HersstlöerTageblatt
Hersfelöer Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö
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Nr. 291
Freitag, den 12. Dezember 1930
80. Jahrgang
NemarqueFilm verboten
Borsührung des Films „3m Westen nichts Neues" wegen Schädigung -es deutschen Ansehens untersagt
Remarque-Film verboten
Wegen Gefährdung des deutschen Ansehens
Berlin, 12. Dezember.
Die Filmoberprüfstelle sprach am Donnerstag nach etwa sechsstündiger Verhandlung das Verbot des Films „3m Westen nichts Neues" aus, weil er das deutsche Ansehen gefährde.
Bor der Filmoberprüfstelle fand am Donnerstag im Reichsinnenministerium die Prüfung des Films „Im Westen nichts Neues" statt. Die Verhandlung wurde mit einer Vorführung des in Deutschland zugelassenen Bildstreifens eingeleitet. Den Vorsitz führte Ministerialrat Dr. See- ger vom Reichsinnenministerium; als Beisitzer waren bestimmt der Vorsitzende des Reichsverbandes der deutschen Presse, Chefredakteur Paul Baecker von der „Deutschen Tageszeitung". Prof Hin derer, der Direktor des Evangelischen Presseverbandes für Deutschland, Frl. Reinhardt, eine Schwester des Generals Reinhardt, und als Arbeiterverteter der Filmvorführer B a ch w i tz.
Nach der Vorführung des Films wies der Vorsitzende der Oberprüfstelle zunächst darauf hin, daß die Verhandlungen von der Fassung auszugehen hätten, in der der Bildstreifen in Deutschland gezeigt worden sei. Sodann gab er den beiden Sachverständigen das Wort. Als erster äußerte sich der
Vertreter des Reichswehrministeriums.
Er erinnerte zunächst an das seinerzeitige ablehnende Gutachten seines Ministeriums vor der Filmprüfstelle, betonte, daß auf dem Gebiet des Films der Locarno-Geist sich noch nicht durchsetzen könne. Die offenen Beleidigungen in Filmen seien allerdings im Verlaufe der letzten ^Nahre verscywun- den; an die Stelle solcher Filme seien aber jetzt andere getreten, in denen der Deutsche verunglimpflicht und als lächerlich hingestellt werde.
Die heutigen antideutschen Filme seien so raffiniert hergestellt, daß sie nur auf schärfste verurteilt werden könnten. Bei dem Film „3m Westen nichts Neues" komme dies vor allem im Stofflichen zum Ausdruck. So habe der Soldat Kalczynfki eine ausgesprochene Verbrecher- Visage.
Als Träger der Tradition des alten Heeres verwahre sich das Reichswehrministerium gegen diese Filme. Dieses habe nichts mit Ueberempfindlichkeit zu tun. Der Sachverständige erwähnte in diesem Zusammenhang die unlängst einmal zusammengestellten Urteile englischer Kinder gegenüber solchen Filmen. Daraus gehe hervor, daß einheitlich der deutsche Soldat als brutal und grausam betrachtet worden sei, während man den englischen Soldaten als tapfer anerkannte. Dadurch würde die Phantasie der Kinder vergiftet. Außerdem werde von den Herstellern des Films nicht bestritten, daß der Film in Deutschland in einer anderen Fassung als im Auslande erscheine, daß für Deutschland also alle ungeeigneten Stellen entfernt worden seien.
Späte Erkenntnis — Film zurückgezogen.
Zu Beginn seines Plädoyers teilte der Vertreter der Universalfilm Ges. m. b. H. mit, daß seine Gesellschaft den Remarquefilm sofort ohne Rücksicht auf das Urteil der Filmoberprüfstelle zurückziehe.
Die Berbotsentscheidung
Nach halbstündiger Beratung verkündete der Vorsitzende der Filmoberprüfstelle das Urteil: Der Film ist wegen Gefährdung des deutschen Ansehens zu verbieten.
In der Begründung wird u. a. betont, daß das Urteil nicht unter dem Eindruck der Straße gefallen sei. Auch habe sich das Gercht nicht von den Ausführungen Dr. Frankfurters beeinflussen lassen, in denen es hieß, daß die amerikanische Industrie sich nach einem Verbot dieses Films eventuell aus Deutschland zurückziehen werde.
Preuben fleht die Originalfassung
Zur gleichen Zeit, als in der Filmoberprüfstelle über die von fünf Ländern gestellten und gegen den Remarque- Film gerichteten Verbotsanträge beraten wurde, fand vor Mitgliedern des Preußenkabinetts und höheren Beamten des preußischen Innenministeriums und des Berliner Polizeipräsidiums und Offizieren der Schutzpolizei eine Son- dervorführung der amerikanischen Fassung des Films „Im Westen nichts Neues" statt. Der Aufführung wohnten u. a. Ministerpräsident Braun, Innenminister S e v e r i n g, Kultusminister Grimme, der Berliner Polizeiprsident G r z «s i n s k i sowie eine Anzahl Parlamentarier bei.
ZeuMtoilds Genfer Methode
„Sie diente einem guten Zweck"
London, 12. Dezember.
Zur Beendigung der Arbeit der Vorbereitenden Ab- rüstungskommission schreibt I. A. Spender im „News Chro- nicle": Die russische rote Armee wirft ihren Schatten auf Osteuropa und gibt den Nationen, die sich dadurch bedroht fühlen, einen Vorwand. bewaffnet zu bleiben. Weiter nach Westen ist die französisch-italienisch-jugoslawische Lage eine ständige Quelle der Unruhe, die als Hindernis für die Abrüstung erklärt wird. Wie aber die Gründe oder Entschuldigungen auch lauten mögen —
die anderen Nationen müssen im Auge behalten, daß es unmöglich sein wird, Deutschland die Abrüstung auf die Dauer aufzuzwingen. Es handelt sich nicht lediglich um die Frage von Rüstungen, es ist auch eine Frage des nationalen Stolzes und der nationalen Stellung.
Sogar die deutschen Pazifisten sind der Meinung, daß die Wiederbewaffnung ihres Landes zwar nicht wünschenswert ist, daß aber das Erdulden einer erzwungenen Entwaffnung bei voller Rüstungsfreiheit für die anderen Nationen eine Demütigung bedeutet, die nicht für immer fortdauern kann. Graf Bern st orffs Methode in Genf, an diese Tatsache zu erinnern, mag ermüdend und lästig sein, aber sie dient einem guten Zweck.
Lord MIs BeMediguns
Lord Robert Cecil erklärte dem Genfer Korrespondenten des „Daily Herald" in einem besonderen Interview: Ich betrachte die Leistungen der Vorbereitenden Abrüstungskom- mission als befriedigend. Der Konventionsentwurf macht meiner Ansicht nach einen tatsächlich wirksamen Abrüstungs- verirag möglich. Ich glaube, daß die Abrüstungskonferenz
M I^res 1W ^usWrmMt treten wird, doch muffen vitz/e sorgfältige Vorbereitungen getroffen werden, um ihr Mü Erfolg zu verhelfen. - Die Konferenz wird die größte jemals abgehaltene fein, und sogar die Versailler Konferenz wird im Vergleich damit klein erscheinen. Sie mag sehr lange Zeit dauern, auf jeden Fall hoff» ich, daß sie in Genf stattfinden wird.
Kellogg für Abrüstung
Oslo, 12. Dezember.
Kellogg, der frühere amerikanische Staatssekretär, erklärte hier u. a., daß das Wettrüsten eine der größten Bedrohungen des Weltfriedens sei.
Die Staaten sind moralisch verpflichtet, ihre im Versail- ler Vertrag niedergelegten Erklärungen über die Abrüstung durchzuführen.
Es herrsche sicherlich allgemeine Enttäuschung über die Verhandlungen der Vorbereitenden Abrüstungskonferenz in Genf, aber man müsse bedenken, daß es sich hier ausschließ- lich um vorbereitende Verhandlungen handele. Sicher würde vor 1936 eine neue Flottenkonferenz abgehalten, auf der weitere Beschränkungen durchgeführt werden würden. Des weiteren hoffe er, daß innerhalb sehr kurzer Zeit eine allgemeine Abrüstungskonferenz abgehalten werde, die die Hoffnungen verwirklichen werde, welche die Menschheit daran knüpfe. Die Vereinigten Staaten sind jedenfalls an der Aufrechterhaltung des Weltfriedens sehr stark interessiert.
Kellogg, der hier zur Entgegennahme des Friedensnobelpreises weilte, ist nach Berlin ab gereift.
Mae Donald vermittelt
auf der Indienkonferenz
London, 12. Dezember.
Mac Donald nimmt an den Arbeiten der Indien- konferenz aktiv in der Rolle eines Vermittlers teil, um die Streitigkeiten zwischen Hindus und Mohammedanern beizu- legen, die gegenwärtig den Fortschritt der Konferenz stören.
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Der frühere konservative Schatzkanzler Churchill, erklärte in einer Aufsehen erregenden Rede, England habe nicht die mindeste Absicht, seinen wirksamen Einfluß auf das Leben und die Entwicklung Indiens aufzugeben. Auch jetzt sei England in seiner großen Mehrheit gegen die Einführung jeder Art von Dominionstatus. Wenn Indien sich selbst überlassen werde, so werde es rasch auf die Lage Chinas herabsinken. Das Parlament werde durch die Beschlüsse der gegenwärtigen Indienkonferenz nicht gebunden sein. England denke nicht daran, ein kostbares Juwel der Krone weg- zuwerfen, das den Ruhm und die Stärke des britischen Reiches bilde.
lieber ganM uba wurde der Belagerungszustand verhängt.
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In Gabis wurde der Generalstreik ausgerufen.
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Bei einer schweren Explosion in der Grafschaft Ayr wurden neun Bergarbeiter verletzt. ,
Frankreich ist nicht bedroht
Polen unnachgiebig, weil Frankreich hinter ihm steht.
Paris, 12. Dezember.
Einiges Aufsehen erregt in Frankreich die Veröffentlichung einer Frau Rene D u n a n in der Volontö, die Frankreich seine scheinheilige „Friedens- und Pazifistenlarve" an Hand von Feststellungen herunterreißt. Sie fragt: „Sind wir wirklich friedlich gesinnt?" und erklärt: Wenn man mir sagt, daß Polen lieber Krieg führen als irgendeine Aenderung seines territorialen Status bewilligen würde, so muß ich fragen, was bedeutet das? Kann dieses Land, dessen halbe Bevölkerung aus anderssprachigen Elementen besteht, wirklich hoffen, über Deutschland zu triumphieren, wenn es ihm allein gegenübersteht, oder etwa über Sowjetrußland? Was bedeutet, von diesem Gesichtspunkt aus gesehen, seine unnachgiebige Haltung?
Sie bedeutet, daß Polen lieber einen Krieg führen würde, als auf zwei Zoll Boden zu verzichten, auf dem man niemals polnisch gesprochen hat, weil es weiß, daß es von Frankreich unterstützt wird.
Wir sind weniger pazifistisch, weil das Wesen des Pazifismus darin besteht, die reine und kluge Vernunft zum Siege zu führen und nur sie, trotz aller Prestigefragen, aller Siege und trotz aller juristischen Ansprüche, auf die man sich bei uns zu brutal beruft. Trotz seiner Armee, deren Führer sich heuchlerisch beschweren, während sie doch bei weitem die mächtigste und bestausgerüstete Europas ist, während sie einen Mobilisierungsplan besitzt, vermöge dessen fünf Millionen bewaffnete Männer unter die Fahnen gerufen werden können, ehe die 100 000 Hitler-Leute, die gewisse Elemente bei uns zum Zittern bringen, mobilisiert sind, trotz dieser Armee tut Frankreich so, als habe es einen militärisch gar nicht vorhandenen Feind zu befürchten.
Es ist nicht wahr, daß man Frankreich bedroht. Es stimmt nicht, daß irgend jemand ihm etwas anderes übel nimmt als feine Unnachgiebigkeit. Es ist auch nicht richtig, daß Frankreich pazifistisch ist. Bei uns spielt man ständig mit dem SriegsgeSanken, und wenn oer Krieg dann wirklich kommt, dann wird es heißen, er ist „ohne unser Zulun" gekommen!
Löst Steeg die Regierungskrise?
Paris, 12. Dezember.
Senator Steeg hat feine Bemühungen um die Kabinettsbildung begonnen und zu diesem Zweck mit Poincare, Briand und Barthou Besprechungen gehabt. Anschließend daran verhandelten Barthou und Briand miteinander. Schließlich nahm Steeg mit seinen drei Parteigenossen Da- ladier, Chautemps und Herriot Rücksprache. Diese erklärten nach Schluß dieser Aussprache, die Krise gehe ihrem Ende entgegen.
In den Wandelgängen der Kammer verlautet über die Absichten des Senators Steeg, daß er außer seiner Partei die Sozialrepublikaner, die Radikale Linke, die Linksrepublikaner und sogar die Fraktion Maginot — von den kleinen Gruppen, die in der Mitte des Hauses fitzen, abgesehen — aufnehmen wolle. Es scheine jedoch, daß Senator Steeg nicht auf die Fraktion Marin zurückgreifen wird. Es wird auch behauptet, daß Steeg, um Schwierigkeiten zu vermeiden, einen gemäßigten Politiker dieser Partei, wie etwa den ehemaligen Mitarbeiter von Millerand, Lefebre du Prey, in sein Kabinett aufnehmen würde. Briand soll bereits Steeg ausdrücklich zugestimmt und ihm seine Unterstützung versprochen haben.
Ehrenerklärung für Tardieu im Zusammenhang mit dem Oustric-Skandal.
Paris, 12. Dezember.
Der Abgeordnete S c a p i n i hat zu Beginn der Sitzung des parlamentarischen Untersuchungsausschusses, der den Fall Oustric behandelt, einen Zwischenfall dadurch hervorgerufen, daß er auf Gerüchte hinwies, denen zufolge die Rolle Tardieus in der Angelegenheit Oustric verdächtig fei. Da sich Scapini hierbei besonders an die rabitalen und die sozialistischen Ausschußmitglieder wandte, gab der sozialistische Abgeordnete Renaudel die Erklärung ab, er habe in den vorliegenden Akten nichts gefunden, was erlaube, Tardieu in der Oustric-Affäre zu verdächtigen. Der radikale Abgeordnete Daladier gab darauf eine entsprechende Erklärung ab; auch er habe unter den dem Untersuchungsausschuß vorliegenden Akten nichts festgestellt, was es erlaube, Tardieu in die Angelegenheit hineinzuziehen.
MM-Mowfl
Furchtbare Schande des zeitgenössischen polnischen Lebens.
Warschau, 12. Dezember.
Die Nationuldemokraten haben einen Dringlichkeilsan- trag eingebracht, wonach alle, die an der Einkerkerung von ehemaligea Abgeordneten im Militärgefängnis von Brest- Likowsk mitgewirkt haben, strafrechtlich verfolgt werden sollen. In der Begründung wird u. a. darauf hingewiesen, daß die Häftlinge nicht nur gepeinigt und ausgehungert, sondern auch geschlagen und mißhandelt worden sind. Brest sei eine furchtbare Schande des zeitgenössischen polnische» Lebens.