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Hersfel-erTageblatt Hersfelder Kreisblatt Amtlicher DnZeiger für den Kreis Hersfel-

Nr. 257 , Montag, den 2. November 1931 8L Jahrgang

: Monatlicher Bezugspreis: Durch die Post bezogen 1FS ; Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Hersfeld r 1.20 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Bbholtt : 1.00 Reicks-Mark. Druck und Verlag von Ludwig : Kunks Buchdruckerel in Hersfeld, Mitglied desVVZV.

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Anzeigenpreis: Die einspaltige Petitzelle 15 Pfennig, die Reklamezeile 50 Pfennig. (Grunüschrist Korpus). Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis­nachlaß gewährt. Kür die Schriftleitung verant­wortlich: Kranz Kunk in Hersfeld. »Kernsprecher Nr.

Tributfrage im Vordergrund

Internationale Revisionsdebatte in vollem Fluh Vorbereitende Verhandlungen in Berlin und Paris

Lavals welthistorische Mission

Paris, 2. November.

Der Sonderkorrespondent desPetit Journal" an Bord des DampfersJsle de France" berichtet seinem Blatt, L a - v a l bringe eine amerikanische V o l l m a ch t für sein Unter­nehmen mit, an dem Amerika sehr interessiert sei, dem es aber außer seiner moralischen Unterstützung nur eine auf die Herabsetzung oder Annullierung der Schulden begrenzte Mitarbeit leihen werde. Wenn Frankreich bei diesem schwie­rigen Unternehmen Erfolg habe, werde es nicht nur öle amerikanischen Kred ite auftauen, sondern auch die Weltkrise durch die Wiederherstellung des Vertrau- e n s lösen. Wenn Frankreich Mißerfolg haben würde, würde Amerika sich anderen Nationen zuwenden.

Laval komme nach Europa zurück mit der festen Ab­sicht, eine objektive Bemühung zu einer konstruktiven Politik zu unternehmen. Er wisse, daß diese Bemühun­gen vor dem Januar 1932 zum Ziele führen müssen, zu welchem Zeitpunkt die deutschen Kredite fällig werden und die Abrüstungskonferenz eröffnet werde.

Die Amerikaner überließen in der Abrüstungsfrage Frankreich ebenso die Verantwortung wie hinsichtlich der Re­gelung der Wirtschafts- und Finanzfragen.

Laval werde die erste Gelegenheit, die sich ihm nach sei­ner Rückkehr nach Frankreich biete, wahrnehmen, um öffentlich zu erklären, was er zu tun gedenke, und um den Beistand der öffentlichen Meinung und aller Parteien zu verlangen, wobei er im voraus alle möglichen Gefahren seiner Aktionen auf sich zu nehmen bereit sei.

Der Sonderkorrespondent erklärt dann weiter, die fran­zösischen Finanzsachverständigen betrachteten es, obwohl man noch keine amtliche Bestätigung über die Auffassung Deutsch­lands bezüglich der Reparationsfrage besitze, als

ein gutes Anzeichen, daß Botschafter von Hoesch zu einer Besprechung zu Reichskanzler Dr. Brüning gerufen worden sei.

Man hoffe, daß die Besprechung des französischen Minister- vräsidenten Laval mit Botschafter von Hoesch und die Unterredung, die Ministerpräsident Laval alsdann telefonisch mit Reichskanzler Dr. Brüning führen werde, eine größere Bedeutung geben und etwas rascher zu wichtigen Ergebnissen führen könne.

Der Beginn der Rüstungspause

Genf, 2. November.

Am 1. November begann die Rüstungspause, die die Septemberversammlung des Völkerbundes nach eingehender und bewegter Debatte im Abrüstungsausschuß der Vollver­sammlung beschlossen hat.

Die Regierungen wurden ersucht, bis 3um 1. November 1931 zu erklären, ob sie bereit seien, einen Rüstungsstillstand für die Dauer eines Jahres anzunehmen. Bis zum 31. Oktober abends haben

folgende Staaten dem Rüstungsstillstand zugestimmt:

Luxemburg, Aegypten, Rußland, Albanien, die Schweiz, Japan, Spanien, Lettland, Tschechoslowakei, Chile, Belgien, Holland, Ungarn, Neuseeland, Australien, Dänemark, Italien und die Vereinigten Staaten von Amerika. Fast alle Regie­rungen weisen in ihren Antworten auf die Vorbehalte hin. unter denen sie den Rüstungsstillstand annehmen, so erklärter z. B. ^ie Schweiz, Japan, Lettland und Belgien ausdrücklich, daß ihre Zustimmung nur für den Fall gelte, daß auch ihre Nachbar st a a t e n den Rüstungsstillstand annehmen.

Deutschlands Zustimmung

zur Rüstungspause

Berlin, 2. November.

Wie wir erfahren, ist die deutsche Antwort in der Frage der einjährigen Rüstungssperre bereits nach Genf abge­gangen. Es liegt kein Grund vor, daran zu zweifeln, daß die Antwort nur zustimmend ausgefallen sein kann. Ueber die Einzelheiten der deutschen Antwort wird die Öffent­lichkeit im Laufe des heutigen Tages unterrichtet werden.

OstafienKonfliKt und Abrüstungs- Konferenz

Washington, 2. November.

Die pessimistische Auffassung, die sich in den Genfer Mel­dungen wiederspiegelt und die Amerika Untätigkeit in der mandschurischen Frage vorwirft und hieraus auf einen Miß­erfolg der Abrüstungskonferenz im nächsten Jahre schließt, wird in hiesigen amtlichen Kreisen nicht geteilt.

Amerikas Interesse an einer baldigen Wieder- Herstellung normaler Verhältnisse habe Stimson, so wird amt­lich erklärt, im September durch seine Note an den Völker­bund deutlich gekennzeichnet. Man ziehe es vor, abzuwarten, was sich bis zum 16. November, dem vom Völkerbund in der Mandschureifraae anberaumten Termin, ereignen werde.

Von der Genfer Konferenz erwarte man in Amerika nach wie vor konkret« Resultate. Aber da -jr MüfMgsfxagtz Mep sgstgM;fMM§ö«ß.darstelle, so

l«i man geneigt, schon einen gewissen ^ortj^ritt in Genf, zum Beispiel dieBegrenzungderWeltrüstungen, als Erfolg für das hier dringlichst befürwortete Prinzip der Rüftungs-verminderung zu betrachten.

Chinas Antwort an Japan

Bedingungslose Räumung der Mandschurei gefordert.

Ranking, 2. November.

Die chinesische Nationalregierung hat ihren Genfer Ver­treter angewiesen, dem Generalsekretär des Völkerbundes die Antwort Chinas auf die japanischen Erklärungen vom 26. Oktober über die mandschurische Frage zu überreichen.

Die chinesische Regierung fordert den Völkerbund auf, einen ne u.t r a I e n Vertreter zu bestimmen, der den Vertretern Chinas beigeordnet werden soll, die das von Ja­pan geräumte Gebiet wieder übernehmen. China verspricht, an allen Maßnahmen mitarbeiten zu wollen, die die japa­nische Sicherheit gewährleisten. Die chinesische Regie­rung ist der Ansicht, daß Japan die Aufrichtigkeit, seine Ver­pflichtungen zu erfüllen, nur dadurch beweisen könne, daß es auf Gewaltmittel verzichte und daß es die R ä u m u n g der besetzten Gebiete nicht von vorherigen Bedingun­gen abhängig mache. China habe den Wunsch, die gegen­wärtige Spannung zu beendigen, aber es sei zunächst not­wendig, die Entschließung des Völkerbundes durchzuführen. Hernach werde die chinesische Regierung die Einsetzung eines Ständigen Rates für Verständigung und Schieds- gerichtsbarkeit anregen.

Das zerrissene China

Die Cknigungsverhandlungen zwischen Kanton und Ranking gescheitert.

Schanghai, 2. November.

Die Verhandlungen zwischen den Vertretern Kantons und den Vertretern Nankings über eine Einiauna Chinas schienen zunächst zu einem vollen Erfolg zu führen. Nach­dem jedoch H a n m i n, ein einflußreiches Mitglied der Kuo­mintang und ein Rivale Tschiangkaischeks erklärt hatte, daß T s ch i an gk a i s ch e k zurücktreten und sich der Di­sziplin der Kuomintang unterwerfen müsse, sind die Verhand­lungen unterbrochen worden.

Die antibritische Stimmung in Japan

Tokio, 2. November.

Die Mißstimmung, die in japanischen Kreisen infolge der Haltung der englischen Völkerbundsdelegation bei Erörterung ' des Konflikts in der Mandschurei hervorgerufen worden ist, hat sich noch v e r st ä r k t durch die Nachricht, daß der eng­lische Gesandte in China mit der Nanking-Regierung einen Vertrag über die Abschaffung der Exterritorialitätsrechte ab­geschlossen haben soll.

Parlamentsausschattung auch in England?

London, 2. November.

Die Vereidigung der neuen Unterhausmitglieder wird am Mittwoch erfolgen und zwei bis drei Tage beanspruchen. Die Eröffnungssitzung des Parlaments, die am 10. November stattfindet, wird nur kurz sein. Ende des nächsten Monats wird'das Parlament sich bis nach Neujahr vertagen und die nächste Sitzung wahrscheinlich für Februar einbe­rufen.

Die schwierigen Handelsvertrags- Verhandlungen mit der Schweiz

Bern, 2. November.

Die deutsche Gesandtschaft hat gestern dem eidgenössischen volkswirtschaftlichen Departement zur Kenntnis gebracht, daß die deutsche Regierung bereit sei, die K ü n d i g u n g s f r i st des deutsch-schweizerischen Handelsvertrages von drei Mo­naten auf zwei Monate herab zu setzen, um so den Be­weis zu geben, daß die deutsche Regierung keine Möglichkeit unversucht lassen werde, einen Bruch zu vermeiden. Die Ver­handlung könnte mit Einverständnis der schweizerischen Re­gierung im November fortgesetzt werden, ohne daß da­durch eine etwaige Kündigungsfrist versäumt würde. Der Bundesrat wird in dieser Angelegenheit morgen Beschluß fassen.

Nationalsozialisten sollen

in die Regierung

Eine Forderung der Deutschen Volkspartei.

Gießen, 2. November.

In einet Wählerversammlung der Deutschen Volkspartei forderte Parteiführer Dr. D i n g e l d e y nach einer Kritik am zweiten Kabinett Brüning Abkehr von der Sozialdemo- kratie und ihren Grundsätzen und Heranziehung der Ratio- nalsozialisten zur Regierungsverantwortung. Nach dem Beispiel Englands müßte auch in Deutschland eine nationale Regierung gebildet werden, zum mindesten hätte der Reichs­kanzler mit dieser Forderung vor die Parteiführer treten müssen.

Landkreiswahlen in

Mecklenburg-Schwerin

Schwerin, 2. November.

Die anhaltischen Demonstrationswahlen bestätigt.

Die gestrigen Landkreiswahlen in Mecklenburg-Schwerin hatten folgende Ergebnisse:

Endgültiges Ergebnis der Amtsvertrelerwahlen für das Amt Rostock: Sozialdemokraten 7175 (7 Sitze); Kommu­nisten 2338 (2); Nationalsozialisten 11 638 (11); Beamte 1282 (1); Rationale Wirtschaftsliste 4473 Stimmen (4).

Amt Malchin: Sozialdemokraten 7606 (10 165), 7 Sitze; Nationalsozialisten 10 625 (6906), 10; Bürgerliche Einheits­liste 5265 (0), 5; Kommunisten 2839 (2506) 2 Sitze.

Amt Parcheim: Nationalsozialisten 11 388 (7280) 12; Sozialdemokraten 6026 (7857) 6; Kommunisten 2680 (2260) 2; Liste für städtische Wähler 1020 (0) 1; Nationale Liste für Stadt und Land 2386 (0) 2 Sitze.

Amt Waren: Sozialdemokraten 6520 (8386) 6; Christ­lich-Sozialer Volksdienst 894 (728); Wirtschaftslifte für Stadt und Land 1817 (0) 1; Kommunisten 2491 (2903) 2; unpoli­tische Beamtenliste 659; Nationalsozialisten 9400 (4985) 9.

Amt Güstrow: Sozialdemokraten 8093 (9388 8; Kommu­nisten 3003 (2704) 3; Nationalsozialisten 10 501 (4867) 10; Bürgerliche Einheitsliste 2771 (0) 2; Mecklenburgische Hei­matliste 693.

Amt Hägenow: Sozialdemokraten 9212 (7959) 8; Kom­munisten 2189 (2199) 2; Nationalsozialisten 9767 (4766) 8; Bürgerliche Einheitsliste 3914 (0) 3.

Amt Schwerin: Nationalsozialisten 7888 (3644) 9; Meck­lenburgische Heimatliste (Bürgerliche Einheitsliste) 2188 (0) 2, jtomniunXftä-. 715 (307), DsAlcckdrmsrraten 5424 (6689) 6 Sitze.

Amt Ludwigslust: Kommunisten 2279 (1872) 2; Meck­lenburgischer Bauernverein 1135 (0) 1; Sozialdemokraten 7027 (6882) 6; Liste für Handel, Handwerk und Beamte 2263 (0) 2; Nationalsozialisten 8040 (6882) 7; Landvolkliste 2188 (0) 2 Sitze.

Grevesmühlen (Land): Sozialdemokraten 4182 (bei der letzten Reichstagswahl 5166); Kommunisten 1055 (758); Na­tionalsozialisten 4024 (2822); Bürgerliche Einheitsliste 3081 (Nergleichszahlen liegen nicht vor).

Ludwigslust (Stadt): Kommunisten 145 (88); Sozialde­mokraten 702 (1139); Nationalsozialisten 1344 (1006). Außer­dem wurden noch auf vier bürgerlichen Liften Splitterstim­men abgegeben.

Grabow (Stadt): Kommunisten 542 (463); Sozialde­mokraten 708 (1084); Handel, Handwerk und Gewerbe (Bür­gerliche Einheitsliste) 1187; Nationalsozialisten 1526 (864). Außerdem wurden für mehrere bürgerliche Splitterparteien geringe Stimmenzahlen abgegeben.

Ermäßigung der Gemeindearbeiter- Löhne

Berlin, 2. November.

Die im Reichsarbeitsministerium geführten Schlichtungs- verhandlungen über die Neuregelung der Gemeindearbeiter­löhne brachten einen Schiedsspruch, zu dem sich die Parteien bis zum 7. November, mittags 12 Uhr, dem Schlich­ter gegenüber zu erklären haben. Die neue Lohnregelung sieht vor, daß die am 31. Oktober 1931 bestehenden Stunden-, Wochen- und Monatslöhne fid) um 4)4 ^ ermäßigen.

Drakonische Sparmaßnahmen in Bayern

München, 2. November.

Die zweite Notverordnung zum Vollzug des Staatshaus­halts erhöht das Schulgeld an den staatlichen höheren Unter« richtsanstalten und sieht eine Kürzung der Veamtengehälter und -Pensionen vor. Am bedeutendsten sind die Bestim­mungen über weitere Vereinfachung und Verbilligung der Staatsverwaltung. Danach werden am 1. April 1932 aufge- hoben: Das Staatsminifterium für Landwirtschaft und Ar­beit; das Oberlandesgericht Augsburg; die Landgerichte Fürth, Neuburg a. d. D. und Straubing. Die Regierungs­bezirke von Riederbayern und der Oberpfalz werden mit dem Sitz der Kreisregierung in Regensburg am 1. April 1932 zusammengelegt. Die Regierungsbezirke von Oberfranken und Mittelfranken werden am 1. Januar 1933 mit dem Siz der Kreisregierung in Ansbach ebenfalls vereinigt. Weitere Zusammenlegungen treffen die landwirtschaftlichen Berufs- genoffenschaften und die Landesoersicherungsanstalten der vier genannten Kreise, wobei daran gedacht ist, die bisherigen Kreisregierungssitze Landshut und Bayreuth zum Sitz der sozialen Versorgungsanstalten der vereinigten Kreise zu machen.

Bis zum 1. April 1933 sind weiterhin 24 Amtsgerichte, acht Bezirksämter, drei Bauämter, zehn Messungsämter und zwölf Forstämter aufzulösen, die durch Verordnungen des Gesamtministeriums bestimmt werden.