Pazetseaprrkr Mt einspaltig» P»tltzell» 15 Pfennia, Mt RtklamezeN» 50 Pfennig. (Grundschrist Korpus). Bei Wiederholungen wird ein entsprechender preir- VachkaS «wahrt. ♦ S6r die Schrlktleltong »tränt» «sMchrHranz Zuuk m yersseld. ♦ -ernsprecher Nr.r
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Hersfelder Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
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Nr. 147
Freitag, den 26. Juni 1931
81. Jahrgang
Kredit für die Reichsbank
100 Millionen Dollar für Deckung des Mimobedarss — Deutsch-französisches Wochenend am 4. Juli?
Ergebnis der Woche
kr. Kr. Wir haben keinen Sinn mehr für große tragische Gesten im politischen Leben des Weltgeschehens, Uns fehlen die weithin sichtbaren Gebärden, mit betien frühere Jahrhunderte unverbrauchter Eindrucksfähigkeit ihre politischen Handlungen begleiteten. Und doch zwingt auch uns der Augenblick tragischen Geschehens, plötzlich wieder zu den uns fast märchenhaft erscheinenden primitiven Gebärden und feierlichen Worten, um die Seelen der Menschen im verworrenen Getriebe des Geschehens auf den einen Punkt hinzulenken, der als Urquell des Ablaufs künftigen Lebens schicksalhaft vor uns aufsteiat Letzten Endes sind Gesten und Gebärden doch größere Künder elementaren Willens als Worte, wären diese auch noch so feierlich geprägt. Welch feierliche Geste, wenn das greise Oberhaupt des deutschen Volkes, ehrwürdig über sein Amt hinaus, Hindenburg, dem Oberhaupt des amerikanischen Volkes in höchster Not, im letzten Augenblick einen Brief schreibt, einen letzten Appell kurze, knappe Worte im Namen der Not eines 60-Mil- bonen-Volkes, das sich vor dem Zusammenbruch seines ganzen Staatsgefüges sieht, Hilfe heischend, schnelle Hilfe! Der Fürst des Geldes hatte schon vorher begriffen, daß bet Zusammenbruch des deutschen Volkes das Chaos Europas bedeuten würde, daß in einem zertrümmerten, zersprengter Europa auch für Amerika nichts mehr zu gewinnen ist, st sprang er von sich aus mit einem Hilfsangebot Deutschland bei, nicht nur Deutschland, auch Europa.
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Wir kennen nur noch politische Komödien unserer Zeit Erstände uns ein Shakespeare für die Tragik unserer Zeit, die Tragik der Wirklichkeit, die unendlich tiefsinniger ist, als eine Phantasie sie erdenken kann ^t' ^? uns ein Sichtet "vM"TrSM' unserer Zeit, er könnte kaum eine ergreifendere, an tiefsinniger Gebärde ausdrucksvollere Szene erfinden als diese: der deutsche Kanzler am Mikrophon, gehört vorn ganzen Erdball, sprechend von der höchsten Not des deutscher Volkes, über alle Gegensätze hinaus Hilfe heischend von allen Völkern, nicht nur finanzielle Hilfe, mehr noch die seelische Hilfe in solcher Notzeit, daß Haß und Widermut vergehen möge, damit alle einer glücklicheren Zukunft entgegenschreiter könnten. Mit besonderer Wendung an das Volk, in dessen Mitte die ärgsten Feinde des Deutschen wohnen, daß es sich zu den anderen sammele, die Taten und Worte der Vergangenheit vergessen sein lasse, nur an eins denke: die Arbeitskraft der großen gütergefegneten europäischen Völker nicht der Zerstörung anheimfallen zu lassen. Die nächtliche Rede eines für das Letzte entschlossenen Mannes, kühn unt rückhaltlos, voller Warnungen und tragischer Feststellungen. Diese hochdramatische Entwicklung der Geschehnisse um die Not des deutschen Volkes und Europas, ja der Welt, soll diese Entwicklung, die durch Hoovers großherziger Vorschlag in eine neue, klare Zukunft strebt durch das kleinliche Manöver Frankreichs, das seine Paragraphen gewahrt sehen möchte, mit einem miserablen Handelsgeschäft abschließen? Noch kann das deutsche Volk daran nicht glatt’ ben, trotz der vorsichtigen Aeußerungen Stimfons zu Frankreich Vorbehalt.
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Verträge und ihre Paragraphen sind schön und gut, fit müssen heilig sein, um den Verkehr zwischen den Menschen, zwischen den Gemeinschaften, zwischen den Staaten zu regeln Aber, wenn Verträge den Sinn ihrer Wohltat verlieren: Wenn ihre Erfüllung ergibt, daß sie keine Wohltaten erzeugen, sondern nur Werte und Güter zerbrechen, wie kann dann Menschenvernunft sich an ihren Bestand klammern in kleinlichem Glauben an eigene Vorteile? Vorteile, die sich offentsichtlich in ihr Gegenteil verkehren müssen kraft des elementaren Ablaufs allen Weltgeschehens. Eine Stimmt aus Frankreich rief dem deutschen Kanzler zu: #1: spät! — Kann es hier ein „Zu Spät!" geben? Die Not eint schnelle: als das Glück unter dessen Strahlen leicht der trennend- Neid erwacht. Wenn in Frankreich Uebermütige heute angesichts der Not der anderen Völker auf ihren gefüllten Goldsack schlagen, die Kraft ihrer Militärmacht in die Waagschale werfen wollen, es konnte solchem Uebermut gehen wie allem Uebermut, von dem da* Sprichwort sagt: er komme vor dem Fall. So steht w nun doch nicht mehr in bet Welt, daß Frankreich ?fw wie im 17. und 18 Jahrhun" rt Europa dirigieren kann. Geld ist auch in anderen Säcken unb auch mit dem schlagfertigsten Heere allein ist heute nicht mehr alles anzufangen. Ein Frankreich, das auf 'olche Gesten nicht verzichten will, wird bald feinen Uebermut schwer bezahlen müssen Die Abrüstungskonferenz wirft schon ihre Schatten voraus. Lord Cecil. der die Abrüstung ehrlich weitertreiben will, hat zwar eher noch vor allzu nahen Hoff- nungen gewarnt, hat gerade keine schnelle Entwicklung tiefer Frage vorausgesagt, aber über Nacht kann auch hier bie Entscheidung schicksalhaft vor unsLllen erscheinen wie in der Reparationsfrage Dann werden sich die Geister scheiden und entscheiden"müssen. Entscheiden werden sich vor allem jene Staatsvölker müssen, die noch immer lieber ihre wirtschaftliche Not in Kauf nehmen, als sich von Frankreichs Heeresruf trennen wollen, nur um nicht ihren beurfAer Nachbarn zu friedlicher Arbeitsgemeinschaft die Hände reichen EU müssen. Wir denken an die Staaten Mitteleuropas, Po- JW und Tschechoslowakei. Wozu das kleine Deutsch-Oester
reich gezwungen werden soll, ein trübes wirtschaftliches Einzelleben zu führen, dazu verstehen sich die beiden anderen Kleinstaaten freiwillig. Dabei liegt vor ihnen die große deutsche Weide. Nur das Soldatenspiel mit Frankreich hält sie von dem ersten Schritt zurück. Ob sie das nicht einst teuer bezahlen müssen?
Selbständiger hat sich schon Rumänien entschlossen, seine Geschäfte mit Deutschland zu machen. Auch Rumänien hat im Mai, vom politischen Sirenenton aus Frankreich verführt, die deutschen Unterhändler, die wegen des Abschlusses eines Handelsvertrages zu ihm kommen wollten, abgewiesen Sofort hat die gesunde Vernunft der rumänischen Bauern der Regierung den Standpunkt klargemacht, und heute ist der Vertrag zwischen Deutschland und Rumänien paraphiert, durch den sie einander wirtschaftliche Vorteile sichern. Rumänien gibt seine Agrarprodukte, Deutschland seine Jndustrieprodukte in einem gesunden, für beide Teile vorteilhaften Austausch. Wollen die anderen nicht lernen?
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Wir wissen, daß wir nicht viele Sympathien^ in der Welt haben. Sympathien kann man nicht erzwingen. Wir können nur mit Bedauern konstatieren, daß die Welt im großen uns nicht leiden mag. Wenn wir das ändern wollten, müßten wir wissen, was die anderen an uns nicht leiden können. Solange sie uns das nicht klar und deutlich sagen, müssen wir halt bleiben, wie wir sind, und die Wege unserer Entwicklung selber machen. Aber doch zeigen sich schon die ersten Anzeichen, daß jene Kräfte, die zumeist unsere Sympathielosigkeit in der Welt erregten, die Kriegs- - lügen, abflauen. In England hat der Besuch unseres Reichskanzlers sicher einen Umschwung herbeigeführt. Schon schicken die Engländer einige ihrer Kriegsschiffe zum Be- suche unserer Marine. Schweden bat den Besuch einiger, feiner Schiffe angemelvet rmtr-'nun auch Holland.' Alles das sind Anzeichen einer gesunden Entwicklung im Völker- oerkehr.
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Kühn und entschlossen hatte der deutsche Kanzler es gewagt, unseren ärgsten Widersachern, den Franzosen, bas Angebot zu machen, ihre Staatsmänner möchten sich mit ihm an einen Tisch setzen, um zu beraten, wie die verderbliche Zwietracht zwischen Deutschland und Frankreich zu mildern sei. Denn auch das sei eine Voraussetzung für die Gesundung des europäischen Lebens.
Grundstein für den Hoover- Vorschlag gelegt
Washington, 26. Juni.
Nach langen Verhandlungen zwischen Präsident Hoover, Staatssekretär Stimson und Unterschatzsekretär Mills ist am Mittwoch abend an Schatzsekretär Mellon die Anweisung ergangen, sich auf zwei Tage nach Paris zu begeben. Dienstag früh setzten Hoover, Stimson und Mills ihre Verhand- lungen fort. Die von dem amerikanischen Botschafter aus Paris eingegangenen Nachrichten lauteten so ermutigend, daß Staatssekretär Stimson sich entschlossen hat, an seinem ursprünglichen Reiseplan festzuhalten. Er wird daher am Sonnabend nachmittag mit dem „Conte Grande" nach Neapel abfahren und von Rom aus ungefähr am 17. Juli nach Paris weiterfahren. In Berlin wird er etwa am 21. Juli eintreffen. Von Berlin aus wird er sich nach London begeben und nach längerem Erholungsaufenthalt in Schottland Anfang September nach Amerika zurückkehren.
Im Staatsdepartement wurde betont, daß man die gegenwärtige Lage als in Uebereinstimmung mit der von Hoover angestrebten Entwicklung für soweit geklärt halte, daß Stimson es wagen könne, eine zwölftägige Seereise an- zutreten. In Europa werde Stimson durch persönliche Fühlungnahme und durch das Gewicht seiner hohen Stellung viel dazu beitragen können, die Einigung über die notwendigen Details der einjährigen Zahlungspause durchzusetzen. Jm Staatsdepartement ist man der Ansicht, daß der Grundstein für das Gelingen des Hoover-Borschlages glücklich gelegt sei, Von jetzt ab dürfte für die nächsten Wochen der Schwerpunkt der diplomatischen Arbeit in Europa liegen. Inzwischen werde Präsident Hoover sich in Washington darum bemühen, die innenpolitische Annahme seines Vorschlages durch den amerikanischen Kongreß sicherzustellen. Da schon jetzt die Mehrzahl der Parlamentarier dafür gewonnen sei, dem Hoover-Vorschlag ihre Zustimmung zu geben, sehe der Präsident der weiteren Entwicklung der Ding» mit großem j Optimismus entgegen.
Amerikanische Rückfrage in Paris
Paris, 26. Juni.
Havas verbreitet am späten Abend folgende Auslassung: Die französische Regierung hat noch keine Antwort von der amerikanischen Regierung auf die Mitteilung erhalten, die sie auf den Vorschlag Hoovers hat machen lassen. Jedoch hat die amerikanische Regierung nähere Angaben betreffend die technische Durchführung über den von Frankreich gemachten Vorschlag der ungeschützten Annuität (inconditionnel) durch Deutschland und zu der Gewährung einer Anleihe an Deutschland durch Vermittlung der Internationalen Zahlungsbank erbitten lassen. Man folgert daraus, daß die amerikanische Regierung die französische Antwort nicht zurückweist, sondern line methodische Prüfung ihres Inhalt« vornimmt.
Dektsch-sranzösifches Wochenend
# Private Meldungen behaupten, daß die deutsche Regierung bereits im Besitz einer Mitteilung sei, wonach bit französische Regierung der Anregung Brünings zu einet deutsch-französischen Zusammenkunft nach dem Muster vor Chequers grundsätzlich zustimme. Eine offizielle Einladung liegt in Berlin zur Zeit aber noch nicht vor. Man schein: jetzt diplomatisch vorzufühlen, wer die Einladung ergehen lassen soll, und wo man sich treffen will.
Wahrscheinlich wird das deutsch-französische „Wochenend" in Paris oder auf dem Landsitz Briands statlsinden.
Wie gesagt, es handelt sich um private Mitteilungen. Du Aufnahme, die Brünings Wochenendanregung in der französischen Presse gefunden hat, deutet allerdings darauf hin. daß eine französische maßgebliche Stelle sich für eine deutschfranzösische Aussprache in allernächster Zeit eingesetzt hat. In Paris scheint man Wert darauf zu legen, diese Aussprache noch vor dem englischen Gegenbesuch in Berlin zu halten. Der deutsche Botschafter in Paris hat in diesen Tagen mehrfach mit Briand gesprochen.
Wie verlautet, hat der französische Außenminister erkennen lassen, daß er es gern sehen würde, wenn Dr.
Brüning und Dr. Eurtius am 4. Juli nach Frankreich kämen.
Eine solche Zusammenkunft zwischen deutschen und französischen- Staatsmännern in diesem Augenblick wäre zweifellos von großer politischer Bedeutung. In Paris ist man jetzt reichlich nervös, weil man glaubt, durch die Zusämmenkunfl von Chequers und durch die Hoover-Botschaft etwas in den Hintergrund gedrängt »worden zu sein. ÄraMeich mM m rnuuur -nie et'iTrOEtge lm europäischen Bolkerkonzert spie- len Man ist verschnupft, wenn man nicht zuerst gefragt wird und spielt den Beleidigten, wenn ein anderer einen Vorschlag macht. Das zeigt sich jetzt in der Aufnahme der Hooverschen Vorschlages. Da sich Washington nicht vorher mit Paris in Verbindung gesetzt hat, nimmt man diesen Plan nicht in seiner Gesamtheit an, sondern stellt Bedingungen, macht Gegenvorschläge. Die französisch-amerikanische Aussprache über diesen Hooverplan hat sich zweifellos versteift. Der amerikanische Staatssekretär Mellon hat von Washington die Anweisung bekommen, sich sofort nach Paris zu begeben, um die entstandenen Differenzen auszugleichey. Man verhandelt also doch, und es scheint auch so, als sei Washington einem Kompromiß nicht abgeneigt.
Man will es jedenfalls in Washington nicht zu einem Machtkampf mit Frankreich kommen lassen, sondern zieht einen Ausgleich des beiderseitigen Standpunktes in Erwägung.
Reise nach Paris erst, wenn Klarheit über hooverplan.
Berlin, 26. Juni.
Zu der Meldung, daß die Reise des Reichskanzlers und des Reichsauhenminifters bereits in der ersten Juliwoche erfolgen werde, wird von gutunterrichteter Seite erklärt, daß diese Meldung unzutreffend ist. Selbstverständlich, so wird weiter betont, sei bei der Unterredung zwischen dem französischen Außenminister und dem deutschen Botschafter am Mittwoch über die Anregung gesprochen worden. Es sei aber bisher noch kein Zeitpunkt für die Zusammenkunft festgesetzt worden.
Die französische Regierung habe den Gedanken sehr freundlich ausgenommen. Zweifellos läge ihr auch daran, daß die Besprechung sehr bald stattfindet. Die Abwesenheit des Kanzlers und des Außenministers von Berlin fei aber unmöglich in einer Situation, in der jeden Augenblick neue Ueberraschungen erfolgen können. Es sei also notwendig, daß zunächst einmal Klarheit über die Durchführung des Hoover-Planes erzielt werde. Erst dann werde Frankreich offiziell anfragen, ob eine Einladung erwünscht ist. Die Zusammenkunft gilt aber jetzt als sicher und wird noch im Laufe des nächsten Monats,, stattsinden.
400 Millionen für die Reichsbant
Der Ultimobedarf reichlich gedeckt.
Berlin, 26. Juni.
Zur Ueberbrückung des Ultimo haben mit sofortiger Wirkung die Federal Reserve Bank in New Pork, die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel, die Bank von England und die Bank von Frankreich der Reichsbank einen 100-Millionen-Dollar-Kredit bis zum 16. Juli einge- räumt. wie es heißt, übernimmt jede der genannten Banken 25 Millionen Dollar. Mit dem Kredit ist die Geldversorgung der deutschen Wirtschaft am Monatsende gesichert, da seine Bereitstellung in Devisen bei den Deckungsvorschriften für den Notenumlauf eine Bewegungsfreiheit der Reichsbank von 1 Milliarde Mark bedeutet.
Wie weiter bekannt wird, hat der Schritt Hoovers oereits zu einem erheblichen Rückfluß von Devisen geführt. Auch eine Goldsendung der Reichsbank in Höhe von 30 Millionen Mark, die zum Verkauf in New York bestimmt war, brauchte nicht mehr abgesandt zu werden.