Einzelbild herunterladen
 

hersfel-erTageblatt

.......................-.....................«. hiMii M* etafoefHge petttzeN» 15 vstnnlu, He Rtflamtwfle 50 Pfennig. (®run6sd)rift Rorpne). Bei M^erholangsn wirb ein entsprechend« Prel Rachlast arwährt. Zstr öle vchrtfilettung «»v i» »örtlich r-ran, Zunt in £jtrefel6. Zernsprecher eveite ,...............i.it.-rtT.rr............ I-

Nr. 33

hersfel-er Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

Montag, den 9. Februar 1931

MonaMcher Vyogsvr^sr durch 6h Post bnMtn 1J0 Relcho-Mark, aooschltrßlich BefhHodb, für Atrehlb 1.20 RtfAs-Hlarf bei freier Anstellung, str Jlbholrr 1.00 RelAe-niarf. druck un6 Verlag von 5oöwla Zanks vlichdruckerrt In ynsstlb, MttglUd »e, vdZV.

♦H

81. Jahrgang

Die Kraftprobe im Reichstag

Das Parlament hat die Mitztrauensantrage gegen die Regierung und den Auflösungsantrag abgelehnt

Die Winterichlacht in Masmen

7. bis 21. Februar 1915.

Furchtbar heulte derWjuga", der russische Ostwind über die Heide und weiten Ebenen Ostpreußens, schüttelte unendliche Mengen Schnee in die Wälder, trieb Eis- und Flocken vor sich her, baute an Straßen und Wegen Barri­kaden, besser als die kämpfenden Truppen es mit Stachel­draht und Verhauen tun konnten. Der ostpreußisch-russische Winter war dem Kriegsgott in den Arm gefallen und lieh die Front in eisiger Kälte zur Unbeweglichkeit erstarren

In Hindenburgs Hauptquartier, in Posen war der Plan zu einem neuen Tannenberg gereift. Trotzdem die Witterung fast unüberwindbare Schwierigkeiten zu berei­ten schien, hielt man an einem Angriff im Raume Johan- nisburgLasdehnen fest. Man wollte die russische Front an zwei Stellen packen. Unten im Süden, um die österreichische Festung Przemysl zu entsetzen, und oben in Ostpreußen, wo man der Armee des Generals von Sievers einen vollkommenen Untergang zu bereiten gedachte.

Hindenburg, der sein Hauptquartier nach Jnsterburg verlegt hatte, verfügte über 250 000 Mann, zusammengefaßt zur 8. und 10. Armee unter Führung der Generäle von Below und von Eichhorn. Abgesehen von wenigen aktiven

Tr. -enteilen waren es fast alles Reservedivisionen und Landwehrformationen, die mit bewundernswürdiger Tapfer­keit und unter den allergrößten Strapazen Hindenburgs Angriffsplan trotz unüberwindbar erscheinender Schwierig­keiten durchführten.

Ende Januar rollten die Transportzüge mit den vier für das Unternehmen bestimmten und zum Teil neugebilde­ten Korps (38., 39. und 40. Reservekorps, 21. Armeekorps) heran. Anfang Februar konnten die Truppenführer die Angriffsbereitschaft der Armeen melden. Am rechten Flügel wartete General Litzmann mit dem 40. Reservekorps, der 79. und 80 Reseroedivision, der 2. Infanteriedivision und der 3. Kavalleriebrigade auf den Angriffsbefehl. Eichhorns nördliche Stoßtrupps stand im Raume MemelPregel Ge­wehr bei Fuß,.um nach dem Angriff der Gruppe Litzmann ebenfalls zum umfassenden Vorstoß anzutreten. Die Mitte der Heeresgruppe wartete, sie sollte das Zentrum der russi­schen Armee fesseln, damit die deutschen Flügeltruppen im schnellen Vormarsch die Russen umklammern und die Mög­lichkeit des Rückzuges in Richtung Kowno und Grodno nehmen können.

Hindenburgs Plan sah vor, daß die Umfassung der Russen so schnell ausgeführt wurde, daß durch Sperre der von der Front abführenden Rückmarschstraßen jede Rück­zugsmöglichkeit in das Innere des Landes genommen wurde. Dagegen mußten die russischen Divisionen nach der Armeemitte zusammengetrieben werden, um dort ihre Ver­nichtung zu finden. Gelang dieser Plan nicht, so blieb trotz aller Siege das Endziel unerreicht: die russische Armee von Sievers restlos aufzureiben. Nur dadurch konnte eine fühl­bare Entlastung der ins Erstarren geratenden Front und eine .Entscheidung des Krieges im Osten vorbereitet und erreicht werden.

Unerbittlich jagte der Oststurm seine Schneemassen über sdas Land. Niemand auf russischer Seite dachte an einen -deutschen Angriff. Die Front schlief. Wohlversorgt mit Ma- sterial und Verpflegung lebten die Russen in ihren zu Win­terquartieren ausgebauten Stellungen. Der Aufmarsch der Deutschen und ihre Angriffsvorbereitungen blieb völlig ver­borgen.

Da griffen Litzmanns Truppen am Morgen des 7. Fe­bruar von unwiderstehlichem Siegeswillen erfüllt an. Trotz tiefen Schnees bahnten sich die Angriffsbataillone den Weg durch die feindlichen Stellungen, jeoe Gegenwehr der über­

raschten Russen überwindend. Oft 12 Pferde vor Wagen und Kanonen gespannt, wurden Artillerie, Munition und Bagage durch Schnee und Eis vorwärts gebracht. Am Abend des ersten Tages hatten einzelne Truppenteile bis zu 40 Kilo­metern kämpfend üverwunden. Eine kaum faßbare Leistung. Am folgenden Tage wurden zur Entlastung angesetzte Gegenstöße aus Richtung Kowno abgewiesen. Auch der linke Flügel der 8 Armee begann den Vormarsch mit Unter­stützung durch die tapfere Besatzung der Festung Lötzen.

Am 8. Februar griff auch die linke Stoßtruppe der 10. Armee bei Pillkallen und Lasdehnen am Hier bereiteten Schnee und Gelände noch größere Schwierigkeiten. Im­mer wieder mußten Geschütze und Munitionswagen von Menschenhänden durch Schneewehen und über vom Sturm reingefegten Glatteisflächen gezogen werden. Aber es ging, weil es gehen mußte. Fester Wille der Führung und sieges- | sicherer Kampfesmut der Truppen schafften Unmögliches Am 10 Februar folgte auch die Mitte der Armee der Vor­wärtsbewegung in Richtung Marggrabowa. Die linke Stoßtrupps stand am Abend bereits bei Schirwindt und be­gann in südöstlicher Richtung kämpfend vorzugehen, um den > Russen den Rückmarsch in Richtung Kowno zu verlegen Am ! 12 Februar, fünf Tage nach, dem Angriff der Gruppe Litz- > mann, lief die Front von Ludwinow am Wysztyter See vor­bei durch die Romintener Heide südlich nach Lyk. Die Um­klammerung der russischen Front wurde immer enger, die Stoßrichtung der Flügelgruppen immer deutlicher erkenn­bar. Das Kampfziel, Verlegung der von der Front weg­führenden Rückzugsstraßen und Zusammendrängung der I Russen in konzentrischer Richtung, also nach ihrer Armee­mitte zu, erkannte auch der Feind.

Unvermüdlich drangen die Deutschen vor. Nichts hin­derte ihren Vormarsch. Die ^Männer, die da Tag oft erinnert tampfentr chren Weg durch Wintersturm und Kälte bahnten, vergeblich auf wärmende Quartiere hofften, nachts die Brandfackeln der von den Russen angesteckten Dörfer und Gehöfte schaurig auflodern sahen, wollten siegen. Ihr Glauben war Hindenburg, der Sieger von Tannenberg. Dieser Glaube machte sie zu Helden.

Vergeblich griffen die Russen zur Entlastung an den von dem Vormarsch nicht- berührten Fronten an. Ver­geblich versuchten sie, aus Kowno und Grodno Entlastung zu bringen und die Rückmarschwege zu sichern. Umsonst demühte sich der russische General Leontiew mit seinen Ko­saken die Flanke zu schützen. Bei Eydtkuhnen erreichten ihn die Deutschen, als er sich durch unüberwindbare Schnee­wehen und unpassierbare Wege gesichert glaubte. Die Deutschen kannten eben kein Hindernis. Ungezähltes Kriegs­material fiel in ihre Hände Hindenburgs Plan näherte sich feiner Verwirklichung. Am 14. Februar wurde Su- walki erreicht, kämpften die Deutschen schon vor Augustow, begann die nördliche Stoßtruppe bereits mit der Front nach der Heimat im Rücken der Russen zu kämpfen. Die Ein­kreisung der russischen Armee stand vor der Vollendung.

Der 20. und 21. Februar brächte dann das Ende der russischen Armee von Sievers. Im Walde von Augustow wurden die letzten russischen Heereskörper immer enger zu­sammengetrieben. Nur wenige Formationen konnten seit­wärts oder rückwärts ausweichen und der Umklammerung durch die Deutschen entgehen. Die Winterschlacht in Masuren war geschlagen, die russische Armee entscheidend vernichtet. Hindenburg hatte dem Siege von Tannenberg einen zweiten Sieg folgen lassen. Mehr als 100 000 Ge­fangene und ungeheures Material waren die zählbare Beute.

Ueber die Schlacht selbst schreibt Hindenburg:Der NameWinterschlacht in Masuren" mutet uns wie Eises­hauch und Totenstarre an. Vor dem Gange der Schlacht steht der rückblickende Mensch, wie wenn er sich fragen müßte: Haben wirklich irdische Wesen dies alles geleistet, oder ist dies alles nur ein Märchen oder Winterspuk ge­wesen. Sind. jene Züge durch Winternächte, jene Lager im eisigen Schneetreiben und endlich der Abschluß der für den Feind so schrecklichen Kämpfe im Walde von Augustow nur die Ausgeburten erregter menschlicher Phantasie."

Alles bezwingende Tapferkeit, geboren aus tiefer Va­terlandsliebe und Heimatglaube, ließ die Menschen über Wet­ter und Sturm triumphieren, den Feind besiegen und eine unvergeßliche Heldentat schaffen: Die Winterschlacht in Masuren. Dr. I.

Tittoni, der Liquidator

des Dreibundes, gestorben

Rom. 9. Februar.

Der frühere Minister des Auswärtigen, Senator Tomasio T i t t o n i ist am Sonnabend im Alter von 82 Jahren an den Folgen einer Grippe gestorben.

Tomasso Tittoni wurde in Rom geboren und hat als Außenminister verschiedener Kabinette in den sur das Schicksal des Dreibundes entscheidenden Jahren 1903 bis 1909 mit kurzer Unterbrechung die i n t e r n a t i o n a l e Politik Italiens geleitet. An der Ausarbeitung der c)ne- densverträge von St. Germain, Neuilly und Lnanon ha er maßgebend mitgewirkt.

Severlng läßt das Volksbegehren nicht zu

Er verlangt 20 000 Unterschriften. Seldte will sie beschaffen.

Berlin, 9. Februar.

Nach dem Amtlichen Preußischen Pressedienst hat der preußische Minister des Innern, Severing, an den Stahlhelm in Magdeburg am Sonnabend ein Schreiben gerichtet, in dem er sagt, daß er das Slahlhelmvolksbegehren auf Auflö­sung des Preußischen Landtages nicht zulassen könne, da der Antrag nicht die Unterschriften von 20 000 Stimmberechtigten trägt. Es müsse glaubhaft gemacht werden, daß 100 000 stimmberechtigte Stahlhelmitglieder den Antrag unterstützten.

*

Der Bundessührer des Stahlhelms, Franz Seldte, sprach auch in Freiburg i. Br. zum Volksbegehren. Er erklärte, der Stahlhelm werde die notwendigen 20 000 Unter­schriften beschaffen. Er werde dafür sorgen, daß

sogar 120 000 stimmberechtigte Mitglieder des Stahlhelms den Antrag unterstützen. Der Stahlhelm werde getrennt marschieren, aber mit H i t l e r und H u g e n - b e r g das gleiche Ziel verfolgen. Seldte erklärte schließlich, daß im Jahre 1932, sofern die Mittel dafür aufgebracht wer­den könnten, ein Frontsoldatentag in Freiburg abgehalten werde.

tigung in der Dsthilfefrage erfolgt

Berlin, 9. ____

Es ist nunmehr gelungen, eine Einigung in der OstWe- frage herbeizuführen. Das Ostkommissariat ist sich sowohl mit Preußen als auch mit der Industrie einig geworden, unk zwar auf der Basis, daß das Zweckvermögen anerkannt wird Die Führung bei der Umfchuldung wird bei der Bank für Jndustrieobligationen liegen; außerdem werden die Renten- bankkreditanstalt und die Preußenkasse eingeschaltet. Air Dienstag und Mittwoch soll in Chefbesprechungen der betei­ligten Ressorts der Gesetzentwurf fertiggestellt werden, so daß sich dann am Donnerstag das Kabinett mit ihm befassen kann In unterrichteten Kreisen rechnet man damit, daß es nun­mehr gelingt, das Osthilfegesetz bis Ende der Woche zu erledi­gen, damit es dann sofort auf den parlamentarischen Weg ge­bracht werden kann.

Kanzler-Appell an das Selbstbewußtsein

auf dem westfälisch-lippischen handwerkerlag.

Münster, 9. Februar.

Auf der Kundgebung des westfälisch-lippischen Hand- werkerbundes sprach nach kurzen Ausführungen des preußi­schen Finanzministers Höpker-Aschoff und Staatsministere von Räumer, der auf die Arbeitslosigkeit und ihre Bekämp- a einging, Reichskanzler Dr. B r ü n i n g. Vor etwc

Handwerkern betonte er, die gegenwärtige höchste Rm zwinge, den höchsten Glauben an die eigene Kraft aufaubrin- gen. Das Einzige, was das deutsche Volk in dieser verzwei­felten Stunde retten könne, sei der Glaube an sich selbst unk an seine Kraft. Dieser finge in dem Augenblick an, in dem das Volk Vertrauen zu seiner Regierung habe. In ihren Maßnahmen müsse die deuffche Regierung parlamenta­risch vorgehen. Bezüglich der Reparationen erklärte der Kanzler, niemand werde glauben, daß die Reparationslasten dauernd zu erfüllen seien, aber erst müsse im eigenen Haus« Ordnung und planmäßige Finanzwirtschaft Platz greifen Unbedingt notwendig sei, zu einer Vereinfachung der Steuer- gefetze zu gelangen. Nach Verabschiedung des Landwirt­schaftsetats und der Osthilfe werde die Regierung an die Re­form einzelner Teile der Sozialversicherung und der Woh- nungszwangswirtschaft Herangehen. Der Kanzler appellierte am Schluß an die Verantwortung, die allein den Weg zur Freiheit zeigen könne.

Wieder Erdbeben in Neuseeland

Wellington, 9. Februar.

Im Gebiet der Hawkes-Bucht wurde am Sonntag nach­mittag, 2 Uhr hiesiger Zeit, der stärkste Erdstoß seit Dienstag verspürt, der besonders in den auch beim letzten Erdbeben am schwersten heimgesuchten Städten Rapier und Hastings Scha­den verursachte. An den Abhängen von Bluff H i l l, einem Berg bei Rapier, ereigneten sich

gewaltige Erdrutsche.

Kap Kidnappers, südlich von Rapier, war ganz in Staub ge­hüllt und wurde durch ungeheure Erdrutsche und Felsstürze völlig verändert. Ungeheure Sturzwellen überfluteten die Küste und dürften die beim letzten Erdbeben obdachlos gewordenen Familien, die sich in Rapier an den Strand flüchteten, nötigen, ihre Zufluchtsstätte zu räumen.