hersfelörrTageblatt
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Reisfelder Kreisblatt iW-ZxsZxs
Amtlicher /lnzeiger für den Kreis Reisfeld | SenfsBu^örutttce! ln&”^lö,tmtBtlU^
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Nr. 282
Mittwoch, den 2. Dezember 1931
81. Jahrgang
Reparationsenve ist Weltrettung
Französischer Grohangriss bewirkt Rekordtiesstand des engl. Pfundes — Die ganze Welt wehrt sich gegen die Pariser Tributpolitik
Frankreichs Druck aus das Mund
Der französische Finanzminister Flandin ist von einem zweitägigen „Ferienaufenthalt" in England nach Paris zurückgekehrt. Angeblich wollte er in England Fasanen schießen. Man wußte aber, daß seine England-Reise ganz andere Gründe und Ziele hatte. Er hat in einer Erklärung an die Presse auch zugegeben, daß er mit den englischen Ministern Simon, Chamberlain und Runciman alle aktuellen Fragen besprochen habe, vor allem die Erneuerung der Kredite, die Devisenguthaben, die Schuldenfragen und auch die Lage des Pfundes. Dabei habe sich gezeigt, daß in verschiedenen Fragen die französische und die englische Auffassung auseinandergingen Diese Feststellung wurde am stärksten unterstrichen durch einen neuen Pfundsturz um fast 20 Dollar-Cents gegenüber dem Vortage. Gleichzeitig trat auch an der Kopenha- gener Börse eine außerordentliche Hausse in fremden Valuten ein.
Die Auffassungen über den neuen Pfundsturz sind nicht einheitlich. Viele Finanzkreise wollen diesmal weniger einen französischen Druck als unmittelbaren Anlaß erkennen als vielmehr die Befürchtung, daß sich eine Erhöhung des ungedeckten Notenumlaufs um abermals 15 Millionen Pfund kaum werde vermeiden lassen. In politischen Kreisen allerdings ist man der festen Ueberzeugung, daß hier tatsächlich eine neue französische Aktion vorliegt, um England die politische und finanzielle Vormachtstellung Frankreichs in Europa fühlen zu lassen, nachdem die englischen Minister in ihren Unterredungen mit Flandin nicht das von Frankreich erwartete Verständnis in der Kurzkre- dit- und Reparationsfrage haben aufbringen können. Flandin war ganz offensichtlich nach England gereist, um für den Zusammentritt des Poung-Sonderausschusses ein einheitliches englisch-französisches Vergeben sicherzustellen und die Voraussetzungen für die baldige Einberufung einer in- tgmaiionalen Schuldeukonferenz festKlegen. Die verschiedenen Auslassungen der französischen wie der englischen Presse lassen übereinstimmend erkennen, daß Flandin trotz seiner konzilianteren Form doch in der Abgrenzung der französischen Auffassungen über die Reparations- und Kurz- kreditfrage denselben schroffen Standpunkt eingenommen hat, wie er von Laval acht Tage vorher in der französischen Kammer zum Ausdruck gebracht wurde. Die Hoffnung, daß sich die englischen Minister kompromißbe- reiter finden lassen würden, hat sich jedoch nicht erfüllt. Das gilt besonders für die englische These, daß die Handelsschulden den Vorrang vor den Reparationsverpflichtungen haben müssen. Die englischen Minister haben Flandin dabei deutlich gemacht, daß schon die zeitliche Reihenfolge der Fälligkeit der Zahlungstermine die englische These stütze, da die Kurzkredite im Februar ablaufen, die Reparationszahlungen aber erst im Juli wiederaufzunehmen wären. Flandin ist von dem französischen Standpunkt nicht abgegangen, daß unter allen Umständen der Poungplan aufrechterhalten werden müsse, wobei Frankreich gegebenenfalls bereit sei, Erleichterungen zu gewähren.
Der starke französische Druck auf das englische Pfund, der nicht lediglich von privater Seite aus erfolgt zu sein scheint, gibt den Grad der französischen Verstim - m u n g über die Ablehnung der französischen These durch England an. Man will damit offenbar den englischen Plan durchkreuzen, daß das Pfund sich unbeeinflußt von äußeren Vorgängen eine neue Basis bei einer 20—25pro- zentigen Währungsabwertung suchen soll. Diese demonstra- ive Intervention Frankreichs gegenüber England erregt n der ganzen internationalen Welt das allerstärkste Ansehen. Nicht nur die Rückwirkung auf andere Währungen, andern vor allem auf die handelspolitischen Beziehungen iringen eine neue starke Beunruhigung in die an sich schon arg zerfahrene weltwirtschaftliche und finanzielle Situation.
Auch für Deutschland muß die neue Entwicklung des Pfundkurses von schwerwiegenden Folgen sein, nachdem die englische Schutzzollpolitik in Verbindung mit der englischen Währungskrise die deutsche Einfuhr nach England bereits erheblich geschädigt hat. Ob es möglich sein wird, in den von Deutschland nachgesuchten Verhandlungen mit England Ausgleichsmöglichkeiten zu schaffen, ist vorerst nicht abzu- sehen. Die Tatsache, daß die neue Pfundkrise sich automatisch auf rund 20 europäische Währungen entsprechend auswirken muß, erhöht die Gefahr immer mehr, daß die deutsche Ausfuhr die Hindernisse der abgeschwächten Währungen nicht mehr zu überwinden vermag. Die soeben auf dem Wege der Notverordnung der Reichsregierung gewährten Zollermächtigungen sind eine Abwehrmaßnahme, die unter Umständen geeignet ist,-den Abschluß neuer Wirtschaftsabkommen mit den in Frage kommenden Ländern vorzunehmen. Ein Notbehelf bleiben diese Maßnahmen auf alle Fälle und können über die Tatsache nicht Hinweatäuschen, daß unter dem beherrschenden Einfluß des französischen Franken die wirtschaftliche Weltkrise mehr und mehr einem allgemeinen Chaos zugeführt wird. Ob es möglich fein wird, auf dem Wege direkter Verhandlungen oder auf dem Umwege über eine internationale Wirtschaftskonferenz die gemeinsamen Interessen aller beteiligten Staaten gegeneinander auszugleichen, liegt in erster Linie in der Hand der bedrohten Mächte, die sich auf die Dauer die französische Bevormundung sowohl auf politischem wie wirtschaftlichem und finanziellem Gebiet nicht gefallen lassen können. .-*
Fluch der Tribute
Weitgehende englisch-französische Meinungsverschiedeu- Heilen.
Paris, 2. Dezember.
Der französische Finanzminister Flandin hat nach seiner Rückkehr von London der Presse Erklärungen abgegeben, aus denen deutlich heroorgeht, daß in den verschiedenen im Vordergrund des Interesses stehenden Fragen zwischen Frankreich und England sehr ernste Meinungsverschiedenheiten bestehen. Flandin selbst gab zu, mit Außenminister Simon und Schatzkanzler Chamberlain sowohl über Reparationen wie auch über interalliierte Schulden und kurzfristige Kredite gesprochen zu haben. Wenn auch diese Besprechungen rein privaten Charakter getragen haben, sc habe er bei dieser Gelegenheit doch den Eindruck gewonnen, als ob der Standpunkt der englischen Regierung wesentlich von demjenigen Frankreichs abweiche und die kommende Regierungskonferenz manche harte Nuß zu knacken habe.
Ueber die englische Einstellung zu den verschiedenen Fragen berichtet der Londoner Sonderberichterstatter des „Journal", sowie der außenpolitische Berichterstatter des „Excelsior" übereinstimmend, daß die englische Regierung auf der kommenden Konferenz die völlige Streichung der Reparationen und der interalliierten Schulden verlangen werde. Man stehe englischerseits auf dem Standpunkt, daß nur eine derartige Maßnahme geeignet sei, die Wiederbelebung des internationalen Marktes zu garantieren.
Der „Excelsior glaubt, daß die englische Regierung absichtlich einen sehr weiten Rahmen gezogen habe, um in den kommenden Beratungen größre Handlungsfreiheit zu haben. Finanzminister Flandin hatte eingehende Besprechungen mit dem Gouverneur der Bank von Frankreich, ebenso wie mit den Mtve« jieiiwrneienöen Gouverneuren und einer Reihe anderer hochstehender Finanzbeamten. Verschiedene Beamte des französischen Handelsministeriums werden sich nach London begeben, um dort die einleitenden Besprechungen mit ihren Kollegen vom englischen Handelsministerium aufzunehmen.
„Frankreichs Prinzip"
Die Franzosen sind, nach einer Information der „Times". der Meinung, daß die Frage der Priorität lediglich akademisches Interesse habe, da Deutschland gegenwärtig niemand etwas zahlen könne, was nach französischer Auffassung erforderlich sei, sei die Umwandlung der kurzfristigen in langfristige Kredite mit Unterstützung der Hilfsquellen der Finanzzentren. Frankreich sei entschlossen, das Prinzip der Reparationszahlungen aufrechzuerhalten, da sie feste vertragliche Verpflichtungen Deutschlands darstellen. Die Franzosen seien der Meinung, daß es töricht wäre, anzu- nehmen, daß Deutschland, weil es gegenwärtig nicht bezahlen könne, zu keiner späteren Zahlung imstande sein soll. Frankreich fordere schließlich als Bestandteil einer endültigen Regelung die Zusicherung, daß die Frage einer Revision für eine Periode von Jahren zurückgestellt werden soll.
Ein phantastischer und schrecklicher Traum
„Manchester Guardian" erklärt in einem Leitartikel, es sei geradezu unglaublich, daß es heute noch Staatsmänner gebe, die eine Verewigung des Versailler Vertrages für möglich halten. Wohl habe Laval erklärt, in Zeiten wirtschaftlicher Krise Zugeständnisse ^auf dem Gebiet der Reparationszahlungen zu machen. Sobald in Deutschland aber eine Wiederbelebung der Wirtschaftslage eintrete, werde er aber die Reparationsschraube wieder bis zu der vollen „geheiligten" Grenze anziehen, da ein wirtschaftliches Wohlergehen Deutschlands anscheinend Frankreichs Sicherheit gefährde.
Dieser phantastische und schreckliche Traum Frankreichs, Deutschland ewig niederzuhalten, werde aus verschiedenen Gründen nie in Erfüllung gehen. Es werde kein Land mehr dulden, daß die ganze Weltwirtschaft durcheinander gebracht werde, nur damit Frankreichs eingebildete Sicherheit aufrechterhalten bleibe, und andererseits, was das wichtigste sei, werde sich das deutsche Volk selbst gegen die Fortsetzung der französischen Politik wehren.
Deutschland bestehe aus so vielen Millionen Menschen, die sich nicht ewig mit der gegenwärtigen Lage abfinden würden. Ein Land könne wohl für ein ideales Ziel oder für die Freiheit Hunger, Not und Tod erleiden, aber kein Land werde ewig leiden wollen, nur da eine Handvol französischer Diplomaten eine engstirnige Ansicht von Frankreichs Interessen und Sicherheit hätte. Wenn Deutschland und damit die Welt gerettet werden solle, dann müsse in erster Linie den Reparationen ein Ende gesetzt werden.
Pfundsturz dauert an
Die katastrophale Abwertung des englischen Pfundes, die im Zusammenhang mit den Abgaben der Bank von Frankreich gebracht wird, setzte sich am Dienstag in verschärftem Tempo fort. Der Dollar, der am Montag aus London mit 3,41% gemeldet wurde, war am Dienstag mit 3,27 bis 29 zu hören, was einem Markkurs von 13,90 für ein englisches Pfund gegenüber einer amtlichen Berliner Montagsnotiz vag 14,75 entsprechen würde.
Kopenhagens schwarzer Tag
Auch die dänische Krone ist am Dienstag durch eim Hausse in fremden Valuten an der Kopenhagener Botst außerordentlich entwertet worden. Sie hat ungefähr eir Drittel ihres Werkes verloren.
Der Dollar stieg von 5,22 auf 5,53 Kronen, der französische Franc von 20,60 auf 22 Oere, der belgische Franc vor 72,7 auf 77, der Schweizer Franken von 101,50 auf 108, bei holländische Gulden von 211 auf 223,50, die schwedisch! Krone von 100,50 auf 103, die norwegische Krone von 98,5( auf 99,75. Das Pfund wurde im Gegensatz zum vorhergehenden Tage (18,15) mit 18,10 Kronen notiert. Bit Reichsmark stieg von 124 auf 132 Oere.
England und seine Pfundkrife
Reue Erhöhung des ungedeckten Rotenumlaufs.
London. Die Ermächtigung der Bank von England, den Umlauf an ungedeckten Roten auf insgesamt 275 Millionen Pfund Sterling zu erhöhen, soll voraussichtlich bis zum 14. Dezember verlängert werden.
Die Presse beschäftigte sich in starkem Maße mit dem erneuten Fallen des Pfundes. Man sieht die Ursache hierfür in Baissemanövern an den Börsen Frankreichs und Hollands in der Realisierung eines Teiles der Sterling-Guthaben der Bank von Frankreich sowie in dem ausländischen Angebot englischer Kri" -anleihe auf dem Londoner Markt durch Ausländer. Für -e „beträchtliche Bestürzung" in den City-Kreisen sei keine Ursache vorhanden. Nachfragen am Devisenmarkt hätten ergeben, daß das Geschäft in ausländischen Währungen gering sei. In normalen Zeiten hätten die gegenwärtigen Pfundabaaben nicht zu einem derartigen Kurssturz geführt. Die Schwäche des Pfundes müßte^eher auf einen Mangel an Mufern, als auf große Verkäufe zurück- geführt werden.
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Die Zahl der Arbeitslosen in Großbritannien betrug am 23. November 2 615115, d. h. 33 314 weniger als Ende der vorhergehenden Woche.
ZollermiichtigWg
Durch Rotverordnung des Reichspräsidenten.
Berlin, 2. Dezember
Reichspräsident von Hindenburg hat auf Grund des Artikels 48, Abs. 2 der Reichsverfassung folgende Verordnung erlassen:
(I) . Die Reichsregierung wird bis zum Wiederzusam-' mentritt des Reichstages ermächtigt, im Falle eines dringenden wirtschaftlichen Bedürfnisses
1. die Eingangszölle abweichend von den geltenden Vorschriften zu ändern, '
2. die vorläufige Anwendung zweiseitiger Wirtschaftsabkommen mit ausländischen Staaten zu verordnen.
(II) . Verordnungen, die auf Grund des Absatz I, Nr. 1, ergehen, sind dem Reichsrat vorzulegen und auf sein Verlangen aufzuheben. Verordnungen, die auf Grund des Absatz I, Nr. 2 ergehen, sind dem Reichstag vorzulegen und auf sein Verlangen aufzuheben.
Regierung arbeitet mit Hochdruck
• Die Fachministerien arbeiten zurzeit mit Hochdruck, um die geplanten neuen Notverordnungsmaßnahmen möglichst noch bis zum Sonnabend fertigzustellen. Im Reichsfinanzministerium fand eine ausgedehnte Besprechung statt, deren Ergebnis in einer Chefbesprechung zur Beratung stand.
Obwohl die beteiligten Kreise peinlichstes Stillschweigen bewahren und nicht einmal die Frage beantworten, ob überhaupt eine Erhöhung der Umsatz st euer geplant sei, geht man dennoch nicht fehl in der Annahme, daß es sich nur noch um das Ausmaß der Erhöhung dieser Steuer handelt, wobei aber der Haushaltsausgleich.
Was die vielbesprochene erneute Kürzung der Gehälter sowohl der Beamten wie in der Privatwirtschaft angeht, so wird versichert, daß eine solche Maßnahme nur im Zuge der allgemeinen Preis- und Lohnpolitik in Frage kommen könne, deren Ziel die Senkung des allgemeinen Preisstandes überhaupt sei.
Vorstandssitzung der Deutschnationalen
Erweiterte Vollmacht für Hugenberg.
Berlin. Der Parteivorstand der Deutschnationalen Volks- partei hielt am Dienstag eine Sitzung ab, die der Vorbereitung der Parteivertretersitzung und der Beratung über die politische Lage galt. Der Landesverband Potsdam I hatte einen Antrag eingebracht, demzufolge dem Parteivorsitzenden die Vollmcht erteilt wird, soweit es im Interesse der Partei und ihrer Ziele erforderlich erscheint, Anordnungen zu treffen, die für alle Organe der Partei verbindlich sind. Die Beschlußfassung über diesen 'Antrag erfolgt in der heute statt- findenden Sitzung der Parteivertretung.
Die Vorstandssitzung sprach dem Parteiführer ihr volles K«xtr«uen aus.