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Htzrsfel-erTageblatt

Hersfelöer Kreisblatt [ässe

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö | Zank,Vu^deuckerei fn h««frlb,M^l^t»»« tWAV. | Nr. 67 Freitag, den 20. März 1931 8L Jahrgang

ManaMchnveplgmret« b«ch MtMtbgweUe N«ich»-Mart, aaeschließlich vestellgew, heräfelt 1*20 Retche-Mart bei freier Zustellung, fflt fibhol« 1.00 Reiche-Mark. druck und Verlag von Lvöwtg Zank, Luchöruckerei in Herefel», Mitglied 6 t« VVZV.

MMWWM» Mt sewMBgt Pdttyflt 15 vstmÜP NtIwhimmflt 50 Pfennig. (Srun-schrtst Rorpne). M Mederyolangen wir» ein entsprecktnürr preis» Nachlaß gewahrt. -ür die Schristleitung t>tratrt» »»M1chr-«uqZm,k in herefelö. Zernspnchrr Nr.

Reichstag und Reichswehr

Reichswehrminister Groener: Disziplin und Staatsgesinnung find in der Reichswehr fest verankert

Ergebnis bet Woche

Die parlamentarische Lage erscheint nach den neuesten Entwicklungen der Dinge wieder etwas zugespitzt. Das ist an sich nicht verwunderlich; denn jetzt gehen die Be­ratungen des Reichstages über den Reichshaushalt und über das Agrar- und Osthilfeprogramm der letzten Entscheidung zu. Die fortgesetzten Beratungen der Fraktionen und der Regierung mit den Parteivertretern haben eine Klärung noch nicht gebracht. Es dreht sich noch immer um das Pan­zerschiff, das die Sozialdemokraten nur passieren lassen wollen wenn Regierung und Parteien sich mit einer Reihe steuer- und sozialpolitischer Forderungen abfinden. Nach dem jüngsten Beschluß der sozialdemokratischen Reichstags­fraktion wird sie wie im Ausschuß sich bei der Abstim­mung der Stimme enthalten und damit Komplikationen in­nerhalb des Kabinetts verhindern. Sie kann diese Taktik um so eher verfolgen, als sie des Erfolges ihrer K o m p'e n - sations-Forderungen sicher sein kann, solange die Rechtsparteien sich weiterhin dem Reichstag fernhalien. Andererseits liegt aus Kreisen der Regierung eine Verlaut­barung vor, wonach diese unter keinen Umständen einer steuerpolitischen Veränderung ihrer Sanierungspläne zu- stimmen wird. Da bei der Annahme der sozialdemokra­tischen Forderung der Reichsrat sich erneut mit diesen Abän­derungen des Reichshaushaltsvoranschlages befassen müßte, wäre allerdings damit zu rechnen, daß der Reichsrat gegen einen Mehrheitsbeschluß des Reichstages Einspruch erheben würde. Im andern Falle müßte sich ein neuer Konsliktsfall -.wischen Regierung unb Reichstag ergeben, dessen Lösung vorerst nicht Erkennbar ist.

Aber auch auf rein innerpolitischem Gebiet sehen die Verhältnisse keineswegs erfreulich aus. Alle Be­mühungen, die parteipolitischen Gegensätze mit den Waffen des Geistes und nicht mit der Mordwaffe auszufechten, sind ohne Erfolg geblieben. Im Gegenteil, die blutigen Zusam­menstöße nehmen überhand, und die Zahl der Opfer wächst ins Grauenhafte. Die Vorgänge in Hamburg, in Düssel­dorf, die systematisch durch Schrift und Wort betriebene Hetze haben die Atmosphäre derart vergiftet, daß die zustän­digen Behörden ernsthaft für Abhilfe sorgen müssen. Eine Länderministerkonferenz beim Reichsinnen- minifter soll auch Uebereinstimmung über Abwehrmaßnah­men sowohl in der Bekämpfung der Terrorpolitik wie der religionsfeindlichen Hetze gebracht haben. Man kann nur hoffen, daß ohne neue Zuspitzung der Lage sich alle Betei­ligten bereitfinden, einer Verschärfung des innerpolitischen Kampfes entgegenzuwirken. Schließlich muß man auch in dem radikalen Lager erkennen, daß, je mehr die Dinge einem bürgerkampfähnlichen Zustand zutreiben, um so mehr die Gefahr wächst, daß Deutschland noch mehr als bisher zum Spielball Der Versailler Allianz wird.

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Das Scheitern der dritten Zollfriedenskonfe- r e n z in Genf läßt erkennen, wie wenig die einzelnen Völker geneigt find, aus ihrer bisherigen wirtschaftspoli- tifchen Kampffront zurückzutreten. Es hat nichts genutzt, daß eine Reihe von Delegierten darauf hingewiesen hat, welche handelspolitischen Folgen ein Scheitern der Zollkonvention nach sich ziehen müßte. Die Besorgnisse sind um so begreif­licher in der jetzigen Lage der allgemeinen Wirtschaftsde­pression und bei dem Bemühen der einzelnen Wirtschafts- ftaaten, sich auf dem Weltmarkt neue Vorteile zu verschaf­fen. Es ist bestimmt von vielsagender Bedeutung, daß ge­rade England den Anstoß gab, die Zollkonvention nicht zur Annahme zu bringen. Als Auswirkung dieses Mißerfolges wird sich ein verschärfter Wirtschaftskampf auf den inter­nationalen Absatzmärkten und eine überspitzte Zollpolitik in den einzelnen Exportländern bemerkbar machen.

Diese Entwicklung erhält noch durch die Ausfuhrpolitik Rußlands eine besonders verschärfte Note. Zwar heißt es, daß auf Grund des Besuches deutscher Industrieller in Rußland wahrscheinlich größere Aufträge nach Deutschland hereinkommen werden. Dabei wird man sich aber darüber klar sein müssen, daß es sich hierbei nicht um die Entwicklung eines dauernden Exportgeschäfts handelt, sondern gleichsam nur um einmalige Aufträge, mit deren Hilfe Rußland seine Eigenindustrie entwickeln und befestigen will. Rußland wird also, wenn ihm die Durchführung des Fünf-Iahres-Planes gelingen sollte, alsbald als scharfer Konkurrent auf dem Weltmarkt auftreten. Mit welchen Kampfmethoden seitens Rußlands zu rechnen ist, hat sich in den letzten Monaten mehrfach durch das russische Weizen-, Holz- und Llniendum- ping gezeigt, das geradezu vernichtend m einzelnen Landern gewirkt hat. Rußland treibt Handelspolitik nicht des Handels wegen, sondern aus rein machtpolitischen und politisch-pro- pagandistischen Gründen. Nur gewinnt Deutschland nichts dabei, wenn es sich weigert, an dem Auf- uno Ausbau der russischen Wirtschaft mitzuarbeiten, da andere Staaten und nicht zuletzt Amerika, unbedenklich bereit sind, das Geschäft mit Rußland zu machen.

Innerpolitische Entspannung eingetreten

Berlin, 20. März.

In parlamentarischen Kreisen herrscht stark der Ein­druck vor, daß sich die politische Lage entspannt hat. Das gilt wenigstens für die Sleuerfragen. Man rechnet jetzt so, daß die Tantiemesteuer zustande kommt, dagegen die beiden übrigen Steuerforderungen der Sozialdemokratie, die gewiß auch im Reichstag eine Mehrheit finden werden, vom Reichs­rat abgelehnt werden. Der Reichskanzler hat die Sozialde­mokraten offenbar deutlich erkennen lassen, daß er unter allen Umständen einen Einspruch des Reichsrates gegen die Vermögen- und Einkommensteueranträge herbeiführen wird. Für die Sozialdemokratie handelt es sich in erster Linie um die großen politischen Gesichtspunkte und sie werden sich des­halb mit dieser Entwicklung abfinden. Dagegen hoffen sie, in der Frage der Ermächtigung für landwirtschaftliche Zölle eine Lösung herbeizuführen, die auch ihren Wünschen bis zu einem gewissen Grade Rechnung trägt. Außerdem ist aber noch keine Einigung über die Dauer der Reichstagsvertagung erzielt worden. Wie verlautet, vertritt der Reichstagspräsident selbst den Standpunkt, daß eine Dauervertagung praktisch gar nicht möglich ist, weil eine Mehrheit des Reichstages die i Wiedereinberufung zu jedem beliebigen Zeitpunkt herbeifüh- f ren kann. Man hatte in den letzten Tagen auch den Gedanken erwogen, daß die Wiedereinberufung nur im Einvernehmen mit der Regierung erfolgen sollte. Diese Lösung wird in sozialdemokratischen Kreisen aber als nicht verfassungsmäßig bezeichnet, da der Reichstag souverän ist. Ueber diese Dinge ward also in den nächsten Tagen noch verhandelt werden.

Sieitaiwrg zur Abstimmougsseier

Berlin, 20. März.

Der Reichspräsident hat zur Abstimmungsfeier in Ober­schlesien den folgenden Aufruf erlassen:

Am iO. Jahrestage bu Abstimmung in Oberschlesien zedenkt das deutsche Volk in Dankbarkeit der Treue derer, 'die in einer Zeit bitterer Not und schwerer Bedrängnis das Bekenntnis zu ihrer deutschen Heimat abgelegt haben. Zehn Jahre harter und schwieriger Wiederaufbauarbeit sind ge­folgt; sie waren getragen und gefördert von dem unbeirr­baren Bewußtsein der Pflichterfüllung, die das sicherste Anterpfand für die Zukunft unseres Vaterlandes ist.

Beuthen feiert den Abstimmungs- Gedenktag

Beuthen, 20. März.

In schlichter Art ging der Auftakt der Beuthener Ver­anstaltung aus Anlaß der zehnjährigen Wiederkehr des Ab- stimmungsgedenktages vor sich. In dem neuerbauten Mu- seumsgebäude wurde in Verbindung mit einer Abstimmungs- Ausstellung und einer provisorischen Gedenkhalle für die in der Abstimmungs- und Aufstandszeit gefallenen Selbstschutz- kämpfer eine Ausstellung neuzeitlicher oberschlesischer Kunst eröffnet. Nach der Begrüßungsansprache von Studienrat Odey-Breslau namens des Vorstandes des Bundes für bil­dende Kunst in Oberschlesien eröffnete Oberbürgermeister Dr. Knackrick, Beuthen, den Museumsneubau und die Aus­stellungen. Das Museumsgebäude sei dazu berufen, kund zu tun, daß die Kulturarbeit im Osten des Reiches entgegen aller polnischen Propaganda deutsche Arbeit gewesen ist. Der Zweck der Abstimmungsgedenkhalle liege darin, sich der im Abstimungskampfe Gefallenen zu erinnern. Die Gefallenen sollen in einem künftigen Erweiterungsbau des Museums eine weihevolle Erinnerungsstätte finden. Schließlich teilte der Redner noch mit, daß der preußische Kultusminister te­legraphisch ein Bild der Ausstellung des Bundes für bildende Kunst angekauft und der Stadt Beuthen leihweise überlassen habe. <

Die Grüße des Oberpräsidenten übermittelte Polizeiprä­sident Dr. Daniel, Gleiwitz, und die des Landeshauptmanns der Direktor der Landesbibliotbek Dr. Rother. An den Er- öffnungsakt schloß sich ein Rundgang durch die verschiedenen Ausstellungen. Die Kunstausstellung bringt eine umfassende Uebersicht über das Schaffen der modernen oberschlesischen Kunst und ist von zahlreichen in ganz Deutschland wirkenden oberschlesischen Malern und Bildhauern reichlich beschickt. Die Abstimmungsausstellung bringt einen umfassenden Ein­blick in die Dokumente jener Zeit. Schließlich bringt noch eine Buchausstellung eine reiche Fülle oberschlesischen Schrift­tums zur Schau.

Knappschaft zahlungsunsShig?

Ohne Reichszuschuß nur halbe Renten.

Berlin, 20. März.

Der Vorstand der Reichsknappschaftsversicherung hielt eine Sitzung ab, in der vor allem die dringliche Frage der Rentenzahlung für den Monat April besprochen wurde.

Dabei soll sich herausgestellt haben, daß die Reichs- knappschaft höchstens in der Lage ist, die Renten in halber Höhe für April zu zahlen, wenn nicht bis spätestens 25. März das Reich weitere Mittel zur Verfügung stellt.

Der Vorstand will noch einmal durch Verhandeln mit der Reichsregierung den Versuch machen, die schwere und harte Maßnahme durch Gewährung weiterer Reichszuschüsse zu verhindern. --------------.

Schnellzug Paris

Bordeaux entgleist

Paris, 20. März.

Der Schnellzug ParisBordeaux, der die Hauptstadt um 19.32 Uhr verläßt, ist auf dem Bahnhof Etampes, eine Stunde von Paris entfernt, aus noch nicht bekannter Ur­sache entgleist. Bisher sollen zehn Tote und gegen 50 Verletzte geborgen sein. Nähere Einzelheiten fehlen noch.

Eisenbahnunfall in Neapel

20 Leichtverletzte.

Neapel, 20. März.

Infolge falscher Weichenstellung stieß ein von F o g g i a kommender Zug bei der Einfahrt in den hiesigen Bahnhos auf eine rangierende Lokomotive. 17 Reisende und drei Eisenbahner wurden leicht verletzt.

Erdbeben auf den Philippinen

New Bort, 20. März.

Die Philippinen sind am Donnerstag von einem Erd­beben heimgesucht worden. Mehrere Personen wurden ver- letzt. Der Sachschaden ist beträchtlich. Im Nordteil der Insel Luzon stürzten einige Kirchtürme und Steingebäude ein. Mehrere Regierungsgebäude wurden beschädigt. Das Erdbeben, das auch in der Hauptstadt Manila, die im süd­lichen Teile der Insel liegt, verspürt wurde, dauerte drei Minuten.

| BlutiransjtOo» Mt ^ Hermann Mülles

Der Zustand äußerst kritisch.

Berlin, 20. März.

Der Zustand des früheren Reichskanzlers Hermann Müller hak sich am Donnerstag abend noch weiter ver. schlechtere Da die Aerzte einen starken Zerfall des Patienten durch den allgemeinen Schwächezustand feststelllen, wurde gegen 20 Uhr neben anderen Maßnahmen eine Bluttrans­fusion vorgenommen, zumal eine rechtsseitige Lungenentzün­dung hinzukam. Das offizielle Bulletin des Abendkonsiliums lautet: Der Zustand des Patienten ist äußerst kritisch, nach­dem das Krankheitsbild gestern abend noch durch eine Lun­genentzündung kompliziert ist. Das Bewußtsein des Patien- ten ist größtenteils getrübt.

Das Befinden des früheren Reichskanzlers Hermann Müller ist um 12 Uhr nachts sehr schlecht. Die Körperkraft« nehmen zusehends ab. Der Patient ist zur Zeit bewußtlos.

Schuellisleitsrelord der Reichsbahn

Magdeburg, 20. März.

Die Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahn-Gesell­schaft veranstaltete eine Versuchsfahrt zwischen Berlin und Magdeburg mit neuen vierachsigen Personenwagen, wobei Geschwindigkeiten bis zu 140 Kilometer pro Stunde erzielt wurden.

Die Reichsbahn hatte bisher für die Personenzüge vor­wiegend zwei- und dreiachsige Personenwagen in Betrieb. Nach Einführung des Zweiklassensystems wurden die Vor­bedingungen für den Bau größerer Wageneinheiten günsti­ger. Da ferner die Fahrtgeschwindigkeiten ständig erhöht wurden, erschien auch eine Verbesserung des Laufwerkes angebracht, die nur durch die Beschaffung von vierachsigen Wagen mit zwei Drehgestellen, der sogenannten Görlitzer Bauart erzielt werden konnten. Die Reichsbahn hat sich da­her entschlossen, den Typ der zwei- und dreiachsigen Per­sonenwagen lediglich nur noch für einige Nebenbahnen bei- zubehalten, für den übrigen Reiseverkehr, und zwar auch für die gewöhnlichen Personenzüge, werden nur noch vierachsige Drehgestellwagen gebaut. Dank der Drehgestelle fährt man in diesen Wagen auch bei höheren Geschwindigkeiten genau so ruhig wie in den D-Zugwagen. Das Schütteln und Rütteln der alten zwei- und dreiachsigen Wagen, das zu manchen Klagen Anlaß gegeben hat, ist verschwunden. Die Wagen sind in der bei der Reichsbahn bei den Personen­wagen nur noch allein üblichen Ganzstahlbauart ausgeführt. Die Stirnwände der Wagen werden durch die sogenannte Rammkonstruktion besonders verstärkt. Diese Rammkon- struktion soll dem Wagen eine derarttge Festigkeit geben, daß auch bei schweren Zusammenstößen möglichst nur die Vorräume eingedrückt werden, so daß das besonders ver­hängnisvolle Jneinanderschieben der Wagen verhindert wird. Die Innenausstattung dieser Ganzstahlwagen ist wie bei den früher gebauten Wagen in Holz ausgeführt, weil dieser Baustoff eine gute Isolierung gegen Geräusche und auch gegen starke Temperaturunterschiede bietet. Sämtliche Wände der Fahrgasträume 3. Klasse sind mit einer Täfe­lung aus naturpolierten Eichenholz versehen, die der 2. Klasse mit Nußbaumtäfelung und Kunstledertaftete.