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kersfelöerTageblatt

Ägd»mpett8! Mt tfnfoofttgt PetttzeNe 15 Pfennig, Mt Refiatnralle 50 Pfennig. (Smnöschrist Korpus). Bei tOirtetnotongen wird ein entsprechender Preis­nachlaß gewährt. M die Schristleitung verant­wortlich : Zranz Lunk in Hersfelö. Zernsprecher fit.

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Nr. 293

hersseiöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für öen Kreis Hersfelö

Montag, den 1S. Dezember 1930

Monatlicher Bezugspreis: durch die Post bezogen 1^0 Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Sersseld 1.20 Reichs-Mark bei freier Zustellung, M Abholer 1.00 Reickw-Mark. druck und Verlag von Ludwig Junta Buchdruckerel In Hersfeld, Mitglied der VVZV.

80. Jahrgang

Der Aufstand in Iaca niedergeschlagen

800 Aufständische gefangen Der Militärgouverneur wieder befreit

Reichstag in Ruhe

Nach achttägigen Verhandlungen ist der Reichstag vom 14. September in die Weihnachtsferien gegangen. Er hat sich selbst eine Arbeitspause von acht Wochen bewilligt und damit zu erkennen gegeben, daß er seine Arbeiten im jetzigen Augenblick nicht für dringlich hält. Mit dieser Auffassung befindet er sich in Uebereinstimmung mit weitesten Kreisen der Bevölkerung. Das, was der Reichstag bisher an positiver und sachlicher Arbeit geleistet hat, ist nicht gerade welt- erschütternd. Dennoch wird man nicht verkennen dürfen, daß das Positive der Reichstagsarbeit darin liegt, daß das Parlament sich von gesetzgeberischer Tätigkeit im wesent­lichen ferngehalten hat. In der letzten achttägigen Arbeits- periode galt es in der Hauptsache, durch Ablehnung der Oppositionsanträge gegen die Notverordnung die amtliche Gesetzgebungsmaschine weiterlaufen zu lassen und durch Abschluß der allgemeinen Aussprache über den Haushalt für 1931 den Etatausschüssen die Möglichkeit zu geben, sich in die einzelnen Positionen des neuen Etats zu vertiefen.

Das Ueberraschende an dem jetzigen Reichstag ist die Tatsache, daß er die ihm prophezeite Arbeitsunfähigkeit widerlegt hat. Gewiß ist aus den Beratungen bisher ein Ergebnis eigener Produktion nicht herausgekommen. Man hat sich trotzdem bereits so aufeinander eingespielt, daß sich die Kräfteverschiebungen seit dem 14. September nicht gerade revolutionierend geltend gemacht haben. Diejenigen haben also unrecht behalten, die da voraussagen zu müssen glaub­ten, daß in einem Reichstag mit 107 Nationalsozialisten nicht zu arbeiten sei. Es hat mancherlei lärmende Zwischen- fälle gegeben; solche sind auch schon in den früheren Reichs­tagen verzeichnet worden. Im Auswärtigen Ausschuß hat sich sogar eine Einheitsfront zusammengefunden, die mit ^MMlchU Mtschiede-ltzeit d^ den Rücken stärkte, um betn polnischen Terror entgegenzutreten. Es war eine rein taktische Angelegenheit, daß sich diese gleiche Mehr­heit nicht zusammenfand, um die Frage einer sofortigen außenpolitischen Aussprache zu klären. Das eine aber hat sich bisher feststellen lassen, daß in gewissen Fragendes nationalen Gedankens die Stoßkraft des Reichs­tages kräftiger geworden ist. Das hat sich nicht nur in außenpolitischen, das hat sich in den jüngsten Tagen gerade auch in innerpolitischen Dingen nachweisen lassen. Den besten Maßstab hierfür hat das Ausland geliefert, das zum Teil in seiner Presse mit verhaltener Wut feststellt, daß das deutsche Volk selbstbewußter, stolzer und entschiedener m seinen Forderungen geworden sei.

Von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, läßt sich ein Plus für den bisher nicht allzu tätigen Reichstag feststellen. Wie er sich nach der Weihnachtspause entwickeln wird, das ist allerdings noch eine ganz offene Frage. Dann heißt es nämlich, Farbe zu bekennen, ob man wirklich an dem Wie­deraufbau von Wirtschaft und Finanzen mitarbeiten will oder ob man nachträglich versucht, das begonnene Werk zu sabotieren. Wenn man die Stimmen des Landes richtig zu werten versteht, dann kommt man zu der Ueberzeugung, daß sich mehr und mehr die Erkenntnis durchsetzt: Der letzt beschrittene Weg der Reichspolitik nimmt eine Richtung, die sich von dem Abgrund langsam entfernt, in den die weidlich ausgefahrenen Gleise des alten Regierungskurses hinein- gefuhrt haben. Nur eines muß das deutsche Volk und muß der Reichstag endlich überwinden: die leidige und verderbliche I n t e r e s s e n p o l i t i k.

Die Ueberwindung dieser Jnteressenpolitik ist notwendig auch gerade in außenpolitischer Hinsicht. Wir haben soeben in Frankreich dieNeubildung einer Regierung erlebt. Tardieu, dessen letzte Reden eine ausgesprochene Spitze gegen Deutschland hatten und der als williges Werk­zeug Poincarss gilt, ist nicht wiedergekehrt. Die Regie­rungsbildung ist einem an sich nicht unbekannten und n cht erfolglosen Politiker geglückt, dem man nachsagt, daß ihm neben guten Erfahrungen ausgezeichnete Querverbindungen nach links und rechts zur Seite stehen, die es ihm ermög­lichten, schwierige Situationen zu überwinden. Der partei­mäßigen Zusammensetzung nach steht das jetzige französische Kabinett mehr links als das bisherige, woraus man m Deutschland verschiedentlich den Schluß ziehen will, daß sich die deutsch-französischen Beziehungen wie­der freundlicher gestalten würden. Es ist gut, wenn von vornherein vor falschem Optimismus gewarnt wird. Wir haben in den letzten Wochen so deutliche Beweise davon er­halten, daß in der Frage der Vertrags- und Tributrevision, in der Frage der Abrüstung und der deutschen Ostgrenzen französischerseits eine Einheitsfront besteht, die fast das ge­samte Kabinett Steeg einschließt. Der Reichstag wird also, wenn er im neuen Jahre die große außenpolitische Aus­sprache vornehmen wird, mit dieser Tatsache zu rechnen ha­ben. Briands außenpolitische Ziele und Wege sind zweifellos andere als Tardieus; der Verlauf der Saarverhand­lung e n, die moralische Unterstützung Polens in der Min­derheiten- und Grenzfrage durch Frankreich und nicht zuletzt die Genfer Abrüstungskomödie haben gezeigt, daß Deutsch­land auch von dem neuen Kabinett Frankreichs gerechte Be­handlung und Anerkennung seiner Gleichberechtigung nicht zu erwarten hat. Das alles sollte sich der Reichstag während seiner achtwöchigen Weihnachtspause überlegen und sich klar werden über die Aufgaben, die es im neuen Jahre zu er- W-n gilt.

Madrid, 15. Dezember.

Ueber die Kämpfe zwischen den Regierungstruppen und den Aufständischen konnte man zunächst nur auf indirektem Wege Näheres erfahren.

Nach privaten Schilderungen über die Bekämpfung des Aufstandes inIaca feien nachts die aufständischen Truppen aufAyerbe vorgerückt und hätten sich angeschickt, im Tale

Schützengraben auszuwerfen.

Bei Dlueoa wären sie jedoch auf zwei aus Huesca und Saragossa gekommene Abteilungen regierungstreuer Trup­pen gestoßen, die achk Bakterien Artillerie hätten auffahren und aus kurzer Entfernung das Feuer auf die Hauptmacht der Aufständischen eröffnen lassen.

Die Reihen der Aufständischen sollen stark gelichtet wor­den sein, die Ueberlebenden hätten nach halbstündigem Kampfe die Flucht ergriffen.

Drei junge Offiziere, die den Regierungstruppen unter den Rufen:Es lebe die Republik!" entgegengingen, wur­den sofort gefangen genommen. Unter den Zivilisten, die sich der Aufstandsbewegung angeschlossen haben, sollen sich die Studenten der Universitäten Saragossa, Madrid sowie ein Universitätsprofessor befinden.

Wie der spanische Wirtschaftsminister nach einem Ka­binettsrat in Madrid erklärte, sei die telegraphische Ver­bindung mit 3aca wieder hergestellt. Im Verlaufe des Nach­mittags sei die Lage dort wieder normal gewesen. Den Regierungstruppen sei es gelungen, den Militärgouverneur sowie die übrigen von den Aufständischen gefangengenom­menen Persönlichkeiten zu befreien. Bei dem Kämpfen sol­len auf Seiten der Aufständischen fünf Soldaten getötet und 25 verletzt worden sein. .Die Regierunastruvsen jpllLV am Vormittag 200 und am Nachmittag 300 Gefangene gemacht haben.

Was die Verluste der Regierungstruppen anbetreffe, so sei der Militärgouverneur von Huesca am Arm verletzt, fer­ner seien zwei Zivilgardisten getötet und ein Offizier verletzt worden.

*

In S a r a g o s s a ist ein

Generalstreik ausgebrochen, der aber mit der Aufstandsbewegung nicht in Zusammenhang stehen soll.

Der Generalkapitän hat die Wiedereröffnung der Läden, die infolge des Streiks geschlossen hatten, angeordnet. Alle Arbeiter staatlicher Betriebe, die ihre Tätigkeit niederlegen, sollen vor Gericht gestellt werden.

Todesstrafen für die Führer des Aufstandes.

Paris, 15. Dezember.

Die Aufstandsbewegung in 3 a c a ist als unterdrück: an- zusehen. Die Regierungstruppen haben 800 Gefangene ge­macht, darunter zwei Univerfitätsprofefsoren und mehrere Madrider Studenten. Hauptmann Galan, der gefangen­genommen und erschossen sein soll, hatte erklärt, er sei die Triebfeder der Bewegung gewesen. Das Kriegsgericht hat außerdem den Hauptmann Salinas wegen Beteiligung an dem Aufruhr zum Tode verurteilt und gleichfalls er­schießen lassen. Eine Anzahl Offiziere wurde zu lebens­länglichem Kerker verurteilt. Insgesamt wurde gegen fünf Offiziere, zwei Sergeanten und drei Aerzte verhandelt.

Ueber Jaca und Huesca wurde der Belagerungszu­stand verhängt.

Die Saar beirtnagsfrei

Frankreich vermißt Deutschlands Dank.

Paris, 14. Dezember.

Die französische Presse beschäftigt sich mit der endlich erfolgten Zurückziehung der französisch-belgischen Truppen aus dem Saargebiet in z. T. sehr kritischen Kommentaren. Die französische Rechtspresse ist selbstverständlich mit dieser Maßnahme absolut nicht einverstanden. ImEcho de Pa­ris" wird erklärt, daß mehr als ein Franzose angesichts des Abrückens der französischen Truppen Herzbeklemmun­gen gehabt habe. DerFigaro", das Blatt des Parfüme- !riefabrikanten Coty, greift Briand an, dessen Nachgiebigkeit [bem deutschen Außenminister gegenüber es zuzuschreiben sei, daß jetzt die französischen Truppen aus dem Saargebiet zu­rückgezogen werden mußten. Er vermißt wie bei früheren Gelegenheiten Deutschlands Dank für dieses fran­zösischeEntgegenkommen". (!) Sachlicher stellt sich die Linkspresse ein. DasOeuvre sieht in dem Abzug der fran­zösisch-belgischen Truppen einen Erfolg der deutsch-franzö­sischen Verständigung.

Es hebt hervor, daß für jeden objektiv Denkenden das voraussichtliche Ergebnis einer Saarabstim- mung keinem Zweifel unterliege. Es liege daher im 3n- teresse Frankreichs, nicht bis 1935 zu warten, um mit Deutschland über den Rückkauf der Saargruben zu verhan­deln und damit die Grundlage zu einer deutsch-französischen Zusamemnarbeik im Saargebiet zu legen.

Das Blatt gibt sich aber der irrigen Auffassung hin, daß es jetzt Sache Deutschlands sei, Angebote zu machen, um die Wiederaufnahme der Verhandlungen zu ermöglichen.

Weiße Mäuse modernes

Demonstrationsmittel

Unbeschreiblicher Theatertumult in Nürnberg.

Nürnberg, 15. Dezember.

Am Sonnabend abend kam es imApollo-Theater" ge­gen Schluß der RevueLiebe mich" zu einem bisher in Nürnberg noch nicht erlebten Theatertumult.

Wie auf ein Kommando begannen etwa 300 bis 400 im Zuschauerraum verteilte Theaterbesucher einen ohrenbe­täubenden Lärm. Stinkbomben, faule Eier, Aschen­becher und andere Wurfgegenstände wurden auf die Bühne geschleudert und zum Entsetzen der Darsteller und Zuschauer eine Menge weißer Mäuse losgelassen.

Bei der allgemein entstandenen Aufregung erlitt eine der Darstellerinnen einen Nervenschock. Die Polizei, die bereits verstärkt im Theater anwesend war, räumte den Saal, wobei sie wiederholt vom Gummiknüppel Gebrauch machen mußte.

Sieben Personen wurde festgenommen.

In der Revue werden u. a. Darstellerinnen der verschie­denen Länder in Prunktrachten gezeigt. Um von vornherein Zwischenfälle auszuschließen, hatte die Theaterdirektion die französische Vertreterin nicht auftreten lassen. Die deutsche Darstellerin sollte die wirtschaftlichen Not Deutschlands zeigend in einem schlichten Gewand auftreten, das dann später mit einem aus Teilen der Gewänder der anderen Län­derdarstellerinnen zusammengesetzten Prunkgewand ver­tauscht werden sollte. Beim Auftreten der deutschen Dar­stellerin kam es dann zu derartigen Kundgebungen, daß die Vorstellung abgebrochen werden mußte. Die Theaterdirek­tion hat jetzt entsprechende Aenderungen in dem beanstande­ten Revue-Teil vorgenommen, auch werden umfangreiche Polizeimaßnahmen eine Wiederholung derartiger Skandal­szenen unmöglich machen.

Polizeibeamter schießt in Notwehr

Einer der Angreifer getötet.

Berlin, 15. Dezember.

In der Nacht zum Sonntag kam es nahe desAlex" bei der Festnahme eines Mannes zu Zusammenstößen mit der sich sammelnden Menge. Hierbei wurde ein Polizeibeamter abgedrängt, zu Boden geworfen und schwer mißhandelt. Der Beamte gab in der Notwehr zwei Schüsse gegen die Angrei­fer ab und traf den 23jährigen Sassenboken Ladewig, der zu den Hauptangreifern gehörte, so schwer in den Unterleib, daß er auf dem Transport in das Krankenhaus starb.

Wieder ein politisches Handgemenge

Ein Kommunist erschossen.

Gladbach-Rheydt, 15. Dezember.

In einer am Sonnabend abend hier abgehaltenen öffent­lichen nationalsozialistischen Versammlung kam es bereits zu Beginn zu Streitigkeiten unter den Versammlungsteilneh­mern, als der Versammlungsleiter erklärte, daß von der am Schluß der Versammlung vorgesehenen freien Aussprache die Kommunisten ausgeschlossen seien. Als die Versamm­lungsteilnehmer mit Stühlen aufeinander los - gingen, wurde die Versammlung von der Polizei aufgelöst. Ein Nationalsozialist trug einen Messerstich im linken Ober­arm davon. Drei Versammlungsteilnehmer wurden festge­nommen, zwei davon wieder entlassen.

Nach Auflösung der Versammlung marschierten die Na­tionalsozialisten zu ihrem Vereinslokal in München-Gladbach. Nachts fuhren vier nationalsozialistische Führer nochmals nach Rheydt, wo sie vor dem Versammlungslokal mit einer Gruppe von gleichfalls vier Männern nach einer Ausein­andersetzung

in ein Handgemenge gerieten.

3m Verlaufe dieses Streikes gab der Führer der Schutzstaffel München-Gladbach der NSDAP., Arnold Nöhles, vier Schüsse ab, von denen einer den Stuckateur Relners ins Herz traf. Reiners war sofort tot. Später wurden Nöhles und seine drei Begleiter, unter denen sich auch Konrad Goeb­bels, ein Bruder des Reichstagsabgeordneten befand, fest- genommen. Nöhles gab zu, die vier Schüsse abgefeuert zu haben, will aber in Notwehr gehandelt haben.

Tornado über Mittel-Argentinien

Die Ernte schwer beschädigt.

Buenos Aires, 15. Dezember.

Ein schwerer Wirbelsturm, verbunden mit Hagelschlag und starken Regengüssen, ist über den Provinzen Santa Fe und Eordoba niedergegangen. Der Schaden in der Provinz Santa Fe ist außerordentlich hoch. In einzelnen Teilen der Provinz Lorboda sind bis zu 30 Prozent der Ernte vernichtet.

Was geht in Kuba vor?

Havanna, 15. Dezember.

Durch Verfügung des kubanischen Präsidenten sind 40 Professoren desProvinzialinstituts" wegen Begünstigung eines Aufstandes unter den Studenten verhaftet worden.

In Guantanamo kam es zu einem Zusammen­stoß zwischen Polizei und Studenten.