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HtrsfelöerTageblatt

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Reisfelder Kreisblatt

Amtlicher Mnzeiger für den Kreis Rctsfeld

Nr. 46 Dienstag, den 24. Februar 1931 81. Jahrgang

Hindenburg soll Reichspräsident bleiben

Der 3ungbo fordert ein Volksbegehren, das Hindenburgs Amtszeit auf Lebenszeit verlängern soll

Wie die deutsche Wirtschaft angekurbelt werde« soll

Hilfsmaßnahmen für die Landwirtschaft im Rahmen der Gesamtwirtschaft. Die Reichsregierung verlangt General­vollmacht.

Berlin, 24. Februar.

Das Reichskabinett schloß gestern abend unter dem Vor­sitz des Reichskanzlers seine agrar- und wirtfchaflspolitiscken Erörterungen ab. Die gefaßten Beschlüsse wird Reichsmrni- ster Dr. Schiele in seiner heutigen Rede zum Haushalt des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft im Reichstage vertreten.

Wie wir hierzu erfahren, hat man fid) im Reichskabinett darauf geeinigt, daß es vom Reichstag die Generalermächti­gung verlangen wird, alle zur Förderung der Wirtchaft not­wendigen Maßnahmen zu ergreifen. Mit dieser Formulie­rung, die etwa einem erweiterten Vertrauensvotum gleich- kommt, würde der Regierung das Mittel gegeben sein, der Landwirtschaft die notwendige Hilfe zu bringen, soweit sie im Rahmen der Gesamtwirtschaft möglich erscheint. Außerdem wird den Einwänden psychologischer Art, die von den Gegnern der Pläne des Reichsernährungsministers erhoben worden sind, durch die Ausdehnung der Ermächtigung auf die Ge­samtwirtschaft Rechnung getragen werden. Das Kabinett hat auch bereits die Formel für die Ermächtigung ausge­arbeitet. die von ihm selbst an eine bestimmte Frist gebunden wird. Die Einzelheiten der Maßnahmen, namentlich auf dem Gebiet der Veredelungswirtschaft dürften der Reichsre­gierung zum geeigneten Zeitpunkt vorbehalten bleiben. In politischen Kreisen sieht man der heutigen Erklärung des Reichsernä! ungsministers mit großer Spannung entgegen, da sie eine Reihe programmatischer Einzelheiten enthalten wird.

Pariser LMwirtschaftskonserenr

Briand fordert europäische Solidarität.

Paris, 24. Februar.

Die Landwirtschaftskreditkonferenz der europäischen Mitgliedsstaaten des Völkerbundes ist im französischen Außenministerium unter Vorsitz des Außenministers Briand eröffnet.

Der Unterstaatssekretär beim Ministerpräsidenten, Francois P o n c e t, wurde zum geschäftsführenden Vor­sitzenden der Konferenz gewählt. Er schlug sofort die Ein­setzung eines aus Beamten bestehenden Unterausschusses vor, der die Mengen und die Qualität der in Europa vorhan­denen Getreiderestbestände feststellen soll. Der polnische De­legierte Sokolowski schlug vor, daß dieser Unterausschuß auch die Vorräte an Gerste und Mais feststellen soll. Die deutsche Delegation steht unter der Führung des Reichsministers a. D. Reichstagsabgeordneter Dr. Hermes.

Außenminister Briand hielt die Eröffnungsrede. Der Minister führte u. a. aus: Die Tatsache, daß fast alle euro­päischen Regierungen, soweit sie Mitglied des Völkerbundes seien, beim Studium eines Problems vertreten seien, daß die Wirtschaft eines Teils von Europa angehe, sei das beste Zeugnis für die allgemeine Solidarität, die heutzutage allen Mitgliedern der europäischen Gemeinschaft bewußt werde Frankreich habe nie daran gezweifelt, daß eine derartige Bemühung, die dem Empfinden der Völker entspreche, eines Tages gegenüber den Sonderinteressen-Gegensätzen den Ausschlag geben würde, die Europa um den vollen Ertrag seiner Arbeit und um seine wirklichen Sicherheitsgarantien bringen könnten. Es handele sich um die Lösung des ersten konkreten Problems des Studienausschusses der Europa- Union. Die Ereignisse hätten es gewollt, daß dieses erste Problem gerade das Gebiet betreffe, das eng mit den un­mittelbaren Erfordernissen des Lebens der Nationen im Zu­sammenhang stehe, nämlich mit der landwirtschaftlichen Pro­duktion. Dieses Problem sei aber nur eine der Seiten der allgemeinen Problems, das die Kommission zu studieren haben werde, nämlich die Weltwirtschaftskrisis, soweit sie die europäischen Länder betreffe. Briand betonte, daß die Aufgabe des Ausschusses darin bestehe, für den Absatz der vorhandenen Getreidevorräte zu sorgen, also für die Lösung eines außergewöhnlichen Problems zu sorgen, während der zweite am Donnerstag zusammentretende Ausschuß dar Problem der dauerhaften Regelung dar Wirtschaft in den Donauländern prüfen müsse.

Die Gewähr für den Erfolg der Verhandlungen liege in der Konsolidierung des Friedens in diesen Teilen Euro­pas. den man vor den politischen und sozialen Rückwirkungen einer Wirtschaftskrise schützen müsse. Die Regierungen müßten jetzt eine wirkliche Geste der Solidarität machen und tatsächlich eine Aktion unternehmen, deren Bedeutung nicht nur nach ihrem unmittelbaren Ergebnis abzumessen sei, son­dern nach dem sich auswirkenden Impuls, der sich daraus bei der Orientierung der Geister für den allgemeinen Fort­schritt der europäischen Zusammenarbeit ergeben könne.

tzindenburg-Pvrole des Jungdo

Der greife Reichspräsident soll lebenslänglich im Amte bleiben.

Holzminden, 24. Februar.

Auf einer Tagung des Jungdeutschen Ordens erklärte der Hochmeister Arthur M a h r a u n , der Jungdeutsche Orden werde im Sinne des Stahlhelm-Volksbegehrens in Preußen stimmen. Das Stahlhelm-Volksbegehren umfasse je­doch nur einen Teil der nationalen Kräfte. Es sei notwen­dig, eine ganz große nationale Einheit herzustellen, um das Gerede von der Bürgerkriegsgefahr in Deutschland zu be­seitigen, das dem Deutschen Reich und vor allem der deutschen Wirtschaft schweren Schaden bringe. Eine solche große Ein­heit sei zurzeit nicht durch Ideen zu erreichen, sondern nur durch eine Person, durch den Reichspräsidenten von Hin- Denburg.

Die Amtszeit Hindenburgs dürfe nicht im nächsten Frühjahr beendet sein. Hindenburg müsse dem deutschen Volke als Führer erhalten bleiben, "'m ihn, als Symbol der Einheit, müsse sich die große nationale Front bilden. Des­halb schlage der Jungdeutsche Orden vor allen anderen Volksbegehren ein solches auf Verlängerung der Amtszeit Hindenburgs auf Lebenszeit vor.

Dieses Volksbegehren, das nicht von Jungdeutschen allein, fondern von allen wahrhaft nationalen politischen Grup­pen ausgehen soll, könne allein die große nationale Einheit erweisen, die notwendig sei, damit das deutsche Volk wieder Den Glauben an sich selbst bekomme und damit das Aus­land erkenne, daß es noch eine Autorität in Deutschland gibt, die eine stetige Entwicklung sichert.

Der Abrüstungsschwindel

Genf, 24. Februar.

Im Völkerbundssekretariat wurde seit einiger Zeit die Idee einer großen öffentlichen Abrüstungspropaganda durch die Völkerbundsbehörden erwogen. Der Generalsekretär des Völkerbundes, Sir Eric Drummond, hat jedoch nach sei­ner Rückkehr aus Südamerika Vorschläge, die ihm in dieser Hinsicht unterbreitet wurden, abgelehnt, weil nach seiner Auffassung das Sekretariat als Ausführungs- und Verwal­tungsbehörde des Völkerbundes nicht dazu berufen ist, in einer so wichtigen politischen Propaganda selbständig Stel­lung zu nehmen.

Um Frankreichs Abrüstung zur See

Schwierige Besprechungen zwischen Henderson und Briand.

Paris, 24. Februar.

Der englische Außenminister Henderson und der Erste Lord der Admiralität, Alexander, sind gestern nachmit­tag in Paris eingetroffen. Die englischen Staatsmänner haben sich sofort ins französische Außenministerium begeben.

Im Außenministerium setzten sie die in der vorigen Woche begonnenen Besprechungen über die Flottenabrüstung fort. Diesen neuen Verhandlungen ist große Bedeutung bei- zumessen. Sie deuten darauf hin, daß die Annahme des von den beiden Sachverständigen Ende voriger Woche ausgear­beiteten Kompromißvorschlages für den Beitritt Frankreichs zum Londoner Seeabrüstungspakt noch auf Schwierigkeiten stößt. Kurz nach 19 Uhr verließ Henderson in Beglei­tung des englischen Botschafters den Quai d'Orsay. Lord Alexander und C r a i g i e setzten dagegen mit dem Ma­rineminister Dumont und dem französischen Sachverstän­digen die Beratung fort, heute vormittag soll eine neue Be­sprechung zwischen Briand und henderson stattfinden.

Fa»erpoMische Gegensätze in England

Austritt Mosleys aus der Arbeiterpartei?

London, 24. Februar.

Im Parlamentsausschuß zur Behandlung der Gesetzes- oorlage über industrielle Streitigkeiten bestehen die liberalen Mitglieder auf Abänderungen, mit denen der Generalrat des Gewerkschaftskongresses nicht einverstanden ist. Infolge­dessen wird der weiteren Entwicklung mit großer Span­nung entgegengesehen.

Der starke Rückgang der liberalen Stimmen bei den letzten Ersatzwahlen werde dahin ausgelegt, daß die Ver­handlungen, die die liberalen Führer hinter den Kulissen mit der Arbeiterpartei führten, im Lande Unbehagen er­regten.

In diesem Zusammenhang wird gemeldet, daß Sir Os­wald Mosley aus der Arbeiterpartei auszutreten beabsich­tigt und Führer einer kleinen Gruppe Unabhängiger zu werden. Es wird angenommen, daß bei einem eventuellen Austritt Mosleys aus der Arbeiterpartei ungefähr ein hal­bes Dutzend seiner Kollegen seinem Beispiel folgen werd«.

Wie aus Bombay gemeldet wird, hat der König von Afghanistan, Nadir Khan, von britischer Seite eine Anleihe von 72 500 Pfund Sterlina und eine große Sendung Ge­wehre und Munition erbauen.

Englandsfliegende Lafette"

London, 24. Februar.

Britische Heeresflieger und Konstrukteure haben ge­heime Versuche zur Erprobung eines neuen Armeeflugzeug­typs abgeschlossen. Bei der neuen Maschine, die, wie es in einer Reutermeldung heißt, eine Umwälzung der Kampses in der Lust herbeiführen dürfte, handelt es sich um einen einsitzigen Armeedoppeldecker, den man als fliegende Lafette ansprechen könnte; er besitzt sechs Maschi­nengewehre, deren Schußbahnen konvergierend in einem Punkte Zusammentreffen; alle sechs Geschütze werden vom Piloten mit einem Handgriff zu gleicher Zeit bedient.

Die Maschine soll be' einer Geschwindigkeit von etwa 300 Stundenkilometern noch vier zwanzigpfündige Bomben mitführen und mit dieser Last bis zu einer Höhe von etwa 8000 Metern steigen können.

llarudeherd Spanien

Guerra zieht sich zurück Macia für die Republik

Madrid, 24. Februar.

Wie berichtet wird, will sich Sanche; Guerra vom poli­tischen Leben zurückziehen. An seiner Stelle haben die Kon- stitutionalislen Melquiades Alvarez zum Führer ihrer Par­kei gewählt.

Die Konstitutionalisten haben ferner beschlossen, sich bei den Stadtratswahlen der Stimme zu enthalten. Der Son­derkorrespondent, den das PariserJournal" nach Spanien entsandt hat, hat in Barcelona den katalanischen Autonomi- stenführer Oberst Macia interviewt. Dieser erklärte, bei Kimia Hätte ksi'^er. dyran aetan.^ wenn er yn$ Entwicklung nach der Richtung emes^trveraleren Alegimes gewählt hätte.

Durch seine rückwärtige Orientierung setze er sich der Gefahr aus, daß die nächste Bewegung vielleicht sogar blutigen Charakter annehmen werde. Spanien könne erst Fortschritte erzielen, wenn die Monarchie ver­schwunden fein werde.

Er, Macia, sei für keinerlei Diktatur, er sei vor allem Ka­talane und wolle eine bundesstaatliche Republik Spanien, bestehend aus den drei am meisten entwickelten Pro­vinzen Katalonien, Andalusien und dem Baskenland, zu denen als viertes das übrige Spanien träte, das noch nicht so weit entwickelt sei. Erste Aufgabe einer solchen bunbes* staatlichen Republik wäre die Erziehung und Ausbildung des Volkes. Er wolle jetzt eine katalanische Partei der Eini­gung bilden.

Rumäniens ewige Krise

Duca fordert den Rücktritt der Regierung.

Bukarest, 23. Februar.

Der Generalkongreß der Liberalen Partei Rumäniens genehmigte die Wahl Ducas zum Parteivorsitzenden an Stelle Vintila Bratianus. 3n feiner Programmrede for­derte Duca den Rücktritt der gegenwärtigen Regierung und die Bekrauung der Liberalen Partei mit der Kabinetts­bildung.

Revolution in Per« Die Lage ist ernster geworden.

Rew Pork, 24. Februar.

Aus der peruanischen Hauptstadt wird gemeldet, daß infolge der von der Regierung verhängten Zensur es außer­ordentlich schwierig, ja fast unmöglich sei, die wirkliche Aus­dehnung der revolutionären Bewegung in Südperu festzu­stellen. Daß die Bewegung aber nicht bedeutungslos sein könne, gehe daraus hervor, daß die Regierung offenbar größere Streitkräfte konzentriere.

Außer der bereits gemeldeten Einberufung von Reser­ven hat die Regierung auch eine Anzahl Flugzeuge einge- fetzt. Eins von diesen Flugzeugen hat Ausgaben von Zei­tungen, die der Regierung nahestehen, und Proklamationen über Arequipo abgeworfen. Die Aufftändischen ihrerseits haben in Arequipo ein Postflugzeua der Panamerican Grace Lines beschlagnahmt. Der peruanische Botschafter in Argen­tinien hat sich dahin geäußert,

daß die Bewegung in Süd-peru lediglich das Bemühen der alten Lequia-partei darstelle, wieder zur Macht zu gelangen,

daß dieser Bewegung aber die Unterstützung seitens der brei­ten Schichten der Bevölkerung fehle. Die Aufständischen in Arequipo seien nicht stark genug gegen die Hauptstadt et­was auszurichten. Im übrigen seien die Hauptprobleme für Peru nicht politischer, sondern wirtschaftlicher Natur.

Anderen Meldungen zufolge fallen dk Revolutionäre den Süden des Landes völlig in ihrer Hand haben. Man vermutet, daß die beiden bedeutendsten Kriegsschiffe der pe­ruanischen Flotte, die KreuzerLoronel Bolognesi" und Almirante Grau", sich den Aufständischen angeschlosfen haben.