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Hersfel-erTageblatt

Anzeigenpreis: Die einspaltige Petitzeile 15 Pfennig, die Reklamezelle 50 Pfennig. (Grunüschrift Korpus). ; Bei Wiederholungen wird ein entspreckender Preis- ; Nachlaß gewährt. Zür die Schristlettung verant­wortlich : Kranz Kunk in yersfeld. Kernsprecher Nr.

Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfel-

Nr. 262 (erstes Blatt)

Sonnabend, den L November 1931

81. Jahrgang

Privatschulben oder Reparationen?

3m Gegensatz z« den Bereinigten Staaten neigt England dem französischen Standpunkt zu

Der Reichmehrsoldat

Seine Entwicklungs- und Berufsmöglichkeiten. "

Von Oberst a. D. H o f f m e i st e r.

Soeben wurde gemeldet, daß der Andrang zum Reichs­wehrdienst außerordentlich groß ist: Für die rund 10 000 freien Stellen im Reichsheer und in der Reichsmarine ha­ben sich im letzten Jahre nicht weniger als rund 120 000 Freiwillige gemeldet. Die hohe Zahl mag sich einmal aus wirtschaftlichen Notlage erklären, zum anderen spricht )araus aber auch die zunehmende Sympathie, die die Reichswehr in allen Schichten und Kreisen der Bevölke­rung genießt.

Länger als zehn Jahre hat unser Reichsheer Erfahrun­gen gesammelt, wie bei der langen Dienstzeit der einzelne Soldat vor der Eintönigkeit des Dienstes bewahrt werden und wie man durch die Vielseitigkeit der Ausbildung dem Freiwilligen Möglichkeiten schaffen kann, die immer wieder seinen Gesichtskreis erweitern und das Streben nach Aufstieg fördern. Diese in den Jahren seit Bestehen des Reichsheeres gesammelten Erfahrungen liegen nun in einem kleinen Heft Bestimmungen über die Beförderung und Versetzung der Freiwilligen des Reichsheeres (Unteroffiziere und Mann­schaften)" des VerlagesOffene Worte", Berlin W10, der Oeffentlichkeit vor.

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die aus

Wie im alten Heer, so stehen auch jetzt dem Freiwilligen die höchsten Stellen im Heere offen, wenn er entsprechende Kenntnisse und Fähigkeiten nachzuweisen vermag. Besonders stark ist jedoch unterstrichen, daß entscheidend für alle Ernen­nungen und Beförderungen der C h a r a k t e r des Soldaten ist. Daneben spielen Führung und Zuverlässigkeit eine ebenso große Rolle wie die militärische Eignung und die wissenschaftliche Bildung. Es leuchtet ein, daß für den Aufstieg zu den verschiedenen Dienstgraden eine seitigen Technik mit ihren hohen Anforderungen so m die Geheimnisse des Dienstes einzudringen, daß er nicht nur selbst alle Waffen beherrscht, sondern daß er auch als Leh­rer auf diesem Gebiete auftreten kann.

Betrachten wir zunächst einmal die normale Lauf­bahn des jungen Freiwilligen, der in das Reichsheer eintritt, um nach längerer Ausbildung den Auf­stieg zum Unteroffizier anzutreten. Ganz allgemein steht dem Soldaten das Recht darauf zu, nach je zwei Jahren zum Oberschützen, zum Gefreiten und schließlich zum Ober­gefreiten befördert zu werden.

Ganz unabhängig davon ist die Beförderung zum U n- teroffizier. Hier wird von Anfang an scharf gesiebt und nur das beste Material für die Ausbildung zum Unter­offizieranwärter herausgeholt. Die Forderungen, die hier gestellt werden müssen, ind jedoch bewußt hoher geschraubt als im alten Heere, weil der Vorgesetzte heute zwölf Jahre lang mit seinen ehemaligen Kameraden zusammen dient, denen er Vorgesetzter werden soll. Diese Stellung wird er nur mit Erfolg ausfüllen können, wenn er durch W i s -" und Können und durch ein sicheres Auftreten sich notwendige Autorität zu erzwingen vermag. Gerade < diesem Gesichtspunkte heraus muß man die Abschaffung der Unteroffizieranwärter - Prüfung bedauern, denn ihr Be­stehen gab dem Unteroffizier vön vornherein im Kameraden­kreise ein gehobenes Ansehen.

Frühestens nach zweieinhalbjähriger Dienstzeit bei der Truppe treten die für die Unterosfizierlaufbahn ausgewahl- en Soldaten zum Lehrkommando ihres Regiments über. Dort werden diese Soldaten in besonders gründlicher und vielseitiger Weise theoretisch und praktisch für den Unter- vssizierberuf vorbereitet und nach Rückkehr zur Truppe vom Bataillonskommandeur zum Unteroffizier - An- Wärter ernannt. Das Aufrücken zum Unteroffizier mit der entsprechenden Besoldung is aber erst möglich, wenn Stellen dafür frei sind. Die Beförderung dieser zu Unteroffizieren oorgebildeten Anwärter er olgt dann im weiteren Verlauf ihrer Dienstzeit zu Unterfeldwebeln, jedoch erst nach zwei­jähriger Dienstzeit als Unteroffizier.

Eine Sonderausbildung ist für den Truppendienst tu- enden Oberfeldwebel vorgesehen. Er muß sich einer besonderen Eignungsprüfung vor einem Prüfungs-Ausschuß über inneren und Verwaltungsdienst und über das Ab- rechnungswesen unterziehen, kann aber nach Bestehen dieser Prüfung schon in jungen Jakren zum Oberfeldwebel er- nannt werden, wenn er nämlich mindestens eine zweijährige Dienstzeit als Unteroffizier hinter sich hat.

Neben dieser allgemeinen Beförderung im Truppendienst gibt es noch mehrere andere Aufstiegsmöglichkeiten, die allerdings verschiedene Vorbildungen erfordern. Die S an^ täts Unteroffizier-Laufbahn bedingt den Besuch einer Sanitätsschule mit Abschlußprüfung.

Während die S ch i r r m e i st e r der Truppen nur be- sondere Anlagen für Gerätekunoe und Verwaltungsdienst besitzen müssen, fordern die Bestimmungen für die Schirr- Meister der Z e u g v e r w a l t u n g die Obersekunda­reife. F u n k m e i st e r und B r i e f t a u b e n m e i st e r sowie Beschlagschmiede müssen sich einer besonderen Ausbildung unterziehen, ehe sie in diese Laufbahn einrucken können. Auch der Aufstieg der M u s i k e r zu Unteroffizieren entspricht, angefangen bei der Ernennung zum Musiker«

entsprechenden Besoldung is dafür frei sind. Die Beför vorgebndeten Anwärter er

Unteroffizieranwärter, sinngemäß der Truppenlaufbahn des ~ . DA. Waffenmeisterlaufbahn fordert von den Freiwilligen des Reichsheeres die Obersekundareife und eine neunmonatige Ausbildung bei einer Truppen- waffenmeisterei nach entsprechend langem Frontdienst. Auch der Ausbildung bei einem Lehrkommando für Unteroffizier­anwärter müssen die Waffenmeister sich unterziehen. Es er­folgt dann die technische Ausbildung auf besonderen Waffen­meisterschulen mit der Ernennung zum Waffenmeisteran­wärter nach Ablegung der Schlußprüfung.

Auch von den Feuerwerkern und Festungs- b a u f e l d w e b e l n wird die Obersekundareife gefordert. Während aber die Feuerwerker sich aus allen Waffen er­gänzen, sofern der Bewerber vor dem Dienstantritt eine zweijährige praktische Tätigkeit in der Metallindustrie oder im Metallhandwerk abgeleistet hat, ergänzen sich die Festungsbaufeldwebel nur aus dem Unteroffizierkorps der Pionier-Bataillone.

In diese Laufbahnen hinein gehört auch die E i n h e i t s- laufbahn der Militärbeamten. Abweichend von den bekannten Verhältnissen im alten Heere, erhalten sämt­liche Beamtenanwärter eine einheitliche Ausbildung zunächst im Truppendienst und anschließend in der Heeres- v e r w a l t u-n g. Erforderlich ist aber für diese Laufbahn die Primareife. Das Bestehen der Abschlußprüfung berech­tigt zum Eintritt in den gehobenen mittleren nichttechnischen Dienst. . Nach erfolgreichem Verlauf einer dreimonatigen Probedienstleistung in der Heeresverwaltung ernennt das Reichswehrministerium diese Soldaten zu Zahlmeister- Anwärtern.

Die Vielseitigkeit der militärischen Laufbahnen gibt un­seren Freiwilligen und den zu Unteroffizieren erkannten

"vie Tyren Anlagen am^HW entsprechende zu wählen. Die zufammenfassende Darstellung dieser verschiedenen Aufstiegsmöglichkeiten in den Bestim­mungen über dieBeförderung und Versetzung" seitens des Reichswehrministeriums wird sicherlich dazu beitragen, den schon an sich großen Andrang zum Dienst im Reichsheere noch zu verstärken und immer mehr eine Auslese geeigneter Persönlichkeiten dem Dienste in unserer Wehrmacht zuzu- führen.

Bom Wirtschastsbeirat

Bildung von zwei weiteren Ausschüssen.

Berlin, 7. November.

Unter Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning und unter Beteiligung des Reichsbankpräsidenten Dr. Luther befaßte sich das Reichskabinett mit der Vorbereitung der weiteren Beratungen des Wirtschafksbeirals, nachdem die Arbeiten des zunächst allein eingesetzten Ausschusses für die Stillhalteprobleme inzwischen bereits zu Ende geführt wer­den konnten. Es wurde beschlossen, zwei weitere Ausschusse zu bilden. . v

Dem Ausschuß I für Produktionskosten und Preise wird Reichskanzler Dr. Brüning oder Reichsarbeitsminister Dr. h c. Stegerwald, dem Ausschuß II für Kredit und Zins der Stellvertreter des Reichskanzlers und Reichsminister der Finanzen Dietrich oder Reichswirtschaftsminister Prof. Dr. Warmbold vorsitzen. Sämtliche Mitglieder des Wirtschafts­beirats sind gleichmäßig auf diese beiden Ausschüsse verteilt worden.

Die Ausschüsse werden Dienstag, den 10. November, in der Reichskanzlei zum Beginn ihrer Beratungen zusammen­treten. Es ist in Aussicht genommen, zur Beratung wich­tiger Einzelfragen Sachverständige zuzuziehen. Die ersten Sitzungen werden der Feststellung des genauen Arbeits- programms dienen, dem Leitsätze der Reichsregierung zu­grunde liegen werden.

Parlameutslampf in Mecklenburg

Schwerin, 7. November.

In der Vollsitzung des Mecklenburg-Schwerinschen Land- lages wurde dem Beschluß des Hauplausschusfes, d,e zwecke Notverordnung aufzuheben, mit den Stimmen der Sozial- demokralen, Kommunisten, Demokraten und Nakionalsozia- listen gegen die Stimmen der Arbeitsgemeinschaft der Na­tionalen Mecklenburger zugestimmt.

Ein Teil des Antrages Dr. Möller (Demokrat), die dritte Notverordnung aufzuheben, wurde abgelehnt. Mit 26 Stimmen der Linken und der Nationalsozialisten gegen 23 Stimmen der Rechten wurde der zweite Teil des Antra­ges Dr. Möller auf Neufassung der Beamtengehälterkurzung der Notverordnung angenommen.

Der Antrag sieht für die verheirateten Beamten einen gestaffelten Abzug von 2 bis 7 Prozent vor, die ledigen Beamten erhalten allgemein einen Abzug von 10 Prozent. Auf jeden Fall werden aber die Spitzenbezuge über 10 000 Mark um 10 Prozent gekürzt, dagegen bleiben die Bezüge bis zu 2700 Mark kürzungsfrei. Jede weitere Be­lastung der Beamten durch Aufrückungssperre, veränderte Anrechnung der Dienstwohnung oder andere Maßnahmen unterbleiben. ;

Kurrlredite und Reparationen

Gegensatz zwischen New Zork und ParisLondon.

New Dock, 7. November.

Zwischen den Vertretern der New Zocker Banken, die an dem Stillhalteabkommen für die Deutschland gewährten Kre­dite teilnahmen, haben Besprechungen stattgefunden, in de- nen sich Uebereinstimmung darüber ergab, daß die Kurz- kredile für Deutschland auch weiter gewährt werden müßten. Eine Umwandlung dieser Kurzkredite in Kredite mit fünf- ooer zehnjähriger Laufzeit sei jedoch unlunlich.

Es herrschte weiter Uebereinstimmung darüber, daß gemäß dem Geiste des Doungplanes die Deutschland gewähr­ten Kurzkredite den Reparationszahlungen nicht nachstehen durften.

Im Gegensatz zu dieser Haltung steht man bekanntlich in Paris und offenbar auch in London. Das stellt der Pa­riser Berichterstatter derMorningpost" fest, der erfahren haben will, daß der Aufgabenkreis des für die Untersuchung der deutschen Zahlungsfähigkeit vorgeschlagenen Ausschusses groß genug sein werde, um Deutschland die Vorlage aller einschlägigen Angaben zu ermöglichen. Die allgemeine Fi­nanzlage der Welt in ihren Beziehungen zu Deutschlands Zahlungsfähigkeit werde mit in die Untersuchung einbezo­gen werden.

Es bestehe Grund zu der Annahme, daß das englische Außenamt mit der französischen Regierung über die beab- sichtigten Verhandlungsmethoden übereinstimme, und man könne annehmen, daß die deutschen Hoffnungen, die Pri- oakschulden würden den Vorrang vor den Tributen erhalten, enttäuscht werden würden.

I Der Berichterstatter derTimes" in Paris erklärt, es > - - . _ f

rang der "Tribute vor den anderen Schulden anerkenne. In Paris wüßte man, daß ein Bankrott Deutschlands für Frankreich ernstere Folgen als nur den Verlust von 320 Millionen Goldmark, die nach Deutschland verliehen seien, haben würde.

Der diplomatische Mitarbeiter derFinancial News" ist der Ansicht, daß von den Verhandlungen des deutschen Botschafters mit der französischen Regierung nur wenig zu erwarten sei, da die Verhandlungen in Washington nicht dazu beigetragen hätten, die französische Haltung zu mäßi­gen. Manche Kreise hätten gehofft, daß Laval, nachdem er in Washington einen vollkommenen diplomatischen Sieg da- oongetragen hatte, diese Gelegenheit zu einer schönen Geste für eine versöhnlichere Haltung benutzen würde. Diese Hossnung sei jedoch getäuscht worden

Die Aufrechterhaltung des deutschen Standpunktes, daß die Privatschulden den Vorrang vor den Tributen haben müßten, habe eine günstige Aufnahme gefunden. Man hoffe, daß Deutschland die Interessen seiner Privatgläubiger nicht einem sehr fragwürdigen Tributabkommen mit Frankreich opfern werde. Sonst werde es kaum wieder eine Ausländs­anleihe erhalten. Das Reich würde dann auch nicht in der Lage sein, die Tributzahlungen wiederaufzunehmen. Es wäre in diesem Fall völlig auf Frankreich angewiesen, um die Mark stabil zu halten.

houghlon sortiert Schuldennachlab

In einer Rede, die der frühere Botschafter Houghton in Elmira bei New Zork über das Problem der Kriegs­schulden und Reparationen hielt, erklärte er, die Vereiniaten Staaten hätten die Macht, auf der Zahlung der Kriegsschul­den zu bestehen. Dem fügte er hinzu:

Wenn jedoch durch einen teilweisen oder gänzlichen Nachlaß der Schulden die wirtschaftliche, und finanzielle und soziale Struktur Deutschlands vor dem Zusammenbruch be­wahrt und die Erholung dieses Landes beschleunigt gesichert werden kann, so sollten wir den Nachlaß gewähren. Ich könnte mir kein größeres Unglück für die Welt vorstellen, als den Zusammenbruch Deutschlands im gegenwärtigen Augenblick."

Hoesch verhandelt mit Laval und Flandin

Paris, 7. November.

Botschafter von Hoesch stattete gestern nachmittag im Verfolg der am Dienstag eingeleiteten Aussprache Minister­präsident Laval einen Besuch ab. Im Anschluß daran ver­handelte er auf Veranlassung Lavals eingehend mit Finanz- minister Flandin.

Schlange-Schöningen Minister ohne Geschäftsbereich

Berlin, 7. November.

Der Herr Reichspräsident hat den RelchsmlNist ranus und den preußischen Staatsminister Dr. h. siefer ihrem Anträge entsprechend von de- Reichskommis ar für die Oststelle entbunden.

Auf Vor chlag des Herrn Reick-'"'"^

ter Trevi-

. c. Hirt-

end von den Aemtern als

Aus Vor chlag des Herrn Reichskanzlers hat,^r Herr Reichspräsident das Mitglied des Reichstages, Ritterguts- beiiNer Schlange, zum Reichskommissar für die Osthüfe zum Ämhüft« ohn- <°-Mst-d«-«ch «- nannt.