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Hersfel-erTageblatt

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Hersfel-er Kreisbla«

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfel-

Nr. 304 Mittwoch, den 30. Dezember 1931 81. Jahrgang

Gefährliche französische Pläne

Frankreich will durch eine Zusammenballung der internationalen Konferenzen eine Verzettelung der Kräfte herbeiführen

Bilanz 1931

Ein Krisenjahr allererster Ordnung liegt hinter uns, ein Jahr des endgültigen Zusammenbruchs einer Pumpwirt- schaft und eines mörderischen Systems von Leistungen ohne Gegenleistungen, Reparationen genannt, deren Methoden den Fluch einer diktatorisch erzwungenen Fehlleitung durch die Kanäle der Weltwirtschaft endlich seines lügenhaften Mäntelchens entkleidet hat. Die Erde erstickt im Fett einer Ueberproduktion, deren richtige Verteilung die Konsum­fähigkeit der gesamten Menschheit wesentlich überschreiten würde, allen aber jedenfalls ein menschenwürdiges Dasein gewährleisten müßte. Die verfeinerte Kultur der Nach- kriegsmethoden jedoch hat es aus Freude an dem Prinzip der Verneinung aller Wehrlofigkeit glücklich zu Wege ge­bracht, daß die Bürger gewisser Staaten, symbolisch gespro­chen, am Aequator in Pelzen spazierengehen, während die Bewohner wenigerbeoorzugter Länder gezwungen sind, am Nordpol Nacktkultur zu treiben.

Der Ablauf der 365 Tage dieses Schicksalsjahres hat eine Bilanz bloßgelegt, die alle Gesetze vonSoll" und Haben" in das Reich der Fabel verweisen würde, müßte nicht das fürchterliche Loch in der Aufrechnung ihre Rich­tigkeit fast allen Völkern der Welt die Widersinnigkeit un­serer Nachkriegspolitik und -wirtschaft dartun.

Ein einziges Volk nur auf dieser bezaubernden Erd­kugel, die mancher Staubgeborene heut gern vom Monde bewundern möchte, kann über die Bilanz von 1931 zufrieden die Hände reiben: Frankreich, dessen Stern den Zenith , seines Nachkriegsaufstiegs ungefähr erreicht haben dürfte. Denn neben feiner gewaltigen militärischen Ueberlegenheit **^»nJbnn Frankreich dazu nunmehr noch die nicht minder ;e- rltige Ueberlegenheit seines zielbewußt gehamsterten Gold- Hatzcs gr^rr: alle Welt auf die Waagschale werfen. Wi­es mit diesem Aktivum zu arbeiten gewillt ist, haben die letzten Monate höchst eindrucksvoll der zum Schmerze jedes guten Franzosen sonst noch vorhandenen Welt zu Gemüte geführt, neben Deutschland und Oesterreich vor allem dem einst so stolzen Albion und selbst dem inzwischen nicht min­der stolz gewordenen Land der einst so unbegrenzten Mög-

* lichkeiten. So ist Frankreich mehr denn je zum Beherrscher der Lage über Europas Grenzen hinaus deshalb geworden, weil es die eigenen Taschen vorsichtig zuhält, seine Waffen­brüder hingegen auf dem Umwege der Deutschland auf­gezwungenen Reparationen zu Gläubigern Deutschlands machte, um aus dessentreuen Händen" den Tribut der gol­denen Wirklichkeit in Empfang zu nehmen. Gleichzeitig ist auf dem Wege des zwangsläufigen Pumps unter der Schraube ohne Ende Deutschlands Widerstandskraft endlich zu Boden gerungen.

Andererseits hat die ständige Verneinung Frankreichs auch der vernünftigsten und notwendigsten Forderungen und Voraussetzungen für eine wirtschaftliche Erholung und Wie- dergesundung der Welt, einzig aus Gründen einer überstei­gerten Machtpolitik, nun auch in England und Italien, vor allem aber in den Vereinigten Staaten, sehr viel rascher die Einsicht zum Reifen gebracht, daß die Dinge so nicht mehr weitertreiben können, Deutschland durch die Intran- sigenz Frankreichs und seiner Trabanten, von denen Polen immer mehr in Angriffsfront erscheint, nicht zu Grunde gerichtet werden darf. Ganz besonders wächst auch die Ueberzeugung von der Unmöglichkeit der Deutschland auf­gezwungenen Ostgrenzen. Die Verständigung Deutschlands und Frankreichs bleibt freilich stets das wichtigste Ziel, und vielleicht wird, wenn erst Frankreich aleichfalls von der internationalen Seuche der Arbeitslosigkeit in bedenkliche­rem Umfange ergriffen sein wird, auch hier die Neigung nicht nur zur Verständigung sondern auch zu den hierfür erforderlichen Kompromissen sich eher einstellen.

alls von der

Auch das ist ein höchst wertvolles Aktivum für uns ge­worden, daß die heroischen Anstrengungen, zunächst auf dem Weg der Selbsthilfe das überhaupt menschenmögliche für die Gesundung unserer Wirtschaft und Finanzen zu leisten, in den Gläubigerländern einen ausgezeichneten Ein­druck hinterlassen haben. Die Notverordnungen haben mit dem umfassenden Wirtschafts- und Sparprogramm vom 8. Dezember ungefähr die letzten Möglichkeiten einer Selbst­hilfe erschöpft. Die endliche Bereinigung der Tributleistungs- fragen in logischer Anknüpfung an das Hoover-Moratorium ist im Fluß, ebenso die Angelegenheit der kurzfristigen Kre­dite, die uns im Juli an den Rand der Zahlungsunfähigkeit brächte. Der Bericht des Baseler Sonderausschusses fußt aus der deutschen Darstellung über die furchtbare Sozial-, Wirt- schafts- und Finanzlage Deutschlands und kommt trotz des deutlich verspürbaren französischen Einflusses zu der ein­mütigen Feststellung, daß Deutschland tatsächlich zahlungs­unfähig ist und daß die Zerrüttung seiner Finanzen und Wirtschaft mit den Reparationen im Zusammenhang steht. Hoffen wir, daß dieser Erkenntnis nun auch bald die einzig mögliche Nutzanwendung folgt.

Inzwischen reckt sich vor uns in Stahlhelm und Hand­granaten das übelbeleumdete Gespenst der bevorste­henden Abrüstungskonferenz. Würde der kürzlich vor der französischen Kammer auch von Herrn Laval so lei­denschaftlich betonteRespekt vor dem gegebenen Wort und Fvr den unterschriebenen Abkommen" hier ausnahmsweM

einmal von Frankreich bekundet, wir könnten der Konferenz ein ausgezeichnetes Horoskop stellen. Leider haben uns die sehr klaren Ausführungen des französischen Abrüstungs- memorandums der Herren Maginot, Fabry und anderer Aufrüstungsspezialisten darüber aufgeklärt, daß derartige Respektbezeugungen ausnahmslos für Deutschland reserviert bleiben. Mögen wir bei so krisenhaften Eröffnungssymp- tomen eines für uns sicherlich nicht minder schicksalsbedeu- tenden Jahres, wenn wir es in der Silvesternacht unter Glockengeläut zu Grabe tragen, nicht darüber zu klagen haben, daß es uns mit 366 Tagen eine Zusatzleistung an Sorgen aufbürdete.

Frankreichs Intrigenspiel beginnt

Es sucht, England für eine Reparation7front zu gewinnen.

London, 30. Dezember.

Times" meldet: Der französische Botschafter de Fleu- riau sprach im Foreign Office vor und wurde vom Skaats- ------- - - " - die

sekrekär des Aeußeren empfangen. Es verlautet, da!, französische Regierung dringend wünscht, mit möglichst ge­ringer Verzögerung zu einer Vereinbarung über die Ein­berufung der internationalen Reparationskonferenz zu kommen.

Wahrscheinlich wird dasselbe Verfahren wie bei der Haager Konferenz angewandt werden. Damals waren die Einladungen von den hauptsächlichen Gläubigermächten Die französische

Deutschlands gemeinschaftlich ausgegangen. Die französische Regierung ist der Meinung, daß die Konferenz frühestens am 20. Januar zusammentreten kann, weil die Deputierten­kammer sich am 12. Januar versammelt und weil die Re­gierung wünscht, eine Woche dem Parlament zur Verfü­gung zu stehen, bevor ihre wichtigsten Mitglieder Paris verlassen. Hiermit^LLM^as Datum der Eröffnung der Reparalionskonferenz dem des Beginns der Genfer Völ­kerbundsrattztagung, d. h. dem 25. Januar, sehr nahe gerückt sein, und eine Woche später würde in Genf die Abrüstungs­konferenz beginnen. Es ist daher angeregt worden, daß Lausanne als unweit von Genf gelegener Ort eher geeig­net für die Reparationskonferenz wäre als der Haag.

Die Absicht Frankreichs tritt bereits ziemlich klar zu Tage: durch möglichste Hinauszögerung des Termins für die Reparalionskonferenz will es die Zusammenballung der verschiedenen internationalen Konferenzen erreichen und da­mit eine Verzettelung der Regierungskräfte auf die einzel­nen Kongreßorte. Der Erfolg müßte eine Ueberstürzung der Beratungen und damit die Verweisung der Einzelfragen an Sonderausschüsse, also die Verzögerung der Entscheidungen sein. Das gilt sowohl für die Reparations- wie für die Ab­rüstungskonferenz.

Dabei ist nicht ohne Bedeutung, daß die sowohl London wie von Paris dementierte Einladung MacDor

von

inladung MacDonalds zu einer Aussprache mit Laval jetzt zugegeben wird. Das Schreiben wurde vor Weihnachten an Laval gerichtet in Form einer persönlichen Mitteilung, in der MacDonald

Laval zur Mitarbeit einlud, um eine Vereinbarung über die Reparationsfrage zu erzielen. Die Mitteilung des Pre­mierministers enthielt zwar keine ausdrückliche Einladung zu einem Besuch in London, aber es ist keineswegs ausge­schlossen, daß MacDonald und Laval nach Beendigung der vorbereitenden Besprechungen der französischen und bri­tischen Sachverständigen und vor Eröffnung der internatio­nalen Reparationskonferenz eine Zusammenkunft haben werden.

Die Pariser Blätter sind einmütig der Auffassung, daß die angekündigte Zusammenkunft MacDonalds und Lavals trotz des Dementis des Quai d'Orfay bereits in der ersten Woche des kommenden Monats stattfinden könne.

Keine amerikanische Teilnahme

Schahamtssekrelär Mills erklärte in Washington, die Vereinigten Staaten seien nicht einmal inoffiziell zu der be­vorstehenden Reparationskonferenz eingeladen worden und sie würden, auch wenn sie eingeladen werden sollten, sich nicht an ihr beteiligen.

Laval aal der Revaratiavslonlerenz

Paris, 30. Dezember. Nach dem Journal des Debüts wird wahrscheinlich Ministerpräsident Laval die Führung der französischen Delegation auf der Reparationskonferenz übernehmen. Wegen der parlamentarischen Arbeiten werde er allerdings nicht während der ganzen Konferenz sondern nur 48 Stunden am Konferenzorte bleiben, um d,e franzö­sische These zu entwickeln.

Schisissirandung14 Bermitzte

Helsingfors, 30. Dezember. 3m Schneegestöber strandete vor Helsingfors der finnische DampferOrion", der mit Ballast von Rouen kam. Zehn Mann der Besatzung und eine Frau konnten sich an Land retten. Die übrigen neun Mitglieder der Besatzung, darunter der Kapitän und zwei Steuermänner, wurden von einem mit fünf Mann besetzten Rettungsboot ausgenommen, welches seitdem vermißt wird.

Die drohende Selahr

Der Europa-Berichl eines amerikanischen Bankiers.

Rew Park, 30. Dezember.

Mr. F. Siallforth, der in den letzten Jahren für das New Parker Emissionshaus Harris Forbes u. Co. zahl­reiche Ausländsanleihen für die deutsche Wirtschaft abge­schlossen hat, übergab nach seiner Rückkehr von einer län­geren Studienreise durch Europa den amerikanischen Ban­kiers einen eingehenden Bericht über die deutsche Wirt- schaftslage nach dem Stillhalteabkommen, in dem er die un­mittelbare Gefahr eines drohenden finanziellen Zufammen- bruches darlegte.

Nach Stallforths Ansicht ist es unter den derzeitigen Umständen gänzlich hoffnungslos, irgendwelche nennens­werten Zahlungen für Tributzwecke oder für die Tilgung der kurzfristigen Schulden zu erwarten, da der Ausfuhr­überschuß knapp zur Erfüllung des Zinsendienstes für die deutschen Ausländsanleihen ausreiche, dessen Aufrechterhal­tung zur Vermeidung eines allgemeinen Moratoriums not­wendig sei. Um die Schwierigkeiten zu überwinden, müß­ten alle Zahlungen in Reichsmark geleistet und bei der Reichsbank eingezahlt werden.

Deutschland habe seine Zahlungen erst eingestellt, als es vom Bankrott bedroht wurde, und jedes andere Land würde genau so gehandelt haben. 3m eigenen Interesse der Gläubiger sollte eine Verlängerung des Schuldenfeierjahres von allen Beteiligten angenommen werden. Internationale Zusammenarbeit werde von allen Völkern immer als der ideale Weg zur Ueberwindung der Krise gepriesen, jedoch sei eine solche Zusammenarbeit noch nie in nennenswertem Ausmaße verwirklicht worden. Die Entwicklung sei schon so weit fortgeschritten, daß keine Zeit mehr verloren wer- den Uiej^, -fein gemeinhin»-» und schnelles Vorgehen sei, erforderlich.

Kleine Entente gegen Deutschland

Frankreichs Diplomatie am werk.

London, 30. Dezember.

In Ergänzung seiner früheren Mitteilungen über die französischen Bemühungen, die Spitze der kleinen Entente, die ursprünglich gegen Ungarn gerichtet war, nunmehr ge­gen Deutschland zu wenden, meldet der diplomatische Kor­respondent desDaily Telegraph", daß Paris nicht nur die Annäherung Polens an die kleine Entente, sondern auch die volitische Reukralisierung Oesterreichs und Ungarns an- strebe. Beide sollten durch wirtschaftliche Abkommen an die Kleine Entente gebunden werden, um so den großen Block von 85 Millionen Menschen gegen Deutschland zu vervoll­ständigen.

Deshalb bemühe sich Paris, die bisherigen Gegensätze zwischen der Tschechoslowakei und Ungarn fortzuräumen. Ungarn und Oesterreich sollten durch Anleihen und Kredite von Frankreich abhängig gemacht werden, so daß sie sich dem französischen Wunsche fügten. Der Korrespondent meint, daß die Tschechoslowakei, die ein Verbündeter Frankreichs sei, sich nicht allzu bereitwillig mit dieser Politik abfinden werde, die ihre guten Geschäftsbeziehungen zu Deutschland erheblich stören könne.

Neue Einfuhrverbote in Polen

Wie das WirtschaftsblattGazeta Handlowa" meldet, beabsichtigt die polnische Regierung, in den nächsten Tagen die Liste ihrer Einfuhrverbote bedeutend zu erweitern. Da­durch solle die Möglichkeit zur Kontingentierung der Ein­fuhr der betreffenden Waren geschaffen werden. Außerdem würde eine handelspolitische Differenzierung zwischen der Einfuhr auf dem Landwege und dem Seewege über Gdin- gen vorgesehen werden, wobei die über ©hingen hereinkom­menden Waren Bevorzugungen erhalten sollen.

Niederträchtige Polenschilaue

Königshülke, 30. Dezember.

Vor der Königshütter Schlichtungskammer unter dem Vorsitz des Arbeitsinspektors Franke, der der deutschen Sprache mächtig ist, sollten die Einsprüche gegen die Kündigung von Angestellten der Friedenshütte zur Ver­handlung kommen.

Die Einsprüche konnten ihre Erledigung nicht finden, da der Arbeilsinspeklor diejenigen Angestellten, die der pol­nischen Sprache nicht mächtig sind und daher ihre Angele­genheit in deutscher Sprache vertreten wollten, nicht zu Worte kommen ließ, obgleich es sich um sehr dringende Fälle handelte.

Da durch diese Maßnahme die Hinzuziehung eines Dol- metschers notwendig wurde, mußte die Sitzung abgebrochen und die Verhandlung über die Einsprüche der deutschsprechen, den Angestellten vertagt werden. So wirkt sich die pol­nische Zusage vor dem Völkerbundsrat aus, alle Maßnah­men zu treffen, um eine Beruhigung der Bevölkerung her» beizuführen,