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HersfelöerTageblatt

Reisfelder Kreisblatt Amtlicher Anzeiger für den Kreis Reisfeld

Pnzelgtnprels: die einspaltige Petitzeile 15 Pfennig, die Reklamezelle 50 Pfennig. (Grunöschrist Korpus). Bei Wiederholungen wird ein entspreckenöer preis* Nachlaß gewährt. Kür öle Schriftleitung verant- wörtlich: Kranz Zunk in yersselö..KernsprrchrrNr/

Nr. 105 Mittwoch, den 6. Mai 1931 81. Jahrgang

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Freiwilliger Arbeitsdienst ist durchführbar

Die Aussprache zwischen Regierung und Verbänden ergab, dab genügend Freiwillige und Arbeit vorhanden find

Briands Druck aus Bukarest

Wenn es je eines Beweises bedurft hätte, daß die klei­neren Staaten um Deutschland sich völlig unter dem Einfluß von Paris befinden, dann wurde er jetzt durch die Tatsache erbracht, daß die von Rumänien gewünschte Wiederauf­nahme der deutsch-rumänischen Handelsoertragsverhand- lungen unerwartet und ohne ausreichende Begründung von Bukarest aus abgesagt wurde. Die Dinge liegen doch so. daß Rumänien immer mehr zu der Einsicht kommt, daß es ohne engere wirtschaftliche Beziehungen zu Deutschland immer mehr dem wirtschaftlichen Untergang entgegengebt. Rumänien als Agrarland braucht den deutschen Markt, da er ihm räumlich nahe liegt und das industrielle Deutsch­land der rumänischen Wirtschaft manches zu bieten in der Lage ist, was ihm die schönsten französischen Wirtschafts- kredite nicht bieten können, nämlich Warenaustausch. Die rumänische Wirtschaftslage wäre bestimmt niemals so be­drohlich geworden, wenn Rumänien nicht in völliger poli­tischer Abhängigkeit von Frankreich eine politische Linie einhalten mußte, die die wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland nicht zu festigen geeignet war> Bei den ver­schiedensten Gelegenheiten haben die rumänischen Außen­minister den deutschen Staatsmännern in Genf den Wunsch zum Ausdruck gebracht, zu Deutschland in geregelte Wirt­schaftsbeziehungen zu kommen. Sie sind auch bereits soweit theoretisch vorbereitet, daß es eigentlich nur noch der letzten Formgebung bedarf. Vor wenigen Wochen sollte der Schluß­stein in Wien gelegt werden, als die Regierungskrise in Bukarest eintrat und die rumänische Handelsdelegation bis zur Klärung der Kabinettsfrage nach Bukarest zurückkehren mußte.

Welch großes Interesse rumänischerseits dem Abschluß eines deutich-rumänischen Handelsvertrages beigelegt wird. bewÄst die Tatsache, daß fast unmittelbar nach der Bildung der neuen Regierung Jorga diese in Berlin den Wunsch nach Wiederaufnahme der deutsch-rumänischen Wirtschafts­verhandlungen zum Ausdruck brächte. Deutschland hatt« keinen Anlaß, diesem Wunsch nicht zu entsprechen. Im Ge­genteil, diese rumänische Anregung für Wiederaufnahme dieser Verhandlungen war für die ganze deutsch-österrei­chische Aktion stimmungsmäßig von großer Bedeutung Das tritt uM so mehr zutage, als nicht nur die Richtlinien des Briandfchen Gegenvorschlages mit den Kreditvorfchlägsn für die südöstlichen Agrarstaaten in Bukarest bereits be­kannt waren, sondern auch die Konferenz der Außenminister der Kleinen Entente bereits vorgesehen war.

Um so mehr mußte die plötzliche Absage der Verhand­lungen überraschen. Wenn man die Verschiebung auch mit der Außenministerkonferenz der Kleinen Entente begründ I die übrigens bemerkenswerterweise nicht wie üblich buri; den rumänischen Ministerpräsidenten begrüßt wurde, so besteht doch gar kein Zweifel darüber, daß der eigentliche Grund eine geharnischte Intervention Frank­reichs ist. In Paris ist man darüber außerordentlich be> unruhigt, daß der deutsch-österreichische Zollunionsgedank« trotz der außergewöhnlichen französischen Gegenagitation gerade in den Nachbarländern Deutschlands und Oesterreichs nicht abschreckend, sondern eher anziehend gewirkt hat. Das liegt durchaus in der Natur dieses Gedankens begründet. Er will ja alle die Staaten, die wirtschaftlich aufeinander angewiesen sind, zusammenschließen, damit sie sich gegen­seitig wirtschaftlich unterstützen und damit allmählich die allgemeine Wirtschaftsdepression bekämpfen. Aber gerade weil dieser Gedanke so außerordentlich vernünftig und brauchbar ist, deshalb hat er in Paris Entsetzen verursacht. Man siebt in Gedanken bereits Deutschland und Oesterreich als wirtschaftlichen Mittelpunkt Mitteleuropas und fürchtet, daß damit auch die politische Macht Deutschlands gestärkt werden könnte. Und deshalb erging von Paris der Befehl nach Bukarest: die deutsch-rumänischen Wirtschaftsverhand- lungen sind abzusagen!

In Paris jubelt man über die Beschlüsse der Außen­minister der K l e i n e n Entente, obwohl man sie ihrem Inhalt und ihrer Wirkung nach noch gar nicht kennt. Man glaubt aber, aus dem in Prag ausgegebenen Kommunique schließen zu können, daß sich die Außenminister der Tschecho- slowakei, Südslawiens und Rumäniens einmütig gegen die Zollunion ausgesprochen haben. Man wird Näheres ab- warten müssen. Man wird auch abwarten müssen, wie sich nach diesem Beschluß die wirtschaftliche Annäheruna Deutsch- lands und Rumäniens gestalten wird. Rumänien hätte allen Anlaß, die Handelsbeziehungen mit Deutschland sobald wie möglich zu regeln, um so mehr, als die rumänisch-deut­schen Wirtschaftsbeziehungen schon setzt für die rumänische Wirtschaft einen Aktivposten darstellen. Sollte sich aus den Bukarester Beschlüssen der Kleinen Entente ergeben, daß Rumänien sich vollständig dem französischen Druck gebeugt hat, dann dürfte das sich sehr bald in der rumänischen Han­delsbilanz auswirken.

Auch vom Gesichtspunkt der Genfer Wirt- s ch a f t s p o l i t i k ist die künftige Gestaltung der deutsch­rumänischen Handelsbeziehungen von besonderer Bed-u. tung. In den bisherigen deutsch-rumänischen Bewrechunpen spielte der P r ä f e r e n z g e d a n k e eine besondere Rolle. Deutschland würde unter Umständen bemüht sein, das Ein­verständnis zu einem Präserenzabkommen seitens der Staa­ten herbeizuführen, b: -ollvolitisch Meistbegünstigung in

Deutschland genießen. Das Vorliegen eines solchen konkre­ten Vertrages hätte dann in Genf die Gelegenheit gegeben, die Frage der Präferenz als Uebergangsstadium vom Sy­stem der Meistbegünstigung zu einer europäischen Zollgemeinschaft praktisch fortzuentwickeln. Es ist also nicht so, wie man die Dinge in Paris darstellt, als ob alle Welt gegen Deutschlands Zoll- und Handelspolitik ein­gestellt wäre. Gerade Deutschland ist es gewesen, das nach dem Kriege neue Wege der Handelsvertragspolitik gegangen ist und das jetzt im Zusammenhang mit dem Zollunions- gedanken den ersten Versuch mit einem Präferenzabkom­men zu machen bereit ist, um aus diesein Wege allmählich die große Gemeinsamkeit der Wirtschaftsinteressen der euro­päischen Länder zu erweisen.

Kleine Entente und Zollunion

Bedingte Abgabe einer gemeinsamen Erklärung beschlossen.

Bukarest, 6. Mai.

Über die Ergebnisse der Konferenz der Kleinen Entente verlautet, daß in der Frage der deutsch-österreichischen Zoll­union doch noch ein Kompromiß bzw. eine Milderung der tschechoslowakischen Vorschläge habe erzielt werden können. ;

Minister Dr. Benesch hätte ursprünglich aus der An- gelögenheit eine Prinzip.eiifrage gemacht, dahingehend, daß eine gemeinsame Erklärung der Staaten der Kleinen Entente gegen die deutsch-österreichische Zollunion auf jeden Fall in Genf hätte erfolgen sollen. Nun sei aber beschlossen worden, die Erklärung nur in dem Fall abzugeben, wenn der Völker­bundsrat in dem Zollangleichungsplan auch politische Ten­denzen feststelle. Dr. Benesch hätte schließlich diese Formel in der Überzeugung angenommen, daß diese Feststellung des Völkerbundsrates gar nicht zu vermeiden sei. In der Be­sprechung des Briandschen Planes sei hervorgehoben worden, dast ^usch-aizL '" gleicher Weise wie alle anderen Stanken einbezogen werden sollen.

Erst Abriistmg - dann Sicherheit Uebereinstimmung zwischen Berlin und Washington.

Berlin, 6. Mai.

Die bedeutsame Rede, die der Präsident der Vereinigter Staaten Hoover vor der Internationalen Handelskammei in Washington, also im Kreise der ersten Wirtschaftsführei der Welt, über die Abrüstungsfrage gehalten hat, nachden die amerikanische Regierung lange Zeit es vermieden hat zur Abrüstungsfrage Stellung zu nehmen, kennzeichnet im Ueberzeugung, die die amerikanische Politik gewonnen hat daß die Abrüstungsfrage Zusammenhänge mit der Repa rationsfrage hat. Auch Amerika ist nunmehr der Meinung daß die Abrüstung auf die Reparationsfrage Cinwirkunger haben wird.

Präsident Hoover vertritt die These, daß durch die Ab­rüstung die Hauptursache der gegenwärtigen Unruhe in de Welt beseitigt werden und das Vertrauen in die Zukunft wieder gestärkt werden kann. Hoover widerspricht damit bei französischen These, die bekanntlich erst die Sicherheit Frank­reichs fordert, bevor an die Abrüstungsfrage herangegangen werden könne. Die Ausführungen des Präsidenten hoove« , stimmen mit der deutschen Auffassung zusammen, daß Abrüstung vorangehen müsse und das Mittel sei, um zur Sicherheit zu gelangen.

Noch vor kurzem wurde in Frankreich gesagt, daß der Kellogg-Pakt und der Locarno-Pakt zwar sehr annehmbare Abmachungen darstellten, aber für die Sicherheit Frankreich; doch so wenig Wert hätten, daß Frankreich schon jetzt für seine Sicherheit sorgen müsse. Auch gegen dieses Argumeni spricht Hoover, indem er die Bedeutung der internationalen Abmachungen für die Sicherheit der Staaten und als Grund­lagen für die künftigen Abrüstungsverhandlungen unter­streicht.

Sehr bemerkenswert sind die zahlenmäßigen Angaben Hoovers über den Fortschritt der Rüstungen nach dem Welt­kriege. Hoover führt an, daß die Welt jetzt 5 Milliarden Dollar jährlich für Rüstungen ausgebe, und dieser Petrax 70 Prozent mehr ausmache, als vor dem Weltkriege dafür ausgegeben worden sei. 5% Millionen Mann ständen heute unter den Waffen, und weitere 20 Millionen in Reserve, obwohl 12 Jahre seit dem Abschluß des Waffenstillstände: vergangen seien und alle Länder im Kellogg-Pakt feierlich auf den Krieg verzichtet hätten.

Das Bild von dem Rüslungsstand Frankreichs um j Deulschlands tritt noch krasser in die Erscheinung, wenn mar den Zahlen, die Hoover anführt, den besonderen Vergleick zwischen Frankreich und Deutschland hinzufügt. DU Rüstungsausgaben Deutschlands betrugen 1913 2,12 Mit Halben Mark und sind bis 1930 auf 678 Millionen, alfe auf ein Dritetl zurückgegangen. Frankreich dagegen hat für feinen Rüslungsstand 1913 4075 Millionen Papierfranc-, und 1930 19 200 Millionen Pavierfrancs ausgegeben, alfe das Fünffache des früheren Aufwands.

Der Vorwurf Hoovers, daß die Welt jetzt 70 Prozent mehr für Rüstungen ausgibt als vor dem Kriege, trifft alfe nicht Deutschland, aber sehr wohl Frankreich, obwohl btehe sich immer rühmt, auch seinerseits für die Abrüstung schon soviel getan zu haben, daß ihm nichts mehr zu tun übrig- bleibe. Hoover hält ihm das wahre Spiegelbild vor, das 3ii einem anderen Schluß berechtigt.

Für freiwilligen Arbeitsdienst

Vorbereitende Besprechung der interessierten Verbände.

Berlin, 6. Mai.

Im Ländersaale der Reichskanzlei fand eine ausführliche Aussprache zwischen den interessierten Verbänden über die Fragen des freiwilligen Arbeitsdienstes statt. Vertreten waren neben einer Reihe von Einzelpersönlichkeiten und Behörden folgende Verbände: Kyffhäuserbund, Reichs­banner, Stahlhelm, Iugendkraft, Eichenkreuz, Reichsausschuß deutscher Jugendverbände, Hilfsgemeinschaft deutscher Kriegsteilnehmer, Freischaar, Reichslandbund. Kuratorium für Arbeitsdienst und Volksbund für Arbeitsdienst. Den Vor­sitz führte Reichsminister T r e v i r a n u s. der die Ver­handlungen mit längeren Darlegungen darüber eröffnete, wie sich auf Grund der vorbereitenden Besprechungen zwi­schen den Reichsressorts und innerhalb der Brauns-Kom- mission nach seiner Ansicht ein freiwilliger Arbeitsdienst mit Unterstützung des Reiches entwickeln ließe. Er betonte hier­bei die Notwendigkeit einer gesetzlichen Grundlage und die Möglichkeit, an bestimmte bestehende gesetzliche Einrichtungen anzuknüpfen.

Es bestehe die Hoffnung, von der Reichsanstalt für Ar­beitslosenversicherung und Arbeitsvermittlung einen Kopfbeitrag von etwa 2 Rm. für eine bestimmte Frist

(zirka 20 Wochen) zu erhalten.

Der Minister streifte auch die übrigen mit dem freiwilligen Arbeitsdienst verbundenen Probleme, darunter im Schwierigkeiten der Führerfrage, die Zweckmäßigkeit, sich vorwiegend auf kleinere Arbeiten zu beschränken und im Möglichkeiten der Kontrolle. Er betonte abschließend, daß es an der Zeit sei, mit einem Versuch auf größerer Basi; tuiuifangen. _ ___

3n der Debatte pflichteten alle beteiligten Organisationer mit gewissen Abweichungen in Einzelfragen unb, soweit « sich um politisch orientierte Verbände handelt, mit gewisser Vorbehalten in bezug auf Organisation, arbeitsrechtliche Kon slruktion usw. dem Grundgedanken des freiwilligen Arbeits­dienstes bei. Die von dem Minister aufgeworfene Frage ob eine ausreichende Zahl von Freiwilligen sich unter der in Aussicht genommenen Bedingungen melden würde, würd« allerseits bejaht. Auch die weitere Frage, ob ausreichend« Arbeiten vorhanden seien, wurde weitgehend bejaht.

Hinsichtlich der Finanzkerungsmöglichkeiten ergaben fid Verschiedenheiten in der Beurteilung Die Besprechungen über die Verwirklichung des freiwilligen Arbeitsdienste; sollen nach dieser vorbereitenden Aussprache in der aller­nächsten Zeit fortgesetzt werden. Die nächste Sitzung wirk unter dem Vorsitz des Reichsarbeitsministers Dr. Stegen wald stattfinden, sobald die Brauns-Kommission ihr Gut­achten über den freiwilligen Arbeitsdienst erstattet hat

Sofortiges Handeln nötig Eine Mahnung des Hansa-Bundes.

Berlin, 6. Mai.

Das Präsidium des Hansa-Bundes für Gewerbe, Han­tel und Industrie trat unter Vorsitz des Präsidenten Dr. Hermann Fischer, M.d.R., in Berlin zu einer eingehenden Aussprache über die wirtschaftspolitische Gesamtlage zu­sammen. Die Aussprache war von schweren Besorgnissen um die weitere wirtschaftliche und wirtschaftspolitische Entwick­lung erfüllt. Einstimmig bekannte das Präsidium des Hansa-Bund?» sich zu der Notwendigkeit, den Kampf Scs Hansa-Bundes für die freie Marktwirtschaft entgegen feg* Hchen Kollektiv, mus und Sozialismus mit größter Energi? weiterzuführen.

Hinsich/ich der nächsten Aufgaben der Reichsregierung betonte das Hansa-Bund-P äfibium einmütig, daß die Ueberwindung von Wirtschaftsnot und Arbeitslosigkeit nur )an - gelingen könne, wenn auf dem Wege umfassenden öffentlichen Aufgabenabbaues. strengster Sparsamkeit, sowie A'-flockerung der die Erstattung des deutschen Wirtschasts- körpers verursachenden Wirtschaftsgesetze d-e Geftehungs- kosten der deutschen Wirtschaft gemindert und die auf bau :* enden Wirtschaftskräfte zu freier Entwicklungsfähigkeit zurückgeführt werden. Nur durch Wiederherstellung der Rentabilität und der Elastizität der Wirtschaft seien neus Arbeitsstätten zu schaffen und die arbeitslosen Massen wieder in den Wirtschaftsapparat einzugliedern.

Das Präsidium des Hansa-Bundes ist sich darüber einig, daß ie R ichsregierung mit größter Beschleunigung handeln muß.

In allen verantwortlichen Kreisen müsse man sich dar­über klar werden, daß jetzt nur noch sehr radikale Einschnitte in den Kreis der öffentlichen Aufgaben und in dem bis­herigen Umfang der Arbeitslosenversicherung zu helfen ver­mögen, nachdem man allzulange versäumt habe, die öffent­lichen Leistungen mit dem Gesamtertrag der deutschen Wirt­schaft wieder in Einklang zu bringen. In der Vertaonng des weiteren Rc svrooramms auf den Monat 3uni erblickt das Hansa Präfibium eine besondere Ersäwe- tung der wirtscha en Gesamtlage. Es fordert da­her mit aller Eindri ^^rfige Bekanntmachung der

weiteren Regierungsp-u . ah- hinaus aber vor allem sofortige» durchgreifend ' nudeln 9er Retch»regierung. j