbandes und unter Duldung des Kattowitzer Wojewoden Grazinski die Deutschen von der Wahl abzuhalten suchten.

Daß diese behördlich geduldeten Gewalttaten gegen die deutsche Wählerschaft in dem Wahlergebnis nicht ohne Auswirkung bleiben konnte, hat sich schon bei den Sejm- wahlen gezeigt. Die Deutschen haben denn auch seit dem Mai d. 3. einen Stimmenverlust von über 108 000 zu ver­zeichnen und vermochten insgesamt nur 68 586 Stimmen in Östoberschlesien aufzubringen. Von ihren bisherigen 15 Mandaten konnten sie lediglich 7 behaupten. 3m einzelnen stellt sich das Wahlergebnis vom Sonntag wie folgt:

Von den 454 392 Wahlberechtigten haben bei den Se­natswahlen 409 435 abgestimmt. Von den 360 589 gültigen Stimmen entfielen auf die Korfantyliste 136 791 Stimmen, auf die Regierungspartei 135 229 Stimmen, auf die deutsche Wahlgemeinschaft 68586, auf die So­zialisten 15 704 und auf die Kommunisten 4279 Stimmen. Die Korfanty-Partei stellt demnach im Senat aus der Wojewodschaft Schlesien zwei Abgeordnete gegen bisher einen, während die Regierungspartei ihren zweiten Sitz verloren hat und ebenso wie die deutsche Wahlgemeinschaft, die sich behaupten konnte, nur mit einem Abgeordneten im MMWWMMWMM

Die Mandate verteilen sich zum Schlesischen Sejm wie folgt:

Regierungspartei

19

Mandate (10)

Korfanty-Partei

19

.. (16)

Deutsche Wahlliste

7

.. (15)

Sozialisten

3

(5)

Kommunisten

0

(2)

Alle Berichte über das Vorgehen der Polen gegen die Deutschen besagen, daß die deutsche Wählerschaft dermaßen eingeschüchtert war, daß sie sich nur unter großer Ueberwin­dung und persönlicher Gefahr entschließen konnte, zur Wahl­urne zu gehen. Nicht nur durch die Gewalttaten wurden Tausende von der Wahl abgehaltene, auch durch

dehördttche Schienen

haben Tausende und aber Tausende ihre Wahlrecht verloren. Zahlreiche deutsche Vertrauensleute wurden wegen Kleinig­keiten aus den Wahllokalen entfernt. Wenn ein Mitglied der Kommission deutsch sprach, wurde es vom Wahlvorsteher gerügt. Als in einem Kattowitzer Wahllokal der deutsche Vertrauensmann darauf aufmerksam gemacht wurde, daß der Vorsteher zusammen mit einem Polizisten an Hand der Wahllisten verschiedene Notizen machte, veranlaßte der Vorsteher den Polizisten, den Vertrauensmann aus dem Wahllokal zu entfernen. In Wilczek drangen in den ersten Nachmittagsstunden 8 bis 10 uniformierte Aufständische in sämtliche Wahllokale ein, um die deutschen Vertrauensleute zu entfernen. Wer das Wahllokal nicht freiwillig verließ, wurde verprügelt. Die Polizisten standen dabei, ohne einzu- schreilen. In L i p i n y wurde ein Hüttenmeister schon seit vier Tagen in den Abendstunden belästigt. Am Sonnabend unternahmen kurz vor Mitternacht etwa 80 bis 90 Auf­ständische einen Generalangriff gegen seine Wohnung. Nach­dem zunächst die Fensterläden mit Ziegelsteinen beworfen worden waren, wodurch 28 Scheiben in Trümmer gingen, und eine zweite Abteilung die Haustür berannte, gab der Bedrängte Schreckschüsse ab. Dies veranlaßte schließlich die Aufständischen von ihrem Vorhaben abzusehen. Sie gaben dann auf der Polizeiwache an, daß sie von dem Hüttenmei­ster beschossen worden seien, als sie ruhig ihres Weges an seinem Hause vorbeigekommen seien.

Ueberwachung der Stimmabgabe

Die Stimmabgabe ist auch diesmal von interessierter aufständischer Seite überall stark überwacht worden.

Räch den bisher vorliegenden Meldungen sind in der Nacht zum Sonntag und am Wahltag selbst sechs Tote als Opfer des Wahlterrors zu verzeichnen.

Die Zahl der Streichungen von Minderheitenangehörigen aus den Wahllisten wird unter Zugrundelegung der von der polnischen Presse gemachten Angaben auf mindestens 15 000 bis 20 000 geschützt. Daß der Wahlterror sich diesmal noch viel schlimmer ausgewirkt hat als bei den Wahlen am ver­gangenen Sonntag, erhellt aus dem bedeutsamen Rückgang der Stimmen überhaupt, wobei allerdings auch beachtet wer­den muß, daß die Streichungen aus den Listen für die Warschauer Sejmwahlen nicht in dem Umfange vorgenom­men wurden wie bei den Wahlen zum Schlesischen Sejm.

Die Senatswahlen

Heuet Regierungssieg in Polen.

Warschau, 25. November.

Die Senatswahlen haben dem Regierungsblock, der sich auch diesmal wieder in der Ukraine und im weißrussischen Osten zahlreiche Mandate gesichert hat, eine große Mehrheit gebracht. In Warschau hat der Regierungsblock ein drittes Mandat errungen, während die Nationaldemokraten nur über einen Sitz verfügen. Hingegen haben die National- demokraten im Westen, ebenso wie bei den Sejmwahlen, ge­wisse Erfolge zu verzeichnen. Die deutsche Vertr'e- tung im Senat ist nunmehr von fünf auf drei zusammengeschmolzen. Es konnten nur die Mandate in Oberschlesien, Posen und Lodz behauptet werden. Das Wahlergebnis zum Senat stellt sich folgendermaßen dar: Regierungsblock 76 (früher 46), Zen- trolinke 14 (früher 31), Nationaldemokraten 12 (früher 9), Ukrainer und Weißrussen 4 (früher 13), Juden 0 (früher 6), Deutsche 3 (früher 5), Korfanty-Gruppe 2 (früher 1).

Eine Schlacht

zwischen Aufständischen und deutschen Dörflern.

Beuthen, 25. November.

Im Dorfe Golasowic im Bezirk Pleß haben polnische Aufständische am vergangenen Sonnabend, wie erst jetzt be­kannt wird, einen neuen Terroakt gegen deutschstümmige Dorfbewohner verübt. Polnische Aufständische belager­ten am Sonnabendnachmittag die deutsche Schule und verhinderten Lehrer und Schüler an dem Verlassen des Schulgebäudes. Gegen 5 Uhr nachmittags zogen die Auf­ständischen wieder ab. Sie erschienen jedoch erneut am Abend. Da die Deutschen neue Gewaltakte fürchteten, sam­melten sie sich nun auch ihrerseits. Als die Aufständischen uies sahen, bildete» M-e tu e.® iy i. Z e n U » i e und gurren gegen die Deutschen zum Angriff vor. Es kam zu einer regelrechten Schlacht zwischen beiden Parteien. Ein polnischer Polizeibeamter, der sich an dem Vorgehen der Aufständischen beteiligt hatte, und da er keine Uniform trug, als Polizist nicht kenntlich war, wurde bei dem Handgemenge erschlagen.

Die Heitisregiernno greift ein

Beschwerde beim Völkerbund wahrscheinlich

Berlin, 25. November.

Das Reichskabinett beschäftigte sich in seiner Montag- sitzung mit der in Oberschlesien durch den Wahlterror der polnischen Aufständischen gegen die deutsche Minderheit in Oberschlesien geschaffenen Lage. Wie wir von unterrichteter Seife erfahren, ist der deutsche Generalkonsul in Kattowitz, der gleichzeitig Reichs- und Staatsvertreter ist, beauftragt worden, an Ort und Stelle Erhebungen über die gemelde­ten Ausschreitungen gegen die deutsche Minderheit anzu- stellen. Räch Eingang seines Berichtes im Auswärtigen Amt, der für Dienstag, spätestens Mittwoch erwartet wird, wird die Reichsregierung prüfen, welche weiteren Schritte unter­nommen werden sollen. Auf Grund der Bestimmungen der Genfer Konvention über Oberschlesien und der anderen Minderheitenverkräge, die die Freiheit der Wahlhandlung für die Minderheit sichern, wird gegebenenfalls in Genf Beschwerde eingelegt und verlangt werden, daß die nächste Völkerbundstagung sich mit der Angelegenheit beschäftigen soll. Unabhängig von dieser Beschwerde läuft zurzeit das Verfahren, das die deutsche Minderheit in Oberschlesien bei der Gemischten Schiedskommission eingeleitet hat.

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Abschluß der Vortragsreise Dr. Schachts in Amerika

Baltimore, 25. November.

Der frühere Reichsbankpräsident schloß seine Vortrags­reise durch die Vereinigten Staaten mit einer Aussprache vor über 600 prominenter; Bankiers, Jndustrieführern und Wirtschaftlern ab, die hierzu eigens aus Philadelphia, Wa­shington und anderen Städten nach Baltimore gekommen waren. Unter ihnen befand sich u. a. auch der bekannte amerikanische Nationalökonom Dr. Friday, der die Ansicht äußerte, daß Deutschland noch für einige Zeit wirtschaft­lich in der Lage sei, Reparationen zu zahlen. Das Argu­ment, daß Deutschland die Reparationen mit amerikani­schen Anleihen bezahlt habe, sei irreführend. Es habe das Geld aus der eigenen Wirtschaft herausgeholt.

Dieses herausholen unter Hochdruck könne jedoch nicht lange mehr weitergehen. Dr. Schacht betonte, daß er als Privatmann spreche und keine Streichung der Reparationen verlange, aber entweder müsse Deutschlands Export um 50 Prozent gesteigert werden, was ohne Erschließung neuer Absatzmärkte durch amerikanisches und anderes Kapital offentsichtlich unmöglich sei, oder die Reparationen müßten verringert werden, sonst würden spätestens binnen Iahres- frift^bie deutschen Reparationszahlungen automatisch auf-

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