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HersfelSerTageblatt

Hersfelöer Kreisblatt

Amtlicher /inzeiger für den Kreis Hersfelü

finzeigenpreis: die einspaltige Petitzeile 15 Pfennig, die Keklamezrile 50 Pfennig. (Grunöfchrist Korpus). Bei Vieberholungen wird ein entsprechender Preis- Nachlah gewährt. Kür die SchriMeitung verant­wortlich: Kranz Zunk in Hersfeld. Kernfprecher Nr/

Nr. 104

Dienstag, den 5. Mai 1931

81. Jahrgang

Die Welt starrt in Waffen

Hoover Klagt die Siegermächte als hauptverantwortlich für die Weltwirtschaftskrise an

Hoover gegen den RWunsswahnsinn

Line scharfe Absage an dieSieger"--Melhoden.

Washington, 5. Mai.

Der 6. K o ngreßderInternationalenHan- delskammer wurde in Anwesenheit von rund tausend Delegierten aus über 30 Ländern, darunter 40 Delegierte aus Deutschland, eröffnet.

Präsident Hoover erklärte in seiner Begrüßungs­ansprache, selbst die Vereinigten Staaten, die unabhängiger als irgendeine andere Wirtschaftseinheit seien, seien durch die Weltkrise in eine schwere Depression gebracht worden Schuld an der Weltkrise sei u. a. der Weltkrieg mit seiner Zerstörung von Leben und Eigentum und den daraus folgenden großen Steuerlasten, sowie den sozialen und poli­tischen Unruhen in drei Vierteln der Bevölkerung der Welt

Zum Wiederaufbau, fuhr Hoover fort, ist Vertrauen nötig, und dieses Vertrauen kann nur durch Begrenzung und Herabsetzung der Rüstungen erreicht werden. Die Welt gibt 5 Milliarden Dollar jährlich für Rüstungen aus, 70 Prozent mehr als vor dem Weltkriege. 5% Millionen Mann stehen unter den Waffen, und weitere 20 Millionen in Reserve, obwohl nun 12 Jahre seit dem Abschluß des Waffenstillstandes vergangen sind, und obwohl alle Lande« den Kellogg-Pakt zeichneten und darin feierlich auf den Krieg verzichteten. Wie kann die Weltwirtschaft sich erholen, und wie könne Vertrauen in Hände und Verkehr und in die Sicherheit von Kapitalsanlagen zurückkehren, wenn die Web bis an die Zähne bewaffnet ist? Diese Rüstungen sind eint Verschwendung ungeheurer Teile des Nationalvermögens und nichts ist wichtiger, als daß die Genfer Konferenz übet die Landabrüstung von Erfolg gekrönt wird.

Amerika habe, erklärte Hoover weiter, zwar seine Landesstreitkräfte stärker verringert als alle anderer . lei erheblich, an der Kann-renz interessier! wegen ihrer indirekten Auswirkungen auf den Frieden, da- Vertrauen und die Wiederkehr wirtschaftlich gesunder Ver­hältnisse. Er hoffe, daß die Mitglieder der Internationaler Handelskammer darauf bestehenblieben, daß dieses Problen mutig und ehrlich angepackt werde.

Der Präsident der Internationalen Handelskammer T h e u n i s, verlas einen Bericht über die Weltwirtschafts­lage und gab bezüglich jedes einzelnen Gefchäftszweige- ^inen Ueberblick über den gegenwärtigen Konjunkturstand ir den verschiedenen Ländern.

Er ist der Auffassung, daß der größere Teil der De prefsionsperiode vorüber sei. Die Welt trete nunmehr ir eine Periode ruhigen Geschäfts als einer Vorstufe zur Er­holung ein. Zur Zeit also sei nur das gewöhnliche Risikc der Stagnationszeit gegeben. Der Kaufmann brauchejedock nicht mehr stürmisch ansteigende oder abfallende Kurven zr befürchten.

Der Mangel an wirtschaftlichem Verständnis zwischer den Nationen sei eine der Hauptursachen der gegenwärtiger Schwierigkeiten. Die Welt müsse sich klar werden, daß sic wirtschaftlich eine Einheit sei. Ohne auf das Goldproblen und die Frage des russischen Dumping näher einzugehen bezeichnete Theunis die durch beide Umstände entstanden« Situation als sehr unbefriedigend. Der amerikanischer These hoher Löhne, stehe er skeptisch gegenüber; denn die Konsumtheorie, die -on den besser bezahlten Arbeitnehmern erhöhten Absatz e sfe, führe meist zur Überproduktion und Amerika befinde sich mit seinen hohen Löhnen in der gleichen Depression wie Europa mit seinen niedrigerer Löhnen. Außerdem führe die künstliche Steigerung der Lebenshaltung durch hohe Löhne, zu hohen Schutzzöllen, unt damit zu einem circulus vitiosus.

Frankreichs Machtpolitik

Auch Italien lehnt Frankreichs Flokkenvorschläge ab.

Rom, 5. Mai.

Die italienische Antwort auf die französischen Gegen­vorschläge in der Flottenfrage wird heule in Paris und in London überreicht werden. Sie ist in völliger Ueberein­stimmung mit der englischen Antwort, d. h. die französischen Gegenvorschläge ablehnend, gehalten.

Carriere della Sera" schreibt, die französischen Gegen­vorschläge liefen auf eine grundsätzliche Abänderung der Flottenverständigung von Rom vom 1. März dieses Jahres hinaus. Eine Zustimmung zu den französischen Gegenvor­schlägen wäre daher nicht ohne große Schäden für die italie­nischen Interessen möglich gewesen.Popolo d'Jtalia" bringt unter der UeberschriftLetzter Versuch" eine römische Korrespondenz, in der in diesem Zusammenhang ausgeführt wird, das gegenwärtige Zerwürfnis in der Flottenfrage betreffe nicht allein das Mittelmeerproblem,um Gegenteil handle es sich in erster Linie um den französisch-englischen Gegensatz.

Nach der Vernichtung der deutschen Machtstellung scheine es, daß Frankreich keine Einschränkungen feiner Heae- monle dulden wolle und nicht so sehr an ein Uebergen 'l gegenüber Italien denke als vielmehr daran, nach d nach die englische Flottenstärke zu erreichen. Die französ' n Forderungen liefen im Grunde auf eine Revision der r schen Floltenverständiauna hinaus, und zwar gerade zu Gunsten jener, für die sonst die Verträge unabänderlich und MSÄMar seiü soffen. l

Handelt die Regierung?

Der Kanzler gegen die Brolpreiserhöhung.

Berlin, 5. Mai.

Reichskanzler Dr. B r ü n i n g empfing die beiden Vor­sitzenden der staatsparteilichen Fraktionsgemeinschaft im Reichstage, die Abgeordneten Dr. August Weber und Oskar Meyer, um mit ihnen die politische Lage zu be­sprechen. In der Unterhaltung wurde zunächst die Agrar­frage eingehend behandelt.

Die Vertreter der Staatspartei wiesen darauf hin, daß ihnen eine Brolpreiserhöhung untragbar erscheine und hier­gegen sofort mit einschneidenden Maßnahmen vorgegangen werden müsse. Der Reichskanzler ließ keinen Zweifel dar­über, daß die Regierung entschlossen sei, der Brokpreis- erhsihung sofort entgegenzuwirken.

Das Arbeitslosenproblem wurde ebenfalls eingehend er­örtert. Dr. Weber führte dazu aus, daß grundlegend an diese Frage herangegangen werden müsse, um sowohl einer unerträglichen Beitragserhöhung zu Lasten der Wirtschaft, Arbeitnehmer und Arbeitgeber als auch einer später schwer wiedergutzumachenden Zerrüttung der Reichsfinanzen vor- zubeugen. In den Fragen der Außenpolitik ergab sich zwi­schen den Auffassungen des Reichskanzlers Dr. Brüning und der Vertreter der Deutschen Staatspartei eine weitgehende Uebereinstimmung.

Konferenz der Kleinen Entente

Deuksch-österreichische Zollunion und Präferenzzölle.

Bukarest, 5. Mai.

An der gestrigen zweiten Sitzung der Konferenz der Außenminister der Kleinen Entente nahmen außer den rumänische Handelsminister Maniolescu^und der FinanMini- fter Argetoianu teil. Auf dem Beratungsprogramm standen das Problem der deutsch-österreichischen Zollunion und die Frage der Präferenzzölle. Zuerst erläuterte Dr. B e n e s ch seinen Standpunkt, und zwar nach der politischen, wie nach " der wirtschaftlichen Seite und legte auch die eventuellen Pläne Briands dar. Nach einem Meinungsaustausch wurde das volle Einvernehmen aller drei Staaten der Kleinen Entente hinsichtlich des weiteren Vorgehens konstatiert, vor allem, was die Frage der Präferenzzölle anbelangt.

Das schwierige deutsche Wirtschafts- Problem

Voraussagen nur auf kurze Zeit möglich.

Washington, 5. Mai.

Botschafter Sackett hatte eine lange Unterredung mit Stimson und anderen Mitgliedern des Außenamts. Dem Vertreter des W.T.B. gegenüber erklärte er, Kanzler Dr. Brüning führe Deutschland mit geschickter Hand durch die schweren Zeiten; nur sei stets das gewaltige Problem- vor­handen, daß Deutschland an Kapitalmangel leide und trotz­dem gewaltige Aufgaben leisten müsse. Es lasse sich daher nicht voraussehen, wie sich die Lage gestalten werde. Je­denfalls könne man nie für mehr als zwei oder drei Monate Prophezeiungen machen.

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Treviranus fordert Arbeitsdienst

Oldenburg, 5. Mai.

Reichsminister Treviranus sprach hier in einer Ver­sammlung der Konservativen Volkspartei über aktuell« Fragen der Innen- und Außenpolitik. Zur Frage der Be­kämpfung der Arbeitslosigkeit betonte er, daß der Stam von sich allein diese Frage nicht lösen könne. Die Einführung einer Zwangsarbeitsdienstpflicht sei wegen der Aufbringung der Mittel nicht möglich.

Aber es müsse doch ernstlich die Frage eines freiwilliger Arbeitsdienstes geprüft werden. Schon in den nächster Tagen würden nach dieser Richtung hin Fragen an du Wehrverbünde gerichtet werden, ob man zu einer Durch führung eines freiwilligen Arbeitsdienstes kommen könne

Der Dienst müsse aufgezogen werden gleichsam auf lx Basis wie die Quartierleistung für die Heeresmacht. Darüber hinaus würden die Leute des freiwilligen Arbeitsdienste- nur ein kleines Taschengeld erhalten. Das Ganze würd« auf eine Art ziviler wirtschaftlicher Mobilisierung hinaus- laufen. In diesem Zusammenhänge würde auch die Frage geprüft werden, ob es möglich sei, ein Anrecht für di« Arbeitsdienstleistenden auf Unterstützung beim Bau eines Eigenheims zu schaffen.

Die Revolte in Honduras Washington, 5. Mai.

Nach einem offiziellen Bericht aus Honduras an das Staatsdepartement haben die Aufständischen unter Führung des Generals Gregorio Ferreca etwa 50 Mann der Bundes­garnison in Santa Rosa bei Eoban niedergemetzelt.

Preußischer Landtag

Der Ministerpräsident gegen die polnische Hehl

Berlin. 4. Mai.

Der Preußische Landtag begann die 2. Beratung der Haushalts des Staatsministeriums und des Ministerpräsi­denten. Der Ausschuß empfiehlt die Annahme von Anträ­gen, die u. a. die strengste Anwendung der bestehenden gesetz­lichen Vorschriften zum Schutze der christlichen Kirchen uni der Religionsgesellschaften vor öffentlichen Beschimpfungen fordern, sowie evtl. eine Erweiterung dieser Schutzgesetze. Weiter wird die Regierung ersucht, die rechtliche und tat­sächliche Stellung der Klosterkammer in Hannover nicht zu ändern.

Ministerpräsident Dr. Braun

beantwortet die zu seinem Haushalt gestellten Großen An­fragen. Auf Anfragen der Sozialdemokraten und der Deut schen Volkspartei erwidert der Ministerpräsident, daß im Uebernahme der Anhaltischen Salzwerke auf den preußische« Staat auf wirtschaftliche Erwägungen zurückzuführen sei mit dem Zweck einer rationellen Betriebszusammenfassung benachbarter Kalibergwerke. Ein Strafverfahren wegen an­geblicher Bestechungen sei nicht anhängig gewesen. Der Mi­nisterpräsident fügte hinzu, daß er nicht bereit sei, vor dem Anhaltischen Gerichtshof oder dessen Kommissar auszusagen. Aus eine deutschnationale Große Anfrage über die Notlage der L>taüt Stettin erklärte der Ministerpräsident, daß im Staatsregierung bemüht sei, auch im Rahmen des Osthilfe­gesetzes dafür einzutreten, daß Stettin Erleichterungen ge­währt werden. Inwieweit die Aufwertungsumlage im Osten nicht zur Erhebung gelangen soll, sei noch Gegenstand der Beratung zwischen Preußen und dem Reich. Die preu- tinujr otauisiegte»m>» --wrtototo toi, u« HU-M» .Kor- lastung der Industrie im Osten hinzuwirken.

Zu den deutschfeindlichen Kundgebungen in Posen er­klärte der Ministerpräsident in Beantwortung einer volks- parteilichen Anfrage, daß der Wojewode dem Posener Deut­schen Generalkonsulat offiziell sein Bedauern ausgesprochen habe. Die Verbreitung unwahrer Behauptungen durch du polnische Minderheiken-Presse werde von der Staatsregie- rung sorgsamst verfolgt. Solche Falschmeldungen seien be­sonders über die Behandlung der Angehörigen der natio­nalen Minderheiten in Preußen in den letzten Monaten in großem Umfange verbreitet worden. Die Staatsregierung wende auch dem etwaigen Mißbrauch der polnischen Min- derheitsschulen zu nationalpolnischen Zwecken fortlaufend größte Aufmerksamkeit zu.

Der Ministerpräsident begründet sodann die Verweige­rung der Aussagegenehmigung für Staatsminister vor dem Volksbegehrens - Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtags, die von der Deutschen Volkspartei zum Gegen­stand einer Großen Anfrage gemacht worden war.

Zum Schluß beantwortet der Ministerpräsident eine deutschnationale Große Anfrage, die, gestützt auf einen Brief des Bücherrevisors Philipp Lachmann an den Minister­präsidenten, bereits früher erörterte Vorwürfe gegen den Staatssekretär Dr. Weismann enthält.

Die Aussprache

Abg. Berlen (Soz.) trägt Fälle- vor, in denen mit Drohungen und sonstigen Druckmitteln gearbeiet worden sei, um möglichst viele Eintragungen für das Volksbegeh­ren zu erzielen.

Abg. Oelze (Dnat.) kritisiert das Verhalten der Polizei gegenüber Werbungen für das Volksbegehren. Die Staats­regierung messe mit zweierlei Maß.

Abg. Stendel (D. Vp.) spricht feine Befriedigung über das Ergebnis des Volksbegehrens aus, das um so höher zu werten sei, als es an Beeinflussungen, teilweise sogar amtlichen, dagegen nicht gefehlt habe.

Abg. Leonhardt (Wirtschaftspt.) erklärt, der Mittelstand sei durch die Schuld der Weimarer Koalition zu einem Not­stand geworden. In der öffentlichen Verwaltuna werde vielfach noch ein unerhörter Aufwand getrieben. Die For­derungen der Bäcker seien gerechtfertigt gewesen.

Abg. Schulz-Neukölln (Komm.) verlangt vom Minister­präsidenten Auskunft über die Maßnahmen, die seine Re­gierung für die im Elend steckenden Erwerbslosen,, die Ar­beiter,' Kleinbauern und abgebauten Beamten getroffen habe.

Abg. Vollmers (Dt. Frakt.) ist der Ansicht, daß der Mi­nisterpräsident sein Amt als Exponent einer Machtgruppe verwaltet habe.

Abg. Schwechl (Dnat.) bezeichnet das Ergebnis des Volksbegehrens als einen Erfolg; der weiteren Entwicklung könne man zuversichtlich entgegensehen.

Abg. Dr. Heß (Ztr.) erklärt, die Deutschnationalen hät- ten sich allmählich in eine Sackgasse verrannt, aus der sie nicht mehr herausfänden.

Nach weiterer kurzer Debatte wurde die Weiterberatung auf Dienstag 12 Uhr vertagt.