Einzelbild herunterladen
 

hersfelörrTageb-att

hersfelKer Kreisblatt

Amtlicher Mnzeiser für den Kreis Hersfelö

MonatllchrrVezugsprrls: durch öt» Post bezogen 1^0 Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Sersfrlö 1.20 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer 1.00 Reichs-Mark. Druck und Verlag von Ludwig Zunks Vuchdruckerel ln Hersfeld, Mitglied drsvDZV.

Nr. 292 (Erstes Statt)

Gonuabenb, den 13. Derember 1930

80. Jahrgang

Kehraus im Reichstag

Nach Ablehnang aller Anträge auf Erledigung der Miktrauensanträge wurde der Reichstag auf den 3. Februar 1931 vertagt

Die Mvsrita-Frase

im britischen Parlamentsausschuß

London. 12. Dezember.

Der gemeinsame Ausschuß des Ober- und Unterhauses zur Erörterung der Ostafrika-Frage hielt seine erste öffent­liche Sitzung im Oberhaus unter Vorsitz Lord Stanleys ab. Als erster legte der ständige Unterstaatssekretär im Kolonial- amt, Sir Samuel Wi l s o n, seine Eindrücke dar, die er auf seiner Studienfahrt durch Kenya, Uganda und Tanga- nyika gesammelt habe. Er erklärte:Ich bin der Ansicht, daß, wenn die Regierung irgendwann in naher Zukunft be­schließt, eine engere Verbindung der Gebiete in Ostafrika vorzunehmen, ein Plan im Rahmen der Hilton-Vorschläge für die Bevölkerung der drei Gebiete, die ich besucht habe, am annehmbarsten wäre.

Ich möchte sagen, daß ich in meiner Eigenschaft als Unterflaakssekretär des Kolonialamtes nur äußerst widerwillig der Regierung einen Plan zur Schaffung einer engeren Union unterbreiten würde, wenn man sich nicht vorher der Mitarbeit der Ansiedler von Kenya bei der Durchführung versichern könnte. Ich halte es für meine Pflicht, den Ausschuß darauf hinzuweisen, daß man anderenfalls keine geringe Gefahr läuft, in Ost­afrika eine politische Atmosphäre zu schaffen, die wir. meiner Ansicht nach, alle hinterher bedauern könnten.

Zur Frage einer Vertretung der in Ostafrika ansässigen Leyvas ttWrte, Wilson, er gehöre nicht zu denen, die an der früheren oder späteren Lösung dieses äußerst schwierigen Problems ver­zweifeln. Es fei jedoch der Ansicht, daß bei den gegen­wärtig in Ostafrika herrschenden Gefühlen mehr Schaden als Gutes angerichtet werden könnte, wollte man zum augenblicklichen Zeitpunkt die Lösung dieses Problems ver­suchen. Der indischen Delegation, die er in Nairobi ge­sprochen habe, habe er dargelegt, seiner Meinung nach sei das beste, was sie momentan tun könnten, Wege der An­näherung ausfindig zu machen, die schließlich zu einem Uebereinkommen in dieser äußerst strittigen Frage führen könnten. Weiterhin erläuterte Wilson vor dem Ausschuß die hauptsächlichsten Punkte, in denen seine eigenen Vor­schläge von denen der Regierung abweichen, die kürzlich in Form eines Weißbuches veröffentlicht wurden.

Amerila über Mittags Erfolg

Washington, 12. Dezember.

Die Erfolge des deutschen Reichskanzlers bei der kürz- lichen Reichstagsabstimmung haben auf die hiesige Presse starken Eindruck gemacht. Washington Star führt u. a. aus: Mit zäher Entschlossenheit und erstaunlichem Mut habe Brüning die Angriffe auf die Innenpolitik und auf den Außenminister abgeschlagen. Bemerkswert vor allem sei sein Sieg durch die Verhinderung der Debatte über Hitlers außenpolitisches Programm. Sicher werde das Verlangen nach Revision des Versailler Vertrags und des Noung-Plans nicht aufhören, aber die Außenwelt habe jetzt jedenfalls die beruhigende Gewißheit, daß eine unerschrockene Regierung in Berlin das Steuer fest in Händen habe und sich nicht zu Exzessen treiben lasse, und diese Gewißheit sei in den gegen­wärtigen unruhigen Zeiten für jedermann von größtem Wert. Baltimore Sun erklärt, die Erkenntnis, daß Deutsch­lands Reparationslast erleichtert werden müsse, werde in den alliierten Ländern und selbst in Washington immer stärker.

ErgSurevde deutsche Polennote

Genf, 13. Dezember.

Die deutsche Regierung hat im Völkerbundssekretariat durch Generalkonsul Dr. Völckers eine von Außenminister Dr. Curtius unterzeichnete Lrgänpingsnoke über die Gewalt­taten gegen die deutsche Minderheit in polnisch-Oberschlesien überreichen lassen.

Dr. Völckers hat die Note, die neues Material enthält, dem stellvertretenden Generalsekretär Avenol übergeben mit der Bitte, sie an die Mitglieder des Rats weiterzulei- ten. Auch dieses ergänzende Material wird Gegenstand der Ratstagung im Januar sein.

Die neue Note ergänzt die Aufzählung der Terrorakte, die bereits in der ersten deutschen Note vom 27. November an den Völkerbund bekanntgegeben wurden. Es handelt sich diesmal um eine große Anzahl von Fällen, die erst nach­träglich bekannt wurden, bzw. erst jetzt vollkommen aufge­klärt sind, so um eine Reihe von persönlichen Terrorakten gegen Deutsche.

Vollbringt Steeg feine Aufgabe?

Paris, 13. Dezember.

Senator Steeg hat sich nach Abschluß seiner Bespre­chungen ins Elysee begeben und dem Präsidenten der Repu­blik mitgeteilt, daß er die Kabinettsbildung definitiv über­nehme.

Es ist noch nicht bekannt, auf welche Kombination Steeg sich zu stützen gedenkt; doch wird vom Quai d'Orsay aus er­klärt, daß die Regierung wahrscheinlich im Laufe der näch­sten Stunden gebildet sein würde.

*

Das Kabinett der Ministerpräsidenten.

Havas zufolge beabsichtigt Steeg folgende Persönlich­keiten in sein Kabinett aufzunehmen:

Sechs ehemalige Ministerpräsidenten, nämlich Briand, Barthou, Eaillaux, Painleve, Leygues und Ehautemps, ferner folgende Parlamen­tarier: Eheron, Daladier, Queuille, Laval, Loucheur, Ger­main Martin, Danoelou, Flandin und Piekri.

Um 23 Uhr verhandelte Senator Steeg mit dem Abge­ordneten Sibille von der Fraktion der Linksrepublikaner (Fraktion Tardieu), um über die Jnterpretierung der von den Linksrepublikanern angenommenen Tagesordnung unterrichtet zu werden.

Steeg hatte die Absicht, die Lage noch in Der Nacht zum Sonnabend zu klären und sein Kabinett im Laufe der Nacht zustande zu bringen. ....

Brasilien erläßt

Einm^ndernngsverbot

Rio de Janeiro, 13. Dezember.

Die provisorische Regierung will die Einwanderung aus Europa auf sechs Monate verbieten, um die Arbeitslosigkeit zu beheben.

Nicht betroffen werden wird, wie es heißt, von dieser Maßnahme die japanische Einwanderung, die einen bedeu­tenden Faktor für die Entwicklung der Landwirtschaft dar- stellt. Die Zahl der Arbeitslosen in Rio de Janeiro wird auf 60 000 geschätzt.

Politischer Hochbetrieb

vor Weihnachten

Donnerstag Abrüstungsdebatke im Auswärtigen Ausschuß. Berlin, 13. Dezember.

Mit der Vertagung des Reichstages haben noch keines­wegs die politischen Weihnachtsferien begonnen. Vielmehr stehen der Reichsregierung vor dem Fest noch eine ganze Reihe wichtiger Aufgaben bevor. Das ergibt sich schon daraus, daß die Probleme der Preis- und Lohnsenkung dauernd im Fluß sind. Der Preissenkungsausschuß des ka- binetts tritt am Dienstag erneut zusammen.

Am Donnerstag wird außerdem Graf Bernstorff im Auswärtigen Ausschuß über die Genfer Abrüstungsverhand- lungen Bericht erstatten. Bis dahin ist Reichsaußenminister Dr. Curtius von seiner Ostpreußenreife zurückgekehrt. Schließlich gehen auch die Bemühungen des Reichsarbeits- ministers Stegerwald um den sozialen Burgfrieden und die Ausnutzung aller Möglichkeiten der Arbeitsbeschaffung wei­ter. Hinzu kommt, daß durch die Forderung der Deutschen Volkspartei auf Einsparung weiterer 300 bis 350 Millionen auch auf dem Etatgebiet neue Probleme aufgeworfen sind.

Wirtschaftliche Zusammenarbeit

Le Trocquers Eindrücke auf seiner Mitteleuropa- Studienfahrt.

Paris, 13. Dezember.

Senator Le Trocquer ist von seiner Vortragsreise durck Mitteleuropa zurückgekehrt und hat imPetit Parisien seine Eindrücke schriftlich niedergelegt. Er schreibt: Ueberall, in der Tschechoslowakei, in Oesterreich und in Ungarn, bin ich der gleichen Ansicht begegnet, daß eine Verwirklichung des europäischen Gedankens auf solider Grundlage ohne eine aufrichtige und loyale Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Deutschland nicht unternommen werden kann. Deshalb freute ich mich, meine Reise in Berlin zum Abschluß zu brin­gen. Ich habe in Berlin weniger von den gegenseitigen Vorteilen einer Zollunion, die nicht sofort und vorbehaltlos verwirklicht werden kann, gesprochen, als vielmehr von der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen beiden Völkern in weitestgehender Form. Ich habe mit Interesse festgestellt, daß dieser Gedanke in Deutschland auf aufrichtige und weit­gehende Zustimmung trifft; aber man muß hinzufügen, daß eine wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Deutschland nicht denkbar ist, ohne daß die unmittelbaren Nachbarn dieser Länder, namentlich Belgien und Luxem­burg, mit einbezogen werden. Andererseits kann nichts Endgültiges und Dauerhaftes unternommen werden ohne einen gewissen Grad der Sicherheit und des Vertrauens, dessen Schaffung durch gewisse Meinungsströmungen, die kürzlich in Deutschland zutage getreten sind, nicht erleichtert wird. Ich habe Wert darauf gelegt, dies öffentlich in Ber­lin zu betonen.

Der verbotene Film

Und was die Presse dazu sagt.

Berlin, 13. Dezember.

Alle Berliner Morgenzeitungen beschäftigen sich aus­führlich mit der Entscheidung der Filmoberprüfstelle auf Verbot des FilmesJm Westen nichts Neues".

Die Rechtspresse begrüßt einstimmig die Entschei­dung des Filmgerichts.Lokalanzeiger" undBörsenzei- tung" weisen auf den Gegensatz in der Stellungnahme der Reichsregierung und der preußischen Regierung zu dem Film hin und sehen in dieser verschiedenen Auffassung der beiden Regierungen eine schwerwiegende innerpolitische Frage. DieDeutsche Allgemeine Zeitung" beglückwünscht die Filmoberprüfstelle zu ihrem Mut, der ein Mut der Sach­lichkeit sei. DieDeutsche Tageszeitung" und dieDeutsche Zeitung" beschäftigen sich in ihren Kommentaren auch mit der ausländischen Fassung des Films, die sie für noch be­denklicher für das deutsche Ansehen im Auslande halten.

DieGermania", die betont, daß die Filmoberprüf­stelle unbeeinflußt durch die Demonstrationen entschieden habe, gibt ihrer Z u st i m m u n g zu den sachlichen Gründen für das Verbot Ausdruck. Das Blatt lehnt den Film ab, denn es wünscht, daß die geistigen Waffen, mit denen für den Frieden gekämpft werden müsse, makellos und unan­tastbar sein müssen und die echte nationale Würde nicht verletzten.

Der demokratischeBörsencourier" unterstreicht die Worte des Vorsitzenden der Filmoberprüfstelle, der sich in der Begründung dagegen verwahrt, daß das Verbot unter dem Eindruck der Straße" gefällt sei. Das Blatt greift jedoch das Wort des sächsischen Vertreters zur Kenn­zeichnung des Urteils auf, der von einerWirkungszenfur" gesprochen habe. Um diese habe es sich in der Tat gehan­delt. nur damit fei der Spruch mindestens erklärlich ge­worden.

Von der Linkspresse wird die Entscheidung zum Teil mit scharfen Ausfällen gegen die Schiedsinstanz ab­gelehnt.Vofsifche Zeitung" undTageblatt" bezeichnen es als unrichtig, daß der Film geeignet fei, dem deutschen An­sehen im Auslande Schaden zuzufügen. Im Gegenteil lägen Aeußerungen vor, daß der Film im Auslande Verständnis für das gemeinsame Leid des Krieges erweckt habe. Der Vorwärts" nennt das Verbot einen Terrorsieg. Die Ge­fährdung des deutschen Ansehens sei nicht durch die Auf­führung des Films hervorgerufen worden, sondern durch den Kampf, der gegen ihn geführt worden fei.

AM StaWelmsilm verboten

Berlin, 13. Dezember.

Die Filmprüfstelle hat unter dem Vorsitz von Regie- rungsrat Billinger die Vorführung des Films, der die Koblenzer Tagung des Stahlhelms schildert, verboten.

Das Verbot stützt sich auf die Auffassung, daß der Film die Beziehungen zu' auswärtigen Staaten und die öffent­liche Ordnung und Sicherheit gefährden würde. Die gut­achtlich gehörten Sachverständigen des Reichswehrministe­riums, des Reichsaußenministeriums und der; Reichsinnen­ministeriums brachten gegen die Zulassung des Films keine Bedenken vor. Der Vorsitzende der Spruchkammer hat, offenbar aus diesem Grunde, gegen die Entscheidung Be­schwerde bei der Filmoberprüfstelle eingelegt.

FilmZyankali" freigegeben Anträge Bayerns, Badens, Württembergs und Thüringens abgelehnt.

Berlin, 13. Dezember.

Am Freitag hatte sich die Filmoberprüfstelle mit den Anträgen Bayerns, Badens, Württembergs und T h ü rin­ge n s zu beschäftigen, durch die der Widerruf der Zulassung des FilmsZyankali" verlangt wurde.

Dieser Film ist bereits viermal von der Filmprüfstelle zensiert worden, und zwar zuletzt von der Filmoberprüfstelle wegen Gefährdung der öffentlichen Ordnung und verrohender und entsittlichender Wirkung verboten worden. Er war dann von der Atlantis-Filmgesellschaft in neuer Auffassung vor­gelegt und so schließlich freigegeben worden. Die neuen An­träge der vier Länder richteten sich nun erneut gegen diese abgeänderte Fassung, und zwar, da der Gesamteindruck des Bildstreifens immer noch auf den Beschauer entsittlichend und verrohend wirke. Die Filmoberprüfstelle kam zu einer Abweisung der Anträge auf Widerruf und bestätigte die Ent­scheidung der Prüfstelle.

In Amerika haben am Freitag eine Anzahl weiterer Banken nach der Abhebung der Depots ihre Schalter ge­schlossen.

N

In Southend ofSea sind 112 Kranke in dem Stadthospital von einer geheimnisvollen Krankheit befallen worden, die auf den Genuß von gehacktem Fleisch zurückzu- führen ist. Einer der Erkrankten ist bereits gestorben.