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Hersfel-erTageblatt

Nr. 239

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WW Hersfel-er Kreisbla« '«W j Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö ^

Montag, den 12. Oktober 1931

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81. Jahrgang

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Die Stellungnahme der Rechtsopposition

Harzburger Tagung der Rechten - Die Haltung der Parteien

MMsnalismus

oder Kommunismus?

Hitler über den Kampf der Rechtsopposition.

Bad Harzburg, 12. Oktober.

Die große Kundgebung der in Harzburg vereinigten Rechtsopposition hatte sich etwas verzögert, weil vor ihrem Beginn noch eine Besprechung zwischen Hitler und Hugen- berg stattfand. Die beiden betraten dann gemeinsam den Saal, wo man sie stürmisch empfing. Nach den Begrüßungs- worten des deutschnationalen braunschweigischen Finanz- ministers Küchenthal sprach

Dr. Hugenberg.

In seiner Eröffnungsansprache hatte er erklärt, daß man Harzburg als Tagungsort deshalb wählte, weil man hier außerhalb des Machtbereiches der preußischen Polizei sei. Nun rief er in den Saal, hier in Harzburg sei heute die Mehrheit des deutschen Volkes, die zeige, daß eine neue Welt im Aufstieg sei. Er wandte sich dann geegn diebisheriaen Gewalthaber", denen er ebenso wie dem internationalen Ka­pital, von dem er behauptete, es kämpfe irregeleitet gegen das nationale, die Schuld an der Arbeitslosigkeit zuschob. Diese könne nur von der Rechtsopposition niedergerunzen werden. Er wandte sich auch gegen die Kabinettsumbildung, forderte Neuwahlen in Preußen und zeichnet« abschließend die Gefahr eines Bolschewismus für Ackerika.

Die von ihm vorgelegte Entschließung erklärt, daß jede Regierung, die gegen den Willen der geschlossenen Rechtsopposition gebildet worden sei, mit ihrer Gegnerschaft rechnen müsse. Die Entschließung befaßt sich dann mit den vier Anträgen und fordert einen Kurswechsel im Sinne der Rechtsopposition. Hierauf sprach

Adolf Hitler.

Er ging von theoretischen Gesichtspurror aus und kam all­mählich zur «cirik der heutigen Verhältnisse und zu dem Schluß, in Deutschland müsse entweder Kommunismus oder Nationalismus herrschen. Nicht um parlamentarische Ver­änderungen oder um Regierungsänderungen gehe der Kampf der Rechtsopposition, sondern um eine grundsätzliche Ent­scheidung zwischen den beiden Systemen.

Ihm folgte der erste Bundesführer des Stahlhelm, Franz S e l d t e, der den Willen des Stahlhelm, ehrlich und treu mitzuarbeiten, betonte. Der zweite Bundesführer des Stahl­helm, Oberstleutnant Duesterberg, vertrat den Gedan­ken der Wehrhoheit, der nächste Redner, Graf K a l ck r e u t h, erklärte, der Reichslandbund schließe sich der Rechtsopposition an. Der nächste Redner war

Dr. Schacht.

Er wandte sich in außerordentlich scharfer Weise gegen die Führung ider Finanzwirtschaft und forderte als Wirtschafts­programm der Rechtsopposition das Friedrichs des Großen nach 'dem Siebenjährigen Krieg:Sich fest auf die-heimische Wirtschaft stellen und aus dem heimischen Boden heraus­holen, was nur irgend herauszuholen ist, im übrigen sparen und arbeiten."

Nachdem dann noch Justigrat C l a h, der Vorsitzende des Alldeutschen Verbandes, über außenpolitische Fragen ge­sprochen und Graf von der G o l tz namens der vaterländi­schen Verbände den Zusammenschluß begrüßt hatte, dankte Dr. Hugenberg allen, die an der Tagung mitwirkten und ver­wies noch auf den Ernst der kommenden Reichstagsentschei­dung.

Der deutschnationale Führer Geheimrat Hugenberg.

Die Ergebnisse der

Harzburger Tagung

Mißtrauensantrag gegen Brüning. Reichskagsauflösung.

Außerkraftsetzung der Notverordnung und Pollzeikosten- sperre für Preußen gefordert.

Bad Harzburg, 12. Oktober.

Das Städtchen Harzburg stand am Sonntag vollkommen i0. der Tgsuna der NeLteovvolition.

Schwarz-weitz-rot« und Häkenkreuzfahnen, die braunen Uni­formen der Nationalsozialisten und die grauen des Stahlhelm verliehen dem äußeren Bilde dieser Tagung das Gepräge. Die Beteiligung war sehr stark und erstreckte sich außer auf die Nationalsozialisten, die Deutschnationalen und den Stahl­helm auf führende Persönlichkeiten des Reichslandbundes und eine Anzahl bekannter Wirtschaftler, unter denen das rheinisch-westfälische Industriegebiet besonders stark vertreten war. Von der Reichstagsfraktion der D e u t s ch e n V o l k s p a r t e i war dagegen nur Generaloberst von S e e ck t anwesend. Dafür waren aber zwei führende Mit­glieder der rheinisch-westfälischen Organisation der Deutschen Volkspartei erschienen, Hüttendirektor K u h b i e r, Duisburg, und H « m b e ck, Lüdenscheid. Von der Wirtschaftspartei sah man den Abgeordneten Sachsenberg.

Das sachliche Ergebnis der gemeinsamen Besprechungen, mit denen die Hauptkundgebung vom Sonntag nachmit- tag vorbereitet wurde, ist in vier Anträgen zu sehen, die die Fraktionen der Nationalsozialisten und der Deutsch- nationalen und außerdem die drei früheren Abgeordne- ken der Landvolkparlei im Reichstag einbringen werden. Ihr erster Antrag lautet:Der Reichstag entzieht der Reicksregierung das Vertrauen"; der zweiteDer Reichspräsident wird ersucht, den Reichstag aufzulösen und Neuwahlen auf Sonntag, den 8. November, anzube- räumen". Der dritte Antrag bezweckt die Außerkraft­setzung der Notverordnungen, der vierte verlangt, daß die Zahlung der Polizeikostenzuschüsse an Preußen mit dem 31. Oktober eingestellt werde.

r Führer des Stahlhelm, Franz Seldte.

Organisatorische Selbständigkeit

Diese vereinbarten Anträge werden aber von jeder Gruppe für sich eingebracht; damit wird ihre organisatorische Selbständigkeit betont. In allen Erklärungen, die in den einzelnen Fraktionssitzungen und in der gemeinsamen Kon­ferenz am Vormittag abgegeben wurden, wurde die Bereit­schaft zu loyaler Zusammenarbeit und zur Weiterverfolgung der bisherigen gemeinsamen Taktik auch im Reichstage be­tont, dabei wurde aber gleichzeitig die

Selbständigkeit der Zielsetzung unterstrichen. So erklärte Dr. F rick in der nationalsoziali­stischen Fraktionssitzung, er wisse sehr wohl, daß in der na- tionalsozlalistischen Bewegung auch gewisse Bedenken gegen die Harzburger Tagung vorhanden gewesen seien, aber auch Mussolini habe zunächst koalitionsmäßig vorgehen müssen. i

Hitlers Ziele

Im Verlaufe dieser Sitzung erschien auch

Er gat> der Fraktion eine Erklärung ab, wie er sagt«, nicht um sie gutheißen zu lassen, sondern damit dieganze Welt" wisse, daß hinter ihr jeder Nationalsozialist stehe. Der innerpolitische Teil dieser Kundgebung bestehe aus neuen, sehr scharfen Angriffen gegen die bisherigen Regierungen, besonders gegen die derzeitige Reichsregierung, gegen die der

Der Führer der Nationalsozialisten, Adolf Hitler,

Vorwurf erhoben wird, daß sie durch das Versäumen einer Pflicht- und wahrheitsgemäßen Aufklärung über die furcht­bare innere Lage Deutschlands in erster Linie mitschuldig sei an einer Katastrophe, die heute in zwangsläufiger Auswir­kung all« Kulturstaaten bedrohe. Die Kundgebung bezeich­net weiter als Ziel der Nationalsozialisten die Ueberwindung der inneren Klassengegensätze. Sie kündigt weiter dem Bol­schewismus und Marxismus den schärfsten Kampf an. Die NSDAP. sei entschlossen, die Auseinandersetzung zwischen Bolschewismus und Antibolschewismus in Deutschland mit allen Mitteln bis zur letzten Konsequenz im Sinne der Er­haltung der deutschen, abendländischen und christlichen Kul­tur durchzuführen.

In dem außenpolitischen Teil erklärt Hitler seine Bereit­schaftzur Erfüllung jeder nicht politischen finanziellen Verpflichtung", die wir als Kaufmann zum Kaufmann ausgenommen haben.

Legal oder illegal?

In der gemeinsamen Fraktionssitzung, di« gegen Mittag stattfand, traten dann die Vertreter der beteiligten Richtun­gen nebeneinander auf. Dr. F r i ck betonte den Willen,

die Macht auf legalem Wege zu gewinnen.

Seine Ausführungen wurden durch den deutschnationalen Reichstagsabgeordneten Oberfohren unterstrichen. Der frühere Landvolkabgeordnete Wendthausen sprach eben­falls seine Solidarität mit der Opposition aus. Für die preußischen Landtagsfraktionen der Rechten verlangten die Abgeordneten von Winterfeldt und Kube die Ergän­zung der Aktion durch ein paralleles Vorgehen mit Preußen.

Im Laufe des Vormittags fand ein Feldgottes- d i e n st auf einer Wiese in der Umgebung von Harzburg und im Anschluß daran ein Vorbeimarsch statt.

Eutjchiedeuer Rechtskurs ber^ Deutschen Volkspartei

Reichslagsabgeordneter vingeldey spricht in Breslau.

Breslau, 12. Oktober.

Der Führer der Deutschen Volkspartei, Reichstagsabge­ordneter D in gelb«y, erklärte hier u. a.: Alle Anerken­nung der Persönlichkeit des Kanzlers hindere die Deutsche Volkspartei nicht, die fernere Unterstützung seiner Politik zu verneinen.

Es sei nicht zu verteidigen, daß R«cht und Vertrag ge­genüber den Beamten, Pensionären und Angestellten ange­tastet würden, vor den Tarifverträgen der Gewerkschaften aber Halt gemacht werde. Wir brauchen deshalb eine Regie­rung, die mit großer Kraft den Freiheitswillen der Nation voranstelle. Gegen die Gefahren des Kommunismus müsse ein Damm aufgerichtet werden. Nur organische Entwicklung könn« Hilfe bringen. Der Redner bekannte sich zu einem Bündnis mit dernationalen Opposition", das jedoch auf gegenseitige Achtung der Ueberzeugung aufgebaut sein müsse. Diese Ausführungen wurden von der Versammlung in einer Entschließung gebilligt, in der auch dem Parteiführer das Vertrauen ausgesprochen wird.

Severing über die Harzburger Tagung

Dortmund, 12. Oktober.

In einer Versammlung der SPD. befaßte sich Innen­minister S e v e r i n g mit der Harzburger Kundgebung und erklärte, die Pläne dieser Opposition ließen sich an den Namen der beteiligten Führer erkennen. Sie bedeuteten Zerschla­gung des Tarifrechtes, 20prozentigen Lohnabbau und Zu- sammenschluß gegen den Widerstand der Arbeiterschaft. Zur Regierungsumbildung sagte Severing, daß Umbildungen all­zuoft die Stabilität der Reichsregierung gefährdeten und wandte sich dann gegen die Behauptung, als ob die neue Zu- sammensetzung des Kabinetts einen Ruck nach rechts bedeute. Ein wirklicher Ruck nach rechts, d. h. ein Eintritt der Deutsch­nationalen und Nationalsozialisten in die Regierung, wurde die Dinge nicht bessern, sondern im Gegenteil die Strebtttrife rapid verschärfen. Polizei und Reichswehr in der Hand der Nationalsozialisten bedeute Aufrichtung eines faschistis^n Reoimes. Was die Polizei bedeute, werde vielleicht in die- fern Winter der Oeffentlichkeit recht häufig demonstriert werden müssen.

Hitler bei Hindeaburg

Bericht über die nationalsozialistischen Ziele.

Berlin, 10. Oktober.

Der Reichspräsident empfing am Sonnabendvormittag

Adolf Hitler und den Reichstagsabgeordneten Hauptmann a. D. Göring und nahm von ihnen einen ausführlichen Be­richt über die Ziele der nationalsozialistischen Bewegung entgegen, hieran schloß sich eine Aussprache über innen- und außenpolitische Fragen.

Nach mehr als einstündiger Dauer war der Empfang Hitlers bei Hindenburg beendet.

Vor dem Palais des Reichspräsidenten hatte sich eine große Menschenmenpe« zumeist Nationalsozialisten, ange­sammelt. - - '