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hersfelöerTageblatt

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HersfelSer Kreisblatt

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^^ I Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

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Monatlicher Bezugspreis: Durch die Post bezogen 1.50 Retchs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Her-feld 1.20 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer 1.00 Reicks-Mark. * Druck und Verlag von Ludwig Kunks Buchdruckerei in Hersfelö, Mitglied des VVZV.

Nr. 303

Montag, den 29. Dezember 1030

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so. Jahrgang

Holzabkommen mit Boten nicht verlängert!

Die Reichsregierung hat den pslvischen Antrag auf Verlängerung des deutsch-polnischen Holzabkommens abgelehnt

Das Sandwerl an der Jahreswende

Das Jahr 1930 war wie für die gesamte Wirtschaft so auch für das deutsche Handwerk ein großes Notjahr. Die wirtschaftliche Entwicklung gestaltete sich schlecht. Selbst die Handwerkszweige, die in den verschiedenen Jahreszeiten normalerweise eine saisonmäßige Belebung aufzuweisen haben, waren mit dem Geschäftsgang sehr unzufrieden. Sparmaßnahmen der Behörden, Unsicherheit über die Ver­teilung der Hauszinssteuermittel sowie Kapitalknappheit bei den privaten Bauunternehmern hemmten im Frebruar/März den ordentlichen Beginn der Bautätigkeit und ließen diese auch das ganze Jahr hindurch nicht zu einer günstigen Aus­wirkung kommen. Die schlechte Lage in der Metallindustrie und im Bergbau blieben ebenso wie die mangelnde Rentabi­lität der Landwirtschaft weiter von nachteiligem Einfluß. Der Beschäftigungsgrad in den besten Monaten des Jahres stand weit hinter dem des Vorjahres zurück.

Die große Arbeitslosigkeit schwächte die Kaufkraft der für das Handwerk in Betracht kommenden Kreise in stärk­stem Maße. So waren Rückgang an Aufträgen und ver­minderte Umsatztätigkeit bei geringer Verdienstspanne die Kennzeichen des Jahres. Dabei ließen sich weitere Verluste infolge der schlechten Zahlungsweise der Kundschaft nicht vermeiden. Das B 0 r g u n w e s e n hat einen noch nie ge­kannten Umfang erreicht. Während der Käufer sich daran gewöhnt hat, im Warenhaus bar zu zahlen, glaubt er, beim Handwerksmeister recht lange Kredit in Anspruch nehmen zu sollen. Wie sehr auch gerade dieser auf den Eingang seiner Außenstände angewiesen ist, wird meistens übersehen.

Ungünstig beeinflußt war das GeschMsiahr.noch infolge der im zweltLn-HalbTaste ^ervorkretenden Bestrebungen der Reichsregierung auf Preissenkung durch die dadurch bedingte Zurückhaltung der Käufer. Das Handwerk ver­schließt sich durchaus nicht diesen Notwendigkeiten. Im Gegenteil, es hat sich wiederholt zu Preisherabsetzungen be­kannt, und solche auch mehrfach vorgenommen. Allein es darf nicht verkannt werden, daß es sich hierbei um Vor­leistungen handelt, da die für eine Herabsetzung der Preise in Betracht kommenden Unkostenfaktoren noch keine merkliche Senkung erfahren haben. Auch die Hoffnungen, deren Erfüllung man mancherorts gerade beim Handwerk erwartet, werden sich nicht so rasch verwirklichen können. Das Handwerk gehört zu den in der Gütergewinnung ab­hängigen Schichten und besitzt aus dieser Stellungnahme heraus auf die meist kartellmäßig gebundenen Preise seiner Vorlieferanten keine Einwirkungsmöglichkeit. Die direkte Verbindung des Handwerks mit den Käufern beschwert zu­dem den Berufsstand mit allen Folgen der bisherigen ver­fehlten Wirtschaftspolitik, deren unerträgliche Belastung in sozialer und steuerlicher Hinsicht bekannt ist. Auch auf die Entwicklung der Löhne konnte das Handwerk angesichts der staatlichen Schlichtungspolitik kaum einen Einfluß gewinnen. Andererseits sorgt die wirtschaftliche Lage ganz von selbst für einen möglichst niedrigen Stand der Geschäftsunkosten und des Gewinnanteils. Das Handwerk ist sich hierbei sei­ner Verantwortung bewußt, bei den bei der Preisbildung seinen Einfluß unterliegenden Faktoren nur mit größter Ge­wissenhaftigkeit vorgehen zu können. Das Handwerk weiß sehr wohl, daß eine Preispolitik, die etwa im dauernden Gegensatz zu der allgemeinen Lebenshaltung stände, zu einer zunehmenden Einschränkung des Absatzes, ja zu einer völli­gen Verdrängung vom Markte führen müßte.

Hoffentlich beginnt mit den Notverordnungen vom 26. Juli und vom 1. Dezember 1930 das unbedingt not­wendige, durchgreifende, gesetzgeberische Reform­werk. Das Handwerk hat den darin festgelegten Wirt- schafts- und Finanzplan der Reichsregierung als einen An­fang der Maßnahmen anerkannt, die zur Gesundung der öffentlichen Finanzen in Deutschland und zur Rettung der deutschen Wirtschaft vor weiterem Verfall notwendig sind. Allein den ersten Schritten müssen weitere folgen, um eine wirkliche Entlastung der Wirtschaft und damit die Möglich­keit zu einem wirksamen Preisabbau zu geben. Das gilt sowohl für die steuerliche wie auch für die soziale Belastung. Auf steuerlichem Gebiet muß vor allen Dingen einmal eine wesentliche Senkung der Realsteuern eintreten. Die eingeleiteten Maßnahmen müssen weitere Ergänzung finden durch die so notwendige Reichsreform an Haupt und Gliedern und durch die ebenso nicht mehr hintan zu haltende Neuregelung der Reparationsfrage.

Für das Handwerk bleibt das Jahr 1930 noch von be­sonderer Wichtigkeit, weil in ihm der Ausschuß zur Unter­suchung der Erzeugungs- und Absatzbedingungen der deut­schen Wirtschaft seine Ergebnisse über das deutsche Hand­werk vorlegen konnte. Wir dürfen kurz darauf zurück­greifen, daß nach den Untersuchungen dieses Ausschusses für das Jahr 1926 1 300 000 Handwerksbetriebe mit 1 320 000 Inhabern, 150 000 Gesellen, 766 000 Lehrlingen und 110 000 Angestellten festgestellt wurden. Der Gesamtumsatz des Handwerks wird für das Jahr 1928/29 mit 20,6 Milliarden Reichsmark oder 14 bis 16 Prozent des volkswirtschaftlichen Gesamtumsatzes angegeben. Einschließlich der Berufszuge- hörigen finden innerhalb der Handwerkswirtschaft rund acht Millionen Deutsche oder 12,6 Prozent der Bevölkerung ihr 3 rot.

Solzablsmmen mit Selen scher Kraft

Berlin, 29. Dezember.

Am 31. Dezember läuft das deutsch-polnische Holzab­kommen automatisch ab. Eine Verlängerung ist in dem Vertrag nicht vorgesehen, so daß an sich ein neues Abkom­men notwendig wäre. Ein neues Abkommen würde aber einer Ratifikation durch den Reichstag bedürfen, weil es eine Bindung des deutschen Schnittholzzolles enthält.

Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, ist die pol­nische Regierung am 10. Dezember mündlich im Auswärti­gen Amt vorstellig geworden, um eine Verlängerung des Abkommens zu erreichen. Dieses Ersuchen ist von Deutsch­land abgelehnt worden, da man eine Verlängerung des Abkommens für untenliA hält, weil ein neues Abkommen erstens, wie gesagt, ratifikationsbedürftia wäre, und zwei­tens durch das deutsch-polnische Wirtschel'sabkommsn über­haupt überflüssig gemacht wird. Ueber dieses Wirtschafts­abkommen ist sich aber weder der Reichstag noch der pol­nische Sejm bisher schlüssig geworden.

In unterrichteten Kreisen wird betont, daß die Nicht- verlängerung des Holmbkommens bzw die Ablehnung eines neuen Abkommens keine Verschärfung des deutsch-polnischen Zollkrieges bedeutet. Wenn nunmehr auch das Einfuhrver­bot für Schnittholz in Kraft tritt, so liegt darin doch keine neue Kampfmaßnahme gegen Polen

Allgemeines Uniformverbot im Saargebiet

.jSaarbrücken, 29. Dezember.

Die Regierungskommifsion hat das Tragen sämtlicher militärischer Uniformen im Saargebiet verboten. Ausge­nommen sind die Uniformen der französischen Zollbeamten.

Bisher galt das Verbot des Tragens militärischer Uni­formen lediglich der Uniform der Reichswehr. Das neue Verbot bezieht sich auch auf die französischen Heeresuni­formen.

Entrüstung über das Zalefki-Interview

Beuthen, 29. Dezember.

Die oberfchlefifchen Zeitungen befassen sich ausführlich mit dem Interview, das der polnische Außenminister Z a - l e s k i einem Mitarbeiter desMatin" gewährt hat und in dem er sich in einer gegen Deutschland gerichteten agressiven Form über die Zwischenfälle bei den ostoberschlesischen Wah­len äußerte.

DieOstdeutsche Morgenpost" bringt einen Bericht über die von polnischer Seite in Szene gesetzte Pressepropaganda in Paris und bemerkt in ihrem Kommentar dazu, es wäre ein aussichtsloses Beginnen, der Wahrheit in Paris zum Siege zu verhelfen. Von deutscher Seite müßte aber trotz­dem den Lügen energisch entgegengetreten werden. Die deutsche Regierung sollte kein Ministerinterview der Gegen­seite ohne Antwort lassen und sollte jeder Lüge die Wahr­heit mit Entschiedenheit entgegensetzen.

Ehrenpflicht der deutschen Presse müsse es sein, das eigene Volk und das Ausland bestimmend über die bevorstehende Tagung in Genf aufzuklären. Das alles fei notwendig, damit der deutschen Delegation in Genf der Boden nicht unter den Füßen fortgezogen und der deut­schen Minderheit und dem ganzen Minderheitenschutz nicht neuer Schaden zugefügt werde.

Schwere Zusammenstöße in Bombay Wehr als 200 Verletzte.

Bombay, 29. Dezember.

Der Präsident und vier Mitglieder der verbotenen natio­nalistischen OrganisationKriegsrat" w rden gestern vor­mittag verhaftet, als sie trotz des polize chen Verbots ver­suchten, eine feierliche Begrüßung der indischen National­flagge in Szene zu setzen. Es hatte sich zu dieser Veranstal­tung eine große Menge versammelt, die der Aufforderung der Polizei, auseinander zu gehen, keine olge leistete. Die Poli­zei ging schließlich unter Amm. rg ihrer Bumbusstöcke gegen die Menge vor und trieb sie auseinander. Nachdem sich die Polizei aus dem Bezirk, in dem sich dieser Vorgang abspielte, zurückgezogen hatte, fand sich die Menge wieder zu­sammen und führte die Zeremonie des Flaggensalutes zu Ende. Später kam es auf der Efpanada vor dem Polizei­gericht zu größeren Ansammlungen.

Die Demonstranten bewarfen das Polizeigericht mit Steinen, so daß eine Polizeiabteilung genötigt war, wieder­um mit Bambusstöcken gegen die Wenge vorzugehen. Es kam zu heftigen Zusammenstößen, ehe es den Polizeibeamten gelang, den Platz zu räumen. Bei dem Zusammmenstoß am Vormittag wurden 75 Personen verletzt.

Wie die Verwaltung der beiden Krankenhäuser dem in­dischen Kongreß mitteilt, wurden außerdem noch 50 Perso­nen, die leichtere Verletzungen erlitten hatten, an Ort und Stelle verbunden. Während der ganzen Krawalle sind in beiden Krankenhäusern insgesamt 200 Personen verbunden worden, von denen 150 festgenommen wurden. Acht Polizei­beamte, darunter zwei Wachtmeister, erlitten leichtere Ver­letzungen.

Der blutige Freiheitskampf der Burmanesen

Rangun, 29. Dezember.

Etwa 150 Aufständische wurden bei einem Zusammen­stoß mit den Regierungstruppen, die zur Unterdrückung des Home Rule"-Aufstandes im Tharawaddy-Bezirk von Burma hierher beordert wurden, getötet, mehr als 50 Auf- ständische wurden verletzt. Die Aufrührer, deren Zahl in die­sem Bezirk etwa 1000 betragen soll, sollen gut bewaffnet sein.

Seit langem sind in Burma Forderungen nach Selbst­regierung erhoben worden. Die Trennung Burmas von Indien wurde auch von der Simon-Kommission empfohlen und dieser Vorschlag fand die Billigung der in London am Runden, Tisch tagenden indischen Konferenz.

Weihrmchtsgefechte in Marokko

Paris, 29. Dezember.

Wieder wird von einer militärischen Aktion Frankreichs in Marokko berichtet. Eine nicht unterworfene marokkanische Abteilung, die über 200 Gewehre verfügte, habe von Tafi- l a l t aus einen Einfall auf algerisches Gebiet unternommen und am 24. Dezember gegen Abend den Lagerplatz unter­worfener Eingeborener, 15 Kilometer westlich von A b a d l a, angegriffen. Die Marokkaner hätten den Häuptling und drei andere Eingeborene getötet und 100 Kamele weggeführt. . Daraufhin hätte eine französische Abteilung und eine Flieger­staffel die Verfolgung der marokkanischen Abteilung aufge- I nommen, die sie 35 Kilometer von Abadla sichteten. Die französischen Flieger nahmen die Eingeborenen unter Ma- schinenZezvehrfeuer. .J&» LS^Srzemvet' kam es ZU einem hef­tigen Kampf, der bis zum Einbruch der Rächt dauerte. Die verfolgte Eingeborenenabteilung zog in der Dunkelheit unter Zurücklaffung eines Teiles ihrer Beute und zahlreicher Toter ab, wurde am 26. Dezember dann von zwei ausgesandten französischen Fliegerstaffeln wiederum bombardiert, erlitt schwere Verluste, konnte jedoch abermals im Schuhe der Dun- kelheit fliehen. Die Verluste auf französischer Seite sollen sich auf vier getötete eingeborene Reiter und zwei Verletzte be­laufen, während man bei den Gegnern 15 Tote und eine große Anzahl Verletzte festgestellt haben will.

Duea Nachfolger Bratianus

Bukarest, 29. Dezember.

Der Vorstand der Liberalen Partei beschäftigte sich ge­stern mit der Frage der Nachfolge für den verstorbenen Führer Vintila B r a t i a n u. Dinu Vratianu, der Bruder des Verstorbenen, schlug als Nachfolger den früheren Außen­minister D u c a vor, der dann auch durch Zuruf gewählt wurde.

Heute will Duca die Vertreter der Auslandspresse emp­fangen, um Erklärungen über sein Programm abzugeben. Wie es heißt, wird die Liberale Partei die Revision der wirt­schaftlichen Grundsätze über die Zusammenarbeit mit aus­ländischen Kapitalisten durchzusetzen versuchen.

Stimmungsmache gegen Bolen-Roten

Bündnispflicht verlangt Wahrheitsbekämpfung

Paris, 28. Dezember.

Es war vorauszusehen, daß Polen in Paris um Unter­stützung gegen die deutschen Terrornoten nachsuchen würde. Die Unterredung, die der polnische Botschafter in Paris mit Vriand hatte, und die offenbar auch in der letzten Kabinetts­sitzung unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Steeg eine Rolle spielte, wirkt sich in der französischen Presse bereits ziemlich deutlich aus. Es setzt wieder jene Stimmungsmache in Paris ein, die man immer beobachten konnte, wenn im Völkerbundsrat eine deutsch-polnische Angelegenheit zur De- hatte stand. Es überrascht auch keineswegs, daß die polnische Presse sich gar nicht die Mühe gibt, die deutschen Argumente nachzuprüfen. Es genügt ihr, die polnische Er­klärung zur Kenntnis zu nehmen, daß es sich bei der deut­schen Beschwerde lediglich um nationalistische Beeinflussung handele. Diese Stimmungsmache in der französischen Presse erhielt ihren Auftakt durch eine Erklärung des polnischen Außenministers über dieNiederlage der deutschen Minder­heiten in Oberschlesien". DerTemps" behauptet, daß die Nervosität der Reichsregierung, wie sie das Blatt festgestellt haben will, darauf zurückzufuhren sei, daß der Rückgang des deutschen Elements in Oberschlesien durch die letzten Wahlen gar zu deutlich hervorgetreten sei. Deshalb sei man bemüht, und zwar unter dem Druck nationalistischer Agita­tion, alle Zwischenfälle auszubeuten, die sich in der Grenz- gegend ereignet hätten. Nicht die Art des Vorgehens Po­lens gegenüber der deutschen Minderheit bestimme nach der Meinung des genanstten Blattes die Haltung des Berliner Kabinetts, sondern der Rückgang des deutschen Elements löse in Berlin Besorgnis aus. Deutschland wolle handeln und zum Ziele kommen, bevor es zu spät sei.

Eine schlechte Taktik, nachdem sich auch unparteiische Kreise von den Grausamkeiten der polnischen Behörden gegen Anhänger nationaler Minderheiten in Polen an Ort und Stelle überzeugt haben.