hLrsfelöerTageblatt Reisfelder Kreisblatt Amtlicher Anzeiger für den Kreis Reisfeld
Nr. 302 Montag, den 28. Dezember 1931 8J. Jahrgang
Mzrlgenprrl«: Mt etnfpaLlge Pttttheile 15 Pfennig, die Reklamyellr 50 Pfennig. (Grvnöfchrlst Konus). Bei WIeöerhvlungm wird ein entsprechender prei«- Nachlaß gewährt. ♦ Zür die Schristlntung verantwortlich : Kranz Kunk in Reisfeld. ♦ Kernsprecher Nr.
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on die Welt
Wichtige Termine im ersten Vierteljahr
„Gerechtigkeit und Gleichberechtigung für alle.“
Berlin. 28. Dezember.
Reichskanzler Dr. Brüning übergab dem Chefredakteur des Transozean-Nachrichtenbüros eine Botschaft, in der es u. a. heißt:
Die Sturmflut der Krise hat die Völker der ganzen Welt erfaßt. Die Verwirrung,-in die Krieg und Nachkriegszeit sie gestürzt haben, hatten im zu Ende gehenden Jahr die wirtschaftliche, finanzielle und soziale Not überall sehr bedrohlich anwachsen lassen.
Allzuhoch ist schließlich der Preis geworden, den die Völker für den Irrglauben zahlen müssen, daß jeder für sich allein die Krise lösen könnte. Aber immer stärker setzt sich setzt die Erkenntnis durch, daß kein Land durch den Niedergang des andern gewinnen kann, und daß eine Rettung aus dem drohenden Zusammenbruch aller in der Ausrichtung einer Interessengemeinschaft zu erblicken ist An Stelle isolierter Betrachtung muß der Blick gerichtet werden aus das gemeinsame Weltproblen»
Dazu gehört der Wille zu internationaler Zusammenarbeit. die Bereitschaft zu weitschauender Friedens- und
Verständigungspolitik.
Groß ist die Verantwortung der Staatsführung, wenn historische Augenblicke nicht benutzt werden. Augenblicke, in denen Möglichkeiten gegeben sind, dem weiter rennenden Unheil halt zu gebieten und Europa und die Welt wieder der Gesundung und dem Frieden entgegenzuführen. Die Ueberwindung und Ausrottung des internationalen Wiß- oerstehens und Mißtrauens, Gerechtigkeit und Gleichberechtigung für alle sind Voraussetzung für die Erreichung dieses Ziels.
Deutschland ist seit Jahren diesen Weg gegangen. Es hat im Interesse dieses Ziels die schmerzlichsten Opfer aus sich genommen. Glaube, Liebe und Hoffnung, die Inbegriffe des weihnachtlichen Festes, müssen erst in die Herzen der Völker zurückfinden, wenn^mrs-die ErsülKurg. seiner Verheißung zuteil werden soll."
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Ansprache des Papstes.
Rom, 28. Dezember.
In einer Ansprache an das Kardinalskollegium streifte der Papst auch die Abrüstungsfrage, wobei er ausführte, sein Wort sei das der Engel in der Geburtsstunde Gottes vom wehrlosen König des Friedens, von der waffenlosen Allmacht Gottes, nicht nur vom Frieden der Herzen, sondern auch vom äußeren Frieden, „dessen Rüstzeug nicht aus Waffen bestehen könne, sondern aus Werkzeugen des Guten und des Wohlstandes". Heute gebe es nur die Solidarität gemeinsamer Leiden. Darüber hinaus sehe man den Wett- lauf der Isolierung und der gegenseitigen Ausschließung, das Wettrennen des Mißtrauens, wenn nicht gar der Ein» schüchterung.
Macdonald für baldige Konferenz.
Zusammentritt der Minister am 18. Januar im Haag?
London, 28. Dezember.
Der englische Ministerpräsident Macdonald erklärte in einer Unterredung, die er einem Journalisten in seiner schottischen Heimat Lossiemouth gewährte, der Bericht der Sachverständigen in Basel beweise die dringende Notwendigkeit, daß die Regierungen, ohne auch nur einen Tag zu verlieren, zu der internationalen Konferenz zusammenkommen müssen. Die englische Regierung sei bereit, sofort zu der Konferenz zu gehen. Wörtlich sagte Macdonald: „Um Himmels willen, laßt uns sofort zusammenkommen."
Aus Paris liegt eine Meldung vor, nach der die Re- gierungskonferenz über die Reparationen am 18. Januar im Haag beginnen und vor der Eröffnung der Abrüstungskonferenz, etwa am 2. Februar, beendet sein soll.
Amerika und Reparationen
New Park. Im Zusammenhang mit her Ankündigung des Staatsdepartements, von einer Teilnahme an der Repa- rationskonferenz abzusehen, interessiert folgende Ansicht offi- zieller Kreise: Die Regierung sei der Ansicht, daß Europa vor allem zwei Aufgaben lösen müsse; die Frage der Zahlungsfähigkeit Deutschlands und die Aufstellung eines Pro- gramms zur wirtschaftlichen Erholung Europas. Würde ein solches Stabilisierungsprogramm zustandekommen, so sei die Regierung geneigt, die Kriegsschuldenfrage in Er- wägung zu ziehen. Dabei werde sie jedoch die Zahlungsfähigkeit der einzelnen Länder individuell berücksichtigen. Keinesfalls beabsichtige die Regierung, irgendwie die Folgen einer Einstellung der Reparationszahlungen auf sich zu nehmen.
Großer Achtungserfolg des Kanzlers
London. Der Berliner Berichterstatter des „Observer" beschäftigt sich nochmals mit der Rundfunkrede des Reichskanzlers Dr. V r ü n i n g und kommt zu dem Schluß, daß die Aufrichtigkeit des Kanzlers, mit der er 1932 als das schwerst« Jahr von allen bezeichnete, auch auf die größten Zweifler
einen starken Eindruck gemacht habe. Dr. Brüning gehe mit sehr erhöhtem Prestige und mit dem Vertrauen der Nation ins neue Jahr.
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Die New Parker „Herold Tribune" bringt einen Rückblick ihres Berliner Berichterstatters auf die diesjährige Politik Dr. B r ü n i n g s, die sich bisher Hitlers Bestrebungen taktisch überlegen gezeigt habe. Sollten die Wahlen zum Preußischen Landtag zugunsten des Kabinetts Brüning ausfallen und Dr. Brüning imstande sein, sich ein weiteres Jahr mit konstitutionellen Mitteln am Ruder zu halten, so dürfte er zu den geschicktesten Staatsmännern aller Zeiten gerechnet werden.
Die Unfehlbarkeit des Papstes
Aufforderung an Protestanten und orientalische Kirchen.
Rom. Zum Abschluß der 1500-Jahrfeier des Konzils von Ephesus hat Papst Pius XI. eine Enzyklika erlassen, die mit den Worten „Lux Veritatis" beginnt. Das Hauptthema ist die oberste und unfehlbare Autorität des Papstes, der sich in den ersten Zeiten der Christenheit alle Kirchen und religiösen Gemeinschaften des Morgen- und Abendlandes unterworfen hätte. Bei der Entwicklung der drei Lehrsätze, mit denen auf dem Konzil von Ephesus die Irrlehre Nestorius' widerlegt worden sei, wird das Hauptgewicht auf den Lehrsatz gelegt, daß dem römischen Papst kraft göttlichen Rechts die oberste, höchste und unfehlbare Autorität in Sachen des Glaubens und der Sitten für die gesamten Kirchen zukomme.
Bei der Darlegung der beiben anderen Lehrsätze über die Vereinigung der göttlichen und menschlichen Natur in der göttlichen Person Christi und über Maria als wahre und wirkliche Mutter Gottes behandelt die Enzyklika auch die Einwendungen der Protestanten gegen die Marienverehrung und fordert die Protestanten zur Nachahmung des Beispiels der Katholiken auf, die Jungfrau Maria als Fürsprecherin beim göttlichen Erlöser anzurufen. An die orientalischn Kir- d>en richtet der Papst noch eine besondere Ermahnung zur Rückkehr zum g^„?«.z„«- ^i?<-,- Norton des römi- schen Papstes, den sie bereits im Konzil von Ephesus als veu - Hüter des Glaubens begrüßt hätten.
Zum Schluß verkündet der Papst die Einrichtung eines besonderen Offirtums und einer Messe der Mutterschaft Mariä in Erinnerung an die 1500-Jahrseier des Konzils von Ephesus.
Verstoß gegen den Weihnachtsfrieden
Altona. Am Sonntag nachmittag marschierten Mitglieder des Marinesturms der SA. Hamburg geschlossen durch den Ort Rahlsted. Einige Teilnehmer trugen politische Abzeichen. 27 Nationalsozialisten werden heute, Montag, dem Schnellrichter zugeführt. Ein Jugendlicher muß sich später vor dem Jugendrichter verantworten. Die Festgenommenen haben sich gegen die Notverordnung zum Schutze des Weih- nachtsfriedens vergangen.
Nationalsozialist am 2. Feiertag niedergeschossen.
Hamborn. In den Morgenstunden des zweiten Weihnachtsfeiertages belästigten zwei Angetrunkene einige Nationalsozialisten. Im Verlauf der Auseinandersetzung wurde der Nationalsozialist Kampin durch zwei Pistolenschüsse lebensgefährlich verletzt. Die Täter flüchteten, wurden aber von der Polizei verhaftet und ins Gefängnis gebracht.
Landgemeinden gegen Kreiszusammenlegungen
Berlin, 28. Dezember.
Der Verband der Preußischen Landgemeinden protestiert in einer Entschließung gegen die dem preußischen Innenminister durch die Notverordnung gegebene Ermächtigung zur Verminderung der Zahl der Landkreise. Diese Ermächtigung widerspreche der amtlichen Erklärung, nach der eine Kreiszusammenlegung auf dem Wege der Ausschaltung des Landtags nicht erfolgen soll. Die Landgemem- den verweisen ferner darauf, daß sämtliche kommunalen Spitzenverbände sich gegen die Kreiszusammenlegung im Wege der Notverordnung ausgesprochen haben.
Blutige Kämpfe in Chile.
Neuyork, 28. Dezember.
In einzelnen Teilen des südamerikanischen Staatsteils ist ein kommunistischer Aufruhr gegen die Regierung des Präsidenten Montero ausgebrochen. 3m Verlaufe der Kämpfe mit den Aufrührern wurden etwa 20 Personen getötet und viele verwunoet. In der Provinz Atuoama kam es zu zwei regelrechten Schlachten, bei denen die Regie- rungstruppen siegreich waren.
Eisenbahnunglück in Italien
Rom. Bei Rignano entgleiste am Sonntag ein Zug der Kleinbahn Rom-Nord, wobei zwei Wagen umstürzten. Drei Personen wurden getötet und etwa 20 verletzt.
Inkraftsetzung des Milchgesetzes.
Berlin, 28. Januar. Das Milchgesetz vom 30. Juli 1931 und die dazu gehörigen Verordnungen treten am 1. Januar in Kraft.
1. Januar 1932: Herabsetzung der Löhne und Gehälter in der privaten Wirtschaft um 10. o. H, im Höchstfälle um 15. o. H
1. Januar 1932: Kürzung der Beamtengehälter, der Gehälter und Löhne für Behördenangestellte und -arbeiter um 10 v. H.
1. Januar 1932: Senkung der Preise für Steinkohle, Braunkohle, Kali.
1. Januar 1932: ErmäßigungderMieten für Altwohnungen um 10 o. H. sowie der Neubaumieten nach Uebereinkommen mit dem Hausbesitzer entsprechend der Entlastung des Hausbesitzers durch Ermäßigung der Hypothekenzinfen.
1. Januar 1932: Senkung derZinfen für alle lang- friftigen Forderungen (öffentl. Schuldverschreibungen, Obligationen, Pfandbriefe, Hypotheken usw.), soweit sie über 6 o. H. liegen, auf 6 o. H.; soweit sie über 8 v. H. liegen, im Verhältnis von 8 :6; soweit sie über 12 v. H. liegen, im Verhältnis von 8 :4.
1. Januar 1932: Erhöhung der Umsatz st euer auf 2 o. H., ausgenommen Getreide, Schrot oder kleine aus Mehl hergestellte Backwaren.
1. Januar 1932: Außerkraftsetzung der Mine» ralwassersteuer. Beseitigung der Steuerverzugszuschläge und Ermäßigung der Steuerstundungs- zinsen auf 12 v. H. jährlich.
1. Januar 1932: Aenderung der Kranken- und Unfallversicherung insbesondere durch Inkrafttreten eines allgemeingültigen Aerztetarifs und Fortfall der kleinen Verletztenrenten; L e i st u n g s - befchränkungen auf dem Gebiete der Rentenversicherungen (Invaliden-, Angestelltenversicherung).
5. Januar 1932: Letzter Kündigungstermin für alle Mieter, die bis zum 31. März 1932 das bestehende Vertragsverhältnis wegen Unerschwinglich- keit der Miete lösen wollen. Kündigung muß spätestens am 5. Januar dem Hauswirt zugegangen fein.
15. Juli abgeschlossen ist, oder die bereits im Laufe des Jahres 1931 Mietsnachlässe von mindestens 20 vom Hundert erhalten haben oder Mieter, in deren Wohnungen der Hauswirt größere Bauarbeiten hat machen lassen. Voraussetzung des einmaligen Kün- digungsrechts ist, daß der Mieter eine ihm normaler« weise (vertraglich oder gesetzlich) seit dem 15. Juli 1931 gebotene Kündigungsmöglichkeit nicht ungenutzt gelassen hat.
10. März 1932: Vordatierung der bisher am 10. April 1932 fälligen Vorauszahlungen auf die Einkommen- und Körperschafts st euer. Sie sind nunmehr am 10. März zu entrichten.
31. März 1932: Der Hauseigentümer kann die Haus- z i n s st e u e r für die Zeit vom 1. April 1932 bis zum 31. März 1939 ablösen. Der Ablösungsbetrag belauft sich, wenn er bis zum 31. März 1932 entrichtet wird, auf das Dreifache des vollen Jahresbetrages der Steuer, später auf das Dreieinhalbfache.
74 Steuertermine
Der Mitteldeutschen Handelsrundschau entnehmen wir, daß ein Gewerbetreibender, der einige Arbeitnehmer beschäftigt und Eigentümer eines Grundstücks ist, folgende Zah- lungs und Vorauszahlungstermine einzuhalten hat:
24
12
12
4
4
4
4
4
2
2
2
ür Lohnsteuer
ür Umsatzsteuer
ür Mietzins-(Hauszins-)Steuer
ür Einkommensteuer (einschl. Zuschläge) ür Grundsteuer
ür Gewerbesteuer
ür Vermögenssteuer
ür Kirchensteuer
ür Krisensteuer
ür Aufbringungssteuer ür Bürgersteuer (künftig bis zu 6).
Zu diesen 74 Zahlungsterminen kommen noch die städtischen Abgaben. Alles in allem kommt also rund jeden 4. Tag ein Zahlungstermin in Frage. Da wundert man sich über unproduktive Belastungen der Wirtschaft!
Das Programm der Postgebührensenkung
Berlin, 28. Dezember.
Zeitungsmeldungen zufolge sieht das Programm für sie Senkung der Postgebühren u. a. vor, daß bet Paketen die Zustellungsgebühr von 20 Pfg. in allen Zonen auf 15 Pfg. herabgesetzt wird. Ferner können Empfänger die Pakete selbst abholen und damit die Zustellungsgebubr sparen. Im Fernsprechverkehr bleibe die Grund- gebühr unangetastet, während die Gesprächsgebühr von 0,10 auf 0,09 RM herabgesetzt werde. Im T e l e g r a m m o e r - kehr werde die Gebühr für ein Wort von 0,15 auf 0,12 RM herabgesetzt. Die D r u ck s a ch e n g e b ü h r, die für 20 Gramm bisher 0,04 RM betrug, werde auf 0,03 RM herabgesetzt. Bei den Wurfsendungen (bisher 2 Pfg ) trete eine gestaffelte Herabsetzung ein.