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Hersfel-erTageblatt

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^u^kEgtU))kt§b r Wt tfufpoIH^t J^tfff^tHt 15 PftnnlG/ -te Reklamyeile 50 Pfennig. (Grunöschrlst Konrus). Bei Wiederholungen wird ein entspreckender Preis­nachlaß gewährt. Zür die Schriftleitung verant­wortlich : Kranz Kunk in Hersfeld. Zernfprecher Nr.

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Hersfelder Kreisblatt

Amtlicher /Inzeiger für den Kreis Hersfelö

Monatlicher Bezugspreis: durch öle Post bezogen 1.50 Reichs-Mark, ausschließlich Bestellgeld, für Kersfeld 1.20 Reichs-Mark bei freier Zustellung, für Abholer 1.00 Reichs-Mark. druck und Verlag von Ludwig Kunks Buchdruckerei In Hersfeld, Mitglied desvdZV.

Nr. 278

Freitag, den 27. November 1931

81. Jahrgang

Aktion gegen Hessens Nationalsozialisten

Das Dokument von Dr. Best versatzt Ab

Ergebnis der Woche

Was uns droht.

Kr. Kr. In dem Augenblick, wo wir den Mut verlie­ren, könnten wir als Deutsche, als deutsche Staatsbürger schlafen gehen, um als wer weiß was für neue Zu­gehörige irgendeiner unbestimmten Staatskorporation wie- deraufzuwachen. So ging es den Saarländern im Jahre 1919. Als Deutsche gingen sie schlafen und sind aufgewacht als Bürger eines Staatsgebildes, das bis heute noch nie­mand definieren kann. Der Völkerbund wacht darüber, daß auch sie in der Zeit des Selbstbestimmungsrechtes der Völker sich als das erklären dürfen, was sie find. Nur dürfen sie es zur Zeit nicht. Seltsame Blüten treibt diese Zeit der großen Worte, hinter denen nichts steckt als der krasse Egoismus der Gewalt, die um so boshafter auftritt, je mehr sie sich hinter schönen Allüren zu verstecken sucht. Wenn wir Deutschen zusammenbrächen, was würde die Welt erleben! Wie würden unsere bis an die Zähne be­waffneten Nachbarn über uns herfallen, sich da und dort ein Stück aneignen angeblich als Pfand ihrer Forderungen, so wie seinerzeit das Saargebiet angeblich als Pfand losge­löst wurde und noch ist, obwohl die Gruben in Nordfrank­reich, für die es das Pfand bilden sollte, schon seit fast zehn Jahrtn wiederhergestellt sind. Wir könnten sehen, wie wir uns nochmals als Deutsche zusammenfinden könnten. Ueber uns alle käme aber ein himmelblaues Wunderdach eines Völkerbundes, der nicht tun darf und kann, was Rech­tens ist, sondern was andere Herrschaften wollen. Noch kämpfen wir den Kampf um unser nacktes Dasein. Und wir werden diesen Kampf siegreich durchfechten, wenn wir nicht den Mut verlieren. Das Ergebnis der Beratungen des Wirtschaftsbeirates, das die Regierung uns zur ®ennt« MS- gegeben-bat. enthält einen kckE«_Ltva»tz von Allen Blumen, die uns nächstens noch blühen werden. Nicht zur Freude. Ganz gewiß nicht. Aber wir müssen auch durch dies dornige Gestrüpp hindurch, wenn wir endlich einmal wieder auf sicheren Pfad kommen wollen.

Zahlungsunfähig.

Nicht von uns allein hängt es ab, was in der nächsten Zeit mit uns geschehen wird. Wir könnten ja den ganzen Krempel hinwerfen und sagen: zunächst denken wir nur an uns selbst! Das kann aber noch immer geschehen, und es geschieht viel vorteilhafter für uns, wenn alle an­deren Möglichkeiten, mit unseren Gläubigern ins reine zu kommen, erschöpft sind, nutzlos erschöpft durch eigene Hals­starrigkeit des einen oder anderen Siegers von 1919, die uns und der ganzen Welt mit ihrem Unsinn von Versailles die eingebrockte Suppe angerichtet haben. Wenn nicht alles trügt, wird der Sonderausschuß der BJZ. die Z a h l u n g s- Unfähigkeit Deutschlands feststellen. Nach den formalen Bestimmungen darf er aber keinerlei Vorschläge machen, um die ungeschützten Jahreszahlungen zu annul­lieren. Wenn Deutschland aber gar nichts zahlen kann, so kann es auch die ungeschützten Zahlungen nicht leisten. Ob nun irgendein Gremium das versteht oder nicht. Und so werden wir dann dort sein, wo wir heute schon angelangt sind: nämlich bei der Tatsache, daß wir keine Tribut­zahlungen leisten können. Nicht jetzt und nicht in ab­sehbarer Zeit. Soweit wir sehen können, richten sich auch die anderen schon darauf ein, und es käme nur darauf an, wie nach Aufhören des Poung-Planes die Weltwirtschaft sich einrenken soll. Sehr bezeichnend ist es, daß Frankreich statt seines glatteren Moreau jetzt Prof. Rist in den Son­derausschuß delegiert hat. Einen Formelkrämer son­dergleichen. Dieser soll offenbar dem vernünftigen Realpo­litiker der Belgier, Francqui, Paroli bieten, der schon einen sehr großzügigen Plan ausgearbeitet hat, gar nicht zur Freude der Franzosen.

Das Abrüstungstheater.

Hier gibt es keine Eile mit Weile mehr. Das heißt: im Grunde können wir warten, da wir ganz genau wissen, daß wir nichts mehr zahlen können. Aber die anderen können nicht warten. Denn sie müssen sich darauf einrich- ten, daß sie nichts mehr erhalten, nämlich Milliarden, wo­für sie keine Gegenleistung auszuführen hatten. Deshalb glauben wir, den andern, besonders den Franzosen, ist es eiliger als uns, denn bedenklich klopft die Krise auch bei ihnen an. Nur die Kriegs- und Rüstungsindustrie arbeitet bei ihnen noch voll, alles andere sinkt allmählich auch ab. Die Rüstungsindustrie ist aber sehr interessiert an dem Er- gebnis der Abrüstungskonferenz im Februar.Gott erhalte uns die brave Rüstung", werden Frankreichs wirkliche Machthaber beten. Es ist gar nicht so ausgeschlossen, daß die schone private Konferenz für die Abrüstung, die soeben in Paris zusammengetreten ist, gerade von jenen aller­dings hintenherum arrangiert wird, die keine Abrüstung wollen, wenigstens keine französische. Denn die Entschlie­ßung, zu der sich alle Teilnehmer schon im vorhinaus ver­pflichten müssen, enthält versteckt alles, was Frank- reichs These ebenfalls verlangt: Vor allem, daß es erst Sicherheit geoen müsse, d. h., wie die Dinge liegen: eigene Rüstung, dann ließe sich darüber reden, wieweit die Ru- ltungen eingeschränkt werden können. Was bedeuten würde, daß Frankreich niemals abrüsten würde, oder daß es bie

ge der Parteileitung an die Phantasten - anderen Staaten in seine eigene Rüstung einbeziehen würde. Was die französischen Arrangeure mit dieser privaten Kon­ferenz wollen, ist offensichtlich die Absicht: der Welt den guten Willen Frankreichs zu demonstrieren, um dann um so fester seinen Rüstungspanzer zu behalten.

Krieg, der keiner sein soll.

Grotesk in diesem heuchlerischen Getue der Großnatio- nen wirken doch die Vorgänge in der Mandschurei. Es wäre komisch, wenn wir nicht wüßten, daß jeden Tag Hun­derte Menschen ihr Leben lassen müssen, weil der Völker­bund keine Möglichkeit hat, die Japaner von ihrem Er- oberungsmarsch abzuhalten. Trotz' Völkerbundspakt, trotz Kellogg-Pakt schlagen sich taufende und aber taufende Menschen blutig und zu Tode. Die einen, um ihrem Volke neues Land und neue Absatzgebiete zu erwekben, die an­dern, um ihr Vaterland, ihr Volk, ihre Existenz zu ver­teidigen. Schlachten werden geschlagen aber das alles darf noch nicht Krieg genannt werden, weil beide Parteien doch den Krieg in Acht und Bann erklärt und versprochen haben, sich friedlich auseinanderzusetzen, ehe sie aufeinander- losschlagen. Was der Völkerbund bedeutet, das sagen die Schatten in den Augenhöhlen der gefallenen Chinesen, das sagt das Stöhnen der Verwundeten, die von jenen Kano­nen dahingerafft wurden, die es nach der berühmten Rede Briands nicht mehr geben dürfte. Aber es gibt noch Ka­nonen, und wer welche hat, der geht damit los gegen jene, die keine haben oder nur weniger. Das sehen wir in der Mandschurei. Und das spricht für die deutsche Forderung: Abrüsten, dann Sicherheit!

Was geht in helfen vor?

Hessisch-preußische Polizeiaktion gegen die NSDAP.

Der. .Pr^nfilfifw änntjimin^Ur iSanarja^ bat ant srntt kleineren Kreise republikanischer "Pressever­treter Mitteilungen über aufgefundene Dokumente gemacht, die bei nationalsozialistischen Persönlichkeiten im Gau Hessen der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei beschlagnahmt wur­den. Gleichzeitig wurde von hessischer Regierungsseite eine Mitteilung über Haussuchungen bekanntgegeben wegen des dringenden Verdachts zur Vorbereitung des Hochverrats in der Leitung der NSDAP. Gau Hessen". Anlaß zu dieser Polizeiaktion gaben die Angaben des seitherigen national­sozialistischen Kreisleiters für Offenbach und Landtagsabge­ordneten Dr. Schäfer vor dem Polizeipräsidenten von Frankfurt a. M., wonach in einer Sitzung nationalsoziali­stischer Persönlichkeiten auf dem Boxheimer Hof (zwischen Bensheim und Worms) ein* Manifest beschlossen worden sei, das sich mit der Uebernahme der Regierungsgewalt nach dem Wegsall der seitherigen obersten Staatsbehörden und nach Ueberwindung der Kommune" befaßt. * " -

In der Darmstädter Meldung über die Polizeiaktion ist gesagt, daß in ganz Hessen Haussuchungen bei national­sozialistischen Führernauf Veranlassung des Oberreichsan- walts" stattgefunden hätten, die sich nach einer späteren amt­lichen Mitteilung aus Darmstadtauf die Nachprüfung der in den Besitz des Oberreichsanwalts gelangten Notverord­nung der illegalen nationalsozialistischen Regierung und an­dere Schriftstücke erstreckten, und die in vollem Umfange zum Erfolg geführt haben. Die Echtheit der Dokumente steht nunmehr ebenso außer allem Zweifel wie die Tat­sache ihrer Abfassung durch Gerichtsassessor Dr. Best und Komplicen". Demgegenüber erklärte

Oberreichsanwalt Dr. Werner

der T. U. u. a., daß das Vorgehen der Darmstädker Polizei nicht auf feine Veranlassung hin geschehen sei. Er habe am Mittwoch auf Einladung des preußischen Innenministers in Berlin eine Unterredung gehabt, bei der ihm das Schriftstück vorgelegt wurde, in dem der versuch des Hochverrats er­blickt werde. Er, der Oberreichsanwalt, habe dem preußi­schen Innenminister raten lassen, seine Absicht, die presse in großem Ausmaße zu unterrichten, zunächst nicht auszu­führen, weil die Untersuchung empfindlich gestört werden könnte. wenn wirklich der Tatbestand des Hochverrats vor- läge. Ob das der Fall sei, müsse noch geklärt werden. So­weit das Schriftstück Bests als Stütze zur Feststellung des Tatbestandes in Betracht komme, handele es sich offenbar um Maßnahmen, die sich gegen eine auf Grund der jetzt gelten den Verfassung im Amte befindliche Regierung nicht richteten Vielmehr sei vorausgesetzt, daß eine solche legale verfasfungs mäßige Regierung gestürzt und durch die Herrschaft bei Kommune" erseht sei. Diese ungesetzlicheKommuneherr schaft" sei dann abgelöst durch die Nationalsozialisten, unt erst dann sollen die Maßnahmen zur Wiederherstellung vor Ordnung, Ruhe und Sicherheit in Kraft gesetzt und durchge- führt werden.

In der weiteren Erklärung des Oberreichsanwalts wirk gesagt, daß Dr. Schäfer auf noch nicht geklärte Weise vor Darmstadt nach Frankfurt a. M. gebracht und dem dortiger Polizeipräsidenten übergeben worden sei, der für Vorfälle in Darmstadt nicht zuständig wäre. Von Frankfurt a. M sei Dr. Schäfer nach Berlin ins preußische Innenministerium und von dort nach Leipzig zum Oberreichsanwalt gebrach: worden.

Es verlautet, daß Assessor Dr. Best nickt mebr auhufin-

Die Stellungnahme des Oberreichsanwalts

den sei. Er sei in Urlaub gegangen, ohne sich von seinem Vorgesetzten zu verabschieden.

Die nationalsozialiftilche Parteileitung

Von der nationalsozialistischen Parteileitung und von Hitler wird erklärt, daß die Bewegung gar nichts mit der Darmstädter Sache zu tun haben könne. Im Braunen Hause in München habe man von einem in Darmstadt an­geblich gefundenen Dokument überhaupt keine Kenntnis Die Kriminalpolizei habe auch schriftlich bestätigt, daß sie kein belastendes Material gefunden habe. Hitler und die gesamte Parteileitung stünden jedem illegalen Vorgehen vollständig ablehnend gegenüber, und es sei nicht daran zu zweifeln, daß, wenn es sich in Darmstadt um mehr als das törichte Privatvergnügen irgendeines subalternen Mitgliedes oder Unterführers handeln sollte, auch von Seiten der Partei­leitung eine strikte Maßregelung stattfinden würde.

Auch der hessische Gauführer

erklärte, es sei ganz ausgeschlossen, daß bei diesen Haus­suchungen irgendwelche wesentlich belastenden Dokumente gefunden werden könnten. Dr. Schäfer wurde erst bei den letzten Landtagswahlen zum Abgeordneten gewählt, legte aber einige Tage darauf sowohl seinen Posten als Kreis­leiter wie auch sein Landtagsmandat nieder. Nach Angabe seiner einstigen Parteigenossen soll er seinen Schritt offen­bar aus Verärgerung darüber getan haben, daß er seine bei der NSDAP. erstrebte Laufbahn zerschlagen sah.

Abg. Hauptmann a. D. Gering

erklärte, daß, wenn dieses fragliche Schriftstück tatsächlich existiere, es nur die Privatarbeit eines Mitgliedes darstellen könne. Dr. Schäfer sei vor wenigen Wochen von der So- zialdemokratie zu den Nationalsozialisten gestoßen, scheinbar also in der Absicht, hier Material zu fabrizieren. Die Par­teileitung stehe rückhaltlos zu der beschworenen Legalität, - uno III Otetew. <amwrm... . ...I, » i» h..TO. . r; ..I >*.». j...... < ..... züglich einer Regierungsbildung in Hessen unterhalten worden.

Neue Legalitätserklärung Hitlers

Reichstagsabgeordneter Göring hat im Auftrag« " Hitlers dem Reichsinnenminister eine Erklärung über­mittelt, in der es heißt: Die Reichsleitung steht nach wie vor auf ihrem oft genug zum Ausdruck gebrachten und be- fchworenen Standpunkt strengster Legalität. Sie wird die Vorgänge in Hessen untersuchen und gegen jeden, der nicht die Weisung der Legalität befolgt hat, rücksichtslos vor­gehen und ihn aus der Partei ausschließen.

Wieder Haussuchung in Darmstadt

Am Donnerstag wurde die polizeiliche Aktion mit einer neuerlichen Durchsuchung des Braunen Hauses in Darmstadt fortgesetzt. Ueber das Ergebnis ist noch nichts bekannt.

Unsinnige Anschauungen"

Dr. Schäfer motiviert seine Enthüllungen über die NSDAP.

Leipzig, 27. November.

Die gestrige Vernehmung Dr. Schäfers vor der Reichsanwaltschaft wurde in den späten Abendstunden abge­schlossen. Mitteilungen können zur Zeit nicht gemacht wer­den. Der Oberreichsanwalt erwartet noch weiteres Material. Bei seiner Vernehmung erklärte Dr. Schäfer u. a., daß er nicht beabsichtigt hätte, ein Verfahren wegen eines hochver­räterischen Unternehmens in Gang zu bringen. Er habe vielmehr nur die maßgebenden Kreise darauf hinweisen wol­len, daß in nationalsozialistischen Kreisen ganz unsinnige wirtschaftliche Ansichten und Anschauungen über die Maß­nahmen wirkten, die für den Fall, daß die Nationalsozialisten an die Macht kommen, zur Durchführung hätten kommen sollen.

Der hessische Innenminister erklärte in Darmstadt zu den in der Presse verbreiteten Darlegungen des Ober- reichsanwalts, das hessische Innenministerium habe erst in- direkt und zu einem späteren Zeitpunkt von den Mitteilungen des Dr. Schäfer Kenntnis bekommen. An der Echtheit der Belasiungsdokumente fei nach den bisherigen Feststellungen nicht zu zweifeln.

Eine Erklärung Dr. Bests

Darmstadt, 27. November.

Dr. Werner B e ft, der als Verfasser des NSDAP.-Ma­nifestes gilt, sagt in einer in der nationalsozialistischen Tau­presse veröffentlichten Begründung, er hätte sich entschlossen, als um den 1. August dieses Jahres allgemein ein f o m m u = niftischer Aufstanü erwartet und von der NSDAP. keine Weisungen für den Fall gegeben worden seien, ohne Fühlungnahme mit der Partei Richtlinien auszuarbeiten, um nach eventuell geglücktem Hochverrat der KPD. durch die nationale Bewegung die Ernährung und den Schutz der Bevölkerung sicherzustellen. Die politische Entwicklung nach dem 1. August aber habe eine weitere Erörterung über­flüssig gemacht. Weder eine Dienststelle der NSDAP. noch die Reichsleitung haben von meinem Entwurf Kenntnis er­halten.