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Kersfel-erTamblatt

Nnzetgenprekr die einspaltige Petitzelle 15 Pfennig, die Reklame^ette 50 Pfennig. (Grundschrist Korpus). Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Preis­nachlaß gewährt. Kür die Schriftleitung verant­wortlich : Kranz Zunk in Hersfeld. Kernsprecher Nr.

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Nr. 269

Hersselder Kreisbta«

Amtlicher /lnzeiger für den Kreis Hersfeld

Montag, den 16. November 1931

81. Jahrgang

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Die Wahlen in Hessen

Umgruppierung der Wählermassen setzt sich weiter fort

Am Sonntag fanden in ganz Hessen die Wahlen zum Landtag statt, die von besonderem Interesse insofern find, als in Hessen bisher die aus Sozialdemokraten, Demokraten und Zentrum bestehende sogenannte Weimarer Koalition am Rudr war. Das vorläufige amtliche Gesamtergebnis der Wahlen läßt erkennen, daß

die Nationalsozialisten einen Gewinn von 80 bis 100 Prozent, in einigen Orten sogar die Stimmenzahl ver- dreifachen konnten.

Der Verlust der Sozialdemokraten beträgt zwischen 10 und 20 Prozent und die Zunahme der K o m m u n i st e n aewegt sich in demselben Rahmen, während die Verluste der bürgerlichen Parteien ungefähr dem Stimmenzuwachs der Nationalsozialisten gleichkommen. In den von den Na- ionalsozialisten und Sozialdemokraten am heftigsten um- trittenen Orten ist ein gewisser Stillstand eingetreten, hier cheinen diese Parteien das Reservoir ihrer Stimmen ziem- ich erschöpft zu haben. Die Wahlbeteiligung betrug bei 955 185 stimmberechtigten Personen 82,12 Prozent.

Das Ergebnis:

(Die Zahlen in den Klamemrn bedeuten die Eraebniffe der letzten Wahl zum Reichstag.)

Nach dem vorläufigen amtlichen Gesamtergeb­nis der Wahlen zum Hessischen Landtag haben erhalten:

Sozialdemokraten 168 299 (215 747) Zentrum 112 440 (104 246); Kommunisten 106 775 (84 513); Kommunistische Opposition 14 954 (0); Deutsche Volkspartei 18 325 (49 929); Staatspartei 10 793 (38 829); Radikale Demokraten 4617 (0); Christlich-Sozialer Volksdienst 16 712 (19 086); Volks­rechtpartei 1529 (4702); Hessisches Landvolk 20 766 (57 575); Deutschnationale 10 857 (11902); Sozialistische Arbeiter­partei 8177 (0); Nationalsozialisten 291 189 (137 981).

DieMändaKverteilung

(Die ein geklammerten Zahlen beziehen sich nur bei der Mandatsverteilung auf die letzte Land tags wählen.

Nach dem vorläufigen amtlichen Gesamtergeb­nis der Wahlen zum Hessischen Landtag verteilen sich die Sitze auf die einzelnen Parteien wie folgt:

Sozialdemokraten 15 (24); Zentrum 10 (13); Kommu­nisten 10 (4); Kommunistische Opposition 1; Deutsche Volks- partei 1 (7); Staatspartei 1 (3); Christlich-Soziale 1 (0); Volksrechtpartei 0 (2); Hessisches Landvolk 2 (9); Deutsch- nationale 1 (3); Sozialistische Arbeiterpartei 1 (0); National­sozialisten 27 (1).

Die Radikaldemokraten, die im letzten Landtag durch Absplitterung zweier Staatsparteiler zwei Sitze innehatten, haben diesmal kein Mandat erhalten.

Gefamkwahlergebnis der Provinz Oberhessen.

Sozialdemokraten 44102 (51399); Zentrum 8537 (8333); Kommunisten 17 716 (10 532); Kommunistische Oppo­sition 812 (0); Deutsche Volkspartei 4576 (1028); Staats- partei 2034 (8320); Radikal-Demokraten 1007 (0); Christlich- Sozialer Volksdienst 3857 (5731); Volksrechtpartei 290 (719); Hessisches Landvolk 11 298 (29 363); Deutschnationale 3117 (4076); Sozialistische Arbeiterpartei 1891 (0); Nationalso- Statisten 87 315 (35 033).

Gesamkmahlergebnis in der Provinz Rheinhessen.

(Private Zahlung) Sozialdemokraten 34 681 (55 522); Zentrum 75 086 (48 304); Kommunisten 50 737 (20 474); Kommunistische Opposition 1906 (0); Deutsche Volkspartei 10138 (15 331) Staatspartei 6992 (16 581); Radikaldemokra­ten 1875 (0); Christlich-Sozialer Volksdienst 8123 (6206); Volksrechtpartei 648 (2266); Hessisches Landvolk 2671 (11 364); Deutschnationale 5715 (3200); Sozialistische Arbei­terpartei 4746 (0); Nationalsozialisten 117 851 (39 371).

Wahlzahlen aus einzelnen Städten *).

Darmstadt (Stadt): SPD. 12 465 (15 536); Z. 3344 (3532); KPD. 6579 (3987); KO. 236 (); DVP. 2789 (9089); StP. 935 (3602); RD. 849 (); Chr.-S. 1607 (1681); VrP. 270 (752); HL. 66 (135); DnVP. 1377 (1405); SAP. 366 (); NSDAP. 25 832 (13141).

Gießen (Stadt): SPD. 4240 (5040); Z. 988 (925); KPD. 1879 (1730); KO. 79 (); DVP. 1038 (2637) StP. 524 (1500); RD. 81 (-); Chr.-S. 534 (634); VrP. 111 (221); HL. 26 (61); DnVP. 924 (840); SAP. 161 (); NSDAP. 9016 (3714).

Offenbach (Stadt): SPD. 10163 (15 742); Z. 5596 (5392); KPD. 7043 (10 658): KO. 9008 (); DVP. 1235 (4099); StP. 1039 (2203); RD. 176 (); Chr.-S. 1390 (905); VrP. 307 (731); HL. 41 (49); DnVP. 1082 (860); SAP. 928 (); NSDAP. 11 992 (5790).

Friedberg (Stadt): SPD. 1530 (1828); Z. 521 (478); KPD. 694 (519); KO. 33 ((); DVP. 348 (709); StP. 175 (35); RD. 78 (); Chr.-S. 315 (338); VrP. 10 (41); HL. 119 (143); DnVP. 143 (155); SAP. 130 (); NSDAP. 2340 (903).

, Worms (Stadt); SPD, LöM)l & 2217 (8059);

KPD. 6312 (5254); KO. 191 (); DVP. 2195 (5253); StP. 452 (1597); RD. 201 (); Chr.-S. 931 (1114); VrP. 142 (388); HL. 15 (69); DnVP. 552 (770); SAP. 218 (); NSDAP. 10 580 (5498).

Bingen (Stadt): SPD. 971 (1237); Z. 3796 (3656); KPD. 467 (514); KO. 59 (); DVP. 278 (633); StP. 179 (486); RD. 18 (); Chr.-S. 113 (118) VrP. 9 (16); HL. 61 (193); DnVP. 114 (HO); SAP. 48 (0); NSDAP. 1497 (692).

*) Die Abkürzungen bedeuten: SPD. = Sozialdemokra­ten; Z. = Zentrum; KPD. = Kommunisten; KO. Kommunistische Opposition; DVP. = Deutsche Volkspartei; StP. Staatspartei; RD. Radikal-Demokraten; Chr.-S. Christlich-Sozialer Volksdienst; VrP. Volksrechtpartei; HL. Hessisches Landvolk; DnVP. Deutschnationale Volkspartei; SAP. Sozialistische Arbeiterpartei; NSDAP Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei.

Volksentscheid in Braunschweig gescheitert

Braunschweig, 16. November.

Für den kommunistischen Volksentscheid auf Auflösung des Vraunschweigischen Landtages wurden nach dem vor­läufigen Abstimmungsergebnis im ganzen Lande abgegeben: 41 289 Ja-Stimmen, das sind 11,7 Prozent der 352 865 Stimmberechtigten. Bei der Vorabstimmung im Juni d. I. wurden 36 079 Ja-Stimmen, gleich 10,2 Prozent der Stimmberechtigten, abgegeben. Bei der letzten Land­tagswahl am 14. September 1930 erhielten die Kommunisten 20 964 Stimmen und bei den Kommunalwahlen im März 1931 insgesamt 26 231 Stimmen.

Der Volksentscheid ist somit völlig ergebnislos geblieben; denn zu einem Erfolg hätte die Mehrheit aller Wahlberechtigten Ja-Stimmen abgeben müssen.

Bemerkenswerte Äußerung Dr. Breitscheids

Zusammengehen mit den Kommunisten nicht ausgeschlossen.

Darmstadt, 16. November.

Der Fraktionsführer und Parteivorstandsmitglied der SPD., Dr. B r e i t s ch e i d, richtete in einer Wahlversamm­lung eine ernste Mahnung an die Reichsregierung und Län­derregierungen, demTerror der NSDAP." ein Ende zu machen. Die Sozialdemokratie würde sonst gezwungen sein, von der Duldungspolitik gegenüber der Regierung abzu- gehen. Die Duldungspolitik solle zur Sicherung der Repu- blick dienen, nicht aber daß das Treiben der S.-A.-Leute oon der Republik gesichert werde. Die Sozialdemokratie erwarte daher Antwort, ob die Regierung denKampf gegen den Faschismus" aufnehmen oder sich dem Nationalsozialismus unterwerfen wolle. Die Sozialdemokratie würde in diesem Falle mit der kommunistischen Partei Deutschlands zusam­mengehen und mit allen Mitteln den Kampf aufnehmen. Sie werde sich auch in Preußen gegen ein evtl. beabsichtigtes Ver­bot der KPD. wenden. Ein wichtiges trennendes Hindernis fei durch den Entschluß der KPD., dem Terror einzelner Gruppen ein Ende zu machen, beseitigt.

Preußens Handelsminister über aktuelle Fragen

Erfurt, 16. November.

Der preußische Handelsminister Dr. Schreiber sprach hier überAktuelle Fragen aus Politik und Wirtschaft". Er betonte einleitend, daß unser wirtschaftliches und politi­sches System nicht an einer Krise schuld seien, die die ganze Welt ersaßt habe. Man müsse aber der Regierung vorwer­fen, daß sie die Bürger über die Wirtschaftsprobleme nicht richtig aufgeklärt hat. Deutschland habe 7,5 Millionen Be- rufstätige mehr als vor dem Kriege und rund zwei Milliar­den Mark jährlich für innere Reparationen aufzubringen. Wir haben aber der naturgemäß folgenden Einkommen­schrumpfung bis zum Vorjahre nicht Rechnung getragen. In der öffentlichen Verwaltung wie in der Privatwirtschaft wurde Überdimensionierung betrieben. Auch beim sozialen und kulturellen Ausbau wurde die Grenze über­schritten.

Der Minister wandte sich dann scharf gegen die A u t a r- kiebestrebungen, wobei er sagte, daß wir uns an­gesichts der Tatsache, für neun Millionen Mark an das Aus­land verkaufen wollen, uns vom Ausland nicht abfchlisßen können. Die Landwirtschaft dürfe sich nicht auf hohe Zölle verlassen, sondern müsse rationell arbeiten. Die in Preußen eingeleitete Ostsiedlung habe praktische Erfolge in der Rich­tung einer Verminderung der Arbeitslosigkeit gehabt. In diesem Jahre könnten über 10 000 Kleinbauern angefiedelt werden. Da der Lebenshaltungsindex seit 1929 um 13 Pro­zent gesunken ist, müßte die L o h n p o l i t i k elastischer ge­staltet werden. Es müßten aber auch die Mieten und die städtischen Werktarife gesenkt werden. Die Hauszinssleuer wird ab 1. April um 20 Prozent ermäßigt, für alle gerverb- uchbenutzten Räume müsse sie überhaupt abgeschafft werden. In des Sink der ZmssenkMü hielt &r Minister vorläufig

nur eine Senkung des ReichSdankdiskonts und eine liberalere Kreditpolitik für gangbar. Ein Abgehen von der Goldwährung komme für uns nicht in Frage. Von der Ver- waltungsreform, die dringend notwendig sei, dürfe man keine allzu großen Ersparnisse für den Augenblick erwarten. Ein . umfangreiches und großzügiges Gefamkwirkschafksprogramm der Reichsregierung müsse kommen, damit man sehe, wohin die Reise geht. Am Schluß seiner Ausführungen sagte Dr. Schreiber, daß eine Verständigung mit Frankreich erzielt werden müßt. Reparationen können wir nicht mehr zahlen, da unsere Verschuldung zum großen Teil durch den Zwang veranlaßt nxurbe, mit geborgtem Geld [Renovationen zu be­zahlen.

Wirtschaftspolitische Rede

des Reichsfinanzministers

Auf einer Kundgebung der Deutschen Staatspartei in Magdeburg sprach gestern Reichsfinanzminister D i e t - r i ch. Der Minister bezeichnete als das auf lange Sicht ge­sehene einzige Mittel, aus den heutigen Nöten in Deutsch­land herauszukommen, den Export von Waren. Da aber die ganze Welt heute unter dem Zeichen des Protektionismus stehe, müsse die Binnenwirtschaft besser ausgebaut werden. Deshalb habe auch er den Gedanken vertreten, daß man die Landwirtschaft nicht zugrunde gehen lassen dürfe.

Der Wirtschaft, die durch ausländische Kredite in Gang gehalten wurde, fehlen heute diese Mittel. Als Ausweg aus dem Dilemma befürwortete der Minister die Schaffung eines krisenfesten Arbeiter standes durch Siedlung. Besonders notwendig se. die Hilfe für den Mittelstand. Ein Weg hierzu sei der AbbÄr der riesigen Konzerne, denen ! oft der organische Zusammenhalt fehle. Allerdings sei das Bürgertum an seiner Lage selbst schuld. Es habe sich um seiner Einzelinteressen willen in Parteien aufgelöst und habe keine Einstellung zum Staate gefunden.

Eine Rede Severings

Minister des Innern Severing sprach am Sonntag abend in Königsberg vor einer überfüllten Versamm­lung über das ThemaUnser einziger Rettungsring". Der einzige Weg zur Rettung sei die Zusammenfassung aller Kräfte, um das darniederliegende deutsche Volk wieder zu einem aearbtelen Glied der Völkerfamilie m ««Gen Bor Minister sieht in dem eryvsfttn wirtschaftlichen AUsstymuNg einen Bundesgenossen der Arbeiter für die Volkswirtschaft. Es sei besser, zerrüttende Lohnkämpfe zu vermeiden, als ganze Berufe zum Ruin zu führen.

Deutschland ist auf sich selbst angewiesen und hat in der Welt keine Freunde. Erst wenn wir uns selbst helfen, wer­den uns andere helfen. Im Wettbewerb mit dem Ausland find wir auf das Ausland als Abnehmer für unsere Erzeug­nisse angewiesen und ebenso auf die Rohstoffe der anderen. Der Minister mahnte, die deutsche Währung und Wirt­schaft durch Vertrauen zu stützen und den Kreditinstituten nicht die Spargelder vorzuenthalten. Wir müssen eine Po­litik treiben, die uns das Vertrauen der anderen Völker wieder zuwendet, und zu unserer Leistungsfähigkeit müssen wir selbst Vertrauen haben. Dann werden wir die bittersten Monate, die noch kommen, überstehen.

Suche nach der .MignnZssorAel"

Paris, 15. November.

Wie von gukunkerrichkeker Seite verlautet, hat Botschaf­ter von Hoesch dem französischen Ministerpräsidenten Laval einen schriftlich festgelegten Vorschlag unterbreitet, der sich in verschiedenen Punkten von den bisher erörterten Fas­sungen unterscheidet und den weiteren Verhandlungen zur Grundlage dienen soll. Einzelheiten über diesen Vorschlag sind noch nicht bekantgeworden.

DerTemps" wendet sich gegen die verbreitete Auf­fassung, daß es im Laufe der diplomatischen Verhandlun­gen zwischen Paris und Berlin über die Tributfrage zu einer Einigung gekommen sei. Erst wenn die Reichsregie- rung den Wortlaut der Note bekanntgegeben habe, mit der sie die Einberufung des Prüfungsausschusses fordere, könne man sich ein klares Bild über die Aussichten machen, die für eine Verständigung vorhanden seien.

Nur wenn der deutsche Antrag mit dem Geiste und dem Wortlaut des Doung-Plans völlig übereinstimme, könne man von einer tatsächlichen Verständigung sprechen. Sollte jedoch die Berliner Regierung versuchen, die Vollmachten des neuen Ausschusses zu erweitern und diese auch auf die Frage der privatschulden auszudehnen, so bestehe keinerlei Aussicht auf ein Abkommen, denn Frankreich werde nie­mals zugeben, daß diese beiden Fragen miteinander ver­bunden würden.

Vor Einberufung des BJZ- Ausschuffes?

Paris, 16. November.

Wie man hört, hat sich der Stand der deutsch-französi­schen Verhandlungen wegen der Einberufung des im Uoung- Plan vorgesehenen Beratenden Sonderausschusses nach der Besprechung Hoeschs mit Finanzminister Flandin nicht merk­lich geändert. Die deutsche Regierung gehe von dem Grund- atz aus, daß nicht die Beratungen des Sonderausschusses, andern diejenigen der Regierungen den Schlußpunkt unter dieeuropäischen" Verhandlungen setzen müßten und werde deshalb sehr bald bei der BJZ. die Einberufung der Sach- verständigen beantragen. Nur noch die Abfassung der Fox- mel für die Einberufung des Beratenden Sonderausschusses der BJZ. bilde Gegenstand der gegenwärtigen Verhandlun­gen.