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Hersfel-erTageblatt

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Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

Nr. »

Mittwoch, den 14. Januar 1931

81. Jahrgang

Die Arsachen der Weltagrarkrise

Fortschreitende Mechanisierung Produktionssteigerung in Uebersee Mißverhältnis Zwilchen Verkaufspreis und Selbstkosten

Curtius informiert

die Reichsregierung

über die bevorstehende Ratssitzung.

Berlin, 14. Januar.

In der Reichskabinettssitzung vom Dienstag referierte der Reichsaußenminister über die Probleme, die die deutsche Delegation in Genf zu behandeln hat, vor allem gab er eine ausführliche Schilderung der ganzen Entwicklung des Streit- alles mit Polen. Naturgemäß konnte das Kabinett keine esten Beschlüsse fassen, da das "Verhalten Deutschlands ganz ravon abhängt, wie die deutsche Delegation vom Völker- bunbetal behandelt wird. Außer dieser Frage werden in Genf auch noch einige andere Dinge zur Sprache kommen, an denen Deutschland besonders interessiert ist. Dazu gehört zum Beispiel die Restpunkte aus den früheren Erörterungen mit Litauen über das M e m e l p r o b l e m. Es handelt sich dabei z. B. um das Vetorecht des Gouverneurs, den Finanz­ausgleich, den sogenannten Justizkonflikt, der wegen der Un­abhängigkeit der Richter und ähnlicher Fragen entstanden ist, und der Kriegszustand, der bisher dazu benutzt wurde, die einzelnen Bestimmungen des Autonomiestatus außer Kraft zu setzen. Es ist anzunehmen, daß über diese Fragen zunächst direkte Verhandlungen mit der litauischen Vertretung statt- finden. Sollten sie zu einem Deutschland befriedigenden Er­gebnis führen, so würde der Völkerbundsrat sich wohl zu­mindest nur noch sehr kurz mit dieser Angelegenheit zu be­schäftigen haben.

W-S wir im Wen verloren haben

Prälat Ulitzka über den polnischen Terror.

Frankfurt a. M., 14. Januar

In einer vom Verein für das Deutschtum im Ausland, dem Deutschen Ostbund, dem Schlesierverein, dem Verein heimattreuer Ost- und Westpreußen, dem Memellandbund, dem Schleswig-Holsteiner Bund sowie dem Saarverein ein- berufenen Versammlung Frankfurter Bürger ergriff Reichs­tagsabgeordneter Prälat Ulitzka das Wort zu einer von lebhaftem Beifall öfters unterbrochenen Anklagerede gegen den polnischen Terror gegen die deutsche Minderheit. Er erinnerte daran, daß bei der Abstimmung im Jahre 1921 60 Prozent der Bevölkerung für Deutschland abgestimmt haben. Doch müss^ dabei berücksichtigt werden, daß dieses Ergebnis noch besser für Deutschland ausgefallen wäre, wenn nicht die Furcht vor dem Terror der alliierten Trup­pen die Wähler eingsschüchtert hätte Vor der Aufteilung umfaßte Oberschlesien ein Gebiet von 1 333 000 Hektar; da­von wurden 321 000 Hektar Polen zugesprochen, wobei es sich hauptsächlich um die Industriegebiete handelte, während bei Deutschland in der Hauptsache Agrarland verblieb. Die Bevölkerung bestand aus 2 284 000 Seelen; davon wurden zu Polen 985 000 geschlagen. Die wirtschaftlichen Wunden, die Deutschland durch das Genfer Diktat erlitt, waren viel­leicht noch größer. Das Kohlengebiet war 2 800 Quadratki­lometer groß: davon erhielt Polen nicht weiger als 2 200 Quadratkilometer. Das Kohlenvorkommen wurde auf 57,5 Milliarden Tonnen geschätzt, wovon Deutschland nur noch 3,5 Milliarden Tonnen verblieben sind. Von 67 Kohlengru­ben wurden 53 an Polen abgetreten, sämtliche sieben Eisen­erzgruben und alle fünf Zinn- und Bleihütten. Damit ver­lor Deutschland 60 Prozent seiner gesamten Zinnerzeugung und 25 Prozent seiner Bleiproduktion. Außerdem gingen alle 24 Zinkhütten verloren. Unter diesen Umständen könne es nicht weiter verwundern, daß Oberschlesien jetzt das ärmste Land im deutschen Staatenbunde geworden sei Die Steuerkraft betrage nur noch 29,9 Mark pro Kopf der Be­völkerung gegenüber einem Reichsdurchschnitt von 57,2 Mark

Der Traum der polnischen Nationalisten gehe aber weiter bis an die Oder, und die jetzige Grenze werde von ihnen als eine Ungerechtigkeit des Völkerbundes gegen Polen angesehen. Es gelte also nicht nur für Deutschland, darauf zu dringen, daß die Ungerech­tigkeiten des Genfer Diktates wiedergutgemacht würden, es handele sich auch darum, das, was wir behalten hät­ten, mit allen Kräften zu verteidigen. Zu diesem Zweck müsse ganz Deutschland für den Kampf um eine ge­rechte Grenze mobil gemacht werden.

Wenn man von den Nöten des Ostens spreche, dürfe man nicht nur an den Korridor denken, sondern auch an die an­deren notleidenden Gebiete, von denen besonders Ober­schlesien, das den größten Verlust an Hab und Gut erlitten habe, zu berücksichtigen sei.

Aus seinen Ausführungen über den jüngsten Wahl­terror ging klar hervor, daß die Ueberfälle auf die deut­schen Wähler von langer Hand vorbereitel und von der Re­gierung und dem Wojewoden von Oberschlesien geduldet wurden. Der Grund zu diesen furchtbaren Zuständen liege darin, daß Polen sich seines Besitzes in Oberschlesien selbst nicht sicher fühle, und daß es deshalb möglichst alle Deut­schen aus dem Gebiet vertreiben, kurz alles Deutsche beseiti­gen möchte, um für den Fall eines Eingriffes des Völker­bundes sagen zu können, daß es sich hier ja um rein pol­nisches Gebiet handele.

Poleas ßegenaftion

Warschau, 14. Januar.

Ueber die an das Sekretariat des Völkerbundes gesandte polnische Note, welche die polnische Antwort auf die deutsche Beschwerde in der Minderheitsfrage darstellt und aus vier Teilen und zehn Anlagen besteht, wird heute eine I n - Haltsangabe veröffentlicht. Danach behandelt der erste Teil der Note die grundsätzliche Rechtslage. Es wird ver­sucht, den Nachweis zu führen, daß der deutsche Schritt den Rahmen der Minderheitsfrage verläßt und unmittelbaren politischen Charakter trage. Diese Haltung habe sich in dem von der deutschen öffentlichen Meinung geführten Pressefeld­zug noch verschärft, der sich angeblich auf irrige Tatsachen und Vorurteile stütze.

Im zweiten Teil werden die deutschen Klagen gegen Er­schwerung deutscher Wahlbeteiligung in Ostoberschlesien der Reihe nach untersucht. Diese Ausführungen sollen dazu be­stimmt sein, die deutschen Klagen auf Grund angeblich tat­sächlicher zuverlässiger Unterlagen zu widerlegen.

Die polnische Behauptung wird dabei wiederholt, daß die während der Wahlzeit eingetretene Erregung der Ge­müter in Ostoberschlesien nur die Rückwirkung gewesen sei, welche der angebliche Terror gegenüber der durch Minder- ; Heilsverträge ungeschützten polnischen Minderheit in Deutsch- 1 land auf die polnische öffentliche Meinung ausgeübt habe! , Ebenso habe die von Deutschland aus betriebene Bewegung gegen die Unantastbarkeit des polnischen Staates im pol- I nischen Volke Unruhe hervorgerufen und dem Treuverhältnis der deutschen Minderheit zu dem polnischen Staat geschadet.

Im dritten Teil versucht man den Nachweis zu führen, daß die Streitfälle während der Wahlzeit den C h a r a k ^ ier gewöhnlicher Wablzwischenfälle gehabt j hätten, ds? Licht mit brn in einigen Län- I dern, z. B. in Deutschland, verglichen werden könnten, wo die Erregung der Parteileidenschaften sehr ernste Formen angenommen und eine Reihe von Opfern gefordert habe.

In der Zusammenfassung im Schlußteil werden alle die­jenigen polnischen Verordnungen bekanntgegeben, welche von den örtlichen und zentralen Verwaltungsstellen im Zu­sammenhang mit den Vorfällen erlassen worden sind.

Bsltsbund-Emgade aus der Tagesordnung?

Genf, 14. Januar.

Wie verlautet, soll die Petition des Deutschen Volks­bundes über die Unterdrückung der deutschen Minderheit vom Völkerbundssekretariat dem Antrag des Volksbundes enl- i sprechend als dringlich erklärt worden sein. Das würde be- | deuten, daß die Petition ebenso wie die Beschwerden der deutschen Regierung auf die Tagesordnung der kommenden Ratstagung gefetzt würde.

Die polnische Regierung soll dagegen geltend machen, daß sie wegen der Kürze der Zeit nicht in der Lage fei, schon jetzt ihre Stellungnahme zu der Petition des Volksbundes bekanntzugeben, und daß sie infolgedessen den Antrag stelle, die Behandlung der Petition auf die Maitagung zu verschieben.

Keyaer über die Arbeitslosigkeit

Vorschläge, die nur in England anwendbar sind.

London, 14. Januar.

Der Wirtschaftssachverständige Keynes sagte in einer Rundfunkansprache, das wahre Heilmittel für die herrschende große Arbeitslosigkeit bestehe nicht in gesteigerter Sparsamkeit, sondern im Gegenteil in großzügiger Verwendung des Geldes. Wer fünf Schilling täglich spare, mache damit einen Mann für einen Tag arbeitslos. Am besten wäre es, wenn umfassende Pläne ausgestellt würden, zum Beispiel Baupläne. Statt die Arbeiter der Not preiszugeben und sie von der Arbeits­losenunterstützung abhängig zu machen, wäre es besser, ganz Süd-London von Westminster bis Greenwich einzureißen und neuer und schöner aufzubauen. Keynes betonte: Wir sind nicht untüchtig; wir sind nicht arm. Wir leben nicht von unserem Kapital, ganz im Gegenteil. Unsere Arbeiter und unsere Fabriken sind viel leistungsfähiger als früher. Unser Nationaleinkommen vermehrt sich sehr schnell. Wir leiden nicht an greisenhafter Schwäche, sondern an Kinder­krankheiten.

Das kann ein Engländer gut sagen, der keine Repara tionslasten zu tragen bat.

Frankreichweigert sich Mich" Die Regelung der englisch-französischen Kriegsanleihefrage.

Paris, 14. Januar.

Wie die Agentur Haoas berichtet, wird die französische Antwort auf die letzte englische Note, wonach die Ansprüche der englischen Inhaber französischer Kriegsanleihe auf Gold­parität geregelt werden sollen, demnächst der englischen Bot­schaft in Paris zugestellt werden. Die französische Antwort wird eine höfliche Weigerung darstellen, den Streitfall, wie in der englischen Note angeregt worden war, einem Ausnahmeschiedsgerichtsverfahren zu unterbreiten, da die normale zuständige Gerichtsbarkeit noch nicht mit der Frage befaßt worden sei.

Weltteile der Landwirtschaft

Gesamtdarstellung der Agrarsachverständigen des Völker­bundes.

Genf, 14. Januar

Die Berichte der Agrarsachverständigen, die in diesen Ta­gen in Genf zu Beratungen zusammengetreten sind, sind vom Völkerbundssekretariat zu einer Gesamtdarstellung über die Weltagrarkrise verarbeitet worden. Darin wird u. a. aus­geführt: Alle Länder haben eine mehr oder weniger scharfe Krise der Landwirtschaft zu verzeichnen. Was die gegenwär­tige Krise besonders verschärft, ist die Tatsache, daß von ihr fast die gesamte landwirtschaftliche Produktion erfaßt wird.

Hauptursache der Krise sind die fortschreitende Mecha­nisierung des landwirtschaftlichen Betriebes und die Desorganisation, die der Weltkrieg hervorgerufen hat.

Die technischen Verbesserungen, die Vermehrung des Er­trages, die Nutzbarmachung neuer Anbauflächen haben mit den tatsächlichen Bedürfnissen nicht gleichen Schritt gehal­ten. Es kann kein Zweifel bestehen, daß die Verbesserung der Methoden und des Produktionssystems das Agrarpro- blem noch mehr kompliziert haben. Verschärft wurde die Entwicklung durch den Weltkrieg, der ein großes wirtschaft­liches Durcheinander hinterlassen hat.

Der Krieg hat die Steigerung der Produktion durch die überseeischen Länder, die die Hauptkriegslieferanten auf dem Gebiete der Ernährung wurden, verursacht und eine Entwicklung eingeleitet, die nach dem Kriege von diesen Staaten noch fortgesetzt wurde.

Nach dem Krieg setzten die Bestrebungen nach wirtschaftlicher Autarkie und Protektionismus ein. Im ganzen^chat. die _ Landwirtschaft unter diesen Bestrebungen gelitten. Die pro- tektionistischen Strömungen waren häufig von der Steige­rung der Preise für Fertigwaren begleitet, worunter die Landwirtschaft zu leiden hatte. Die Schwankungen in der Kapitalkraft des Geldes, Inflation und Deflation haben das ihrige zur Agrarkrise beigetragen.

Die Hauptschwierigkeilen liegen in dem Mißverhältnis zwischen Verkaufspreis und Selbstkostenpreis. Der größte Teil der Agrarproduktion hat noch nicht einmal das Vorkriegsniveau erreicht.

Seit dem Jahre 1929 sind die Preise stark gefallen. Dieser Preissturz ist stärker gewesen als die Senkung der Preise im Kleinhandel und für die Lebenskosten. Die schweren Schäden, die für den Landwirt aus den an sich niedrigen Verkaufspreisen entstehen, werden noch vergrößert durch die ständigen Schwankungen der Preise. Diese Schwankun­gen sind viel stärker als vor dem Kriege.

Die Preise, die der Landwirt erzielt, stehen in keinem Verhältnis zu den Produktionskosten, die ständig gestie­gen find. Die Agrarkrise hätte zweifellos nicht den jetzi­gen Grad der Schärfe erreicht, wenn die probuttions- kosten fühlbar gesenkt worden wären.

Der Anteil der Löhne an den Produktionskosten schwankt zwischen 40 und 50 Prozent. Steuern und öffentliche Ab­gaben sind in den meisten Ländern höher als vor dem Krieg. Dazukommen in vielen Ländern die hohen Zinssätze. In Ungarn zum Beispiel hat sich der Zinssatz für Agrarkredite verdoppelt. In Rumänien müssen die Landwirte geradezu wucherische Zinsen bezahlen, die zwischen 18 und 50 Prozent schwanken.

In Deutschland wird die Situation durch die Verschul­dung der Landwirtschaft, die auf 12 Milliarden Rm. geschätzt wird, verschärft.

Die Krise wird weiter gekennzeichnet durch ein abnormes Mißverhältnis zwischen dem Erlös der landwirtschaftlichen Produkte und den Preisen, die der Landwirt für seine Ge­räte bezahlen muß. Während die Industrie ihre Produktion noch einigermaßen der Nachfrage anpassen konnte, ist der Landwirt hierzu nicht in der Lage. Die Landwirtschaft hat im Gegensatz zur Industrie keine Organisation zur Regelung der Produktion. Die meisten Sachverständigen glauben, daß die Krise erleichtert würde, wenn für die Landwirtschaft ähnliche Organisationsformen geschaffen würden, wie sie auf anderen Gebieten bestehen. Man denkt an bessere Verkaufs­organisationen und weitere Ausbildung des Äenoffenschafts- wesens.

Ein entscheidendes Merkmal der Krise ist das Mißver­hältnis zwischen dem Erlös, den der Landwirt erzielt, und dem Kleinverkaufspreis.

Letzterer ist manchmal doppelt so hoch wie der Preis, den der Landwirt erhält. Zur Lösung des Gefamtproblems wer­den verschiedene Vorschläge gemacht, zum Beispiel Herab­setzung der Produktion für einzelne Produktionsarten, ein Vorschlag, der allerdings großen Schwierigkeiten begegnet.

Die größte Bedeutung käme nach Ansicht dieser Sach­verständigen einer Rationalisierung des Warenabsatzes durch die Produzenten zu.

Hierzu wäre die Mitarbeit des Staates, die sich u. a. auf eine behördliche Festsetzung im Einvernehmen mit den land­wirtschaftlichen Organisationen erstrecken müßte, nötig. Man denkt an die Schaffung von Getreidepools, Getreidemono­polen und die internationale Ausdehnung solcher und ähn­licher Organisationen. ..